syntropische Landwirtschaft

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Was bedeutet “Syntropie”?

Das wird im ersten Absatz des oben verlinkten Wikifarmer-Artikels kurz erklärt. Wer aber etwas Zeit hat und sich für Naturwissenschaften interessiert, kann gerne weiter auf dieser Seite hier lesen:-)

Der Begriff “syntropisch” hat nichts mit “tropisch” im Sinne der geographischen Tropen zu tun. (Natürlich wird syntropische Landwirtschaft auch in den Tropen praktiziert; zB in Brasilien vom Begründer des Konzepts.)

Syntropie meint das Gegenteil von Entropie und wird daher auch negative Entropie oder kurz Negentropie genannt.

Entropie ist ein Maß für die Nähe eines physkalischen Systems zum thermodynamischen Gleichgewicht, in welchem das System seinen Zustand nicht mehr spontan (aus sich heraus) verändern kann. In geschlossenen physkalischen Systemen kann die Entropie nicht abnehmen (2. Hauptsatz der Thermodynamik), d.h. ein solches System entwickelt sich immer in Richtung des thermodynamischen Gleichgewichts. Dieser homogene (End-)Zustand wird auch “Wärmetod” genannt, da es keine (makroskopische) Veränderung mehr gibt.

Daher müssen lebende Systeme offene Systeme sein, um Zustände fern vom thermodynamischen Gleichgewicht aufrecht erhalten zu können. Dazu importieren Lebewesen Energie aus ihrer Umgebung (zB Sonnenlicht, Nahrung) und exportieren Entropie (zB durch Wärmeabgabe, Ausscheidungen).

Entropie kann auch als Maß für Unordnung interpretiert werden. So formuliert erhalten Lebewesen ihre Ordnung gegen die Tendenz (des 2. Hauptsatzes) zur Unordnung aufrecht. Dabei ist “Ordnung” kein statischer Begriff, sondern ein Aspekt dynamischer Systeme, die sich - immer auf der Basis von Energieimport und Entropieexport - erhalten und entfalten. Im Laufe der Evolution haben sich solche Systeme und ihre Ordnungen immer weiter komplexiert:

Diese prinzipielle negentropische (= syntropische) Tendenz lebender Systeme und ihrer Komplexe, sich gegen das Abgleiten ins thermodynamische Gleichgewicht zu organisieren, will die syntropische Landwirtschaft nutzen und fördern:

  • energetisch durch die optimale Ausnutzung der Primärenergie Sonnenlicht,
  • stofflich durch die Produktion von Biomasse für den lokalen Stoffkreislauf (organische Moleküle = Ordnung),
  • strukturell durch Diversivizierung der Milieus incl. der biologischen Vielfalt.

Das große Labor (die Natur) ist schon seit Längerem (Jahrmilliarden) mit der Optimierung solcher Prozesse befasst, sodass sich diese auf alle ihr erreichbaren Dimensionen erstrecken dürfte. Während Waldgärten explizit die dritte (vertikale) Raumdimension erschließen, optimiert die syntropische Landwirtschaft darüber hinaus auch in der Dimension Zeit. Dazu bezieht sie die natürliche Sukzession als Vorbild in die langfristige Planung für landwirtschaftliche Flächen ein. Syntropische Landwirtschaft kann dadurch auch als Renaturierung (zB von ehem. Regenwald) und als Agroforstwirtschaft verstanden werden.


  1. Als Darstellung solcher (natur)wissenschaftlicher Zusammenhänge und ihrer Gesamtschau aus evolutionärer Perspektive ist immer noch empfehlenswert: Die Selbstorganisation des Universums von Erich Jantsch. (Zumindest die englische Übersetzung gibt es bei LibGen.) ↩︎