Ansprachen der EZLN-Kommandantur zum 9. Jahrestag des zapatistischen Aufstandes



1. Januar 2003

Comandante Brus Li

Durch meine Stimme spricht die Stimme der EZLN. Brüder und Schwestern, ich werde einige Worte and die indigenen Völker Mexikos richten. Wir Zapatistas haben im Jahr 1994 die Waffen erhoben, für eine gerechte und würdige Sache, weil wir erkannt haben, dass wir mehr als 500 Jahre lang in Ausbeutung und Elend gelebt haben.

Wir Zapatistas erklären, dass unser Kampf nicht nur für uns Indigenas ist. Er ist für alle Indigenas und Nicht-Indigenas. Und ich richte unsere Worte insbesondere an unsere indigenen Völker. Wir rufen alle auf, sich wahrhaft zu organisieren, so dass sie dies nicht nur durch Worte, sondern auch wirklich durch Handeln zeigen.

Es ist nun an der Zeit, dass wir uns alle organisieren und unsere autonomen Bezirke bilden. Wir müssen nicht auf die Erlaubnis der schlechten Regierung warten. Wir müssen uns als wahre Rebellen organisieren und nicht darauf warten, dass uns jemand die Erlaubnis gibt autonom zu sein, mit oder ohne Gesetz. Auf diese Weise müssen unsere Autoritäten in Rebellion funktionieren und so werden wir uns selbst regieren können. Nur so kann die Demokratie innerhalb eines Bezirkes wirklich funktionieren.

Aber wir erklären auch, dass wir nicht nur Widerstand leisten dürfen, nicht nur Almosen annehmen dürfen, sondern, dass wir all dem Spott und den Verfolgungen widerstehen müssen, die von dem Feind kommen, den wir konfrontieren, die schlechten Regierungen, die Hunderte von Jahre lang manipuliert haben, anstatt zu regieren. Heute spielt das für uns keine Rolle. Wir sind nun eine rebellische Organisation und wir wissen, wie wir uns selbst regieren können, ohne, dass man uns das beibringen müsste. Warten wir nicht darauf, dass sich die Situation seitens der Mächtigen und ihrer politischen Parteien ändert, die nur auf das Kommende achten, oder die großen Konsequenzen für ganz Mexiko, wie die NAFTA. Aus ihrer Sicht soll die Landwirtschaft nur den Reichen zugute kommen.

Sie wollen uns täuschen. Das sind alles Lügen, denn in Wahrheit wollen sie uns zerstören und auslöschen, aber das werden sie nicht. Wir werden es nicht zulassen. Wir werden uns um jeden Preis verteidigen, damit das Land jenen gehört, die es bearbeiten, und deshalb sind wir im Recht. Denn wir haben das Recht zu leben, und unsere Kinder, und die Kinder unserer Kinder, denn für uns ist unser Land unsere Mutter, weil wir unsere Mutter niemals verkaufen werden, noch irgendeinem Bastard erlauben werden, sie uns wegzunehmen. Wir werden sterben, bevor wir das zulassen. Lasst uns nicht in die Fallen geraten, die als Wahrheit getarnt und sorgfältig geladen sind, um nicht entdeckt zu werden. Denn diese dummen, armen Menschen und die Zapatistas können nicht getäuscht, und schon gar nicht erobert werden.

Es lebe die EZLN! Es leben die indigenen Völker! Es leben die Campesinos!

Aus den Bergen des mexikanischen Südostens, CCRI-CG EZLN Mexiko.

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Comandanta Fidelia

Guten Abend Schwestern. Durch meine Stimme spricht die Stimme der EZLN. Schwestern von den Feldern und aus der Stadt. Ich werde die bescheidenen Worte an euch richten, die ihr hört. Wir Frauen mussten viele Jahre unter der Diskriminierung, der Ausbeutung und dem Vergessen der schlechten Regierungen leiden. Das gleiche passiert uns auch in unseren Häusern, aber dort führen wir auch den Haushalt und wir wissen, wie wir leben. Wir haben keine Ausbildung, wir haben keine Nahrung. Schwestern, wir stehen um drei Uhr morgens auf, um das Essen für unsere Kinder herzurichten, und wenn wir damit fertig sind, müssen wir auf den Feldern arbeiten gehen, um unseren Ehemännern zu helfen. Wir müssen Mais pflanzen, wir müssen die Sichel und die Machete tragen. Wenn er reif ist, müssen wir den Mais ernten und alles, was die Felder hergeben, einschließlich Kaffee.

Schwestern, wegen der vielen Ausbeutung und Ungerechtigkeiten, wandern viele Schwestern in die Stadt, aber auch sie werden ausgebeutet. Sie werden nur als Kinderfrauen, als Wäscherinnen und Putzfrauen gebraucht, und sollen auf der Strasse und dem Markt verkaufen. Sie werden gebraucht, um ab drei Uhr morgens Tortillas zu machen, und dürfen nicht vor 20 Uhr abends gehen. Dann sagen sie, "hier sind 10 Pesos, denn es gibt kein Geld". "Die Situation ist schwierig", sagen sie. Die Frauen ziehen auch in die großen Städte, als Buchhalterinnen, Sekretärinnen, sie gehen in den Banken der Reichen arbeiten, in den Krankenhäusern, den Versicherungsgesellschaften, den großen Fabriken, und auch hier werden sie ausgebeutet und diskriminiert und manchmal sogar vergewaltigt.

Schwestern, lassen wir das nicht länger zu. Seht, heute wird der Herr der Stiefel, Señor Vicente Fox, und sein Eidechsenkabinett den Mindestlohn erhöhen. Was werden wir mit diesem Bisschen anfangen, die 30 Pesos, die unsere Ehemänner verdienen? Mit diesem Bisschen, dieser Erhöhung des Mindestlohns, werden sie versuchen, die Frauen der Felder und der Städte zu betrügen. Die eine mit zehn Hühnern, eine mit einem Schwein, eine mit zwei Blechfolien. Damit haben sie die Gelegenheit, jene, die nicht aufwachen wollten, ihr ganzes Leben lang zu täuschen.

Schwestern, ich möchte alle Frauen aufrufen sich zu organisieren, damit wir gemeinsam unsere Rechte verteidigen und auch Gleichberechtigung haben können. Schwestern, erlauben wir der Regierung und dem Präsidenten nicht länger, uns zu betrügen, denn dies bringt vieles über uns als Frauen.

Aus den Bergen des mexikanischen Südostens. Die EZLN. Vielen Dank.

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Comandante Omar

Durch meine Stimme, spricht die Stimme der EZLN. Brüder und Schwestern, ich werde ein paar Worte an die Jugendlichen Mexikos und der ganzen Welt richten. Wieder einmal kommen wir um zu sagen, dass wir am Leben sind und weitermachen. Wir haben nicht aufgegeben und wir haben uns nicht verkauft. Ganz im Gegenteil, wir sind stärker und entschlossener. Wir sind auf der Plaza von San Cristóbal gekommen, um euch die Wahrheit darüber zu sagen, was in unserem Land und auf der ganzen Welt passiert. Wir sind auch gekommen um zu zeigen, dass wir nicht gespalten sind, und nicht untereinander zerstritten sind. Wieso sollten wir untereinander kämpfen, wenn es noch jemand anderes gibt gegen den wir kämpfen müssen. Ihr alle kennt die Lügen jener, die als Lügner bekannt sind.

Jugendliche der Welt und von Mexiko, Studenten, arbeitlose Jugendliche, junge Künstler und Athleten, Punkrocker, junge Maler, Gang-Jugendliche, junge Arbeiter, Jugendliche aus verschiedene sozialen Sektoren, Jugendliche aus verschiedenen Länder der Welt, die mit uns gemeinsam gekämpft haben, uns respektiert haben und hart gearbeitet haben, wir bitten euch weiterzukämpfen, wo immer ihr auch seid, und nicht aufzuhören, denn wir Zapatistas werden euch nicht vergessen, denn sie werden uns niemals besiegen.

Auch wenn sie uns töten werden andere geboren. Lasst euch nicht belügen. Wir sind hier mit einem kleinen Teil der Unterstützungsbasen unserer Dörfer in Widerstand, um die Lügen zu zeigen und aufzudecken, die Mexiko und der ganzen Welt erzählt worden sind. Jugendliche, lasst euch nicht länger betrügen. Sie haben euch schon zu viele Jahren angelogen. Was könnt ihr euch von den politischen Parteien erhoffen, wenn sie eure Stimmen nur ausnutzen und euch später verfolgen, euch ausrauben oder eure Familien bedrohen? Und nur, weil ihr so tanzt oder singt wie ihr wollt, oder weil ihr euer Haar so schneidet und euch so anzieht, wie ihr wollt, nur deshalb, verdächtigen sie euch, oder beschuldigen sie euch Terroristen oder Verbrecher zu sein. Sie respektieren weder eure Bräuche noch eure Kultur.

Lasst euch von diesen Vampiren nicht an der Nase herumführen, die nur das Blut der Arbeiter aussagen und nichts übriglassen. Kämpfen wir, um diese Parasiten in Mexiko und auf der ganzen Welt aufzuhalten, denn wir sind die Mehrheit. Dann könnt ihr den Weg unserer Zukunft auf diese Welt auswählen, in der wir alle einen Platz haben werden. Lasst uns sprechen und unsere Stimmen vereinen, um zu sagen was wir wollen und was wir nicht wollen, damit unsere Rechte lernen. Auch wenn die schlechte Regierung dem Kampf Hindernisse in den Weg stellt wird die EZLN weitermachen.

Bei jedem politischen Kampf, der den Menschen und der Gesellschaft unseres Landes und der ganzen Welt dient, sind wir mit euch und unterstützen euch. Es lohnt sich, unser Leben im Kampf auf's Spiel zu setzen, auch wenn sie uns töten, wenn wir, bevor wir aufhören zu existieren, unseren Kindern einen Pfad hinterlassen, auf dem sie ein besseres Leben suchen können, damit wir alle eine Zukunft haben, und all den unerfüllten Versprechen und dem Raub des nationalen Naturreichtums ein Ende setzen können.

Was könnt ihr von den Parteien erwarten, wenn sie nur ihr Land ausverkaufen, und die Parasiten der Welt von Land zu Land ziehen, um etwas zu suchen, was sie stehlen können. Deshalb Jugendliche Mexikos und der Welt, hören wir nicht auf zu kämpfen, um den Regierungen der Welt zu trotzen, denn dies ist unsere Hoffnung, dass wir alle zusammen diese neoliberalen Regierungen ändern können. Unser Leben ist ihnen egal. Wir werden uns nicht mit dem Verrat der Politiker am indigenen Kampf abfinden. Der Kampf geht weiter, und wir werden uns nicht ergeben. Und genauso wenig werden wir ihre Erlaubnis einholen, für das, was die Zapatistas tun oder nicht tun müssen. Wir haben uns in Waffen erhoben für Gerechtigkeit, Demokratie und Freiheit. Solange diese nicht erreicht sind, wird es keinen Frieden geben. Deshalb stehen wir hier, direkt unter ihre Nase, und dabei sollen wir gar nicht mehr existieren. Wir sind trotzdem bereit, um jeden Preis zu kämpfen.

Ihr wisst, dass wir immer die Wahrheit gesagt haben. An die Jugendlichen der Erde, die Hoffnung haben und dem zapatistischen Kampf vertrauen, mit seiner Erfahrung im Widerstand und in der Hoffnung. All dies gibt es in den Gemeinden, weil es uns seit mehr als 500 Jahre gibt, und die EZLN ihr Wort zu halten weiß. Wir haben gelernt, die Wahrheit zu sagen, weil wir so gelernt haben zu kämpfen, nicht zu betrügen und zu lügen, sondern nur die Wahrheit zu sagen. Das ist keine Lüge. Ihr wisst und seht, dass der Kampf weitergeht, und ich rufe euch insbesondere auf, euch den Kämpfen anzuschließen, und einen Raum zu schaffen, in dem wir alle unsere Kulturen, unsere freie Selbstbestimmung ausüben können, um so unsere Autonomie dorthin zu führen, wo wir sein wollen, und euren Kampf rebellisch und in Würde zu führen. Der revolutionäre Gruß der EZLN gilt euch.

Mexiko 1. Januar, 2003

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Comandante Mister

Brüder und Schwestern, durch meine Stimme spricht die Stimme der EZLN. Ich werde einige Worte an alle Völker der Welt richten, die für ihre Freiheit kämpfen, an alle Menschen die für Gerechtigkeit, Freiheit und Demokratie für die ganze Welt kämpfen. Wir sind die zapatistischen Rebellen. Wir kämpfen gemeinsam mit euch, und euer Kampf ist auch unser Kampf. Deshalb sagen wir, dass wir in Mexiko und auf der ganzen Welt immer weiterkämpfen werden, bis wir einen würdigen Ort im Leben der Menschheit erlangt haben. Diese schlechte Regierung glaubt, dass wir indigene Völker nicht international denken. Aber wir indigene Völker denken international, und wir indigene Völker haben das Recht, uns Meinungen zu bilden und zu entscheiden, wie wir handeln wollen.

Diese rassistische Regierung denkt auch, dass wir Indigenas die Welt nicht kennen. Wisst, dass wir eure Todespläne gegen die Menschen verstehen und kennen, und dass wir auch den Kampf der Völker verstehen, die für ihre Freiheit kämpfen. Wir kennen die Welt, und wir kennen sogar Japan. Denn wir haben all die Männer und Frauen aus all den Ländern kennengelernt, die in unsere Gemeinden gekommen sind, und mit uns über ihre Kämpfe gesprochen haben, über ihre Welten und über alles was sie tun. Durch ihre Worte sind wir in ihre Welten gereist und wir haben mehr Länder gesehen und kennen gelernt als irgendein Intellektueller. Wir kennen die Spanier, wir kennen die Basken, wir kennen die Italiener, die Franzosen, die Katalonier, die Amerikaner, die Argentinier, die Österreicher, die Chilenen, die Nicaraguaner, die Guatemalteken, die Koreaner, die Japaner, die Peruaner, die Kanadier, die Norweger, die Menschen aus Belgien, aus der Schweiz, aus Deutschland, aus Griechenland, aus England, aus Australien, aus Afrika, und viele andere, die mir jetzt nicht einfallen.

Deshalb sagen wir den Mächtigen der Welt, wenn sie sich vereinen, um den Tod zu globalisieren, werden auch wir uns für die Freiheit globalisieren.

Wir sagen unseren Brüdern aus dem Baskenland, glaubt nicht was die schlechten Regierungen sagt. Wir sagen ihnen, wenn Subcomandante Insurgente Marcos sagt, dass er den politischen Kampf der Basken unterstützt, sagt er damit, dass wir alle zapatistischen Männer, Kinder, Alte und Frauen, sie in ihrem Kampf unterstützen, denn ihre Forderung ist Gerechtigkeit, Freiheit und Demokratie. Wir schämen uns nicht, den gerechten Kampf eines Volkes zu unterstützen, dass kämpft wie die Basken. Noch weniger fürchten wir uns, über den Kampf zu sprechen, denn wenn es etwas gibt, das wir Zapatistas nicht haben, dann ist es Furcht. Weil wir würdig sind, verdienen wir einen würdigen Platz in dieser Welt.

Es spielt für uns keine Rolle, aus welcher Richtung die Drohungen kommen. Es ist unsere Pflicht, die Wahrheit zu sprechen, und es macht uns keine Angst, über die politischen und sozialen Kämpfe auf der Welt zu sprechen, genau so wie wir über der Kampf des rebellischen Volkes von Argentinien sprechen. Und hiermit senden wir ihnen einen Gruß von uns Zapatisten. Auch an die italienischen Disobbedienti und alle zapatistischen Brüder und Schwestern in Europa und auf der ganzen Welt.

Wir erheben unsere indigene Stimme auch, um Respekt vor der Souveränität Venezuelas zu fordern. Und dass die Venezuelaner entscheiden, was sie wollen, ohne die Einmischung anderer Länder. In Mexiko entbieten wir einen besonderen Gruß an unsere Brüder und Schwestern aus dem autonomen Bezirk von Atenco. Auch an die Compañeros und Compañeras von der FZLN, und an alle rebellischen Lehrer und an alle Campesinos, unsere Brüder im Kampf um Land, und an die Arbeiter und Angestellten.

Wir möchten allen Brüdern und Schwestern auf der ganzen Welt auch sagen, dass wir niemanden um Erlaubnis bitten müssen, denn um Gutes zu tun, braucht man niemandes Erlaubnis, um die Wahrheit zu sagen. Deshalb, rebellische Brüder und Schwestern auf der ganzen Welt, unterstützen wir den Kampf des Volkes und kämpfen für einen würdigen Ort. Wir kämpfen für Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit für alle Völker und Nationen auf der Welt. Denn das menschliche Leben ist heilig, und als solche verdienen wir überall auf der Welt ein gerechteres, würdigeres und menschlicheres Leben Der Widerstand hat auf der ganzen Welt gezeigt, dass wir fähig sind zu überleben, indem wir uns so organisieren, wie wir es für richtig halten, und wir haben niemals irgendjemanden um Erlaubnis für das, was wir tun müssen, gebeten, und noch viel weniger für das was wir sagen werden.

Brüder und Schwestern, die auf der ganzen Welt kämpfen, die Beleidigungen der schlechten Regierungen auf der Welt sind nicht wenige gewesen. Sie sagen, sie würden für Menschenrechte kämpfen, aber das ist nicht wahr, denn diese schlechten Regierungen kämpfen für Tod und Verschwinden, für Hunger und Elend, mit den Krankheiten, die sie selbst erschaffen haben. Auf diese Weise wollen sie uns töten, und so wollen sie uns aus dem Leben der Menschheit verschwinden lassen. Diesen schlechten Regierungen und ihren Nachfolgern sagen wir, dass sie uns niemals unterkriegen können. Weder durch Hunger oder Krankheit, noch viel weniger mit ihren Projekten und Abkommen.

Rebellion hat es gegeben seitdem es Menschen gibt. Als Zapatistas ist es unsere Pflicht für die Menschlichkeit zu kämpfen, und gegen die Pläne und Abkommen des globalen Neoliberalismus, die keine Grenzen kennen oder respektieren. So muss unser Kampf für Gerechtigkeit und Freiheit sein.

Deshalb werden wir für unsere wahren Menschenrechte gegen das Vergessen kämpfen. Wir werden für unsere Existenz gegen die Auslöschung kämpfen. Auf diese Weise werden wir mit dem wahren Wort weitersprechen. Wir werden so weitermachen, bis wir uns alle gemeinsam einen Platz für alle im Leben der Menschheit errungen haben. Deshalb, Brüder und Schwestern auf der ganzen Welt, bitten wir euch euren Kampf fortzuführen, und so lange wie nötig weiterzukämpfen. Denn wir Zapatistas werden all die politischen und sozialen Kämpfer der ganzen Welt niemals verlassen, und wir werden niemandes Erlaubnis einholen, um auf der Welt zu kämpfen, und noch weniger akzeptieren, dass die Regierung uns sagt, was wir tun oder sagen sollten. Wir werden alle sozialen und politischen Kämpfer der Welt unterstützen, denn wir tragen die Hoffnung, dass all die Kämpfe auf der Welt, dass wir gewinnen werden, weil unsere Forderungen gerecht sind. Es lebe das rebellische Argentinien! Es lebe der politische Kampf der Basken! Es leben die Rebellen der Welt! Es lebe die EZLN!

Aus den Bergen des mexikanischen Südostens, CCRI-CG, EZLN, Mexiko.

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Comandante Tacho

Durch meine Stimme spricht die Stimme der EZLN. Brüder und Schwestern, wir möchten einige Worte an die mexikanischen Politiker und die rechten Intellektuellen richten.

Señores und Señoras der wichtigsten politischen Parteien Mexikos, und jene, die uns für unsere Worte und Initiativen kritisieren. Zunächst möchten wir Ihnen sagen, dass wir keine Befehle von irgendjemandem entgegennehmen, der nicht zu unseren Gemeinden gehört. Es scheint, als ob jene die uns Befehle geben wollen, den Platz der großen Grundbesitzer und Finqueros einnehmen möchten, die früher ihren Leibeigenen zu befehlen pflegten. Wenn einige dieser vielen Kritiker und Experten denken, sie könnten diese Arbeit besser machen, oder seien besser dazu befähigt als wir, fordert das Klandestine Revolutionäre Indigene Komitee sie auf, mit uns zu kommen. Wir werden sie nicht bitten, alles zu erdulden, was der Sup in der Zeit erduldet hat, die er mit uns verbracht hat. Wir werden sie nur bitten, ein Zehntel davon zu erdulden, und dann werden wir ihnen beibringen, was der Sup von uns gelernt hat, und weswegen er jetzt der "Subcomandante aus rostfreiem Stahl" heißt. Wir werden geduldig mit ihnen sein und sind bereit, unsere hartgebackenen Tostadas mit ihnen zu teilen, den bitteren Pozol, die nächtlichen Märsche im strömenden Regen mit nur einer kleinen Last von 20 kg auf dem Rücken, zu dem nur noch die Mosquitos und die Schlangen hinzukommen müssen.

Ich habe ihnen nur wenige Worte zu sagen. Zunächst mal kritisieren sie uns, weil wir uns nicht an die politischen Parteien halten. Und das liegt nicht daran, weil wir gegen alle politischen Parteien auf der Welt wären. Es gibt sicher politische Parteien, die sich für jene einsetzen, die sie repräsentieren, und die sich nicht korrumpieren lassen, es ist nur so, dass wir mit Sicherheit sagen können, dass es in Mexiko keine einzige gute Partei gibt - das haben sie durch ihre Handlungen bewiesen.

Die drei politischen Hauptparteien Mexikos, die PAN, die PRI und die PRD haben alle indigenen Völker Mexikos hereingelegt, alle Menschen aus Mexiko und aller Welt, die die Anerkennung unserer Rechte unterstützen. Auf diese Weise haben sie die Türen für die Hoffnungen von Millionen Männern und Frauen in Mexiko und auf der ganzen Welt verschlossen, denn indem sie die Türen des Dialoges in Mexiko verschlossen haben und uns wieder einmal in den Krieg treiben wollen, haben sie der mexikanischen Bevölkerung gezeigt, dass ihnen die Bevölkerung völlig egal ist und sie nur den Interessen ihrer Herren gehorchen und uns den Rücken gekehrt haben. Deshalb, Brüder und Schwestern, werden wir aufzählen, was passiert ist:

Die PRI Partei ist sauer, weil wir ihre Niederlage initiiert haben.
Sie erinnern sich, dass im Jahre 1993 Carlos Salinas de Gortari der mächtigste Mann Mexikos von großem internationalen Ansehen war. Natürlich, weil er seine Heimat verkaufte, und selbstverständlich mit der Unterstützung einer sehr starken PRI, der wichtigsten Partei, und so autoritär und korrupt wie man sie kennt. Die PRI, die einzige lebende Partei in ganz Mexiko, regierte in den meisten Staaten und Bezirken, und die Mehrheit beugte das Haupt und sagte, dass die Regierung sehr stark sei und nichts getan werden könne. Und im Jahr 1994 schien eine Rebellion unmöglich, also haben wir das Unmögliche gemacht.

Wie sie sich erinnern, beugte viele das Haupt vor Salinas und der PRI Regierung, und niemand konnte ihnen irgendetwas anderes sagen, als dass was sie sagten. Aber am Morgen des 1. Januar 1994 erhob jemand den Kopf und sagte ¡Ya Basta! Und dieser jemand heißt Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung. Wir erinnern uns daran, weil es damals so schien, als ob es nur ein Mann und nur eine Partei etwas zu sagen hätten, und heute, nach neun Jahre des Krieges, fangen wir wieder an zu sagen, dass nichts getan werden könne, als ob die Regierenden die einzigen wären, die in Mexiko etwas zu sagen hätten.

Und dann entwarf der PRI-Señor Manuel Bartlett ein Gesetz gegen die indigenen Völker, damit die US-Regierung die Drogenanklagen fallen lassen, die in den Vereinigten Staaten gegen ihn vorliegen, und alle Senatoren und Abgeordnete der PRI und der PAN stellten sich hinter ihn, denn es war klar, dass die PAN gegen die indigenen Völker stimmen würde, weil es eine rassistische Partei ist, die Indígenas nur bei sich zu Hause als Diener oder als Bettler gerne sieht. Deshalb können sie die indigene Rechte und Kultur nicht respektieren, denn die PANistas sind die Erben jener spanischen Conquistadoren, die auf den indigenen Gebieten Mexikos Terror und Tod verbreitet haben.

Und der PAN-Senator Diego Fernández de Cevallos, der ein Anwalt von Verbrechern ist, stellte ein Gegengesetz zum COCOPA-Gesetzesentwurf auf, denn wenn das COCOPA Gesetz bewilligt worden wäre, hätte es Frieden gegeben und die Fox Regierung wäre eine starke Regierung gewesen, und Cevallos will, dass Fox schwach ist, weil er noch vor 2006 selbst Präsident von Mexiko sein und das ganze Land in eine Hacienda verwandeln möchte.

Was die PRD anbetrifft, müssen wir mit großer Trauer sagen, dass sie das COCOPA-Gesetz nicht unterstützt haben, ein Gesetz, das von der mexikanischen Bevölkerung und Menschen auf der ganzen Welt unterstützt wird wie kein anderes Gesetz, und die Senatoren und die Parteispitze der PRD stimmten dagegen, und zwar aus einem bestimmten Grund. Wenn sie nämlich das Gesetz bewilligt und es Frieden gegeben hätte, hätten die Zapatistas begonnen, eine offene Politik zu betreiben, und das gefiel ihnen nicht, weil sie fürchteten, dass sie viele Klienten an uns verlieren und dann ohne Job dastehen würden, denn wie man sich erinnert, hatte die PRD bis dahin immer gesagt, dass das indigene Problem sehr wichtig sei.

Sie denken vielleicht wir hätten es vergessen, aber die Zapatistas haben ein sehr gutes Gedächtnis und wir erinnern uns, dass Jesús Ortega und Demetrio Sodi dieses nutzlose Gesetz sogar noch vor Cevallos und Bartlett befürwortet haben. Und als es auf der Marcha dann klar wurde, wie viele Menschen die EZLN unterstützten, einigte sich die PRD-Spitze mit den Leitern, alles zu tun um zu verhindern, dass die Zapatistas zu einer offenen politischen Organisation werden könnten. Und so brachte die PRD sogar die linksgerichtetsten Parteimitglieder dazu, gegen das COCOPA Gesetz zu stimmen.

Señor Cardenas Solórzano riet dazu, gemeinsam mit allen Senatoren gegen das COCOPA-Gesetz zu stimmen, um nicht den Anschein zu erwecken, sie seien zapatistische Senatoren. Der Preis für diese Abstimmung war der Wahlsieg von Michoacán. Und denken Sie nicht, dass hätte uns nicht wehgetan, denn bis dahin hatten wir geglaubt, dass auch wenn es in der PRD-Spitze kompromittierte Leute gab, Señor Cardenas doch wüsste, dass Prinzipien wichtiger sind als das, was die anderen sagen. Und wir haben nicht nur 15 Tage, sondern mehr als ein Jahr auf sie gewartet, weil wir dachten, dass sie kommen würden, nicht um uns um Verzeihung zu bitten, aber um uns zu erklären, wieso sie das getan haben. Wir hätten es verstanden, wenn es gute Gründe gegeben hätte, aber für sie waren wir nicht einmal eine Erklärung wert. Natürlich muss man anerkennen, dass die Abgeordneten der PRD, der PT und der Grünen, in der Abgeordnetenkammer gegen sie gestimmt haben, aber da war der Schaden schon angerichtet.

Wir wissen alle, dass es genug gewesen wäre, wenn die PRD sich im Senat widersetzt hätte, auch wenn sie in der Minderheit waren, denn das Gesetz wäre wieder zur Diskussion vorgelegt worden, wenn nur ein Senator gesagt hätte, dass die Regierungsstrategie, uns in den Krieg zu treiben, nicht wiederverkauft werden dürfe, aber nein. Die PRD zog es vor, ihre Haltung zu bewahren, statt ihre Pflicht, der mexikanischen Bevölkerung und besonders den indigenen Völkern gegenüber zu erfüllen.

So war das. Die politischen Parteien haben einer politischen Lösung in Mexiko die Türen verschlossen, und zwar aus Knauserei und Furcht, denn das Cevallos-Bartlett-Ortega Gesetz, ist ein Gesetz des Krieges gegen die indigenen Völker. Und das sind die politischen Parteien, die alle Mexikaner aufrufen bei den nächsten Wahlen für sie zu stimmen, in der Hoffnung, wir würden uns an ihre Verrate nicht erinnern. Und an ihrer Seite steht der Oberste Gerichtshof, obwohl es einige Richter gab, die mutig und ehrlich waren. Die Mehrheit war aber feige, und forderte von Señor Fox und seinem Kabinett alles zu tun, damit das COCOPA-Gesetz nicht bewilligt würde, weil ihnen der "Marsch der Farbe der Erde" Angst eingejagt hatte. Auf diese Weise haben die drei Staatsgewalten, die Exekutive, die Legislative und die Judikative, eine politische und friedliche Lösung für die Forderungen der indigenen Völker Mexikos verweigert. Deshalb, Brüder und Schwestern, sagen sie immer noch, dass sie darum kämpfen, Gesetze zum Wohl des Volkes zu schaffen, aber in Wirklichkeit stimmt das nicht. Gerade haben sie ein solches Gesetz erlassen: die Bewilligung höherer Ausgaben für ihre Wahlkampagnen. So haben sie das COCOPA-Gesetz behandelt, das wie kein anderes Gesetz unterstützt wurde, und so haben sie es verraten. Und jetzt wollen sie die Bevölkerung und alle anderen betrügen, weil ihnen allen das Volk egal ist. Das einzige, was sie wollen, ist, ihre Posten zu sichern, und es kümmert sie nicht, dass das Land in die Brüche geht. Sie dachten, was sie tun spiele keine Rolle, weil die Menschen schnell vergessen, und es keine weiteren Initiativen geben würde. Aber es wird nicht vergessen, und es gibt andere Initiativen, denn in dieser ganzen Geschichte der Verrate haben sie uns nicht besiegt. Wir als Zapatistas suchen weiterhin nach Wegen, damit das Volk regiert und jene, die gehorchend befehlen, gewinnen, so wie es alle von uns kennen, und weiterhin vor allem wissen, dass die Zapatistas sich nicht ergeben und sich nicht verkaufen.

Zum Schluss möchten wir einige Worte an die Journalisten richten. Wir alle wissen, wie wichtig die Presse gewesen ist, in diesem Kampf, der um Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit geht. Es spielt keine Rolle, ob einige schlecht von der EZLN geredet haben, oder von unserem Kampf oder unserer Geschichte. Alle haben dazu beigetragen, einen Raum der Information und Diskussion zu öffnen, der vorher nicht existiert hat, und wenn dieser Raum existiert, dann dank der Kommunikationsarbeiter und deren Kampf und Verständnis, und nicht, weil die Regierungen und Reichen das gewollt hätten. Aus diesem Grund wünschen wir allen Kommunikationsarbeitern und Kommunikationsarbeiterinnen ein frohes neues Jahr, und dass sie mit Wahrheit berichten, und dass ihre Rechte als Arbeiter von den Gesellschaften, für die sie arbeiten, respektiert werden.

Es gibt noch einen Grund, weshalb wir davon reden: vor einigen Tagen wurde eine Mediengesellschaft, die als CNI Kanal 40 bekannt ist, auf Befehl von Ricardo Salinas von TV Azteca angegriffen. Sie wissen alle, dass die Kommentatoren und Berichterstatter von CNI Kanal 40 zu denen zählen, die ungerechte Kritiken gegen uns richten, weil wir angeblich den Terrorismus unterstützen würden. Das spielt keine Rolle. Wir respektieren alle Meinungen, und wenn sie lügen, dann wird man sich das merken, aber wir können nicht zusehen, wie die Autorität des Geldes durchgesetzt wird und wir zum Schweigen gebracht werden. Wir möchten hier unsere Solidarität mit den Kommunikationsarbeitern von CNI Kanal 40 zum Ausdruck bringen, und verurteilen die Aggression, die sie erlitten haben. Hier zeigt es sich mal wieder, dass hier in Mexiko das einzige gültige Gesetz das Gesetz des Geldes ist, und wie ein Mächtiger eine Gesellschaft schlucken möchte, die zwar klein war, aber sich bemühte, die Menschen zu informieren, so wie sich alle Reporter bemühen, ungeachtet der Gesellschaften für die sie arbeiten, und von einem Ort zum anderen ziehen, auf der Suche nach Nachrichten, die sie berichten können. Wenn diese Nachrichten nicht publiziert werden, dann nicht aus ihrer Schuld, sondern wegen den Interessen der Schirmherren. Wenn wir heute angesichts dieser Ungerechtigkeit schweigen, werden morgen andere Kommunikationsgesellschaften angegriffen werden und was dann übrigbleibt, sind nicht die besten, sondern die reichsten. Und so werden alle Stimmen zum Schweigen gebracht werden, bis nur noch die Stimme des Geldes spricht und das kann keine ehrliche Person zulassen. Was die Zapatistas auf der ganzen Welt und in Mexiko wollen, ist das nicht, dass das Geld gewinnt, sondern dass die unabhängige Presse respektiert wird.

Das sind unsere Worte: Es lebe die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung!

Aus den Bergen des mexikanischen Südostens, Das Klandestine Revolutionäre, Indigene Komitee Generalkommandantur der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung Mexiko, Januar 2003

Vielen Dank!

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Comandanta Esther

Guten Abend Compañeros und Compañeras von den zapatistischen Unterstützungsbasen. Brüder und Schwestern aus Mexiko und der ganzen Welt, durch meine Stimme spricht die Stimme der EZLN. Wir möchten einige Worte an die Señores Vincente Fox und Luis H. Alvarez richten.

Señor Fox möchte ich nur sagen, dass das mexikanische Volk von Deinen Betrügereien enttäuscht ist. Am Anfang glaubten sie, Du würdest die derzeitige Situation ändern, und dass Du Dich für Frieden mit den indigenen Völkern einsetzen würdest. Du hast gesagt, Du würdest die Probleme lösen, vor allem den Kampf der EZLN. Du sagtest, dass Du die Lage der mexikanischen Bevölkerung in nur 15 Minuten ändern könntest, aber das war eine Lüge. Die Menschen, die gearbeitet haben um Dich an die Macht zu bringen sind Dir egal. Dir ist es nur wichtig, Dich mit den Reichen gut zu stellen, nicht mit den Armen. Du reist im Ausland herum und erzählst dort, in Mexiko gäbe es Frieden und dass Du alle Probleme gelöst hättest. Wo ist der Frieden? Gehören zum Frieden die Räumungen, die Du in Montes Azules vornimmst? Was Du willst, ist Krieg zu provozieren, um die Berge ins Ausland zu verschachern. Das möchten wir Dir, Señor Fox, sagen

Señor Luis Alvarez, Du sollst angeblich der Friedensbeauftragte sein, aber in Wirklichkeit bist Du nur Fox' Beauftragter, um Uneinigkeit zu stiften und die mexikanische Bevölkerung zu täuschen, genau wie Rabasa es getan hat. Sie schicken mehr PROCAMPO- und PROGRESA-Projekte in die Gemeinden, damit sie ruhig bleiben und nichts schlechtes gegen Sie sagen, und dann erzählen Sie, die EZLN würde die Projekte akzeptieren, nur weil wir Ihnen den Zugang durch die von uns kontrollierten Gebiete erlauben. Sie sagen auch, wir wären uneins, dass wir Comandantes bereits aufgegeben hätten, und dass die EZLN zersplittert sei. Auch zusammen mit Señora Calderano, die zwar Senatorin ist, aber nur lügt, erzählen Sie, dass Sup Marcos nichts mehr gilt, und dass jeder Zapatista alleine steht. Aber ich sage Euch ganz klar, Señor Alvarez und Señora Calderon, dass Sie beide Lügner sind, und dass Sie beide Ihre Lügen in den Medien veröffentlichen, weil Sie denken, die Menschen in Mexiko und auf der ganzen Welt es glauben und alle auf Ihre Seite sein werden oder alleine stehen, ohne die Wahrheit zu kennen. Das wollen Sie, weil es dann leichter ist, die Indigenas und Nicht-Indigenas zu täuschen und sie aus dem Weg zu räumen. Denn was Sie und Fox wollen, ist zu gewinnen und es sich mit Ihrer Frau gut gehen zu lassen, ohne sich um die Menschen, die unten stehen zu kümmern.

Wir wollen Ihnen sagen, dass die mexikanische Bevölkerung nicht mehr schläft, und auch die EZLN wird nicht schlafen oder angesichts des Blödsinns, den Sie erzählen, schweigen. Glauben Sie wirklich, dass alles, was Sie sagen, gewinnen wird? Das wird es nicht. Hier stehen wir Zapatistas erneut, um Ihnen laut zu sagen, dass keine zapatistische Gemeinde Regierungsprojekte akzeptieren wird oder den Müll, den die Regierung uns als Hilfe schickt. Wir werden unsere Würde nicht für Brotkrumen verkaufen, denn wir wissen, dass unser Kampf gerecht und für Alle ist.

Wo versteckst Du Dich, Señor Alvarez? Du sagst, dass es keine Zapatistas mehr gibt, dass es nur noch wenige von uns gibt, dass wir Comandantes und Comandantas verloren hätten. Kannst Du nicht sehen Señor Alvarez? Brauchst Du Deine Brille, um uns zu erkennen? Wenn Du willst, können wir alle Zapatistas herbringen, aber sie würden alle gar nicht hier reinpassen, weil wir so viele sind. Heute steht hier nur ein kleiner Teil von uns. Viele konnten nicht kommen, weil ihnen die Mittel dazu fehlen. Wir sind die Comandantes und Comandantas, hier stehen wir. Wir werden niemals aufgeben und niemanden für das, was wir tun, um Erlaubnis bitten. Wir sind nicht unwissend und müssen uns nicht sagen lassen, was wir tun sollen.

Ich sage Dir klar, Luis H.Alvarez, dass Du die Wahl hattest, so zu sein wie Camacho oder wie Rabasa, und Du hast Dich entschieden, so zu sein wie Rabasa, der nur sein Geld einstreicht und nichts für den Frieden tut. Wenn Du Dich wie ein Mann fühlst, komm und sag uns das, was Du publizierst, ins Gesicht, dass es keine Comandantes mehr gäbe. Wir kommen um, die Wahrheit zu sagen und unser Wort zu verteidigen. Wir wollen sehen, ob Du auch kommst, um Deine und Calderons Lügen zu verteidigen.

Ich sage Dir Alvarez, dass wir Dir nicht länger erlauben werden, durch unsere Gebiete zu passieren. Bisher haben wir es Dir gestattet, weil wir dachten, dass Du aufgrund Deines Alters weise bist und weil Du in der Vergangenheit für die Demokratie gekämpft hast. Wir haben es Dir gestattet, weil wir dachten, dass Du so von den indigenen Gemeinden lernen würdest, und lernen würdest, Dein Gegenüber zu respektieren, aber wir sehen jetzt, dass das Du nicht lernst, sondern nur Deine politischen Tricks und Deine Lügen hast.

Wir Zapatistas haben vor neun Jahren nicht die Waffen erhoben, um Almosen zu erbetteln. Wir haben uns erhoben, um Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit zu fordern, und das ist es, was zu sagen ich hergekommen bin.
Es lebe die EZLN!

Aus den Bergen des mexikanischen Südostens CCRI-CG, EZLN, Mexiko, 1. Januar 2003.


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Comandante David

Guten Abend an alle. Durch meine Stimme spricht die Stimme der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung. Brüder und Schwestern, wir werden einige Worte an alle richten, die zu den EZLN-Truppen gehören.

[Auf Tzotzil:] Compañeros und Compañeras Unterstützungsbasen, Repräsentanten der Dörfer und Regionen, die in dieser großen Manifestation vertreten sind, wir begrüßen alle für ihre Entscheidung und ihren Mut sich mobilisiert zu haben ohne auf die Konsequenzen zu achten.

Zapatistische Compañeros und Compañeras aller Dörfer, aller Regionen, und überall wo sie sind aber nicht kommen konnten, die aus zahlreichen Gründen nicht bei dieser Manifestation anwesend sein konnten, unsere Grüße. Wir wünschen Ihnen, dass Sie diesen Kampf mit Entschlossenheit weiterführen.

An die Compañeros und Compañeras in den Truppen, die Insurgenten und Insurgentas, Milizionäre aller Fronten und eurer jeweiligen Militärposten, im Namen des Klandestinen Revolutionären Indigenen Komitee, Generalkommandantur der EZLN, unseren kämpferischen Gruß, und unsere besonderen Glückwünsche zum 19. Jahrestag der Entstehung der EZLN, und zum 9. Jahrestag seit Beginn des Krieges. Wir wünschen Ihnen, dass Sie in Ihren Überzeugungen und Ihrer revolutionäre Moral standhaft bleiben.

Besondere Grüße an unsere Compañeros und Compañeras von den Unterstützungsbasen, die die politischen, wirtschaftlichen und ideologischen Schläge der Regierung überstanden haben. Jene, die die Repressalien und Aggressionen der Militärs und der Paramilitärs erlitten und widerstanden haben. Die Vertreibungen, Verfolgung, Gefängnis und den Tod ihrer Familien in diesem Kampf erlitten haben. Grüße am alle zivilen zapatistischen Compañeros und Compañeras, auf den Feldern und in den Städten, und in allen Staaten Mexikos und der Welt.

Compañeros und Compañeras, wie Sie wissen, haben wir Zapatistas, seitdem die exekutive, die legislative und die judikative Gewalt ein Gesetz gegen die indigenen Völker Mexikos erlassen haben, dieses Gesetz abgelehnt, und haben deshalb eine Periode des Schweigens und des Widerstandes eingehalten. Fast zwei Jahre sind seit unserer ersten Empörung gegen den Verrat der Staatsgewalten vergangen. Diese Gewalten und ihre Verbündeten haben unser Schweigen ausgenutzt, um eine Menge Lügen und Verleumdungen zu verbreiten. Sie haben politische und wirtschaftliche Strategien zur Aufstandsbekämpfung vorbereitet und sie als Entwicklungsprojekte für die indigenen Gemeinden getarnt.

Aber in Wirklichkeit, sind diese "Unterstützungen", von denen die derzeitige Regierung sprach nicht mehr als Brosamen, wie immer. Das ist keine Lösung für das Elend, in den wir leben, und noch viel weniger eine Antwort auf die gerechten Forderungen der indigenen Völker. Unser Schweigen wurde ausgenützt, um zu sagen, dass die Zapatistas am Ende wären, dass wir gespalten wären, dass die Anführer aufgegeben und sich verkauft hätten, und dass die Führung alleingelassen worden ist, und dass die zapatistischen Gemeinden zur Regierung gewechselt haben. All diese Regierungstricks wurden von den politischen Parteien eingesetzt, um die Gemeinden zu verwirren, und unseren Kampf und den indigenen Widerstand zu schwächen.

Um uns zufrieden zu stellen und uns zu beruhigen, bieten sie Worte und kleine Beiträge für ein paar Gemeinden. Um wieder erzählen zu können, dass wir jetzt Frieden haben, weil die Zapatistas die Unterstützung der Regierung akzeptiert und die Reihen der EZLN verlassen hätten. Aber wenn das wahr ist, wer sind dann all die Leute die heute hier anwesend sind? Sind die Tausenden Männer und Frauen, Jugendliche und Kinder und Alte, die heute hier stehen, um zu protestieren, etwa keine Zapatistas? Und die Zehntausende, die in ihre Dörfer geblieben sind, und aus Mangel an finanzielle Mittel und Transportmöglichkeiten nicht an dieser Demonstration teilnehmen konnten? Sind diese Tausende zapatistischen Männer, Frauen, Jugendliche, Alte und Kinder bereit sich zu ergeben? Ich frage euch: Seid ihr bereit, euch vor jenen zu demütigen, die uns Jahrhunderte lang gedemütigt, unseren Reichtum geraubt, uns diskriminiert, uns vergessen und unsere Würde mit Füssen getreten haben? Ich frage euch Compañeros und Compañeras, seid ihr bereit euch zu ergeben?

(Publikum schreit: Nein!!!)

Seid ihr, Compañeros und Compañeras, bereit euch für Brosamen zu verkaufen, und das Blut unserer Gefallenen und unserer Helden und Märtyrer zu verraten? Ich frage euch Compañeros, seid ihr bereit, euch zu verkaufen? Seid ihr bereit, den Kampf aufzugeben, solange wir noch keine wirkliche Lösung für unsere gerechten Forderungen erhalten haben? Seid ihr bereit, eure Würde zu verkaufen, und euren Kindern als Erbe nur Hunger, Elend und Vergessen hinterlassen? Seid ihr dazu bereit? Compañeros und Compañeras, heute erfüllen sich neun Jahre seit unserem bewaffneten Aufstand, und nachdem wir das Schweigen gebrochen haben, das wir seit fast zwei Jahren eingehalten haben, ist jetzt die Stunde gekommen, um erneut zu sprechen, und die Wahrheit über uns indigene Zapatistas zu sagen. Wir haben nicht die Waffen ergriffen, um Almosen zu erbetteln, damit sie uns weiter verspotten können, wie die Regierung es bisher getan hat, und uns Lügen und Brosamen anzubieten, um unser Gewissen zu kaufen.

Unsere indigenen zapatistischen Gemeinden haben es nicht nötig, dass die Regierung uns mit ihren Tricks unterstützt, oder uns verfaulte Lebensmittel schickt. Was wir Zapatistas fordern, ist, dass sie die Rechte, die Autonomie und die Selbstbestimmung aller indigenen Völker Mexikos konstitutionell anerkennen. Wir fordern, dass sie uns gleichberechtigt und gerecht behandeln. Deshalb akzeptieren wir nicht, dass sie sich über uns lustig machen, oder uns aus Scham ihre Brosamen oder ihren Abfall anbieten. Wir indigene Zapatistas sind arm, aber weder Bettler noch Verbrecher. Wir sind Rebellen gegen Ungerechtigkeit und Vergessen. Wir haben Würde und wir haben Gründe, um "bewaffnet" zu kämpfen, und das wollen wir der ganzen Welt verständlich machen, dass die Indigenas keine Tiere sind, denen die Reichen und Mächtigen ihr Abfall hinwerfen können. Denn wir sind Völker mit einer langen Geschichte. Deshalb sind wir bereit, den Kampf fortzusetzen, bis alle indigene Völker unserer Heimat respektiert werden und als Dörfer und Bürger mit allen Rechten anerkannt werden.

Wir möchten ganz Mexiko und der Welt sagen, dass wir aufmerksam mitverfolgen, was sich aus der Initiative ergibt, die wir vor einigen Tagen durch die Stimme von Sup Marcos begonnen haben. Es ist eine risikoreiche Initiative, aber wir denken, dass der Versuch es wert ist, zum Wohle aller unternommen zu werden. Denn es ist trotzdem eine Initiative für eine friedliche Lösung, wenn wir versuchen eine Tür zu öffnen, die die mexikanischen Politiker vor uns versperrt haben. Darüber und über andere Dinge werden wir weiter durch unseren Sprecher Subcomandante Insurgente Marcos sprechen.

Compañeros und compañeras, wir möchten Ihnen sagen, dass unser Kampf gerade erst begonnen hat. Deshalb sind wir an diesem neunten Jahrestag unseres Aufstandes in dieses Zentrums der Ausbeutung gekommen, das San Cristobal de las Casas ist, um zu protestieren und die Wahrheit zu sagen. Dafür mussten wir an Kontrollposten vorbeikommen und Militärzäune niederreißen, um zu kommen und zu sagen "wir sind hier". Wir sind hier mit ehrlichen und wahren Worte. Wir bestätigen erneut unser Versprechen, weiterhin für Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit für alle zu kämpfen.

Compañeros und compañeras, seit dem 1. Januar 1994, haben wir einen kleinen Funken der Rebellion und der Würde angezündet, und die Mächtigen haben versucht dieses Licht auszulöschen. Aber sie haben es nicht geschafft, und sie werden es auch nicht können, weil es das Licht der Hoffnung für die indigenen und nicht-indigenen Völker Mexikos und der Welt ist. Dieses Licht symbolisiert heute unsere Stärke und unseren Schutz in diesem großen Kampf für Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit. Deshalb sollten wir dieses Licht heute größer und stärker machen, damit die Völker und Nationen sehen, dass wir dieses Licht der zapatistischen Rebellion lebendig halten [...]

Compañeros und Compañeras, rufen wir gemeinsam:

Es leben die gefallenen Compañeros !

Es lebe die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung!

Es leben die indigenen Völker Mexikos!

Es leben die Armen Mexikos!

Es leben die Rebellen in aller Welt!

Es lebe das Leben! Tod dem Tod!

Aus den Bergen des mexikanischen Südostens
Das Klandestine Revolutionäre Indigene Komitee - Generalkommandantur der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung Mexiko, 1. Januar, 2003.

Vielen Dank Compañeros und Compañeras.

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(übs. von Dana)

(Die Abschriften auf Spanisch wurden von Estacion Libre auf Indymedia Chiapas veröffentlicht http://chiapas.indymedia.org/ )