Der stumpfe Vorwurf des Antiamerikanismus schlägt einer hin und wieder um die Ohren. Betörend ist es nicht gerade. Doch genau so seltsam muten mir die Reaktionen der Antiamerikanisierten an: Sie sind keine Antiamerikanisten, sondern sie kritisieren die US-Politik, nicht die amerikanische Bevölkerung.
Die amerikanische Bevölkerung?
Moment mal... was soll das eigentlich sein? Wenn ich mich recht erinnere, was Antinationalismus angeht, dann müsste das korrekt heißen: Eine Ansammlung von Menschen (und Tieren, und Dingen?), die innerhalb einer als gemeinschaftlich vorgestellten, künstlichen Landesgrenze ihr Dasein fristen soll und sich gefälligst identitär als "amerikanisch" wahrzunehmen hat. Eine Art "positiver Patriotismus", und auf den schwört doch so manches Menschlein in unseren Nationalstaaten - unter anderem Michael Moore.
Dabei blenden wir doch mal kurzerhand die Ausschlussmechanismen des Nationalismuskonstruktes aus, auf dem eine Diskriminierung "Andersnationalisierter" erst möglich wird. Wer jedoch der Diskriminierung die Grundlage entzieht, sie stürzt oder Verwirrung stiftet (Hallo, ich bin ein/e dönerfressende/r IndianerIn!), der hat einen lustigen, emanzipatorischen Weg des Widerstandes gefunden.
Also, wieso sollte ich nicht antiamerikanisch sein? Schließlich bin ich auch antitürkisch, antiaustralisch, antiösterreichisch, antischwedisch, antivatikanisch, antideutsch usw. - eben antinational.
(Nein, mit "antideutsch" meine ich nicht diese repressive Bewegung von geistigem Dünnpfiff, die mit ihren Israel-Flaggen durch die Gegend stolziert.)
Blutschande lastet auf mir. Amen.
P.S. Wenn ich anti-jede-Nationalität bin, bin ich dann kategorischer Multirassist? *ääätsch*