1.) Strassentheater für BambuleEs ist immer dieselbe alte Geschichte. Der Widerstand fängt an, sich selbst zu bekämpfen, weil das der einzigste Gegner ist, den er schlagen kann. Passiert immerzu. Man kann keine Bewegung größer als fünf Personen machen, ohne mindestens einen verdammten Idioten mit dabei zu haben.
1.) Strassentheater für Bambule
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Bambule ist tatsächlich überall: Etwa 20 Menschen hatten sich an einem Samstagvormittag in der Innenstadt mit Bauwagen aus Pappe versammelt. Die Bauwagen waren bunt angemalt und mit Parolen wie "Das System ist das Problem" versehen. Zusätzlich wurden Transparente gehalten: "Bambule sind wir alle", "Bambule ist überall – soziale Freiräume schaffen und verteidigen" und "Der Staat raubt uns die Freiheit" – es sah am Anfang ganz nach einer spontanen Demonstration aus. Doch die Menschen machten es sich mit ihren Bauwagen am Rathausmarkt bequem, jonglierten, machten Musik und verteilten Flugblätter an die vorbeikonsumierenden Bürger.
Doch plötzlich kamen aus einer Seitengasse mehrere vermummte Menschen, auf deren schwarzer Uniform "POZILEI" stand. Der Einsatzleiter gab über Megaphon bekannt, dass nun die Bambule geräumt werden sollte. Dann wurde nicht lange gefackelt. Die Pozilisten stürmten mit Schaumstoffknüppeln auf die Bauwagenbewohner los und schlugen auf sie ein, bis alle am Boden lagen. Nachdem alle gefesselt waren und die Pozilisten aus purer Gemeinheit noch einmal alle verprügelt hatten, zogen diese auch wieder ab. Über das Megaphon wurde nun allen Anwesenden alles zur Räumung der Bambule erklärt.
Doch währenddessen waren zwei andere Gestalten gekommen: In modischer grüner Uniform, auf der "POLIZEI" stand und zur Abwechslung nicht vermummt fragten die beiden netten Herren nach dem Verantwortlichen. Es wurde ihnen gesagt, dass alle verantwortlich seien.

![]() Linke Jugendliche demonstrieren in Magdeburg "gegen Nazis". In jüngster Zeit haben einige Antifa-Gruppen ihre Auflösung bekannt gegeben. |
Der Rahmen ist dunkelgrau: "Game over" steht im Kopf der Homepage, auf der die Antifa Köln bekannt gibt: "Auch wir wollen uns dem bundesweiten Trend nicht verschließen und lösen uns auf." Ein bundesweiter Trend? Selbst die schon legendäre Autonome Antifa [M] Göttingen zerfiel vor zwei Monaten - nach 14 Jahren. Es entstanden neue Gruppen, alle nach wie vor "in Konfrontation mit der gesellschaftlichen Realität des kapitalistischen Systems". Zur selben Zeit gab die Autonome Antifa Kassel auf, bereits im Februar 2003 hatte sich die größte Antifa-Gruppe der Republik gespalten, die zehn Jahre alte Antifaschistische Aktion Berlin. Zwei Versuche, Antifa-Gruppen in bundesweiten Netzwerken zu organisieren, waren 2001 gescheitert. |
Ob derzeit wirklich reihenweise antifaschistische Gruppen das Handtuch werfen, ist in und außerhalb der unübersichtlichen Szene umstritten. Klar ist, dass sich derzeit einiges verändert - strittig ist, ob interne, zeitgeschichtliche oder soziologische Gründe eine Rolle spielen.
Fraglich ist schon, wer überhaupt dazu gehört: Es gibt die 1947 gegründete Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN / BdA); es gibt traditionsreiche Gruppen, die sich auf Infoläden der 80er Jahre berufen, und Initiativen, die auch gegen Globalisierung und Agenda 2010 demonstrieren. Darüber hinaus die Göttinger, die zu Beginn der 90er Jahre die erste Pressemitteilung autonomer Antifas herausgaben; schließlich meist sehr junge Demo-Hopper und die Pop-Antifa, die selbst Markenklamotten demonstrationsfähig machte.
Wie viele Gruppierungen existieren, weiß niemand. Im jährlichen Antifa-Kalender stehen allein 130 Gruppen mit Kontaktadresse. Die Initiativen unterscheiden zwischen anarchistisch und autonom, radikal und revolutionär, antiimperialistisch und antideutsch - die hochtheoretischen Gedankengebilde dahinter sind für Außenstehende oft nur schwer nachvollziehbar. Doch besonders eine dieser Differenzen erschütterte die links-autonome Szene in jüngerer Zeit so sehr, dass sich einige altgediente Gruppen gespalten oder gar aufgelöst haben: Der Konflikt zwischen Antideutschen und Antiimperialisten eskalierte, bei Demonstrationen schlugen sie sich gegenseitig - zur Freude der Neonazis.
Wegen der NS-Vergangenheit lehnen die Antideutschen einen deutschen Staat generell ab und schwenken die Flaggen Israels und der USA. Das stößt auf den Widerstand der Antiimperialisten, die mit der palästinensischen Flagge in der Hand die USA kritisieren und nationale Befreiungsbewegungen unterstützen. Das verwirrte zu Zeiten der Demonstrationen gegen den Krieg in Irak nicht nur bürgerliche Gruppen. Ein Insider sagt: "Der Konflikt zwischen Antideutschen und Antiimps hat viel kaputt gemacht." So habe sich in Nordrhein-Westfalen die Antifa-Szene gedrittelt in antideutsche, antiimp und weiterhin autonome Gruppen. Von einer Auflösung will er aber nicht sprechen. Es sei eher eine Umstrukturierung, von der "man noch nicht genau weiß, in welche Richtung sie läuft".
Das sieht Cornelia Kerth, Bundessprecherin der VVN / BdA etwas anders. Sie beobachtet wie die Kölner einen "bundesweiten Trend" zur Auflösung und nennt dafür zeitgeschichtliche Gründe. Viele Gruppen, die sich zu Beginn der 90er Jahre gegründet hätten, lösten sich jetzt auf, sagt sie. Damals zündeten rechte Gewalttäter in Mölln, Hoyerswerda, Rostock und andernorts Heime von Migranten an, überfielen, verprügelten und töteten Asylbewerber. Neonazis gingen massiv auf die Straße. Viele Antifa-Gruppen seien als Reaktion auf den "Aufschwung des Neo-Faschismus" entstanden und hätten ihr Aktionsfeld "hauptsächlich auf der Straße gesehen, in direkter Auseinandersetzung mit den Neonazis".
Heute existieren extrem rechte und rechtsradikale Parteien, Kameradschaften und andere Gruppen zwar weiter, agieren aber nicht mehr so öffentlich. Mit der Abnahme der "Stiefelfaschisten" werde deutlich, dass "das Problem des Neonazismus nicht auf der Straße zu lösen ist", schließt Kehrt. Ein Fall wie die antisemitische Rede des CDU-Politikers Martin Hohmann - er hatte das Wort "Tätervolk" in Verbindung mit dem Judentum gebracht - deute aber darauf hin, dass "es eine Rechtsentwicklung aus der Mitte der Gesellschaft gibt". Die VVN greife schon seit Jahren mit Vorträgen, Diskussionen und Mahnveranstaltungen in die Diskussion ein, trete aber "den Nazis auch auf der Straße entgegen".
Viele Aktivisten haben nun Familie
Die Rede vom "Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft" hält Michael Kohlstruck für "gefährlich" - und für eine rhetorische Formel. In der Auflösung von Antifa-Gruppen sieht der Soziologe ein "altersspezifisches Phänomen": Die Aktiven werden älter und wollen sich um Beruf und Familie kümmern. Aber auch der Mitarbeiter der Arbeitsstelle Jugendgewalt und Rechtsextremismus des Zentrums für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin glaubt: "Die Reaktionen auf die sehr brutalen Überfälle zu Beginn der 90er Jahre hatten ihre Zeit." Mit dem "Aufstand der Anständigen", den Kanzler Gerhard Schröder (SPD) im Oktober 2000 nach dem Brandanschlag auf die Düsseldorfer Synagoge ausgerufen hatte, habe die Antifa wohl ihren "exklusiven Anspruch verloren".
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Dass die Beteiligung "der bürgerlichen Öffentlichkeit" an antifaschistischen Aktionen einige klassische Anti-Gruppen "in eine persönliche Identitätskrise geführt hat", beobachtet Ulli Jentsch vom Verein Apabiz (Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum) in Berlin. Doch daran orientierten sich nicht Dutzende Gruppen: "Von einem Trend würden wir bestimmt nicht reden." Das sei "eine normale Entwicklung", die wenigsten Gruppen hielten länger als ein Jahrzehnt. Aus ländlichen Gegenden in Ostdeutschland hingegen erhalte das Apabiz immer wieder Gründungsmeldungen. Das sei gerade dort wichtig, weil engagierte Jugendlichen die Landstriche eher verließen. Deshalb setze das Apabiz auf Vernetzung, Information und Bildungsarbeit.
Für die Gruppen, die nicht nur Neonazis bekämpfen wollen, sondern auch Globalisierung und soziale Fragen auf ihre Agenda setzen, gehört die Antifa Hemer im Sauerland. Sie schloss sich kürzlich "zur Bündelung der Kräfte" der "Schwarzen Katze" an. Die "Schwarze Katze" bietet Bildung und Information, sammelt seit Jahren alternative Schriften, macht Strassentheater und Radiosendungen im Offenen Kanal. Die neu hinzugestossene Antifa Hemer betont: "Reine Ein-Punkt-Arbeit, Demo-Hopping und Aktionismus pur, wie bei vielen Antifa-Gruppen vorherrschend, ist für uns zu wenig."
Schwarze Katze: Ich spreche jetzt mit Michael Schiffmann. Er referierte bei einer Veranstaltung der Schwarzen Katze über Mumia Abu Jamal. Wer ist Mumia Abu-Jamal?
Michael Schiffmann: Mumia Abu-Jamal ist ein schwarzer amerikanischer Journalist, der seit 20 Jahren in der Todeszelle sitzt für einen Mord, den er nicht begangen hat - dafür gibt es jetzt auch im überwältigendem Maße Beweise. Wir in Heidelberg mit unserer Gruppe "Freiheit für Mumia Abu-Jamal" zusammen mit anderen Gruppen aus der Bundesrepublik und der ganzen Welt kämpfen dafür, dass er vor Gericht Beweise für seine Unschuld vorlegen darf und dass er freigelassen wird.
Schwarze Katze: Wieso ist er zur Todesstrafe verurteilt?
Michael Schiffmann: Er soll im Dezember 1981 einen Polizisten ermordet haben. Die Beweise dafür waren von Anfang an sehr dürftig. Andererseits gab es starke Hinweise darauf, dass Mumia im Knast sitzt weil er ein radikaler schwarzer Journalist ist und Mitglied der Black Panther Party war. 2001 gab es noch ein weiteres Ereignis, das die Umstände noch zweifelhafter macht: Es hat nämlich ein anderer Mann den Mord an dem Polizisten gestanden. Gegenwärtig kämpfen Mumia und seine Verteidigung darum, dass dieser Mann vor Gericht vernommen wird.
Schwarze Katze: Was für eine Rolle spielt es, dass Mumia Abu-Jamal als Radioreporter rassistische Praktiken der Polizei aufgedeckt hat? Und was für eine Rolle spielt es, dass er eine schwarze Hautfarbe hat?
Michael Schiffmann: Also dass er eine schwarze Hautfarbe hat, spielt nachgewiesenermaßen eine überwältigende Rolle. Das gilt bei Gerichtsverfahren in den USA und in Philadelphia, wo Mumia herkommt, im Besonderen. Bis zur Auswahl der Jury, und man kann es auch sehen an der Anzahl der Leute die im Bundesstaat Pennsylvania im Todestrakt sitzen, von denen die überwältigende Mehrheit Farbige, das heisst Schwarze oder Latinos sind. Die politische Frage spielt auch eine enorme Rolle. Der Staatsanwalt hat sich in Mumias Prozess immer wieder darauf berufen, dass Mumia Mitglied der Black Panther Party war, um ihn als gefährlichen und radikalen Schwarzen, der zum Schutz der Gesellschaft beseitigt werden muss, hinzustellen.
Schwarze Katze: Wie sieht denn das Verfahren im Moment aus?
Michael Schiffmann: Im Moment sieht es so aus, dass Mumia ein neues Verteidigungsteam hat, seit Mai 2001. Sie haben auch das Geständnis des tatsächlichen Täters vorgelegt und etliche andere neue Beweise für Mumias Unschuld. Unter Berufung auf seit 1996 bestehende Anti-Terror-Gesetzte versuchen die Gerichte jetzt, die Vorlage dieser neuen Beweise und das Geständnis des wirklichen Täters abzuschmettern, weil Mumias Fall mittlerweile international zum Symbol für die ungerechte Praxis der Todesstrafe und für die politische Justiz in den USA geworden ist.
Schwarze Katze: Wie sieht es mit der Mumia Abu-Jamal Solidaritätsbewegung weltweit aus?
Michael Schiffmann: Es gibt sowohl in den USA selbst, als auch in Europa eine breite internationale Solidarität die von Leuten reicht, die ausschließlich aus Menschenrechtsgründen gegen seine Hinrichtung protestieren bis zu Sozialisten, Anarchisten, Trotzkisten, Kommunisten, Leuten die Revolution wollen. Erstaunlicherweise ist es in den letzten 10 Jahren, in denen diese Bewegung erstakt ist, diesen Leuten gelungen, zusammenzuarbeiten. Nicht nur für die Freilassung Mumia Abu-Jamals sondern auch für die Abschaffung der Todesstrafe in den USA und die Freiheit für alle politischen Gefangenen.
Schwarze Katze: Amnesty International hat sich ja auch der Sache angenommen, oder?
Michael Schiffmann: Es gibt einen im Februar 2000 erschienenem Bericht von Amnesty International allein über Mumia Abu-Jamal, der 32 Seiten lang ist. Das ist eine sehr ungewöhnliche Sache und zeigt welche Bedeutung Amnesty diesem Fall zumisst. Dieser Bericht ist seit Oktober 2000 auch auf deutsch erhältlich bei unserer Gruppe. Kontakt kann man herstellen über www.mumia.de, da steht auch unsere Heidelberger Gruppe und Möglichkeiten über Informationsbeschaffung drauf. Wir fordern natürlich jeden und jede auf, sich diese Informationen zugänglich zu machen.
Schwarze Katze: Mumia ist ja der bekannteste politische Gefangene der Welt. Es fand auch in Iserlohn eine Veranstaltung der Schwarzen Katze mit dir als Referent statt. Wie fandest du die Reaktionen der Teilnehmenden bei dieser Informationsveranstaltung? Wie viele Leute waren da und wie hast du das so eingeschätzt?
Michael Schiffmann: Es waren etwa 15 vorwiegend junge Leute da. Mir hat diese Veranstaltung, obwohl sie relativ klein war, sehr gut gefallen. Sie ging etwa 3 Stunden lang. Was mir sehr gut gefallen hat, war das Interesse und die interessanten Fragen, die aus dem Publikum kamen und vor allem das Interesse der Leute daran, was sie selbst tun können, um für die Freiheit von Mumia einzutreten. Denn letzten Endes sollten solche Veranstaltungen nicht einfach nur der kulturellen Unterhaltung und Erbauung und Weiterbildung dienen, sondern es geht natürlich darum, in solch einem Fall auch für den Eingekerkerten etwas zu tun.
Schwarze Katze: Was können Radiohörer/innen denn tun?
Michael Schiffmann: Sie können das tun, was man immer tun kann. Sie können sich weiter selbst über den Fall informieren und selbst aktiv werden. Im Moment ist eine der Hauptaktivitäten der internationalen Bewegung Faxe an die Richterin und an den Richter zu schicken, die für die Vernehmung des geständigen Täters zuständig sind und für die Vorlage von neuem Beweismaterial. Solche Listen und Vorlagen für Faxe finden sich auf www.mumia.de, braucht man sich also nur runterzukopieren. Man kann Unterschriften sammeln, Leute Faxe unterschreiben lassen und nach Amerika schicken. Wie gesagt, wie immer ist das richtige Rezept das, was wir gestern in Iserlohn gemacht haben, damit es weitere Kreise zieht und Leute selbst die Initiative ergreifen und sich informieren und dann wiederum weiter andere Leute informieren.
Schwarze Katze: Vielen Dank für das Gespräch. Ich sprach mit ...
Michael Schiffmann: ... Michael Schiffmann von der Gruppe "Freiheit für Mumia Abu Jamal" aus Heidelberg.
Schwarze Katze: Wer weiteres Interesse an der Menschenrechtsthematik bzw. an Anti-Repressionsarbeit hat, kann sich auch eine lokale Adresse wenden: Schwarze Katze, Postfach 41 20 in 58664 Hemer.
In Polen ist seit einigen Jahren ein neoliberales Gesetz in Kraft, welches erlaubt zahlungsunfähige Mieter auf die Straße zu werfen, seitdem gelingt es anarchistischen Gruppen immer wieder dieses zu vereiteln, es gibt Nottelefone wo bedrohte Mieter die Anarchisten um Hilfe ersuchen können. Nachahmenswert!
Bereits ein zweites Mal verhindert wurde die Räumung der Wohnung von Frau Barbara Markiewicz - eine Rentnerin, die sich ihre Miete nicht leisten kann und in der Breslauer Stadtmitte wohnt. Dank einer Blockade von ca. 15 Anarchisten schritten die Vollstreckungsbeamten nicht ein und die alte Frau konnte in ihrer Wohnung bleiben.
Erfolgreiche Blockade einer Räumung
Breslau (Polen): Bereits ein zweites Mal wurde die Räumung der Wohnung von Frau Barbara Markiewicz - eine Rentnerin, die sich ihre Miete nicht leisten kann und in der Breslauer Stadtmitte wohnt. Dank einer Blockade von ca. 15 Personen, schritten die Vollstreckungsbeamt/inn/en nicht ein.
Breslauer Anarchist/innen und Squatters hatten bereits am Freitag beim Protest vor dem Büro des Vollstreckers die Blockade angekündigt. Schon eine Stunde vor der angekündigten Räumung hatten mehr als ein Dutzend Personen mit Transparenten "Räumungsstopp!" den Zugang zu der Wohnung versperrt. Die Polizisten die nach wenigen Minueten auftauchten beschränkten sich auf die Aufnahme der Personalien, ihr Eingreifen mit "Beschwerden von Nachbarn" erklärend. Diese Nachbarn allerdings, die sich mit der von der Räumung bedrohten solidarisieren - reagierten auf die Ankunft der Polizei ziemlich nervös.
Vollstreckungsbeamtin Agata Kwolek-Szczekot, wahrscheinlich von der Polizei informiert, erschien gar nicht erst vor der Wohnung der Betroffenen. Nach anderthalb Stunden erhielten die zahlreich erschienen Journalist/inn/en die Nachricht, daß sie von der Räumung zurücktrat.
Die erste versuchte Räumung auf die Straße (anm. des übrsetzenden: ohne Ersatzunterkunft) fand im April statt. (anm. des übersetzenden: in Polen ist seit einigen Jahren ein neoliberales Gesetz in Kraft, welches erlaubt zahlungsunfähige Mieter/innen auf die Straße zu werfen, seitdem gelingt es anarchistischen Gruppen immer wieder diese zu vereiteln, es gibt Nottelefone wo bedrohte Mieter/innen um Hilfe ersuchen können).

High Noon in Köln: Polizei sorgte beim Grenzcamp für Präsenz, später für Räumung
Schwarze Katze: Ich spreche jetzt mit jemand von der Antifa St. Wendel. Du warst ja beim antirassistischen Grenzcamp in Köln dabei. Wie war das so?
Antifa St. Wendel: Wir sind Mittwochabend angekommen, Zelte aufgebaut, dann schlafen gegangen und Donnerstag morgens direkt auf die erste Demo an die griechische Botschaft für die Gefangenen in Thessaloniki, dass die freigelassen werden. Ja es ging eigentlich ganz gut. Die Polizei hielt sich auch zurück, ausser als nach der Domplatte die Demo aufgehalten wurde und es nicht weiterging. Da gab ein inszeniertes Rugbyspiel - die Demoteilnehmerinnen und Teilnehmer zogen sich Trikots an und das Ziel des Spiels war den Rugbyball durch die Polizeisperren zu bekommen - ohne Gewalt. Das ging auch zweimal gut. Aber beim dritten mal ist ein Polizist ausgetickt und hat mit der Faust zweimal in das Gesicht eines Demonstranten reingeschlagen, und ihn dann noch am Pulli gezogen. Der Polizist wollte ihm noch ein drittes mal eine reinhauen, aber das ist dann nicht mehr passiert.
Schwarze Katze: Gabs neben lustigen Rugbyspielen mit der Polizei auch Inhaltliches auf dem Antirassistischen Grenzcamp?
Antifa St. Wendel: In den ersten Tagen fand das Plenum 'Antirassismus ausbuchstabiert' statt. Dann gabs noch verschiedene Antirassistische Workshops, und sonstige Workshops auf dem Camp und noch verschiedene Demonstrationen gegen Institutionen wie IOM, also International Organisation of Migration. Es gab noch Konzerte und jede Menge andere Dinge.
Schwarze Katze: Samstag ist ja die Polizei gekommen. Die haben das Ganze ja geräumt. Wie hast du das Verhalten der Polizei empfunden?
Antifa St. Wendel: Am Samstagmorgen war ich einer der Wenigen, der noch auf den Naziaufmarsch gekommen ist. Die ersten drei Stunden der Polizeiaktion hab ich gar nicht mitbekommen. Wir waren dann so um 16 Uhr wieder da. Da war das Camp komplett umstellt. Die Polizisten haben das Wasser abgedreht und Telefonleitungen gekappt. Es war auch für mich neu, dass die Polizei so ein Camp räumt. Es war beängstigend, dass friedliche Demonstrantinnen und Demonstranten von der Polizei so umstellt werden - 2.500 Polizistinnen und Polizisten das Camp mit Absperrgittern umstellen, zwei Wasserwerfer auf's Camp fahren, ein Räumpanzer. Es war schon sehr beängstigend. Ein komisches Gefühl.
Schwarze Katze: Du warst ja außerhalb von dem Camp. Hast du versucht, da noch reinzukommen? Bist du verhaftet worden?
Antifa St. Wendel: Wir mussten eigentlich auf's Camp, weil wir von der Polizei einen Platzverweis für Köln bekommen hatten. Die einzige Wahl war halt, auf's Camp zu gehen. Am Sonntagmorgen um halb drei sind wir dann alle eingefahren worden - da war ich auch darunter. Ich wurde auch eingefahren.
Schwarze Katze: Wie war das als Gefangener in der Sammelstelle Brühl?
Antifa St. Wendel: Wir sind im Bus angekommen. Als erstes ist ein Lichtbild von uns angefertigt worden, dann Personalienkontrolle. Wir sind komplett durchsucht worden. Dann ging's ab in die Zellen. Es waren - glaub ich - sechs Zellen aufgebaut, so 8 x 8 Meter. Ein Polizist nannte sie scherzhaft 'Vogelkäfige'. Dann sind wir so um 6 Uhr rausgelassen und mit einem Bus an eine Autobahntankstelle gefahren worden - am Bonner Verteilerkreis. Die Polizisten meinten, wir müssten hier aussteigen und zu Fuß ans Camp gehen. Das scheiterte dadran, dass niemand aus dem Bus ausstieg, und die Polizisten freundlich darauf hingewiesen wurden, dass wir jetzt sofort zum Camp gefahren werden wollen.
Schwarze Katze: Und die Polizisten haben euch dann zum Camp gebracht?
Antifa St. Wendel: Ja in die unmittelbare Nähe, das war direkt neben dem Camp.

Schwarze Katze: Bundesweit gab's einige Protestkundgebungen, unter anderem auch bei euch in St. Wendel.
Antifa St. Wendel: Wir haben direkt am Montag eine Spontandemo in St. Wendel durchgezogen, an der sich 30 Leute beteiligt hatten, was bei einer Mobilisierungszeit von knapp 14 Stunden doch sehr gut war. Wir haben Flyer verteilt, und es gab Kundgebungen - nur irgendwie hat es die Leute eigentlich gar nicht interessiert - es war schon sehr komisch - eine Demo zieht vorbei, Redebeiträge werden verlesen und Flyer verteilt - und die meisten interessiert´s nicht.
Schwarze Katze: Aber ihr gebt deswegen doch nicht auf, oder?
Antifa St. Wendel: Nein, auf keinen Fall. Es muss weitergehen. Mit den restlichen Flyern gabs dann noch eine Hauswurfsendung in St. Wendel.
Schwarze Katze: Mit was für Flyern?
Antifa St. Wendel: Wir haben ein Flyer über die Repression gegen die GrenzcampteilnehmerInnen geschrieben. Ausserdem Hauswurfsendungen verteilt, damit die Leute darüber informiert werden. Es ist ja nichts in den Medien von St. Wendel zum Grenzcamp erschienen. Die Menschen müssen wissen, was da abgegangen ist.
Schwarze Katze: Danke für das Gespräch.
Antifa St. Wendel: Bitte.
Unsere Träume werden mit jedem Tag dunkler. Wir fühlen uns ohne Hoffnung. Einige Menschen wollen, dass wir uns so fühlen. Die Kontrolle über unser Leben wird uns genommen, um das Kapital einiger Leute mehr und mehr werden zu lassen. Die Chefs beuten die ArbeiterInnenklasse aus, die Kapitalisten die Armen, reiche Länder beuten den Rest der Welt aus. Das ist der Auftrag des Geldes, des Kapitalismus.
Seit vielen Jahren hilft sich der Kapitalismus mit Organisationen wie dem IWF und der NATO. Die NATO dient heute als größte Armee dieses Systems. Dieses mal soll das NATO - Gipfeltreffen der Herren des Universums in Istanbul stattfinden, um Entscheidungen in unserem Namen zu treffen. Die NATO, welche von der Regierung der USA und ihren Verbündeten organisiert wurde, ist eine globale Organisation, die bereit ist, alles lebendige abzuschlachten - den Kapitalismus zu erhalten.
Die USA ist einerseits der Staat, der den größten Profit aus dem System schlägt, zum anderen leben in den USA sehr viele Obdachlose und arme Menschen.
Ein Staat vertritt nicht uns, sondern nur die herrschende Klasse und er beschützt den Kapitalismus, dessen Profite er als Basis benötigt. Für uns bedeutet der Kampf, dass wir zusammenzukommen und uns für eine soziale Revolution zu organisieren, um eine Welt ohne Ausbeutung zu schaffen. Diese Auseinandersetzung wäre ohne Bestand, würde es nicht darum gehen, dass die Produktionsmittel von den Produzierenden direkt übernommen werden. Das heißt, dass eine Gesellschaft, die ihre Existenz daraus gründet, dass die Dinge konsumiert werden, die die Ausbeutung ausmachen, nicht frei sein kann.
Wir glauben nicht daran, dass die Lösung ein Wechsel der Besitzenden oder der Autoritäten sein kann. Wir wollen eine Welt ohne Autoritäten. Die Chefs, die Kommandierenden, die Führer, die Ehemänner und die älteren Menschen machten uns glauben, dass sie besser Entscheidungen in unserem Namen treffen könnten als wir selbst. Aber wir glauben, dass niemand die Autorität hat, Entscheidungen in dem Namen Anderer zu fällen. Wir denken, dass es nötig ist, organisatorische Kollektive zu schaffen, in denen Menschen ihre Entscheidungen zusammen fällen. Wir unterstützen Menschen, die probieren, diese Art von Kollektiven zu schaffen. Der Weg in eine Welt ohne Autoritäten und Ausbeutung ist nur möglich über einen Aufstand, welcher durchgesetzt wird von den Menschen, dessen Arbeit ausgebeutet wird, deren Kultur und Sprache geplanterweise zerstört werden soll, die aufgrund ihrer sexuellen Identitäten oder Orientierungen verletzt werden...
Woher kommen wohl die vielen Besucher? Nach ausgiebigen Mutmassungen haben wir festgestellt, dass für die hohen Seitenzugriffszahlen folgende Personengruppen verantwortlich sein könnten:
- Polizei Lüdenscheid (dahin werden Polizisten die was ausgefressen haben strafversetzt, unser Beileid)
- Staatsschutz Hagen (die sind für den Märkischen Kreis zuständig)
- Verfassungsschutzzentrale Köln und NPD (Wer hat da wohl wen unterwandert?)
- 16 Landesverfassungsschutzämter in Angst um Zusammenlegung und in Erinnerung ans Celler Loch
- Militärischer Abschirmdienst (Stillgestanden!)
- GSG9 auf ihrer Betriebsfeier in Bad Kleinen
- Bundeskriminalamt auf Spurensicherung
- Terrorfahndung, Bundesgrenzschutz (Im Internet werden Grenzen überschritten, schlimm, schlimm...)
- CIA und andere (Un)Sicherheitsbehörden
- Osama Bin Laden höchstpersönlich oder sein CIA-Klon
- Neonasen, die sich unheimlich mutig vorkommen wenigstens virtuell die andere Feldpostnummer zu erkunden
- Reppis, DVU, Kameradschaften nach einem Überraschungsbesuch beim Asylbewerberheim
- Sektenopfer, deren Guru gerade beim Geldzählen ist
- unfähige Versager, die nichts auf die Kette kriegen
- Stalinisten, die auf Erfolge der kleinbürgerlich-konterrevolutionären Anarchos neidisch sind
- abgespaltenes Zentralkomittee der Bolschewistisch-Trotzkistischen Strömung der IV. Internationale
- faule Schüler, die für ihr Referat was abstauben wollen (Nehmt, was ihr braucht!)
- Anarchisten, die als romantische Verlierer trotzdem die Hoffnung nicht aufgeben
- FAUistas und andere Gewerkschafter
- Antideutsche und andere Angehörige vom Mossad
- Antiimpis und ihre Freunde von der Volksfront zur Befreiung Palästinas
- Judäische Volksfront und Volksfront zur Befreiung von Jüdäa
- paranoide Anti-Antifa bei der erfolglosen Suche personenbezogener Daten
- verhinderte Revolutionäre
- unfreiwillige und freiwillige Singles
- unzufriedene Demokraten beim 47. Parteigründungsversuch, wo alles ganz anders werden soll...
- gelangweilte wohlstandsverwöhnte beziehungsgestörte Normalos
- ausgrenzende, sich immer auf der richtigen Seite befindende Gutmenschen
- glückliche Arbeitslose, die nach Hartz IV nicht mehr so glücklich sind
- patriotische Auslandsdeutsche, die mal so richtig über die bösen Zecken gruseln wollen
- Antifas, Antiras, Atomkraftgegner, Globalisierungskritiker
- Sauerländer Lokalpatrioten, die was über ihre Heimat suchen
- kontaktgestörte unpolitische Normalos
- Schwule, Asexuelle, Lesben, Pädos, Heterosexisten (Besser bi als nie!)
- Workaholics, faule Schmarotzer
- Angestellte, die verbotenerweise surfen, statt zu arbeiten (Passt auf und lasst euch nicht erwischen!)
- potentielle Mörder
- Bonzen, deren Zeit bald vorbei ist
- Chaoten, die erfolglos nach Bombenbastelanleitungen suchen
- Autonome (Beim Internet Hasskappe richtigrum aufsetzen!)
- fundamentalistische Christen, Satanisten, Islamisten und andere religiöse Fanatiker
- Atheisten und Freidenker (viel Erfolg bei eurer Arbeit)
- Möchtegernrevolutionäre
- gescheiterte Existenzen, ewige Verlierer
- DAUs (dümmste anzunehmende User), die sich in den Weiten des Netzes verirrt haben
- nostalgische Alt-68er
- Konsumidioten
- psychisch Gestörte und andere Opfer des Systems (Aus der Krankheit eine Waffe machen!)
- Kiffer, Drogis, Abstinentler
- Tierbefreier und andere Katzenfreunde
- und ein (in Zahlen: 1) wirklich Interessierter (du)
Haben wir was vergessen? Ja, die Mädels und die Katzen. Sonst noch wen? Vorschläge willkommen...
Dies sind einige Punkte, die eine andauernde Haltung der SPD zu ihrer Basis um der Regierungsfähigkeit willen deutlich machen.
(1) Bock, Hans Manfred, Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923, Darmstadt 1993, S. 5-10)
(2) Bock, S. 27
(3) Braunthal, Gerard, Politische Loyalität und öffentlicher Dienst, Marburg 1992, S. 36ff., 117f.