Schwarze Katze Rundbrief 15.11.02
Solidarität und Brot statt Bomben und Soldatentod!
1.) Kundgebung gegen Nazis in Menden
Schwarze Katze Kurzbericht
Am 09.11.02 fand in Menden eine Kundgebung gegen Nazis statt. Die Westfalenpost berichtete am folgenden Montag folgendes:
Ein klares Zeichen gegen Rassismus,
Fremdenfeindlichkeit und
Gewalt setzten am Samstag zahlreiche Mendener während der Kundgebung
vor dem
Alten Rathaus. Innerhalb von zwei Stunden sammelten die Initiatoren
460 Unterschriften für den Mendener Appell für Zivilcourage und Toleranz. Viele Unterstützer waren am Jahrestag der Reichspogromnacht ganz
gezielt zum Alten Rathaus gekommen, Passanten unterbrachen spontan ihren
samstäglichen Einkauf.
Während der Kundgebung boten die heimischen Bands "Sultani-Swingtett" und "Pretty Bitches" Live-Musik. 300 DemonstrantInnen sind für Menden viel. Ein deutliches Zeichen gegen rechte Gewalt. Nazis, die auftauchten, wurde deutlich gemacht zu verschwinden, was dann auch recht schnell geschah. Aus anderen Städten kamen auch einige Antifas um die Kundgebung zu unterstützen. Viele Mendener Organisationen und Einzelpersonen beteiligten sich. Da bei der Schwarzen Katze auch Mendener mitmachen, war es für uns selbstverständlich den Mendener Appell für Zivilcourage und Toleranz zu unterstützen und bei der Kundgebung dabeizusein. Wir haben die Redebeiträge aufgenommen und Teilnehmer der Kundgebung wurden für eine spätere Radiosendung interviewt.
Bilder der Mendener Kundgebung gegen Nazis
Besonders beeindruckt hat uns die Rede einer Iserlohnerin. Sie erzählte von ihrer jüdischen Verwandtschaft, die von den Nazis umgebracht wurde. Hier wieder ein Ausschnitt aus der Westfalenpost Menden vom 11.11.02:
Ihr ist der 9.
November und die
Zeit des NS-Terrors unvergesslich in Erinnerung geblieben: "Mein
Bruder kam
hereingerannt und rief ,In ganz Deutschland brennen die Synagogen´."
Viele
ihrer
Verwandten wurden in Konzentrationslagern ermordet. "Freunde von
Kindheit an
sahen in uns mit einem Mal Untermenschen. Mit den Mauern der Synagoge
brannten
alle Verbindungen ab", berichtete die Iserlohnerin, die sich heute
für
Asylbewerber und Flüchtlinge engagiert.
Hier nun ein anderer Redebeitrag, der gehalten wurde:
Rede zur Kundgebung am 9.11.02 in Menden
Pressemitteilung der DPA, 13. Mai 2002:
In den ersten drei Monaten des Jahres haben die Behörden in Deutschland 127 Fälle antisemitischer Übergriffe und Hetze registriert.
Lüdenscheid, 30. Juni:
Eine Gruppe von ca. 15 Männern, unter ihnen Mitglieder der NPD, attackieren auf dem Sternplatz mehrere ausländische MitbürgerInnen. Ein Betroffener muß mit einer offenen Kopfverletzung im Krankenhaus behandelt werden.
Sulzbach im Saarland, 10. August:
Auf einem Fest wird der junge Türke Ahmed S. von einem rechtsradikalen Skinhead erstochen. Als Tatmotiv nennt die Staatsanwaltschaft "Ausländerhass".
Hildesheim, 31. August:
Eine Gruppe von vier Tamilen wird auf einem Schützenfest von Skinheads umzingelt, beschimpft und angepöbelt. Die Flüchtlinge fliehen in ihre Unterkunft, werden jedoch von der Gruppe verfolgt und mehrfach geschlagen. Ein Flüchtling erleidet eine Verletzung am Arm, ein zweiter eine Platzwunde am Hinterkopf, die im Krankenhaus genäht werden muß.
Pressemitteilung der DPA, 7. Oktober :
Seit der Wiedervereinigung 1990 wurden in Deutschland über 100 Menschen ermordet, weil sie nichtdeutscher Herkunft oder obdachlos waren.
Berlin, 1. November:
Bei seiner Ansprache zur Rückbenennung der Spandauer "Kinkelstraße " in "Jüdenstraße" wird der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Berlin, Alexander Brenner, antisemitisch beschimpft. Seine Rede wird von Buhrufen, Pfiffen und "Juden raus" - Parolen unterbrochen. Außerdem rufend die Gegendemonstranten Sprüche wie "Ihr Juden seid an allem schuld".
Cottbus, 1. November:
Ein seit zehn Jahren in Cottbus lebender Kubaner wird von drei Männern aus der rechten Szene krankenhausreif geschlagen. Er erleidet eine Gehirnerschütterung, zwei Rippenbrüche sowie Stauchungen und Prellungen. Während sie auf ihn einprügeln, rufen seine Angreifer: "Ausländer raus- alle Ausländer müssen sterben".
Wochenzeitschrift "DIE ZEIT", 7. November:
Nach einer Untersuchung des Bielefelder Instituts für Konflikt - und Gewaltforschung kann sich jeder fünfte Bundesbürger von Rechtspopulisten mobilisieren lassen. Über die Hälfte der 3000 Befragten sind der Ansicht, dass viele Juden versuchen würden, aus dem Holocaust Vorteile zu ziehen und die Deutschen für die Vergangenheit zahlen ließen.
Menden, 9. November
Wir nehmen den heutigen Jahrestag der Reichspogromnacht zum Anlass, um gegen jede Form von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt und für Zivilcourage und Toleranz zu demonstrieren. Schon diese kleine Aufzählung antisemitischer und rechtsradikaler Übergriffe und Angriffe zeigt die Notwendigkeit gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auf die Strasse zu gehen. Wobei die Aufzählung nur eine Auswahl der Vorfälle ist, die sich alleine in den letzten Monaten in Deutschland ereignet haben.
Wir haben diesen Tag, den 9. November, bewusst für die Kundgebung gewählt, weil er der 64. Jahrestag der Reichspogromnacht ist. In dieser Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 steckten die Nationalsozialisten jüdische Synagogen in ganz Deutschland in Brand - auch in Menden. Sie zertrümmerten die Schaufenster jüdischer Geschäfte, demolierten die Wohnungen jüdischer Bürger und misshandelten oder töteten ihre Bewohner. 91 Tote, 2.676 zerstörte Gottes- und Gemeindehäuser und 7.500 verwüstete Geschäfte - das war die "offizielle" Bilanz des Terrors. Am 10. November verschleppten die Nazis mehr als 30.000 jüdische Männer in Konzentrationslager.
Der 9. November ist für uns nicht nur ein Tag der Erinnerung an und die Trauer um die Millionen jüdischer Kinder, Frauen und Männer, die von den National-sozialisten verfolgt und ermordet wurden.
Der 9. November ist für uns auch ein Tag der Mahnung und der Wachsamkeit gegen Antisemitismus und Rassismus auch heute einzutreten. Solange Antisemitismus, solange Rassismus , wo, von wem und in welcher Form auch immer sie daherkommen, weiterbestehen, gilt nicht nur den Toten unsere Erinnerung, sondern auch unsere Solidarität all jenen, die noch immer von Verfolgung bedroht sind.
Und dass Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und rechtsradikale Tendenzen nicht vor den Toren unserer Stadt halt machen, zeigt eine Auswahl der Schlagzeilen der in Menden erscheinenden Zeitungen:
Mendener Zeitung, 23. April:
Bereits vor Monaten sprachen Polizei und Stadt als Ordnungsbehörde gegen rechts-angehauchte Jugendliche auf allen örtlichen Spielplätzen in Menden ein Platzverbot aus. Die besagte Gruppe hatte nicht nur eindeutig rechtsgerichtete Zeichen getragen, sondern durch lautes Gegröle durchaus Angst und Schrecken verbreitet.
Mendener Zeitung, 27. Mai:
Ein 18-jährige Mädchen wurde am Freitagabend am Hexenteich bewusstlos geschlagen. Die Täter kommen aller Vorrausicht nach aus dem rechtsradikalen Spektrum. Während einer Geburtstagsfeier sei eine etwa zwölfköpfige Gruppe gekommen, deren Mitglieder Naziparolen gerufen und mit Pöbeleien begonnen hätten. Die zunächst verbalen Angriffe seien dann in Gewalttätigkeiten übergegangen.
Westfalenpost, 27. Mai:
Feier am Hexenteich endete im Krankenhaus....Ohne jeglichen Grund pöbelten sie uns an und beschimpften uns mit Nazi-Wörtern als linke Zecken und nannten uns Untermenschen.
Westfalenpost, 11. Juni:
Es gibt in Menden Jugendliche, die rechtsradikale Symbole tragen und auch mal Nazi-Parolen rufen, doch von einer rechtsradikalen Szene kann noch keine Rede sein. Das stellt eine Untersuchung der Mendener Stadtverwaltung fest.
Westfalenpost, 11. Juli:
Abiturienten in Lendringsen angepöbelt und geschlagen. Einer der Täter trug ein Hakenkreuz Sprüche wie " Euch Dreckpack sollte man vergasen"
Mendener Zeitung, 15. Juli:
Hitlergruß auf offener Strasse und frei sichtbare Hakenkreuz-Fahnen - das ist in Lendringsen schon lange nicht mehr undenkbar, sondern Realität.
Westfalenpost, 15. September
Eine Gruppe von rechtsradikalen Männern trat am Samstagabend gegen 23 Uhr vor der evangelischen Kirche in Lendringsen auf, in der sich die Familie Bozkan im Kirchenasyl befindet. Die Männer skandierten lauthals "Ausländer raus. Wir marschieren durch die Nacht." Den Platzverweisen der Polizei kann die Gruppe nicht nach. Insgesamt 11 Personen wurden daraufhin in Gewahrsam genommen.
Viele Mitbürgerinnen und Mitbürger sind besorgt über diese Vorfälle. Einige haben Angst.
Zum Beispiel die Flüchtlinge, die seit Monaten in ihrer Unterkunft immer wieder belästigt und angepöbelt werden. Die mittlerweile andere Wege wählen, um nicht den Rechten zu begegnen, die in unmittelbarer Nachbarschaft wohnen
Ob es organisierten Rechtsradikalismus in Menden gibt oder nicht. Ob man das nun rechte Szene nennt oder nicht. Fest steht: Es gibt Menschen und Gruppen in unserer Stadt, die mit rechtsradikalen Parolen auftreten und dabei teilweise auch vor Gewalt nicht zurückschrecken.
Mit unserer Kundgebung heute sagen wir:
Wir sind nicht bereit, dazu zu schweigen. Wir wollen wir ein eindeutiges Signal entgegensetzen. Wir haben deshalb den "Mendener Appell für Zivilcourage und Toleranz" verfasst.
Wir sagen: Angriffe, bei denen Menschen wegen ihrer Hautfarbe, Herkunft, Nationalität, Religion, Lebensweise oder ihrer politischen Überzeugung diskriminiert, verfolgt, misshandelt oder gar an Leib und Leben geschädigt werden, gehen uns alle an.
Wir stehen ein für ein menschliches, weltoffenes und tolerantes Menden und für ein friedliches Zusammenleben aller Bürgerinnen und Bürger. Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz, Ausgrenzung und Gewalt werden wir nicht dulden.
Wo immer es möglich ist, wollen wir durch gemeinsame Aktionen ebenso wie durch kleine Gesten Flagge zeigen.
Wir rufen alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt auf, Zivilcourage zu zeigen. Jeder und jede ist aufgefordert, gegen rechtsextremes Gedankengut und rechte Gewalt zu handeln.
Und wir wollen, dass sich der Rat als höchstes politisches Gremium der Stadt unserem Appell anschließt.
Deshalb werden wir den Appell mit allen Unterschriften als Antrag mit der Bitte um Unterstützung an den Rat weiterleiten.
2.) Aktion am Kölner Neumarkt - Warum ich für den Frieden auf der Strasse stehe
Kein Blut für Öl # 1, April 2002, Wolfram
| Highnoon am Wochenende. Sonnabend
um 12 in der Kölner City. Menschenmassen
strömen durch die Schildergasse.
Es ist kühl und stürmisch. Das
große Stück Stoff droht zum Segel zu
werden. Aber es wird von zwei kräftigen
Männern festgehalten. Sie stehen im
dichten Strom der Passanten fest auf ihrem
Platz. Sie versuchen, die Blicke auf
sich zu ziehen und das Interesse der
Leute zu wecken. Aber es gibt nicht nur
das große Bild und die Losung darauf
Denn zwischen den vorübereilenden
Menschen bewegen sich noch einige andere
seltsam gekleidete Personen. Diese
eigenartigen Gestalten mit dem schwarzweißen
T-Shirt versuchen harmlose, bedruckte
Papierblätter zu verteilen. Es
geht nicht um Werbung, nicht um Politik
nur um Frieden. Nur etwas Lektüre, um
die Leute auf gewisse Tatsachen aufmerksam
zu machen, von denen kaum einer
etwas weiss. Weil diese Tatsachen
nicht so schön klingen; Wie Krieg gegen
Terror. Und so einfache Lösungen anbieten;
wie Sicherheit für die westliche
Welt, wenn Osama bin Laden gefaßt
wird. Es ist die falsche Zeit und der falsche
Ort, gerade hier und jetzt mit den
Menschen darüber zu reden und diskutieren
zu wollen. Außerdem wird ja alles
nicht so schlimm sein, und es ist ja auch
gerade alles ruhig in Afghanistan. Nur
weit weg in Israel gibt es wieder etwas
Krach. Ansonsten haben wir doch alles
im Griff. Da können wir doch in Ruhe am
Wochenende etwas einkaufen, Spaß haben
und uns ausruhen. Was wollen
dann diese Spinner mit ihren Sprüchen
und Geschreibsel? So ungefähr sieht es
sicher für einen unbeteiligten Beobachter
aus. Und genauso hätte ich es auch
gesehen, wenn ich nicht schon länger
darüber nachgedacht und mich genauer
informiert hätte. Da kann doch was nicht
ganz stimmen, mit dem Anti-Terrorkrieg
und der großartigen Solidarität mit Amerika. |
|
Und wenn man erst mal skeptisch
geworden ist, hört und sieht man schon
genauer hin. Man hat natürlich die Wahl
selbst zu denken oder sich seine Meinung
BILDen zu lassen. Man läßt alles
mit sich machen oder man macht etwas.
Nur gut das schon andere Menschen auf
den gleichen Gedanken gekommen sind.
Deswegen bin ich gerade jetzt zu dieser
Gruppe gestoßen. und mit ihr für den
Frieden auf die Straße gegangen. Weil
ich nicht mehr zugucken und abwarten
will. Mit Ihnen zusammen stehe ich nun
hier in Köln am Neumarkt. Wir möchten
den Leuten die Lebensgefahr verdeutlichen,
die uns allen von der gegenwärtigen
amerikanischen Politik droht. Denn
die Bedrohung scheint weit weg zu sein.
Aber das kann sich bei der zunehmenden
Globalisierung und internationalen
Vernetzung ganz schnell ändern. Doch
das sehen und verstehen die wenigsten.
Viele Passanten gehen vorbei, übersehen
uns oder lehnen unsere Flugblätter
rundheraus ab. Danke, keine Zeit, keine
Lust.
Nur wenige machen sich die Mühe
hinzugucken und etwas zu lesen. Noch
weniger sind wirklich interessiert und besorgt.
Vorerst bleibt meist nur ein
Frustgefühl. Aber was solls. Wir machen
uns wieder Mut und verteilen weiter
unsere kostenlosen Informationen.
Und dann sind auch schon 2 Stunden
vorbei und wir packen alles zusammen
und räumen auf. Immerhin haben wir
heute doch wieder einige Menschen erreicht.
Dabei haben wir nicht nur unsere
Meinung zur aktuellen Weltlage sondern
auch viele Daten, Fakten und Hintergründe
zur Sprache gebracht und diskutiert.
Schließlich kann in diesem Land immer
noch Jeder seine Ansichten öffentlich
vertreten.
Gerade unter seinen Freunden und
Mitmenschen, auch wenn diese anderer
Meinung sind. Und gerade wir als Deutsche
und Europäer mit unseren Erfahrungen
aus der Geschichte haben das Recht
und die Verpflichtung die Bush-Administration
vor dem Unheil zu warnen, dass
sie mit ihrer erpresserischen Politik heraufbeschwören.
Denn sie setzt den Frieden
und die Zukunft der ganzen Welt
aufs Spiel, nur um ihre wirtschaftlichen
Interessen, hier speziell die Kontrolle des
Ölmarktes, durchzusetzen. Zumal es
doch irgendwie lächerlich wirkt, wenn
sich die größte Supermacht von einem
Mann bedroht fühlt, dessen Mittel und
Möglichkeiten in so krassen Gegensatz
zu den faktisch unbegrenzten Mitteln
und Möglichkeiten der USA stehen.
Aber solange wir noch eine Chance sehen,
die mögliche Katastrophe mit friedlichen
Mitteln zu verhindern werden wir
immer wieder solche und ähnliche Aktionen
durchführen. Dazu brauchen wir jede
Unterstützung und Hilfe die wir kriegen
können, weil wir noch so wenige
sind. Aber schon Gerhard Schöne hat ja
schon gesungen: "Alles muss klein beginnen".
Deshalb brauchen wir noch viele
Menschen, die Zeit und Kraft und natürlich
auch Geld in die Sache des Friedens
investieren. Denn die Banken und
Konzerne investieren nur in Geschäfte,
wo viel zu verdienen ist. Und das ist das
große Geschäft mit der Angst der Menschen
vor Krieg und Unsicherheit und
vor dem unbekannten bösen Feind. Aber
nicht genug das Sie und die von Ihnen
bezahlten Politiker an der zunehmenden
Rüstung und den sinkenden Sozialausgaben
verdienen. Man setzt alle Hebel
und Massenmedien in Bewegung um unsere
Gefühle auszubeuten. Denn man
sollte sich immer die Frage stellen: Cui
Bono? Wem nützt es? Also machen wir
uns die Mühe und die Arbeit die heuchlerische
und falsche Informationspolitik
der US-Regierung und ihrer Verbündeten
zu entlarven. Damit jeder weiß vor wem
oder was wir uns wirklich fürchten sollten.
Denn die Gewaltspirale dreht sich
solange bis es entweder keine Menschen
mehr gibt. Oder die Friedlichen
werden gewalttätig und legen den Gewalttätigen
wirksame Fesseln an!
In diesem
Sinne ist jeder aufgerufen sich diesem
Kriegs- und Terrorgeschrei entgegenzustellen
um für Frieden und Völkerverständigung
zu kämpfen. Wir müssen
Front machen gegen diese Leute, die an
jedem Krieg verdienen und auch noch
unsere Gefühle für die Opfer nur mit einer
Gewalttat ausbeuten wollen. Wo
doch immer noch so viel Gewalt für alle
möglichen politischen und wirtschaftlichen
Ziele eingesetzt wird. Und genau
das muß sich ändern, wenn die Menschheit
noch eine Zukunft haben will!
3.) Der „dauerhafte Frieden“ - Willkommen im Überwachungsstaat
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5.) Ex-Mitglied der NPD soll neun Monate in Haft
Westdeutsche Allgemeine Zeitung Bochum 08.11.02
Bochum. Diesmal gab es für das ehemalige NPD-Mitglied (35) nicht mehr
die Gnade einer
Bewährungsstrafe. Weil er zu Hause lautstark Nazi-Parolen skandiert
hatte, wurde er gestern
vom Amtsgericht zu neun Monaten Haft verurteilt - ohne Bewährung.
Der Gerüstbauer hatte an drei verschiedenen Tagen zwischen Februar
und April zu Hause mit
Freunden gezecht. Mit einer ebenfalls anwesenden Bekannten (22) rief
er einschlägige
Nazi-Grußformeln. Das war so laut, dass Nachbarn in einem anderen
Haus dies hörten. Sie
riefen die Polizei. Das sei "kein Verpetzen", lobte der Vorsitzende
Richter die Nachbarn,
sondern Zivilcourage.
Gestern im Prozess waren die Angeklagten geständig. Der 35-Jährige:
"Was gibt´s da großartig
zu sagen? Ich habe den Mist gebaut. Im besoffenen Schädel." Zehn bis
20 Flaschen Bier habe
er vor den Parolen getrunken. Außer den Nazi-Rufen hatte er auch noch
die Scheibe eines
geparkten Minivans zerschlagen. Das Auto habe er als "imaginären
Gegner" angesehen, sagte er
vor Gericht. Für all diese Ausfälle kassierte der Gerüstbauer wie vom
Staatsanwalt beantragt
neun Monate Haft. Die 22-Jährige kam mit 400 E Geldstrafe davon.
Der 35-Jährige war früher Mitglied der NPD. Sein Austritt aus der
Partei konnte seine großen
Probleme aber nicht lösen. Er nimmt Psychopharmaka und ist
alkoholkrank. Er hat acht
Vorstrafen. Eine Therapie half nicht. "Den Kampf gegen den Alkohol
habe ich verloren", gab er
gestern zu. Erst im Herbst 2000 hatte ihm ein Berufungsgericht eine
18-monatige Haftstrafe
(u.a. wegen Gebrauchs von Nazi-Symbolen) noch mal zur Bewährung
ausgesetzt. Doch die
Hoffnung der Richter hatte getäuscht, wie sich zeigte. Er sei ein
"eklatanter
Bewährungsversager", stellte der Oberstaatsanwalt fest.
Die Verteidigung wollte erneut "Bewährung". Doch das Gericht machte
da nicht mit. Die
derzeitigen Therapiebemühungen des Angeklagten seine "ein bisschen
wenig". Nun muss der
35-Jährige fürchten, dass er zusätzlich zu den neun Monaten Haft auch
jene 18 Momate
absitzen muss.
6.) Fast ein Nachruf
Die DKP kämpft ums Überleben ihres Zentralorgans
Henning Böke
ak - analyse & kritik, Zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 466 / 18.10.2002
ak-LeserInnen wissen: Was sie in Händen halten, hieß früher Arbeiterkampf - Zeitung des Kommunistischen Bundes. Der KB ist Geschichte, die Zeitung existiert weiter. Die DKP muss nun fürchten, dass ihr das Gegenteil passieren könnte: Die Partei beginnt sich ganz allmählich wieder aufzurappeln, das Schicksal der UZ (Unsere Zeit) jedoch hängt am seidenen Faden.
In der 70er und 80er Jahren, als die Springquellen des realsozialistischen Reichtums aus der DDR flossen, stellte die UZ - nach ihren Anfängen als Wochenzeitung - täglich die Sicht der DKP und ihrer ruhmreichen Bruderparteien auf das Weltgeschehen dar. Vielen DKP-Mitgliedern war sie stets eher peinlich, als ihr interessantester Bestandteil galt die DDR-Sportberichterstattung. 1986 verursachte die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl das größte inhaltliche Debakel des Parteiblatts, als die UZ im Laufe mehrerer Tage verlegen herumdrucksend die Tatsachen eingestand, die der westlichen Öffentlichkeit längst bekannt waren.
Kosmetische Korrekturen am alten Weltbild
Als nach dem Fall der Mauer der Geldsegen von Schalck-Golodkowski ausfiel und die DKP rapide zusammenschrumpfte, musste die UZ sich mit 14-tägigem Erscheinen begnügen, brachte es dann jedoch wieder zur Wochenzeitung. Nun ist eine ihre Existenz gefährdende Finanzkrise ausgebrochen, die die Partei durch eine gewaltige Mobilisierung zu Spenden und Darlehen zu meistern versucht. Als Ursache für die Misere werden unter anderem in großem Umfang unbezahlte Abonnementsrechnungen angeführt.
"Inzwischen leicht besser als ihr Ruf" nannte der der DKP treu gebliebene Georg Fülberth die UZ mit dem ihm eigenen Sarkasmus 1992. In den letzten Jahren gab es sachte und zaghafte Ansätze zu einer Öffnung, das Blatt machte einen sehr durchwachsenen Eindruck: Neben interessanten und informativen Artikeln - von denen etliche aus parteifremden Quellen stammten - standen Fortsetzungen der alten realsozialistischen Hofberichterstattung. Dabei kam es immer wieder zu ausgesprochenen "Knüllern", die bewirkten, dass linke Kreise außerhalb des Parteiumfelds sich wenn überhaupt, dann mit Häme auf die UZ bezogen. Innerparteiliche Konflikte wie der Streit um den Ende 1998 offensichtlich gewordenen Antisemitismus in der russischen "Bruderpartei" KPRF, der nach einem besorgten Brief des Parteivorsitzenden Heinz Stehr an Gennadi Sjuganow zum wütenden Rücktritt seiner damaligen Stellvertreterin Bruni Steiniger führte, wurden in einem sterilen Parteikauderwelsch verklausuliert dargestellt - obwohl sie den Mitgliedern der Partei bekannt sind und heftige Debatten auslösen. Kommentarlos wurde einmal eine Erklärung der Botschaft Nordkoreas wiedergegeben, die jeden Kontakt zu faschistischen Kräften bestritt - dummerweise dokumentierte zur gleichen Zeit das NPD-Organ Deutsche Stimme mit Bild den Empfang einer Nazidelegation durch nordkoreanische Diplomaten. Ein unvergessliches "Highlight" im negativen Sinne stellte auch die völlig durchgedrehte Berichterstattung zum Machtwechsel in Jugoslawien im Herbst 2000 dar.
Undogmatische und kritische Artikel, die es durchaus ab und zu auch gab, riefen meist empörte LeserInnenbriefe vor allem aus dem Osten hervor, in denen dauernd erklärt wird, wie eine wahrhaft marxistisch-leninistische Zeitung auszusehen hat. Hier wird das politische Problem deutlich: Der streng orthodoxe Flügel ist in der DKP eine Minderheit, die die von der Parteiführung um Heinz Stehr und Nina Hager betriebene vorsichtige Entdogmatisierung als "Revisionismus" verteufelt. Die kosmetischen Korrekturen der Mehrheitsströmung am alten Weltbild genügen aber nicht, um die Partei und ihre Zeitung für ein breiteres Spektrum der Linken interessant zu machen. Die Mehrheit mit ihrer "weicheren" Variante des KP-Traditionalismus scheut eine offensive Auseinandersetzung mit den dogmatischen Plagegeistern, weil sie damit ihre eigenen Legitimationsgrundlagen untergraben würde.
Gerade im Bereich der internationalen Berichterstattung sind die Kapazitäten der DKP und ihres engeren SympathisantInnenumfelds sehr begrenzt. Mangels Konkurrenz kann beispielsweise der heute parteilose ehemalige Italienkorrespondent des Neuen Deutschland, Gerhard Feldbauer, als "Italien-Experte" in der UZ eine Fortsetzung seines alten DDR-Journalismus betreiben. Seine grotesk verdrehten, vor offener Fälschung von Zitaten nicht zurückschreckenden Darstellungen zum Strömungsstreit in der Rifondazione Comunista etwa stoßen durchaus auf den Unwillen der Redaktion. Eine Alternative könnte nur darin bestehen, die Zeitung konsequent für kompetente AutorInnen ohne doktrinäre Scheuklappen, auch über das traditionelle Parteiumfeld hinaus, zu öffnen. Das ist den MacherInnen der UZ schon bewusst, aber es scheint momentan in der DKP politisch nicht durchsetzbar - die Angst der Mehrheit vor dem Verlust der angestammten ideologischen "Identität" dürfte noch schwerer wiegen als das Gemecker der orthodoxen Opposition.
Im Sinne Lenins soll eine Parteizeitung als "kollektiver Propagandist, Agitator und Organisator" auf die "Massen" einwirken. Organisationszeitungen, die dieses Prinzip befolgen, wie etwa die Rote Fahne der MLPD, das gleichnamige Organ der (Ost-)KPD oder auch die Linksruck-Zeitung sind heute im linken Blätterwald aber gerade diejenigen, die außerhalb einer eng umgrenzten Klientel niemanden interessieren. Die als "Massenzeitungen" konzipierten Blätter haben tatsächlich die kleinste StammleserInnenschaft. Dagegen haben sich ehemalige Organisationszeitungen wie ak oder SoZ als angesehene pluralistische Debattenorgane - natürlich stets auf Spenden angewiesen - etablieren können.
In der DKP aber ist kein Konzept in Sicht, mit dem sich eine interessante Zeitung für ein breites Publikum in den die Veränderung der Gesellschaft im emanzipativen und sozialistischen Sinne anstrebenden Bewegungen machen ließe. Dieses Problem wird auch dann bestehen bleiben, wenn es gelingen sollte, den Zusammenbruch der UZ einstweilen noch einmal abzuwenden.
7.) Spendet für kriminalisierte Antifas!
Deutsche Justiz kriminalisiert legitimen Protest
Salud !
Liebe FreundInnen, GenossInnen, Anverwandte, SympathisantInnen und
unbekannte,
Ich wende mich mit diesem Bettelbrief an euch, da ich euer Geld brauche.
Nein, schön wär's, das Geld ist nicht für mich persönlich.
Viellmehr habe ich eine erste, vorläufige Rechnung von meiner Anwältin,
erhalten.
Zur Erinnerung:
Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf wirft mir schwere Körperverletzung
(gegen anwesende Neo-Nazis) und Widerstand gegen die Staatsgewalt vor.
Beides soll ich im Rahmen der Veranstaltung "Mut gegen Rechts" begangen
haben.
Mitlerweile hat der Richter schon zweimal den Prozess platzen lassen. Im
Februar 2003 wird er dann schon zum dritten mal von vorne Anfangen.
Die Kosten für meine Anwältin belaufen sich schon jetzt auf etwas mehr
als 1300 Euro (!), welche ich bis zum 19.11.02 zahlen soll.
Über finanzielle Unterstüzung würde ich mich sehr freuen.
Bitte Überweist das Geld auf folgendes Konto:
Spendenkonto:
A. Leonard
Stadtsparkasse Düsseldorf
BLZ: 300 500 10
Konto-Nr.: 1427 9533
Verwendungszweck: ABC-D*
*ABC-D steht für Anarchist Black Cross Düsseldorf
Alles was ggf. über diesen Betrag hinausgeht wird in eine
"Anti-Repressionskasse" fließen und so ggf. weiteren Opfern der
Staatsmacht zu gute kommen.
Hintergrund:
Am 16.09.2000 fand in Düsseldorf eine Kundgebung mit dem Titel: "Mut
gegen Rechts" statt.
Neben dem "Düsseldorfer Appell" und der jüdischen Gemeinde riefen auch
einige DGB-Gewerkschaften, usw. usf. zu dieser Kundgebung auf. Schon im
Vorfeld machten die OrganisatorInnen deutlich das es Ihnen im Gegensatz
zu dem auf den Werbematerialien propagierten "Mut gegen Rechts" einzig
und allein um den Standort Deutschland zu tun war. Wie sonnst ist zu
erklären das der Düsseldorfer Appell ausgerechnet den Oberbürgermeister
Joachim Erwin (CDU) für diese Kundgebung als Redner gewinnen wollte? Wie
dem auch sei. Die Reden von Marlies Smeets (SPD, Ex-Bürgermeisterin von
Düsseldorf) und anderen machte sehr schnell deutlich das sich die
"Avantgarde" des "Düsseldorfer staatlichen Antifaschismus der Mitte"
nicht gegen die von ihnen selbst zu verantwortende menschenfeindliche
Politik und Abschiebepraxis richten möchte, sondern "gegen den
Radikalismus". Die nun geforderte Aufrüstung staatlicher Befügnisse im
Bereich der Repressionsmassnahmen, wird all diejenigen treffen die in
guter liberaler Tradition die BürgerInnenrechte geschützt wissen wollen
und all diejenigen die in guter humanistischer Tradition Ausbeutung und
Unterdrückung hier und anderswo bekämpfen. Aber wir wollen nicht einfach
nur über die OrganisatorInnen dieser Veranstaltung "herziehen". Es gilt
auch Kritik an den KonsumentInnen dieser Veranstaltung zu üben. Einzig
der anwesende Antifa-KoK und die TERZ schafften es mittels einer
neuerlichen Sonderausgabe zum Thema Rechtsextremismus und einem
Transparent (Nazis morden, der Staat schiebt ab - das ist das gleiche
Rassistenpack) die KonsumentInnenrolle zu verlassen und tatsächlich "Mut
gegen Rechts" zu beweisen. Die anwesenden SyndikalistInnen &
AnarchistInnen unterstützten frei nach Erich Mühsam's Gedicht "Streit
und Kampf" die AntifaschistInnen natürlich nach Kräften.
Darum: Solang kein Feind euch droht,
verschont einander nicht mit Glossen.
Doch weckt euch einst der Ruf der Not,
dann weh das einige Banner schwarz und rot
voran den einigen Genossen!
Leider tauchten auf der ansonnsten bis zur Langeweile ruhigen
Kundgebung eine ganze Reihe von FaschistInnen auf, und machten damit
ihre Drohung, die Kundgebung zu stören war. Von den Anwesenden "Mutigen
gegen Rechts" unerkannt mischten sie sich eben unter jene. Der
Staatschutz, der immer ganz gut weiß was "die Linken" so treiben, war
nach eigener Auskunft von der Anwesenheit der FaschistInnen überrascht.
Was nicht ganz stimmt, denn die Veranstlter hatten Tags zuvor noch mit
der Polizei über das befürchtete auftauchen der FaschistInnen
gesprochen. Immerhin hatten diese {die FaschsitInnen} offen erklärt
kommen zu wollen. Außerdem haben die anwesenden Staatschützer als auch
Beamte anderer Einheiten erklärt das sie die Nazis durchaus als solche
erkannt haben! Warum sie die Nazis dann doch auf den Kundgebungsplatz
gelassen haben bleibt wohl das Geheimnis der Polizei und der Phantasie
der geneigten LeserInnenschaft überlassen. Anwesend waren unter anderem
Mitglieder der REPs und des "Jugendoppositionsstammtisches" wie zum
Beispiel Torsten Lemmer und Jan Zobel. Die "freien Kameradschafter" Udo
Birr, Jörg Wagner und Marco Schirmer. Außerdem wurde noch Elke Assman
auf der Kundgebung gesichtet. Sie beobachteten unsere bürgerlichen
HeldInnen "gegen Rechts". Aber beim Beobachten alleine sollte es nicht
bleiben. Unter der Führung von Jörg Wagner, Udo Birr und Marco Schirmer
(alle "Kameradschaft Düsseldorf) griffen einige Faschisten die
TeilnehmerInnen der Kundgebung an. Jörg Wagner tat sich dabei besonders
mit dem sprühen von Reizgas hervor. Mitlerweile ist Jörg Wagner auch
wegen verstosses gegen das Versammlungsgesetzt zu einer Geldstrafe
verurteilt. Warum die Staatsanwaltschaft nicht wegen gemeinschaftlicher
und/oder gefährlicher Körperverletzung gegen ihn und die anderen
ermittelt hat (und das obwohl es Zeugenaussagen durch Polizeibeamte gibt
die gesehen haben wollen wie J. Wagner die Kundgebung mit Reizgas
angegriffen hat) wird ebenso das Geheimnis der Staatsmacht und der
Phantasie der LeserInnenschaft überlassen bleiben müssen.
TeilnehmerInnen der Kundgebung stoppten die Neonazis daraufhin und
verhinderten so weitere Angriffe. Die erst jetzt eingreifende Polizei
zeigte sich überrascht und völlig planlos: Sie behandelte die Situation
wie eine gewöhnliche Altstadtschlägerei und sorgte durch ihr Eingreifen
dafür, daß mehrere Neonazis, darunter auch der damalige Betreiber des
"Nationalen Infotelefons", Marco Schirmer, entkommen konnten. Nur zwei
der Täter (Wagner, Birr) wurden festgenommen. Udo Birr wurde sogar erst
nach Hinweisen von Kundgebungsteilnehmern, die ihn aufgrund eines in der
"Stattzeitung TERZ" veröffentlichten Fotos wiedererkannt hatten, in
einer Altstadtkneipe gestellt. Insgesamt wurden an diesem Tag fünf
Menschen kurzzeitig verhaftet, in gewahrsam genommen bzw. ihre
Personalien festgestellt. Unter den fünf vorübergehend festgenommenen
Personen befanden sich neben zwei TeilnehmerInnen der Kundgebung auch
einer der Organisatoren. Alle drei erlitten bei den brutalen Festnahmen
Verletzungen. Besonders perfide ist jedoch die Tatsache das die drei
vorübergehend festgenommenen Personen zum Teil zusammen mit den
Faschisten in einem Wagen gesperrt werden sollten. Dies konnte jedoch
verhindert werden.
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Zum Prozess:
14.10.02
Die Angeklagten, ein Syndikalist, ein PDS-Stadtabgeordneter und ein ein
weiterer Antifaschist, werden besschuldigt am 16.09.2000 im laufe der
Kundgebung des Düsseldorfer Apell aus einer Gruppe heraus mehrfach auf
Neo-Nazis eingeschlagen und getreten zu haben, Widerstand gegen die
Staatsgewalt geleistet, Sachen beschädigt, und versucht zu haben
Gefangene zu befreien. Im einzelnen richten sich die Vorwürfe der
schweren Körperverletzung (KV) und des Widerstandes gegen den
Syndikalisten, die Vorwürfe der Sachbeschädigung und versuchten
Gefangenenbefreiung gegen den PDS-Abgeordneten und gegen den dritten
dann noch einmal schwere Körperverletzung.
Als Zeugen waren insgesamt fünf Polizisten und drei Neo-Nazis geladen.
Von den fünf Polizisten waren vier auch tatsächlich da und haben sich
zur Sache geäußert. Interessanter Weise konnte keiner der Beamten mit
Sicherheit sagen wer denn jetzt wann, wen, wie attakiert haben soll. Ein
Beamter hatte "noch deutlich das Bild" vor seinen Augen das der
Syndikalist (er nannte ihn die ganze zeit den "Bärtigen") "irgendwie
beteiligt" war. ein anderer wollte gesehen haben wie die zwei
KV-Beschuldigten mehrfach geschlagen und getreten haben. Wen genau
vermochte er aber nicht zu sagen. Ärgerlicherweise behaupteten zwei
Beamte das "die Linken" angefanngen hätten und das diese dabei Reizgas
eingesetzt haben. Außerdem behaupteten
sie das sich die Neo-Nazis nur am Rande der Kundgebung aufgehalten
hätten, ja nicht einmal auf dem Marktplatz (Platz vor dem Rathaus)
waren. Sie behaupteten damit das genaue Gegenteil von dem was eine
Journalisten der "Rheinischen Post" gesehen und in der RP geschildert
hatte. Außerdem passen diese Aussagen auch nicht zu den Schilderungen
eines berittenen Polizisten, welcher an diesem Tag noch nicht als Zeuge
geladen war.
Umso mehr hat uns die Aussage des dritten Beamten gefallen. Dieser
erklärte, trotz mehrfacher Nachfrage des Staatsanwaltes (der Ihm im
übrigen die gewünschte Antwort förmlich auf dem silbernen Tablet
servierte) das die Neo-Nazis "mitten in der Menge [] auf dem Platz"
waren!
Auch die Nazis haben ausnahmsweise mal keinen Schaden angerichtet. Alle
drei bestätigten das sie von den Angeklagten NICHT attakiert wurden. Der
"Bärtige" wurde entweder gar nicht gesehen, oder es wurde ihm attestiert
esrt "später dazu gekommen" zu sein. Sie seien auch nicht angegriffen,
sondern höchsten "geschubst" worden. Einzige Aussnahme ist ihr Jörg
Wagner, welcher direkt am Anfang getreten worden sein soll. Jedoch nicht
von einem der Angeklagten. Diese seien zu dem Zeitpunkt gar nicht da
gewesen. Udo Birr (freie
Kameradschaft Düsseldorf, wie auch Marco Schirmer und Jörg Wagner)
plauderte lustig vor sich hin und schilderte wie er den >Bärtigen< "zu
Boden riss", befor dieser mehr machen konnte als "Nazis verpisst euch"
zu rufen. Jörg Wagner gab nicht nur zu als erster mit CS-Gas gesprüht zu
haben (natürlich nur in Selbstverteidigung), sondern auch der einzige
gewesen zu sein der CS-Gas einsetzte. Damit widersprach er den aussagen
der Polizeibeamten, welche behaupteten gesehen zu haben wie ein Neo-Nazi
mit Gas angegriffen wurde und darauf hin ebenfalls Gas eingesetzt hat.
Spannend ist jetzt noch immer die Frage warum gegen Jörg Wagner nur ein
Verfahren wegen verstosses gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet (und
abgeschlossen) wurde und keines wegen schwerer Körperverletzung. Diese
Frage ist besonders interessant da es die Aussage eines berittenen
Polizisten gibt, welcher genau beschreibt wie J. Wagner einem
Kundgebungsteilnehmer am "Hals vesthielt und aus ca: 30 cm mehrfach und
direkt ins Gesicht sprühte".
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Zum Prozess:
14.10.02
Dieser Tag war die reinste Farce. Der Richter, bzw. sein Büro hat es
versäumt die Zeugen der Verteidigung zu laden. Damit war klar das der
Prozess an einem weitern Tag vortgesetzt werden müsste. Da der Richter
aber in Urlaub gehen wollte war ebenso klar das es keine ordentliche
Vortsetzung geben würde.
Damit ist schon zum zweiten mal der Prozess geplatzt. Er wird nun im
Frühjahr 2003 zum dritten mal von vorne Beginnen.
Obwohl also klar war das es nicht wirklich weiter gehen würde, ließ der
Richter weiter machen als ob nichts geschehen wäre. die
Staatsanwaltschaft bot den Angeklagten an die KV-Sachen ein zu stellen
und nur noch wegen Widerstand zu 50-60 tagessätzen verurteilen zu
wollen. Ein Angeklakter nahm das Angebot an, gegen Zahlung von 200 Euro
eine Einstellung zu bekommen. Die anderen beiden (der Syndikalist & der
PDS Stadtratsabgeordnete) lehnten jedoch dankend ab.
Die Aussagen des Staatsschutzes und der Verlobten von Jörg Wagner waren
aus sicht der Angeklagten durchaus relativ positiv. Der Staatschutz
konnte nicht sagen das die Angeklagten an den ihnen vorgeworfenen Taten
beteiligt waren. Allerdings vermittelt der Staatsschützer Hüffken
durchaus den Eindruck als wäre es total normal wenn organisierte
Neonazis an Kundgebungen gegen Rechts teilnehmen.
Die Verlobte von Jörg Wagner bestätigte noch einmal die Aussagen der
drei Neonazis. Danach war "der Bärtige" an keinen Handlungen beteiligt,
ja nicht einmal anwesend. Sie bestätigte auch das die AntifaschistInnen
nicht angegriffen haben. Nach ihrer Aussage kam es zu überhaupt keinen
"übergriffen". Vielmehr beschränkten sich die Antifaschistinnen auf
Rufe, "Nazis raus", und drängten die Nazis vom Platz.
Zwei weitere Zeugen entlassteten den PDS-Abgeordneten. Sie befanden sich
die ganze Zeit in seiner Nähe und haben nicht gesehen wie er den
fraglichen Polizisten so stark an der Lederjacke gezogen hat das diese
eingerissen sein soll.
Am Ende der Sitzung fragten wir uns warum der Richter uns nicht direkt
freigesprochen hat. Stattdessen gibt es eine Neuafflage des Prozesses vermutlich im Februar. Diesmal mit noch mehr Zeugen.
Neben den fünf Polizisten und einem Staatsschützer, den insgesamt vier
Neonazis und zwei weiteren Teilnehmern, sollen noch Polizisten der
Reiterstaffel und auf besonderen Wunsch des Richters noch je eine Grüne
Abgeordnete des Düsseldorfer Stadtrates und des nordrheinwestfälischen
Landtages als Zeigen geladen werden. Insgesamt also mindestens 15 ZeugInnen.
8.) Die anarchistische Alternative
Selbstorganisation statt parlamentarische Fremdbestimmung
graswurzelrevolution # 271, Sept. 02
Die parlamentarische Demokratie mag die beste aller möglichen
Regierungsformen sein - die anarchistische Parlamentarismuskritik
richtet sich jedoch gegen die Zumutung, überhaupt regiert zu werden.
Es geht dem Anarchismus nicht um eine alternative Regierung, sondern
um Alternativen zur Regierung.
Ausgangspunkt anarchistischer Gesellschaftsutopien ist das
menschliche Bedürfnis nach Freiheit. Es ist der individuelle Wille,
nicht regiert werden zu wollen, auch nicht durch Mehrheiten, auch
nicht durch gewählte VertreterInnen, sondern die eigenen
Angelegenheiten gemeinsam und gleichberechtigt mit anderen selbst zu
regeln. Voraussetzung ist die Vorstellung eines menschlichen
Individuums, das aktiv und am Tagesgeschehen interessiert
Gesellschaft selbst gestalten will und nicht durch ParteiführerInnen
und Parlamente tagtäglich darin bestärkt wird, apathisch den
Entscheidungen anderer zu folgen oder den vielen
Gesetzgebungsprozessen in den Parlamenten passiv und ehrfürchtig
zuzusehen. Die Parlamente spiegeln eine Komplexität und Fülle von
notwendigen Entscheidungen nur vor, um den Individuen den Mut zu
nehmen, die sie betreffenden Angelegenheiten selbst in die Hand zu
nehmen.
Doch es ist ja gar nicht so, dass so viele Entscheidungen
wirklich überregional gefällt werden müssten, wie es die Parlamente
vorgaukeln. Der Anarchismus stellt überhaupt erst die Frage, welche
Dinge jedes Individuum für sich entscheidet und welche gemeinsam mit
anderen entschieden werden müssen. Der Anarchismus stellt auch die
Frage, mit wem entschieden wird: nur mit den NachbarInnen oder der
Gemeinde oder einer größeren Region.
Dadurch werden sich die notwendigen gesamtgesellschaftlichen
Entscheidungen auf weniger, aber substantielle, wirklich alle
betreffende Fragen reduzieren. Das wiederum entzieht den
BerufspolitikerInnen ihre Daseinslegitimation. Die ungeheure Menge
parlamentarischer Gesetzgebungsverfahren mit Hunderten von
Gesetzgebungsentwürfen und Gesetzen pro Legislaturperiode hat auch
den Zweck, bei den BürgerInnen jegliches Vertrauen in die eigenen
Fähigkeiten, sich selbst zu organisieren, zu zerstören.
In den siebziger und achtziger Jahren, als die Grünen noch nicht
oder nur als chancenlose Radikalopposition in den Parlamenten
vertreten waren, als parlamentarische Machtbeteiligung und
Mitregierung noch jenseits aller parlamentarischen Möglichkeiten
schien, gab es gleichzeitig vielfältige Formen der
Selbstorganisation innerhalb sozialer Bewegungen: selbstverwaltete
Betriebe, Projekte, Lebensmittelkooperativen, Kommunen,
Genossenschaften, Kollektive, Frauenprojekte, selbst verwaltete
Presse- und Informationsnetze (zig Alternativzeitungen,
Informationsdienst-ID, taz als selbst verwaltete Tageszeitung in den
Anfangsjahren), soziale Aktionsgruppen, vielerlei ehrenamtliches
Engagement in ökologisch und sozial orientierten
BürgerInneninitiativen. Dass diese Initiativen der
Selbstorganisation heute zahlenmäßig rückläufig sind oder sich
Chefstrukturen zugelegt haben und von bürgerlichen
Kleingewerbetreibenden nicht mehr zu unterscheiden sind, hat
durchaus ähnliche Ursachen wie der Parlamentarisierungsprozess der
Grünen selber (Kapitulation vor dem neoliberalen Kapitalismus,
individualisiertes Karrieredenken, angeblicher Realismus durch
opportunistisches, angepasstes Verhalten usw.). Aber die sozialen
Bewegungen der siebziger und achtziger Jahre haben gezeigt, dass
vielfältige Formen der Selbstorganisation von einer zahlenmäßig
relativ großen gesellschaftlichen Minderheit eine Zeit lang in die
Praxis umgesetzt werden konnten.
Auch heute fällen wir im Alltag ständig Entscheidungen über
Konsumgewohnheiten, ökologische oder synthetische Nahrung,
fleischhaltiges oder veganes/vegetarisches Essen, über Investieren
oder Sparen, über das Verhalten in Beziehungen, gegenüber
NachbarInnen, zwischen Frauen und Männern, über einen den eigenen
Fähigkeiten entsprechenden Berufswunsch, über die sozialen
Auswirkungen unserer Arbeit und Arbeitsprodukte usw. Die Vielzahl
der Entscheidungen, die wir je nach Notwendigkeit allein oder
gemeinsam mit anderen treffen, fällt uns gar nicht mehr auf, weil
wir sie gewohnt sind und für selbstverständlich halten.
Dass uns die Fähigkeit, diese Entscheidungen fällen zu können,
Kraft und Selbstvertrauen zur Wiedereinforderung und Wiederaneignung
fremdbestimmter, lange enteigneter Entscheidungskompetenzen geben
könnte, kommt uns nicht in den Sinn. Zu oft akzeptieren wir die
vorgegebenen Grenzen unserer Handlungsspielräume, anstatt sie
selbstbewusst zu durchbrechen und Selbstbestimmungsfähigkeiten zu
erweitern.
Das parlamentarische Organisationsprinzip stärkt diese Tendenz,
eigene Verantwortung an Gewählte abzugeben, die dann auf angeblich
"repräsentative" Weise die Interessen der WählerInnen zu vertreten
vorgeben (StellvertreterInnenpolitik, "Repräsentation"). Doch
verfassungsrechtlich sind die Gewählten nur ihrem eigenen Gewissen
verantwortlich, was der Willkür ihrer Entscheidungen Tür und Tor
öffnet.
 |
AnarchistInnen wollen eine andere, wirklich freie Gesellschaft.
Im Unterschied zur nationalistischen und neonazistischen
Parlamentarismuskritik kritisiert der Anarchismus am
Parlamentarismus nicht, dass zuviel, sondern dass zuwenig frei
diskutiert wird, er kritisiert nicht dessen anscheinende
Unfähigkeit, sondern seine tatsächliche Fähigkeit zur Entscheidung,
nicht seine Ineffektivität, sondern seine Effektivität des
Regierens. Die auf das Parlament und immer wieder neue
Oppositionsparteien hoffenden BürgerInnen von heute verhalten sich
in Wirklichkeit weitgehend entmündigt. Die sozialen Bewegungen der
siebziger und achtziger Jahre haben gezeigt, dass sich nur im
Widerstand, im Kampf gegen parlamentarische Entscheidungen
Alternativen entwickeln: die örtlich Betroffenen wollten das letzte
Wort darüber haben, ob ein industrielles Großprojekt bei ihnen
gebaut wird; Partei- und Parlamentspraktiken wie Abstimmungen und
Mehrheitsentscheid wurden durch das bei direkten Aktionen
praktizierte Konsensprinzip erstmals in Frage gestellt. Nur über die
direkte Aktion wird erlernt, die eigenen Belange selbst in die Hand
zu nehmen, sie den repräsentativen InteressenvertreterInnen zu
entreißen, die in Anspruch nehmen, anstelle der Individuen zu
handeln und sie dadurch beherrschen. Direkte Aktion bedeutet
permanente Rebellion der Individuen gegen alle Versuche der
Entäußerung ihrer Selbstbestimmungsfähigkeiten. Nicht in der
unpolitischen, fatalistischen Abkehr, sondern nur im Kampf gegen
parlamentarische Herrschaft und ihre Entscheidungen entwickelt sich
daher die anarchistische Alternative. Nur so können aktive, an den
vielfältigen gesellschaftlichen Belangen interessierte Individuen
entstehen. |
Das massenhafte Erlernen von individuellen
Selbstbestimmungsfähigkeiten durch direkte Aktion mündet unmittelbar
in den revolutionären Prozess der Gesellschaftsveränderung. Direkte
Aktion als individuelle und selbstbestimmte Handlung führt zu
freiheitlichen Formen der Verbündung mit anderen und kollektiver
direkter Aktion, wo gegen Herrschaft und staatliche Versuche,
individuelle Freiheiten zu beschneiden, gemeinsam mit anderen
vorgegangen werden muss, um zu Erfolgen und sozialen Veränderungen
zu gelangen. Wenn sich direkte Aktionen ausschließlich gegen
Herrschende richten und von ihren Durchsetzungsformen her gewaltlos
bleiben, besteht die Chance, dass sich durch ihre massenhafte
Anwendung die Freiheitsspielräume aller Individuen vergrößern, ohne
neue Herrschaftsformen - vor allem militärischer Art - zu schaffen,
die an die Stelle der alten treten. In einer freien Gesellschaft
wird dagegen die direkte Aktion eher wieder zur Ausnahme, denn eine
Gesellschaft weitgehend selbst organisierter, mündiger und
selbstbestimmter Individuen wird es nicht mehr nötig haben, sich
ständig gegen Herrschaft und Entmündigung zu verbünden.
Schwarze Katze Nachtrag: Mehr über anarchistische Parlamentarismuskritik gibts unter www.wahlkritik.de.vu
9.) Die Bundeswehr zwischen Resignation und Zynismus
Berliner Morgenpost 14.03.00
In ihrem Jahresreport 1999 zeichnet die scheidende Wehrbeauftragte Claire Marienfeld ein düsteres Bild von der Truppe
| «Bedrückende Situation, Verunsicherung, Motivationsverlust, Zukunftsangst, Resignation, Zynismus, katastrophale Materiallage» - mit diesen Schlagworten schildert die scheidende Wehrbeauftragte des Bundestages, Claire Marienfeld (CDU), wie Bundeswehrsoldaten ihre Lage beurteilen. Heute wird sie in Berlin ihren Jahresbericht 1999, der der Berliner Morgenpost vorliegt, der Öffentlichkeit vorstellen.
5769 Mal haben sich 1999 Soldaten mit Beschwerden der unterschiedlichsten Art an Frau Marienfeld gewandt. Das sind zwar 216 Eingaben weniger als 1998, jedoch Grund zur Zufriedenheit kann bei Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) nicht aufkommen. Denn der Report der Wehrbeauftragten ist geprägt von der Sorge um die negativen Auswirkungen des «wachsenden Investitionsstaus und sich abzeichnender struktureller Veränderungen» auf die Soldaten und ihre Familien.
Eine wesentliche Rolle spielen Menschenführung und Disziplin in der Truppe. So moniert die Wehrbeauftragte übermäßigen Alkoholkonsum nicht nur bei einfachen Soldaten, sondern auch bei höheren Dienstgraden, wobei bei Vorgesetzten die Neigung bestehe, bei Problemen des Alkoholmissbrauches beide Augen zuzudrücken. Vorgesetzte verfügten häufig nicht über die nötigen Rechtskenntnisse bei der Ausübung ihrer Disziplinargewalt.
Frau Marienfeld betrachtet den Bericht offenbar auch als Resümee ihrer gesamten Amtszeit. (...) Eine «Rote Karte» verpasst die Wehrbeauftragte dem Sanitätswesen der Streitkräfte. Sie attestiert Ärzten und Sanitätspersonal fehlendes Einfühlungsvermögen sowie Fehlverhalten und Planungsmängel, die zu einem gestörten Arzt-Patientenverhältnis führten.
Richtig ist, dass es sich bei dem Bericht der Wehrbeauftragten um eine «Mängelliste» handelt, die für die gesamte Bundeswehr nicht verallgemeinert werden kann. Richtig ist aber auch, dass insbesondere im Hinblick auf die Menschenführung bei der Truppe manches im Argen liegt. Die leeren Kassen haben darüber hinaus zu erheblichen Defiziten in der Ausrüstung geführt, die nur noch durch Improvisation kompensiert werden können. |
|
Dieser letzte Marienfeld-Report zeigt deutlich: Mit der Bundeswehr im heutigen Zustand ist kaum mehr Staat zu machen.
10.) Die Verpflichtung des 9./10. November 1938: Keinen neuen Antisemitismus zulassen!
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der AntifaschistInnen - www.vvn-bda.de
Wir ehemaligen Verfolgten des Naziregimes, Überlebende des faschistischen Terrors und junge Antifaschistinnen
und Antifaschisten warnen vor einem neuen Antisemitismus in unserem Land. Wir haben in diesem
Jahr erleben müssen, dass zahlreiche Gedenkstätten und jüdische Friedhöfe geschändet wurden und wie mit
antisemitischen Vorurteilen versucht wurde im Bundestagswahlkampf Stimmung zu machen. Im Wissen um
die Ereignisse der Reichspogromnacht am 9./10.November 1938 und die Folgen des mörderischen Judenhasses
in unserem Land weisen wir jede Form des Antisemitismus und Rassismus zurück.
Vor wenigen Monaten dokumentierte eine Studie der
Universität Leipzig die Aktualität antisemitischer Vorbehalte
in unserer Gesellschaft: Mehr als ein Drittel
der westdeutschen und ein Viertel der ostdeutschen
Bevölkerung stimmen der Behauptung “Die Juden haben
zuviel Einfluss” zu. Für diese Zunahme des Antisemitismus
in unserem Land sind nicht ursächlich die
politischen Entwicklungen im Nahen Osten. Vielmehr
erleben wir, dass die Kritik an der verhängnisvollen
Politik der gegenwärtigen israelischen Regierung mit
einer pauschalen Diffamierung des Staates Israel oder
Menschen jüdischen Glaubens in unserem Land verbunden
wird. Historisch verzerrte Vergleiche mit dem
faschistischen “Vernichtungskrieg”, die Identifizierung
von Flüchtlingslager mit KZs und anderes findet man
nicht nur in der neofaschistischen Polemik.
Ein schlimmes Beispiel bot FDP-Politiker Möllemann,
der sich als “Tabu-Brecher” betätigte, indem er aus
erkennbar wahltaktischen Gründen antisemitische Ressentiments
nicht nur bediente, sondern durch seine Art
der öffentlichen Präsentation forcierte. Kritische und
besorgte Anfragen zu seiner Polemik mit dem stellvertretenden
Vorsitzenden des Zentralrates der Juden, Michel
Friedmann, beantwortete er noch in den letzten
Tagen vor der Bundestagswahl mit einer erneuten Polemik,
die antisemitische Vorbehalte bediente.
Doch es geht nicht nur um Möllemann. Endlich dürfe
man sagen, was man schon immer dächte, war eine der
häufigsten Reaktionen auf dessen Vorstoß. Hierin
drückte sich ein offenkundig weitverbreitetes gesellschaftliches
Bewusstsein aus. Behauptungen wie die,
die Juden selber seien für die Zunahme des Antisemitismus
verantwortlich, liegen dabei auf einer ähnlichen
Linie wie Nazi-Parolen von der zionistischen Weltverschwörung.
Dabei werden die Opfer zu Tätern gemacht
und eine nicht greifbare “allgegenwärtige Bedrohung”
herbei phantasiert. Damit werden antisemitische
Vorbehalte aktiviert, die in letzter Konsequenz zu
Übergriffen, Brandstiftungen und Friedhofschändungen
führen, wie sie in den vergangenen Monaten
erneut registriert werden mussten.
Die Erinnerung an die historischen Verbrechen vom
November 1938,
als Synagogen und andere jüdische Einrichtungen
in Brand gesteckt und zerstört wurden,
als Tausende Menschen in die Konzentrationslager
Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen
verschleppt wurden,
als der staatlich organisierte Raub jüdischen
Eigentums durch Arisierungen stattfand,
als die Entrechtung aller jüdischen Bürger
durch Sondergesetze und Gettoisierung vor
den Augen der Bevölkerung durchgesetzt
wurde,
darf daher nicht bei einem folgenlosen Gedenken stehen
bleiben, sondern muss politische Orientierung und
Handeln für heute beinhalten.
Wir fordern daher:
Macht Schluss mit dem Zündeln mit antisemitischen Thesen!
Weder neofaschistischen noch “Nadelstreifen” - Antisemitismus
tolerieren!
Antisemitismus und Rassismus gehören geächtet!
Wir fordern alle gesellschaftlichen Kräfte auf, an diesem
9. November mit uns gemeinsam ein klares Signal gegen jeden
Antisemitismus zu setzen.
11.) US-Geheimdienst schnüffelt im Internet
USA: Aufbau eines neuen weltweiten Internet-Überwachungssystems läuft an
Die US-Militärs haben mit dem Aufbau eines neuen Systems für die weltweite
Überwachung der Internetnutzer begonnen. Das so genannte "Information
Awareness Office" (IAO) unter der Leitung des ehemaligen
Sicherheitsberaters der US-Regierung Admiral John M. Poindexter hat erste
Ausschreibungen für die Beschaffung von Technologie an die IT-Unternehmen
verschickt, berichtet die US-Tageszeitung "Washington Post" heute unter
Berufung auf Mitteilungen aus der Behörde. Die Aufgabe der Abteilung liegt
darin, Computersysteme für eine weltweite Rasterfahndungen zu
installieren. Dabei wird ganz selbstverständlich auch die Auswertung von
Daten geplant, die außerhalb des Hoheitsgebietes der USA gesammelt werden.
Per Datamining sollen dafür genaueste Profile möglichst vieler Menschen
erstellt werden, wobei Transaktionen per Kreditkarte genauso ausgewertet
werden wie E-Mails und Reservierungen in Reisebüros. Offiziell soll das
Projekt der Suche nach Terroristen dienen. Mit e! inem Budget von 200
Millionen Dollar im Jahr will die US-Regierung Methoden entwickeln, die
selbst die berüchtigten Überwachungsmaßnahmen des US-Inlandsgeheimdienstes
NSA weit in den Schatten stellen.
Erfassung von Kreditkartenzahlungen und Reisebuchungen
Unterstützung kommt dabei auch von anderen Regierungsinstitutionen. So
hilft die US-Bundespolizei FBI bei der Installation großer Datenbanken und
die Behörde für Verkehrssicherheit stellt seine Erfahrungen bei der
Erstellung von Profilen über Fluggäste zur Verfügung. Die Fertigstellung
des gesamten Systems entsprechend der Planungen wird jedoch Jahre in
Anspruch nehmen, so Poindexter in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme
seit der Einrichtung der neuen Abteilung zu Beginn des Jahres.
Auf die
üblichen Hinweise, nach denen Daten nur in Einzelfällen und auf
richterliche Anordnung hin erhoben werden, verzichtet man bei dem
Überwachungsprojekt. Poindexters gilt als einer der führenden Köpfe bei
Waffenlieferungen und Ausbildung der sogenannten Contras, Terroristen
die in den 80iger Jahren auf Geheiss der USA in Nicaragua aktiv waren.
Die Filter der Computer sollen in großem Stil nach auffälligen
E-Mail-Nachrichten oder Geldtransfers, Reisebuchungen in so genannte
"Schurkenstaaten" sowie die Behandlung von nicht alltäglichen Krankheiten,
die auf den Umgang mit biologischen Kampfstoffen hindeuten könnten,
suchen.
Das Projekt ist selbst in Regierungskreisen nicht unumstritten. So sei
zwar eine bessere Datenerfassung durchaus nötig, das System des
"Information Awareness Office" sei jedoch der Spionage-Overkill, so Gary
Hart, Mitglied der Kommission für Nationale Sicherheit, der direkte
Vergleiche zu Orwells Szenario eines Überwachungsstaates zieht.
12.) Proteste gegen EU-Bonzentreffen in Kopenhagen
Anarchistische Föderation Dänemark
Artikel lesen.