Schwarze Katze Rundbrief 09.11.00: Demo in Balve
Die
Schwarze Katze Seite mit ihren jetzt 65 alternativen Texten ist letzte Woche
von Menschen aus verschiedenen islamisch dominierten Ländern,
wie Saudi-Arabien (45 Zugriffe), Pakistan (17 Zugriffe) und Jordanien (21
Zugriffe) angewählt worden. In diesen Ländern gibt es schwere Verstösse gegen
die Pressefreiheit. Durch das Internet ist es (uns) möglich, diese Zensur
von kritischer Berichterstattung zu unterlaufen. An diesem Wochenende
werden Leute von der Schwarzen Katze ein Anti-Psychiatrie-Seminar besuchen.
Dort werden wir ein Interview fürs Radio über Missstände in der Psychiatrie
(Psychopharmaka, Elektroschocks, ans Bett fesseln, politische Gegner
psychiatrisieren) führen. In diesem Rundbrief sind auch Texte der
Jungdemokraten MK und der Antifa Hemer enthalten. Wir veröffentlichen auch
eure Texte!
1.) Antifa Hemer: Demo der Flüchtlinge in Balve
erfolgreich
2.) Liedtext "Ordnung im Land" der Band Sack und Asche
3.)
Erklärung von Düsseldorfer Eltern gegen die wahllose Festnahme ihrer Kinder
durch die Polizei
4.) Judos MK: Fantasievoller Gelöbnixprotest wird vor
Gericht gestellt!
5.) geklauter Text vom Infoladen Köln: Was sind
Infoläden?
1.) Antifa Hemer: Demo der Flüchtlinge in Balve erfolgreich
Die CDU hat sich einiges einfallen lassen,
die Landesgelder gegen Ausländerfeindlichkeit (in NRW bekommt jede Stadt 1,-
DM pro Einwohner, die für Projekte gegen Ausländerfeindlichkeit gedacht sind)
ins Leere laufen zu lassen. So stehen in Hemer ca. 37.000 DM (wg. den
37.000 Einwohnern Hemers) zur Verfügung. Die CDU (Mehrheit im Stadtrat) hat
beschlossen, die 13 Hemeraner Schulen mit je 1.000 DM zu bedenken und die 18
Hemeraner Kindergärten mit je 500 DM zu beglücken. Ausserdem bekommt das
parteiendominierte sogenannte "Bündnis gegen Rechts Hemer" 3.500 DM und die
islamistische türkische Vereinigung wird auch noch einen Batzen bekommen. So
bleibt fast nichts für die Gruppen übrig, die schon seit Jahren, als "gegen
rechts sein" noch nicht in Mode war, aktiv waren. Ähnlich werden in den
meisten anderen Städten NRWs nach dem Giesskannenprinzip systemkonforme
Einrichtungen mit dem Geldsegen bedacht.
In Balve demonstrierten am 7.11.00 70 Personen gegen die Ausgabe von Gutscheinen an Flüchtlinge. Balve, die Nachbarstadt Hemers, hat eine satte CDU-Mehrheit. Sie legte fest, dass
die Asylbewerber, die in Balve untergebrachtsind, nur in Balve mit für sie
speziellen Gutscheinen einkaufen können. Wenn sie z.B. damit nach Aldi gehen,
sind sie für die deutschen Normalbürger sofort als Asylbewerber erkennbar. Da
die Gutscheine an der Kasse gesondert eingegeben werden müssen, entstehen in
den Läden regelmässig Schlangen und so auch ein Unmut der Deutschen über die
Asylbewerber. Was wohl auch von der CDU beabsichtigt ist. In Balve ist immer
Dienstags Gutscheinausgabe. Bei einer der nächsten Gutscheinausgaben soll im
Dezember erneut demonstriert werden. Mit den Gutscheinen können die
Flüchtlinge übrigens nicht das kaufen, was sie wollen. Bestimmte Waren sind
vom Einkauf ausgeschlossen. Die Asylbewerber können ihre landestypischen
Speisen nicht in den wenigen Geschäften in Balve einkaufen. Wenn sie über die
Grenzen des Märkischen Kreises nach Dortmund oder Hagen zum einkaufen fahren,
machen sie sich eines Deliktes strafbar, das nur Flüchtlinge begehen können.
Sie unterliegen der sogenannten Residenzpflicht. Wiederholte Verstösse
dagegen können unter der rot-grünen Regierung zur Abschiebung führen.
2.) Ordnung im Land - Sack und Asche
5 Monate saß er in Knast
in U-Haft und er glaubte fast
dieser Spuk
geht nie vorbei - diese Schweinerei
der Justiz, die ihn
einkassiert, kriminalisiert,
vorgeführt in diesem Land,
auf der Flucht
von
staatlicher Willkür heimgesucht.
Will man von rassistisch
motivierten Attentaten ablenken, die passierten
technische Defekte oder
die Ghanesen sind zum kochen zu blöd gewesen,oder
es legte einer selbst den
Brand
ein geisteskranker Asylant aus'm Libanon, denn
deren Methoden, die kennen
wir schon.
Nächster Schritt. Man hindert alle,
die Interesse an der
Wahrheit haben, und im Falle
einer peinlichen Frage macht man auf
empört,
weil der Frager die Ermittlungen stört.
Man läßt Zeit
verstreichen, Beweise verschwinden,
bis sich keine Spuren von Glatzen mehr
finden.
Und der Typ, der noch immer einsitzt,
hat bald keinen mehr, der
ihn unterstützt.
Irgendwann ist die Presse dann still, der TV-Glotzer
was Neues haben will.
Man hört wieder Gras wachsen, bald verschwinden
die
Kassandra- Rufe, die Schlechtes verkünden.
das Ansehen im Ausland ist
poliert
Deutsche Geschichtsschreibung korrigiert
Der Alltag gewinnt wieder
Oberhand
es ist wieder Ordnung im Land
Mach die Augen auf, es
ist noch nicht zu spät,es ist ein Teil deutscher Realität;
die am Boden liegen werden noch getreten
Europa umschlossen von Stacheldrähten,
die andere
draußen halten (oder uns drinnen)
ganz egal so kann keiner gewinnen.
Ist die Tür erst geschlossen,dann sind sie am Ziel
drum steh auf,
was zuviel ist, ist zuviel
3.) Eltern und Kinder wehren sich gegen die Polizei
Wir dokumentieren die Erklärung einer »Notgemeinschaft
betroffener
Eltern« aus Düsseldorf (zuerst abgedruckt in der Jungen
Welt)
Wir, die Eltern von am 28. 10. 2000 festgenommenen Kindern
und
Minderjährigen, erklären:
Es ist für uns erschreckend, daß am 28.
10. 2000 im Zusammenhang mit den
Demonstrationen gegen den Nazi- Aufmarsch in
Düsseldorf wahllos Kinder und
Minderjährige ohne konkrete Tatvorwürfe von
Polizeikräften verhaftet wurden.
Es ist skandalös, daß nach Berichten der
versammelten Eltern unter anderem
- eine unbekannte, aber große Zahl von
Kindern und Jugendlichen, zumeist
ohne jede konkrete Begründung festgenommen
und in zahlreichen Fällen
gefesselt wurden;
- daß selbst 12jährige
Kinder widerrechtlich und ohne jeden Tatvorwurf
polizeilich vernommen und
verhört wurden;
- daß die Eltern von der Polizei zu keiner Zeit über die
Festnahme ihrer
Kinder informiert wurden;
- daß gegen Kinder ohne
jeden Anhaltspunkt und ohne konkrete Begründung
wahllos Ermittlungsverfahren
wegen Landfriedensbruch eingeleitet wurden;
- daß Kinder
erkennungsdienstlich behandelt und in Computern der Polizei
und des
Staatsschutzes erfaßt wurden;
- daß minderjährige Mädchen bis auf die
Unterwäsche ausgezogen und in
Räumen mit sexistischen Kalenderbildern
vernommen wurden;
- daß minderjährige Kinder nach Essen transportiert,
dort zwischen acht
und zwölf Stunden unter unmenschlichen Bedingungen
(Käfige, nackter Fußboden,
ohne Heizung und gefesselt) festgehalten und
mitten in der Nacht fernab von
zu Hause freigesetzt wurden;
- daß das
Jugendamt ebenfalls erst nach Stunden informiert und
zugezogen
wurde.
Die versammelten Eltern äußern ihren Unmut und ihr
Unverständnis darüber,
daß die Verhaftungen von Kindern stattfanden, während
zugleich Nazis
demonstrierten und ungehindert SS-Verherrlichungen skandieren
durften. Die
versammelten Eltern fordern den Rücktritt der zuständigen
Polizeiverantwortlichen
und des verantwortlichen Staatsanwalts, die Kinder zu
politischen Straftätern
erklären und entsprechend behandeln.
Wir
erklären uns ausdrücklich solidarisch mit allen, darunter
ebenfalls
zahlreiche Kinder und Jugendliche, die laut Presseberichten auch
bei den
Anti-Nazi-Demonstrationen in Dortmund am 21. 10. 2000 verhaftet
wurden.
Die anwesenden Eltern fordern ein Verbot aller Nazi-
Organisationen und
erklären ihre Empörung zu dem in Düsseldorf durchgeführten
Schnellverfahren,
bei dem ein ausländischer Jugendlicher wegen des Wurfs
einer leeren
Plastikflasche zu einer mehrmonatigen Haftstrafe verurteilt
wurde. Auch erklären wir
unsere Solidarität mit allen demokratischen
DemonstrantInnen, gegen die
Ermittlungsverfahren laufen.
Allerorten
wird antifaschistisches Engagement gefordert, gar ein »Aufstand
der
Anständigen« (Bundeskanzler Schröder). Auf allerorten in
Düsseldorf
angebrachten großflächigen Plakaten ist zu lesen »Handeln statt
wegschauen!«
Und nun handelt die Jugend, beteiligt sich aktiv an den
Demonstrationen und
stellt sich den Nazis in den Weg und - wird verhaftet und
weggesperrt. Wie
soll es denn erst sein, käme es tatsächlich zu dem vom
Kanzler geforderten
»Aufstand«?
Die versammelten Eltern werden alle zu
Gebote stehenden rechtlichen und
politischen Möglichkeiten
ausschöpfen.
Peter Aschmoneit / eine betroffene Tochter; Artur Aschmoneit
/ eine
betroffene Tochter; Gabrielle Emannuelli / ein betroffener Sohn;
Simone Mainz /
ein betroffener Sohn; Christiane Schnura und Axel
Köhler-Schnura / zwei
betroffene Töchter
4.) Proteste gegen Zapfenstreich
Jungdemokraten Märkischer
Kreis: Im letzten Jahr haben sich die
Jungdemokraten an den phantasievollen
Protesten gegen das öffentliche Gelöbnis in
Berlin beteiligt. Am 9.11. wird
nun gegen Carsten Dannel (JD/JL) wegen
Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz
verhandelt.
Ist Phantasie eine Straftat?
Phantasievoller Gelöbnisprotest
wird vor Gericht gestellt
Am 9. November verhandelt das Amtsgericht
gegen den ersten Teilnehmer der Gelöbnisproteste vom 20. Juli 1999. Die
Anklage lautet Verstoß gegen das Versammlungsgesetz. Das Amtsgericht
Tiergarten muss darüber beraten, ob es sich bei einem Bundeswehrzeremoniell
um eine Versammlung im Sinne des Grundgesetzes handelt. Als die Bundeswehr am
20. Juli 1999 ihr öffentliches Gelöbnis vor dem Bendlerblock zelebrieren
wollten, waren die Soldaten nicht unter sich. Berliner Kriegsgegner
protestierten mit Regenschirmen, Trillerpfeifen und teilweise ohne Kleider
gegen das Militärzeremoniell und den Kriegseinsatz der Bundeswehr im Kosovo.
Der zivile Protest erhält nun jedoch ein juristisches Nachspiel. Wegen
Störung einer öffentlichen Versammlung (§21 Versammlungsgesetz) werden die
Demonstranten vor dem Amtsgericht Tiergarten angeklagt. Zuvor erhielten die
Beschuldigten bereits Strafbefehle von bis zu 90 Tagessätzen, gegen die sie
Widerspruch einlegten.
Als einen "verfassungsrechtlichen Skandal"
bezeichnete Wolf Dieter Narr, Politik-Professor und Sprecher des Komitees für
Grundrechte und Demokratie, die Anklage. "Hier wird das Grundrecht auf
Versammlungsfreiheit, das den Bürger vor dem Staat schützen soll, einfach
umgedreht. Eine Militärparade ist keine Versammlung im Sinne des
Grundgesetzes. Wenn jemand dieses Recht für sich in Anspruch nehmen darf,
dann sind das die Kriegsgegner." Der Prozeß gegen Carsten Dannel, dem
damaligen Sprecher der Jungdemokraten, findet am 9. November um 10.30 Uhr im
Amtsgericht Tiergarten (Wilsnacker Str.) statt. Für die Verteidigung hat sich
Bernd Häusler, Vize-Präsident der Berliner Anwaltskammer, zur Verfügung
gestellt.
5.) Infoladen Köln: Was sind Infoläden?
Inhalte und
Struktur
Die Bandbreite der in Infoläden vertretenen Inhalte reicht
von Flüchtlingspolitik und Antifaschismus über Feminismus und Gender bis hin
zu Repression, Knast und Gefangene, soziale Kämpfe, linksradikale Politik im
allgemeinen, Globalisierung, sowie Internationalismus, Antinationalismus,
Drogen, (Sub-) Kultur und vielem mehr (wobei die Reihenfolge nicht
hierarchisch und abschliessend gemeint ist).
Infoläden werden genutzt
und getragen von Menschen mit unterschiedlichsten politischen Überzeugungen
aus dem undogmatischen linksradikalen Spektrum. Hier wurden und werden
Informationen zumeist in Form von Zeitschriften, Broschüren und Flugblättern
aber auch Büchern, Videos und Ton- und Datenträgern gesammelt, diskutiert und
verbreitet. Auch die Medien E- Mail und Internet werden viel genutzt. Die
Arbeit umfasst aber auch die Organisation und/ oder Teilnahme von Aktionen,
Veranstaltungen und Demonstrationen zu unterschiedlichen Themen und die
Platzierung linker Inhalte und Debatten in einer nicht nur, aber meist
innerlinken Öffentlichkeit.
Neben dem Informieren haben Infoläden auch
noch weiter wichtige Funktionen: Sie sind Nahtstelle für Gruppen aus
verschiedenen Teilbereichen und Spektren: Antifa- und Flüchtlingsgruppen,
Initiativen zu Gefangenenarbeit, Kampagnengruppen, die sich spontan bilden
und wieder auflösen, wenn das Feld abgearbeitet ist, autonome Kleingruppen,
FrauenLesben- Gruppen, Lesegruppen, die sich mit bestimmten Teilbereichen
auseinandersetzen, und viele andere nutzen die Läden für Treffen, Plenen, als
Anlaufpunkt und Kontaktadresse.
Vielerorts sind Infoläden mit die
letzten selbstbestimmten, autonomen Refugien und dienen als "Büro der Szene",
meist ausgestattet mit Fax, Computern, Kopierern und vielem mehr, was den
Büroalltag effektiver und bequemer macht. Und dort, wo es etwas mehr Platz
gibt, wird der Laden auch als Veranstaltungs- und Partyort benutzt.
Geschichte
In den 80er Jahren (im Osten ab Anfang der 90er) sind
in immer mehr Städten in der BRD, aber auch international, Infoläden
entstanden. Die Entstehung der Infoläden hängt unter anderem damit zusammen,
dass der Austausch und die Diskussion von und über staats- und
gesellschaftskritische Themen be- und verhindert wird und wurde - durch die
Reproduktion von Macht- und Herrschaftmodelle durch uns selbst, mittels von
Paragraphen wie beispielsweise dem Gesinnungsparagraphen 129 und 129a ...
Somit sind Infoläden auch ein Versuch, entgegen der der kapitalistischen
Verwertungslogik zu Informieren, Machtverhältnisse zu thematisieren- und
diesen entgegenzutreten. Ein weiterer entscheidender Punkt war und ist
auch das immer weiter um sich greifende Wegfallen von selbstbestimmten,
linksradikalen Orten und Plätzen, in den 80ern vor allem in Form der
(ehemals) linken Buchläden. In den 90ern war dies eher das Wegfallen
autonomer Zentren und besetzter Häusern, die meist auch ihren Teil in der
linksradikalen Kommunikations- und Informationsstruktur inne hatten. Einen
weiten Teil dieser Aufgaben haben Infoläden übernommen.
Selbstverständnis
Infoläden begreifen sich als Teil autonomer
Organisierung. Sie streben eine Vernetzung mit Gruppen aus der eigenen Stadt
und darüber hinaus an, organisieren sich aber auch auf regionaler und
länderübergreifender Ebene mit anderen Läden. Zum einen werden
so Informationen erhalten, die vom herrschenden Diskurs unterdrückt werden,
zum anderen ist es so möglich, Erfahrungen und Standpunkte auszutauschen und
zu diskutieren. In Zeiten schwindender "Wahrheiten" und zunehmender
Perspektivlosigkeit (Anfang der 90er nach dem Zusammenbruch des "real
existierenden Sozialismus", aber auch verursacht durch die Einstellung der
bewaffneten Kämpfe, den erstarkenden Rassismus und Nationalismus in der BRD
und Europaweit), sowie der sich immer weiter zuspitzenden Situation weltweit
ist es mehr den je von Nöten, so glauben wir, uns auf unsere Geschichte zu
besinnen und parallel dazu einen Beitrag zu einer neuen Praxis zu entwickeln.
Dabei meinen wir nicht nur die Diskussionen und Erfahrungen der letzten
20 Jahre, sondern auch das oft verschüttete Wissen um die Kämpfe
und Widerstandsformen der Menschen in diesem und den letzten Jahrhunderten.
So wollen wir versuchen, die Wahrnehmung für die Erfahrungen, die
Niederlagen, aber auch die Erfolge der progressiven Widerstandsbewegungen zun
schärfen, die einen Bodensatz bilden, aus dem wir schöpfen können. Wir
bemühen uns, Informationen über Widerstand weltweit zu sammeln und öffentlich
zugänglich zu machen. Dies soll und kann auch ein Beitrag dazu sein, von
nationalen bzw. eurozentristischen hin zu einer kosmopolitischen,
internationalistischen Sicht zu gelangen.
Konzepte und Perspektiven
Allerdings wir sind weit davon entfernt, uns
selbstzufrieden zurückzulehnen: schliesslich sind BesucherInnen nicht gleich
KonsumentInnen, und Konsum nicht gleich Auseinandersetzung und Praxis, nicht
gleich Bewusstsein. Und es gibt viele Fragen, mit denen wir als Infoläden uns
auseinandersetzen müssen, wenn wir auch weiterhin linksradikale Politik
machen wollen. Eine grosse Frage ist die nach der Bedeutung, nach dem
Verhältniss von Öffentlichkeit oder dem in der Linken viel beschworenen
Begriff der Gegenöffentlichkeit in Relation zu uns und unseren Politikformen.
Sind wir nicht meist kaum mehr in der Lage, uns, unsere eigene Bedeutung und
die unserer Events realistisch und kritisch zu reflektieren? Müsste eine
Auseinandersetzung hierüber nicht auch die Auseinandersetzung über unsere
mediale Aufbereitung und die Repräsentation nach außen beinhalten? Was ist
das, was wir tun? Leben Aktionen aus sich selbst, über die Wahrnehmung derer
hinaus, die an der Aktion teilnehmen, sind sie "reale Ereignisse" und stehen
somit für sich selbst? Oder existieren Ereignisse nur aus einer
nachträglichen Produktion von Information, sind sie nur Trägermasse von
Inhalten auf dem Weg in eine mediale Öffentlichkeit?