Schwarze Katze Rundbrief 08.12.00
Antira-Demo in Iserlohn

Wir hatten im letzten Schwarze-Katze-Rundbrief nach Musik von Georg Danzer gefragt. Eine Person aus Süddeutschland hat uns die zugeschickt. Danke. Im Austausch gibt es eine Sendung von uns, die dann dort im Süden im Radio gespielt wird.

Kurzinfo der Antifa Hemer: Sonntag sollte es eine Fascho-Veranstaltung in Hagen vom Nationalen Widerstand Hagen/Lüdenscheid geben. Es sollte eine Gedenkveranstaltung für die "heldenhaften deutschen Soldaten" geben. Diese Veranstaltung fällt nach Angaben der Faschos aus.

interessanter Link:
www.bundeswehrabschaffen.de (antimilitaristisch - na klar!)

1.) Antirassistische Demo in Iserlohn - kommt alle!
2.) Wir erinnern aus gegebenem Anlass an die Abschiedsrede von Jutta Ditfurth
3.) Esoterik und Faschismus - alter aber dennoch aktueller Artikel aus der Zeit

1.) Antirassistische Demo in Iserlohn - kommt alle!
Eine antirassistische Gruppe hatte vor 2 Wochen eine Kundgebung in Menden veranstaltet. 80 Pappschilder mit Namen und Todesdaten von in den letzten Jahren durch Nazis nachweislich ermordete Menschen wurden mit brennenden Gedenkkerzen auf den Boden gelegt und zu jeder Person wurden einige Worte gesagt. Wir waren dabei und fanden das Konzept gut. Deswegen waren wir von der Schwarzen Katze am Do., 07.12.00 beim Bündnis gegen Rechts Iserlohn dabei und haben vorgeschlagen diese Aktion in abgewandelter Form in Iserlohn zu wiederholen. Die Antira-Gruppe hat uns auf unsere Nachfrage hin die Materialien überlassen. Unser Vorschlag stiess beim BGR Iserlohn auf allgemeine Zustimmung und so findet die Demo am Freitag, 15.12.00 um 16 Uhr vor Karstadt Iserlohn statt. Von dort soll durch die Stadt Iserlohn gezogen werden. Richtung Laarstr., Wermingserstrasse, Neumarkt, Schillerplatz.

In abgewandelter Form findet die Demo deswegen statt, weil die Plakate nicht auf dem Boden liegen sollen, sondern weil 80 Menschen jeweils die "Patenschaft" für eine von Nazis ermordete Person übernehmen sollen und jeweils ein Plakat umhängen sollen und eine Kerze tragen. Wer uns dabei unterstützen möchte in Iserlohn auf die Gefahr von rechts aufmerksam zu machen, soll uns mailen. Das soll eine fette Demo gegen rechte Gewalt werden. Macht alle mit! Die Antifa Hemer und die Jungdemokraten MK werden sich neben dem Bündnis gegen Rechts Iserlohn auch daran beteiligen!


Plakat bei Antira-Demo in Iserlohn

2.) Aus gegebenem Anlaß erinnern wir:

Abschiedsrede
von Jutta Ditfurth auf der Bundesdelgiertenversammlung der Grünen in Neumünster am 26.- 28.4.1991

Eine Mehrheit von Realos und Aufbruch hat auf dieser Bundesversammlung die Aufhebung der Trennung von Amt und Mandat beschlossen, erstmal für den Länderrat, das neue Multifunktionärsgremium. Die Aufhebung der Trennung von Amt und Mandat für den Bundesvorstand folgt demnächst. Bundesvorstandsmitglieder können nun lebenslänglich im Amt bleiben, die Rotation gibt es nicht mehr.

Die persöhnliche Bereicherung von ehemaligen grünen Abgeordneten in Höhe von weit mehr als 2,5 Millionen DM wurde locker abgesegnet. Die praktizierte Solidarität mit der "Dritten" Welt über den grünen Soli - Fond will sich diese Partei nur noch 1/10 der eingesackten Diäten kosten lassen, nur noch 250.000 DM pro Jahr. Und Parteigremien werden in Zukunft auch für Mitglieder nicht - öffentliche, geschlossene Veranstaltungen sein können.

Die Grünen sind damit eine autoritäre, dogmatische, hierarchische Partei. Sie sind kein basisdemokratisches Projekt mehr, nicht einmal mehr radikaldemokratisch.

Emanzipation in Programm und Struktur ist künftig ein Fremdwort.

Die Grünen haben gestern ihre über lange Jahre beispielhaft entwickelten feministischen Positionen zu Gunsten von angepassten frauen.- und familienpolitischen Positionen auf einen Schlag gekippt. Aus der Forderung nach der sofortigen Stillegung aller Atomanlagen wird - ohne dass hier heftiger Protest stattfände - teilweise schon die Akzeptanz von Atomenergie für eine sogenannte Übergangszeit. Und der Einzug ökofaschistischen und rechtsradikalen Gedankengutes in die Grünen (siehe z.B. GAL Hamburg) waren diesem Parteitag keine klare antifaschistische Ablehnung wert.

Die Grünen haben sich auf diese Weise, unter Anführung erfahrener DogmatikerInnen aus Ex - KBW, Ex - KPD/AO, Revolutionärem Kampf und ähnlichen dogmatischen Gruppen für eine politische Konstruktion in der ätzenden Trostlosigkeit zwischen leninistischem Modell und autoritär bürgerlichem Modell verspätet an die 70er Jahre angepasst.

Die endgültige Zerschlagung der basisdemokratischen Restkultur in den Grünen schlägt sich auch in den beschlossenen Inhalten nieder. Auch in den programmatischen Grundlagen bewirkt der Pakt zwischen Joschka Fischer und Antje Vollmer, der Schulterschluss zwischen Realos und Aufbruch eine äusserst dramatische Rechtsverschiebung der Grünen Partei. Der erste öffentliche Höhepunkt ist der Einzug offen rechtsradikalen Gedankengutes und die Kandidatur von inzwischen 4 ÖDPlern in Hamburg - Harburg - im Namen der Grünen.

Die Leute um Ludger Vollmer spielen nur noch die traurige Übergangsrolle, ihre objektive Funktion ist es, Aufbruch und Realos zu helfen, den Medien vorzuspielen, es gäbe noch ein paar Linke. Es wird sein wie immer in der Geschichte der angepassten Linken: Ihr seid die Nächsten, die rausgespalten werden und dann werdet ihr weinen und jammern und Euch noch schneller weiter nach rechts anpassen, um Eure kleinen, erkungelten Pöstchen nicht zu gefährden.

Die Grünen haben sich heute gegen die Menschen entschieden, die ökologische, soziale, feministische und basisdemokratische Veränderungen erarbeiten und erkämpfen wollen. Linke GewerkschafterInnen, die für Selbstbestimmung und für Arbeitszeitverkürzung kämpfen, FeministInnen, die gegen Gen.- und Reproduktionstechniken kämpfen, radikale ÖkologInnen, die die soziale Frage mit der ökologischen verbinden und wissen, dass wirkliche ökologische Politik ran an die Produktion muss und Menschen, die gegen das herrschende System der Ausbeutung, des Trikont und der Plünderung der Natur weltweit kämpfen - all diesen Menschen und Initiativen sind die Grünen an diesem Wochenende zur Gegnerin geworden.

Das ist endgültig, das ist nicht mehr rückholbar.

Es wird eine neue ausserparlamentarische Opposition geben, eine interventionsfähige, feministische, ökologische, basisdemokratische Linke in der einen oder anderen Form.

Die Grünen sind seit diesem Wochenende für wirkliche gesellschaftliche Veränderungen verloren. Grüne Politik ist so degeneriert wie das Niveau der üblichen politischen Sprache. "Politische Verantwortung" bedeutet nicht Verantwortung für Mensch und Natur, sondern bettelnde Unterwerfung in die Logik sozialdemokratischer Kabinette. "Kompromisse" sind nicht das verantwortbare Ergebnis politischer Auseinandersetzungen, sondern Synonym für ein gebrochenes politisches Rückgrat und steigende Tendenz zur innergrünen Korruption. "Reformbereitschaft" hat nichts mit substantiellen Reformen zu tun, denen eine konkrete Utopie Richtung und Qualität gibt, sondern mit blinden, kreisförmigen Schrittchen, die ins Nichts führen, allenfalls bestimmten restgrünen Cliquen Karrieren, Posten und Pensionsberechtigung verschaffen, trostlos.

Wenn wir gehen, nehmen wir mit, auf was die Grünen freiwillig, kriminell verantwortungslos, verzichten: Vielfalt, Lebendigkeit, den ganzen politischen Schatz programmatischer Erfahrungen und entwickelte basisdemokratischer Strukturen, politische Kultur, Kontakte und Bündnisse. Wir wünschen Euch mit dem traurigen Rest viel Vergnügen.

Ihr habt an diesem Wochenende Spaltungsbeschlüsse gegen die Ökologische Linke gefasst. Wir werden bei unserem bundesweiten Treffen der Ökologischen Linken - zu dem wir alle ähnlich denkende Menschen herzlich einladen - am 11./12. Mai 1991 in Frankfurt die politischen und formalen Konsequenzen ziehen.

Es ist vorbei. Die Grünen sind nicht mehr unsere Partei.

3.) aus: DIE ZEIT 1998 Nr. 23
Braune Esoterik auf dem Vormarsch:
Viele Bücher aus der New-Age-Szene zeichnen ein rassistisches Weltbild

Rechter Wahn
von Oliver Schröm
unter Mitarbeit von Dorit Kowitz & Anton Maegerle

Die Juden hätten 1933 den Deutschen den Krieg erklärt, schreibt Jan van Helsing in seinem zweibändigen Werk "Geheimgesellschaften". Deshalb hätten die Juden "allerhöchstens ein Anrecht auf ein Stück Land irgendwo in Rußland". Selber schuld seien sie am wiedererstarkenden Antisemitismus: Der israelische Geheimdienst Mossad finanziere "größtenteils die deutsche Neonazi-Szene". Helmut Kohl, enthüllt Helsing, sei Mitglied eines jüdischen Geheimbundes. Als Sohn jüdischer Eltern geboren, habe sich "Henoch Kohn" später taufen lassen und "den deutschklingenden Namen Kohl" angenommen.

Die "Geheimgesellschaften", 700 Seiten stark, erschienen 1995 im Ewert-Verlag, der auf Gran Canaria und im nordrhein-westfälischen Lathen residiert. Binnen Wochen wurden mehr als 100 000 Exemplare verkauft, das Stück zu 45 Mark: ein Bestseller, ein Millionengeschäft.

Im Mai 1996 ließ die Staatsanwaltschaft Mannheim den Lagerbestand beschlagnahmen und leitete ein Strafverfahren wegen Volksverhetzung ein. Dabei kam Überraschendes heraus: Der Autor Jan van Helsing heißt mit bürgerlichem Namen Jan Udo Holey und gehörte einst zur Punkerszene im baden-württembergischen Crailsheim. Dort hatte er einmal für Aufsehen gesorgt, als er auf dem Rathausplatz eine Deutschlandflagge verbrannte. Das Pseudonym Jan van Helsing hat sich der 32jährige bei der Hauptfigur aus Bram Stokers "Dracula"-Roman geborgt, um in einer Mixtur aus Hitlers "Mein Kampf", wilder Science-fiction und Schwarzer Magie ungestraft vor einer "jüdischen Weltverschwörung" warnen und den Holocaust leugnen zu können.

Den Vertrieb des Buches organisierte federführend Uli Heerd vom Michaels-Verlag im bayerischen Peiting. Er saß bis vor kurzem für die Grünen im Kreistag. "Zu dem Helsing-Buch gebe ich keinen Kommentar mehr", sagt Heerd jetzt. "Wir haben es nicht mehr im Angebot. Dafür haben wir jetzt andere Bücher, die sich mit Machtmißbrauch beschäftigen."

Bei Esoterikmessen werden derweil die "Geheimgesellschaften" weiterhin verkauft - unter dem Ladentisch. Bei der Leipziger Buchmesse im März dieses Jahres bot der Ewert-Verlag das Buch sogar offen an, jedoch in englischer und französischer Sprache, um sich so dem Zugriff der Staatsanwaltschaft zu entziehen.

Den Käufern, die sich sonst für Bachblütentherapie, Hellseherei und heilende Steine interessieren, scheint es egal zu sein, daß der Bestseller ins Visier der Justiz geraten ist. "Nur wer sich mit Esoterik nicht auskennt, kriegt das in die falsche Kehle", sagte in Leipzig eine Helsing-Anhängerin, die ihren Namen nicht nennen wollte.

"Drei Millionen Reichsdeutsche" sollen sich im Erdinnern versteckt halten

Am Messestand des Ewert-Verlags gab es auch einen neuen Jan van Helsing: "Unternehmen Aldebaran. Kontakt mit Menschen aus einem anderen Sonnensystem", Koautoren: Karin und Reiner Feistle. In dem Buch behaupten die drei, seit ihrer Kindheit regelmäßig von Außerirdischen besucht worden zu sein. Die Außerirdischen hätten am Ende des Zweiten Weltkrieges vielen Deutschen zur Flucht verholfen; "drei Millionen Reichsdeutsche" würden sich noch im Erdinnern versteckt halten.

Direkt neben dem Stand des Ewert-Verlags bot der Verlag für außergewöhnliche Perspektiven (VAP) aus dem nordrhein-westfälischen Preußisch Oldendorf seine Bücher feil. Im Angebot: das zweibändige Werk "Insider". Auf 500 Seiten erklärt es, "wer die Welt wirklich regiert", nämlich ein "weltweites Verschwörungsnetz" aus "westlicher Hochfinanz und Kommunisten", das eine "Neue Weltordnung" schaffen wolle, die für "die Menschheit den Abstieg in die Sklaverei bedeute". Vor zwanzig Jahren wurde es vom US-Bürger Gary Allen geschrieben; die Nachfrage hält bis heute an. "Es gibt in Deutschland 80 Millionen Einwohner", erklärt dazu VAP-Chef Bruno Goll, "ziehen Sie davon 7 Millionen Ausländer ab, bleiben noch immer 73 Millionen Leser übrig."

Nach Schätzungen des Börsenblatts, einer Fachzeitung des Buchhandels, werden mit Esoterikliteratur jährlich fünfzehn Milliarden Mark Umsatz gemacht. Der österreichische Esoterikkritiker und Sachbuchautor Roman Schweidlanka schätzt, daß ein Viertel der esoterischen Gemeinschaften im deutschsprachigen Raum rechtsextremistisch eingestellt sei. Schweidlanka spricht bereits von "arischer Esoterik".

Armin Pfahl-Traughber, Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz in Köln, bestätigt: "Wenn ich in den Esoterikabteilungen der Buchhandlungen willkürlich ins Regal greife, erwische ich immer öfter ein Buch mit rechtsextremistischem Inhalt." Es ist bemerkenswert, daß diese Bücher nicht nur in den einschlägigen rechten Verlagen erscheinen. So brachte beispielsweise der Goldmann-Verlag das Buch "Schicksal als Chance. Das Urwissen zur Vollkommenheit" heraus. Der Esoterik-Bestsellerautor und Münchner Startherapeut Thorwald Dethlefsen schwadroniert darin im Stürmer-Stil: Der Mensch "hat sich zu bemühen, eine möglichst nützliche Zelle zu sein, so wie er es von seinen Körperzellen erwartet, damit er nicht zum Krebsgeschwür dieser Welt wird. Verläßt er dennoch die Ordnung mutwillig, um seine mißverstandene Freiheit auszukosten, so sollte er sich nicht wundern, wenn er eliminiert wird."

In "Karma und Gnade", erschienen im Münchner Aquamarin-Verlag, vertritt Verlagsleiter Peter Michel die Überzeugung, daß Mongoloide nur ihr schlechtes Karma abtragen: Sie seien in einem früheren Leben zu selbstsüchtig gewesen. Neben klassischen Esoterikwerken über Astrologie und Tod verlegte Michel auch die rassistischen Texte von Gisela Weigl und Franz Wendel, die Dunkelhäutigkeit mit "geistiger Schwerfälligkeit" gleichsetzen.

Dabei ist es nicht so, daß die Esoterikbranche von der rechtsextremen Szene unterwandert würde. Im Gegenteil: "Es ist die Esoterik selbst, von Anfang an und in ihrem Kernbestand, die sich mit Grundauffassungen des rechtsextremistischen Denkens deckt", sagt Holdger Platta, der als Wissenschaftsjournalist unter anderem für Psychologie Heute schreibt. Platta sieht bestürzende Übereinstimmungen zwischen rechtsextremistischen Ideologien und esoterischen Thesen. Da werde Sozialdarwinismus pur propagiert, das Leben als ewiger Kampf zwischen Starken und Schwachen dargestellt und der "Ausleseprozeß" bejaht.

Bereits beim US-Amerikaner Charles W. Leadbeater, einem Esoterikguru der zwanziger Jahre, finden sich Rechtfertigungen für die Ausbeutung und Vernichtung der Völker der Dritten Welt. Das Aussterben der Naturvölker nennt Leadbeater eine "karmische Unvermeidbarkeit", da die Angehörigen der germanisch-nordischen Rasse "als höher entwickelte Seelen bereits über diese hinweggeschritten sind".

Führende Nazis waren bekennende Anhänger der Esoterik. Heinrich Himmler, Reichsführer SS, ließ seine SS-Mannschaften teilweise biologisch-dynamisch ernähren und mit Naturheilmitteln kurieren. Aus seinem elitären Selbstverständnis, ein "Erleuchteter" zu sein, resultierte auch sein Rassenwahn und die Bejahung des Holocaust.

Einige zeitgenössische Esoteriker versuchen nun, die Verantwortung der Nazis an der Judenvernichtung zu relativieren: "Hätten die sechs Millionen wirklich entkommen wollen, wäre es ihnen geglückt", verkündete der amerikanische Esoteriktherapeut Phil Laut auf einem seiner Seminare. Und in einer ORF-Talk-Show behauptete der deutsche Staresoteriker Erhard Freitag schon einmal, das jüdische Volk hätte in den Gaskammern des "Dritten Reiches" Vergehen aus früheren Leben zu büßen gehabt.

Esoterikkritiker Platta weiß für den neuen Boom nur eine altbekannte Erklärung: "Eine wirtschaftliche Rezession geht stets einher mit der Konjunktur des Aberglaubens. Wenn es in einer Gesellschaft kriselt, nimmt leider die Bereitschaft zu, sich solchem Gedankengut zuzuwenden."