Der amerikanische und britische Angriff auf den Irak hat schon begonnen. Während die Blair-Regierung im Parlament weiterhin behauptet, dass "noch keine endgültige Entscheidungen getroffen wurde", haben die Royal Air Force und US-Bomber Taktiken geheim geändert und ihre Patrouillen über dem Irak erhöht, für einen umfassenden Angriff auf militärische sowie zivile Ziele.
Die amerikanischen und britischen Bombardements auf den Irak haben um 300 Prozent zugenommen. Laut dem Verteidigungsminister hat die RAF zwischen März und November mehr als 124 Tonnen Bomben abgeworfen. Von August bis Dezember gab es 62 Attacken von amerikanischen F-16 Flugzeugen und von RAF-Tornados - im Durchschnitt ein Bombenüberfall jeden zweiten Tag. Es wird zwar gesagt, dass sie auf irakische Luftverteidigungen zielten, aber viele Bomben sind auf bevölkerte Gebiete gefallen, wo zivile Tode unvermeidlich sind. Unter der Charta der Vereinigten Nationen, den Kriegskonventionen und den internationalen Gesetzen belaufen sich die Attacken auf Taten der Piraterie: Im Prinzip kein Unterschied zum Bombardement der Deutschen Luftwaffe in den 1930ern auf Spanien als Vorläufer ihrer Invasion in Europa.
Die Bombardierung ist ein "geheimer Krieg", der selten so aktuell gewesen ist. Seit 1991, und besonders in den letzten vier Jahren, ist er unbeugsam gewesen und wird jetzt als der längste anglo-amerikanische Feldzug von Luftbombardierungen seit dem zweiten Weltkrieg erachtet. Die amerikanische und britische Regierung rechtfertigen dies damit, dass sie behaupten, sie haben ein UN-Mandat, um die sogenannten "Flugverbotszonen" zu überwachen, die sie nach dem Golf-Krieg deklarierten. Sie sagen, dass diese "Zonen", die ihnen die Kontrolle über einen großen Teil des irakischen Luftraum geben, legal sind und von der UN-Sicherheitsrats- Resolution 688 gestützt werden.
Das ist aber falsch. Es gibt keine Verbindungen zu "Flugverbotszonen" in irgendeiner Sicherheitsratsresolution. Um dies sicherzustellen, fragte ich Dr. Boutros Boutros-Ghali, der 1992 Generalsekretär der UN war, als die Resolution 688 verabschiedet wurde. Er sagte, "Die Frage über Flugverbotszonen wurde nicht eingetragen, und deshalb auch nicht debattiert." "Es gibt keine Legitimität gegenüber den Ländern, dass sie ihre Luftwaffe schicken und den Irak angreifen können."
1999 behauptete Tony Blair, dass die Flugverbotszonen den Amerikanern und Briten erlauben, "eine wesentliche humanitäre Aufgabe" auszuüben, indem sie die Kurden im Norden des Iraks und die ethnischen Marsh-Araber im Süden beschützen. Aber in Wirklichkeit haben die Amerikaner und die Briten mit ihrer Luftwaffe den benachbarten Türken Rückendeckung gegeben für wiederholte Invasionen im Norden bzw. im kurdischen Teil des Iraks.
Die Türkei steht der amerikanischen "Weltordnung" kritisch gegenüber. In Anbetracht der Ölfelder im mittleren Osten und in Zentralasien ist die Türkei ein Mitglied der Nato und Empfänger von Waffen und anderem militärischem Equipment von den Amerikanern, das Milliarden wert ist. Genauso sind amerikanische und britische Bomber in der Türkei stationiert. Ein lang anhaltender Aufstand der kurdischen Bevölkerung der Türkei wird von den Amerikanern als eine Bedrohung der "Stabilität" der türkischen "Demokratie" betrachtet und steht an oberster Stelle für das Militär, welches zu den schlimmsten Menschenrechtsverletzern auf der Welt zählt. Hunderttausende von Kurden wurden vertrieben und schätzungsweise 30.000 wurden getötet. Die Türkei, im Gegensatz zum Irak, ist "unser Freund". 1995 und 1997 besetzten mehr als 50.000 türkische Truppen, mit Unterstützung von Panzern und Jagdflugzeugen, "sichere Kurdenhäfen" (wie sie der Westen nannte).
Sie terrorisierten kurdische Dörfer und töteten Zivilisten. Im Dezember 2000 waren sie zurück, und begingen die Grausamkeiten, die schon das türkische Militär mit Immunität gegen seine eigene kurdische Bevölkerung begangen hat.
Das türkische Regime soll mit einem Bestechungsgeld von 6 Milliarden belohnt werden, wenn sie der US-"Koalition" gegen den Irak beitreten. Über die türkischen Invasionen wird selten in Britannien berichtet. Das heimliche Einverständnis der britischen Regierung ist so stark - ohne dass es das Parlament oder die Öffentlichkeit weiß - dass die RAF und die Amerikaner zeitweise absichtlich ihre "humanitären" Patrouillen aufschoben, um den Türken zu erlauben, mit ihrem Töten von Kurden im Irak weiterzumachen. Im März letzten Jahres protestierten die RAF-Piloten im kurdischen Irak, die die Flugverbotszonen patrouillieren, zum ersten Mal öffentlich gegen ihre erzwungene Mitschuld im türkischen Feldzug. Die Piloten beschwerten sich, dass sie häufig zu ihrem Stützpunkt in der Türkei zurückgerufen werden, um der türkischen Luftwaffe zu erlauben, die vielen Menschen, die eigentlich "beschützt" werden sollten, zu bombardieren.
Bei einem Gespräch mit Dr. Eric Herring, einem Senior-Dozent für Politik an der Bristol Universität und Spezialist für irakische Sanktionen, erzählte er mir, dass die Piloten sagten, dass immer wenn die Türken die Kurden im Irak angreifen wollten, wurden die RAF-Patrouillen zurück zum Stützpunkt gerufen und der Bodenbesatzung befohlen, den Radar auszuschalten, damit die türkischen Ziele nicht sichtbar seien. Ein britischer Pilot erzählte, dass er die Verwüstungen in kurdischen Dörfern, die durch die türkischen Attacken verursacht wurden, gesehen habe, nachdem er einmal seine Patrouille wieder aufnahm. Amerikanische Piloten, die im Tandem mit den britischen [Piloten] fliegen, wurde auch befohlen, ihre Flugzeuge umzukehren und wieder zur Türkei zurückzufliegen, um den Türken zu gestatten, die kurdischen "sicheren Häfen" zu verwüsten.
"Man sieht türkische F-14 und F-16 Bomber am Boden, geladen bis zum Anschlag mit Munition." erzählte ein Pilot der Washington Post. "Nach einer halben Stunde würden sie ihre Munition verbraucht haben und zurückkommen." "Wenn die Amerikaner zum irakischen Luftraum zurückkehren", sagte er, "dann würden sie brennende Dörfer, viel Rauch und Feuer sehen." Die Türken machen nicht mehr als die amerikanische oder britische Luft- waffe in ihrer humanitären Maske. Die bloße Anzahl von anglo-amerikanischen Bombardierungen ist erstaunlich, und mit Britannien ist es nur ein kleiner Partner. Während den letzten 18 Monaten bis Januar 1999 (das letzte Mal als ich in der Lage war, US-Zahlen zu bestätigen) flog die amerikanische Luftwaffe 36.000 Mal über den Irak, einschließlich von 24.000 Kampfmissionen.
Die Bezeichnung "Kampf" täuscht. Der Irak hat keine Luftwaffe und keine modernen Luftverteidigungen. Auf diese Weise bedeutet "Kampf" Bomben oder Raketen auf eine Infrastruktur werfen, die von einem 12 Jahre altem Embargo auf den Müll gelegt wurde.
Das Wall Street Journal - die authentische Stimme des amerikanischen Establishments - erklärte dies ausdrucksvoll, als es berichtete, dass sich die Vereinigten Staaten einem "echten Dilemma" gegenüberstehen. Nachdem seit acht Jahren Flugverbotszonen im Norden (und im Süden) des Iraks erzwungen wurden, bleiben nur noch wenige Ziele erhalten. "Wir sind unten beim letzten Schuppen", protestierte ein US Beamter.
Ich habe die Ergebnisse dieser Attacken gesehen. Als ich vor drei Jahren aus der nördlichen Stadt Mosul fuhr, sah ich die Überbleibsel eines land- wirtschaftlichen Wassertanks und eines LKWs - zerlöchert mit Einschusslöchern - das Schrapnell einer Rakete, einen Schuh, die Wolle und die Skelette von ungefähr 150 Schafen.
Die sechsköpfige Familie eines Schäfers - der Vater, die Ehefrau und die vier Kinder - wurden hier in Stücke zerrissen. Es war ein baumloses und offenes Gebiet. Der Schäfer, seine Familie und seine Schafe, hätten von der Luft aus gesehen werden können.
Der Bruder des Schäfers, Hussain Jarsis, war einverstanden, sich mit mir auf dem Friedhof zu treffen, auf dem die Familie beerdigt ist. Er kam mit einem alten Toyota und der Witwe, die von Leid geschmerzt war, und ihr Gesicht war bedeckt. Sie hielt die Hand ihres übriggeblieben Kindes und sie saßen neben den Hügeln, welche die Gräber der vier Kinder darstellen. Sie brüllte uns an, "Ich will den Piloten sehen, der meine Kinder umgebracht hat."
Der Bruder des Schäfers erzählte mir, "Ich hörte Explosionen und als ich kam um nach meinem Bruder und seiner Familie zu schauen, kreisten die Flugzeuge über mir. Ich hatte noch nicht den Damm erreicht, als die vierte Bombardierung stattfand. Die letzten beiden Raketen haben sie getroffen." "Zu dieser Zeit konnte ich nicht begreifen was los war. Der LKW brannte. Es war ein großer LKW, aber er war in Stücke gerissen. Nichts blieb übrig, außer die Reifen und das Nummernschild." "Wir sahen drei Körper, aber der Rest waren nur noch Körperteile. Mit der letzten Rakete, konnte ich sehen, wie ein Schaf in die Luft geschossen wurde."
Es war nicht klar, ob die amerikanische oder die britische Luftwaffe dies angerichtet hatte. Als die Einzelheiten dieser Attacke dem Verteidigungsminister in London vorgetragen wurde, sagte ein Beamter: "Wir nehmen uns das Recht zu harter Aktion, wenn wir bedroht werden." Dieser Angriff war bedeutsam, denn er wurde zu dieser Zeit von dem älteren UN-Beamten Hans Von Sponeck, der extra von Bagdad gekommen ist, untersucht und geprüft.
Er bestätigte, dass nichts einem militärischem Einsatz ähnelte. Von Sponeck zeichnete seine Funde in einem internem vertraulichem Dokument auf, mit dem Titel "Luftangriffe im Irak", welches von der UN-Sicherheitssektion (UNOHCI) vorbereitet wurde. Er bestätigte auch etliche ähnliche Attacken und dokumentierte sie, z.B. Angriffe auf Dörfer, einem Fischer-Kai, und einem UN-Essenslager. Die Attacken waren so regelmäßig, dass von Sponeck jeden Nachmittag UN-Unterstützungs-Convoys bestellen musste. DAFÜR machte sich von Sponeck - ein älterer ziviler Helfer für die UN mit verschiedenen Karrieren überall auf der Welt - machtvolle Gegner in Washington und London.
Die Amerikaner forderten, dass Kofi Annan, der UN-Generalsekretär, ihn entlassen solle, und waren überrascht darüber, dass er [Kofi Annan] auf der Seite seiner Stellvertreters im Irak war. Wie auch immer, innerhalb einiger Monate merkte von Sponeck, dass er sein humanitäres Programm nicht weiter betreiben könne, da es von beiden Seiten, einmal von illegalen Bombardierungen und von der bewussten amerikanischen Politik, die humanitären Hilfsgüter zu blocken, bedroht wurde.
Er resignierte im Protest, genauso wie es sein Vorgänger Dennis Halliday, ein Abgeordneter des UN-Sekretärs, tat. Halliday nannte das von den USA und Britannien angeführte Embargo "völkermörderisch". Aus offiziellen Dokumenten ist nun klar, dass die USA eine Schlacht gegen den Irak vorbereiten. Die Doktrin des Pentagons für "kombinierte städtische Operationen" sagt, wenn Bagdad nicht schnell aufgebe, dann muss es das Ziel von "überwältigender Feuerkraft" sein. Der Widerstand bei Stalingrad im 2.Weltkrieg ist als eine Lektion anzusehen.
Cluster-Bomben, tiefdurchdringende "Bunker"-Bomben und abgereichertes Uran werden mit Sicherheit benutzt werden. Abgereichertes Uran ist eine Massenvernichtungswaffe. Auf Raketen oder Panzergranaten gelegt, wird seine Explosionskraft die Ausstrahlung auf eine große Fläche verbreiten, besonders in der Wüste.
Professor Doug Rokke, ein Physiker der US Armee der für die Aufbereitung von abgereichertem Uran verantwortlich ist, erzählte mir, "Ich bin wie alle Leute hier im Süden des Iraks, Ich habe 5.000 mal die empfohlene Ausstrahlung in meinem Körper. Wie wir festgestellt haben, sind Atmungsprobleme, Nierenprobleme und Krebs die direkten Folgen [von Uran]." "Der Streit, ob oder ob nicht es der Grund ist für diese Probleme, ist manipuliert. Meine eigene schlechte Gesundheit ist Beweis dafür." Diese verheerende Massenvernichtungswaffe war letzte Woche kurz in den Nachrichten, als Unicef, die Kindereinrichtung der UN, seinen Bericht über die Kinder in der Welt veröffentlichte.
Die Menschenleben, die das von den Amerikanern geführte Embargo kostet, sind in den Statistiken verzeichnet, das benötigt keinen Kommentar. "Die Kindessterberaten im Irak hat sich seit 1990 fast verdreifacht und befindet sich nun auf der Stufe eines Entwicklungslandes", sagt der Bericht.
"Die Regression des Landes im vergangenen Jahrzehnt liegt fast bei den Schlimmsten der 193 Ländern. Unicef sagte, dass ein Viertel der irakischen Babys untergewichtig ist und das mehr als ein Fünftel wegen Unterernährung am Wachstum gehindert werden." Nach den Regeln des Embargos müssen die Iraker mit weniger als 100 Pfund pro Person ein ganzes Jahr auskommen. Um es zu datieren, die Kosten für die momentane, "geheime" und illegale britische Bombardierung des Iraks betragen 1 Milliarden Pfund.