Kriegsdienstverweigerung von US-Soldaten
Warum ich den Marschbefehl an den Golf verweigern werde
Just Say No!


Warum ich den Marschbefehl an den Golf verweigern werde
Hunsrück Forum 40/91, Februar 91
Übersetzung: Wolfgang Bartels

Vorbemerkung: Airman Henry Spielberger ist 20 Jahre alt, seit zwei Jahren ist er bei der US-Luftwaffe, ausgebildet als Offizier der Sicherheitspolizei. Er stammt aus Philadelphia/Pennsylvania. Sein Vater starb an den Folgen einer Verletzung, die er während des Vietnamkriegs erhielt. Damals war Henry sechs Monate alt. Als er im "wehrfähigen" Alter war, drängte die Mutter, dass der Sohn den Fussstapfen seines Vaters folgen solle. Die hier geäusserten Gedanken Spielbergers sind die schriftliche Fassung eines Vortrages, den er auf einer Veranstaltung der Friedensgruppe in Bitburg hielt.

Mein Name ist Henry Spielberger und ich bin als Soldat auf dem US-Flugplatz Bitburg in der Eifel stationiert Ich bin ein Kriegsdienstverweigerer innerhalb der US-Luftwaffe, weil ich den Krieg in jeder Form ablehne und an keinerlei kriegerischer Aktion teilnehmen werde. Meine Entscheidung traf ich bereits im vergangenen März, nach einem langen inneren Kampf, der mich viele Tränen gekostet hat. Ich stand im Zwiespalt, weil mich das Militär ausbildete, Menschen als Zielscheibe zu sehen, aber mein Gewissen sagte mir, ich kann nicht und werde nicht einen anderen Menschen töten.

Zum Kriegsdienstverweigerer wurde ich nach einigen Erlebnissen, die mir zu denken gaben. So war ich in einem Ausbildungslager bei Amsterdam, um zu lernen, wie Granaten mit dem "MARK 19"-Maschinengewehr abgefeuert werden. Als ich sah, welche Vernichtungskraft eine solche Granate hat und wie viele Menschen mit einem einzigen Schuss getötet werden können, fragte ich mich, warum ich mich nach dieser Übung so unwohl fühlte.

Nach dem Aufenthalt im Trainingslager kam ich zurück nach Bitburg, um meine Arbeit bei der Sicherheitspolizei des Flugplatzes fortzusetzen. Eines Nachts war ich zusammen mit einem Freund auf Wache, und da begann ich mich wieder zu fragen: Was unterstützt Du hier eigentlich, wenn Du weiter beim Militär bleibst? Schliesslich kam ich zu der Antwort: "Ich bin hier, um zu töten, um anderen Menschen das Leben zu nehmen, um das Leben anderer Menschen für immer zu beenden." An diesem Punkt sagte mir mein Gewissen, dass ich niemals töten werde.

Nach einem Gebet in meinem Zimmer fand ich einen Bibelvers, in dem gesagt wird: "Was Du meinem geringsten Sohn getan hast, das hast Du mir getan." Ich verstand dies als Aufforderung, zu lernen, dass ich andere Menschen so behandeln muss, wie ich selbst behandelt werden möchte. Es wurde mir klar, dass ich als Christ niemals an einem Krieg gegen andere Menschen teilnehmen kann.

Am nächsten Tag ging ich zu meinem Vorgesetzten und berichtete ihm über meinen Gewissenskonflikt. Er gab mir nach einer kurzen Diskussion den Ratschlag, meine Gefühle für mich zu behalten, andernfalls könnte ich im Knast landen. Doch trotzdem sprach ich danach mit einigen Kameraden, bis meine Kommandeurin Wind von der Sache bekam. Sie bat mich in ihr Büro, und nachdem ich ihr alles erzählt hatte, sagte sie mir, ich solle meine Arbeit fortsetzen, bis ein NATO-Wettkampf Ende des Monats vorbei sei. Danach wurde ich von meinen Pflichten als Mitglied der Sicherheitspolizei entbunden. Seit dieser Zeit habe ich mich zu einer völlig anderen Person verwandelt. Am 5. Juni 1990 stellte ich offiziell den Antrag auf Kriegsdienstverweigerung. (Anmerkung d. Ü.: Dieser erste Antrag "verschwand" auf dem "Dienstweg", ein zweiter Antrag wurde vom zuständigen Offizier als "ungenügend" bewertet, ein dritter Antrag soll nun Anfang Januar entschieden werden.)

Als ich meinen ersten Antrag auf Kriegsdienstverweigerung stellte, habe ich mich entschieden, nicht länger an diesem System, bekannt als Militär, teilzunehmen. Zugleich spreche ich mich gegen jede Form des Kriegs aus und versuche, Alternativen zu diesen Kriegen finden. Obwohl ich meinen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gestellt habe, kann mir befohlen werden, an den Golf zu gehen. Ich habe mich entschieden: Wenn mein Marschbefehl an den Golf kommt, werde ich den Befehl verweigern.

Ich werde in keiner Form die Entscheidung von Präsident Bush unterstützen, Truppen in die Golfregion zu entsenden. Ich will in keiner Weise in die Golfkrise verwickelt werden - ausser: dagegen zu sprechen. Ich möchte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit darauf lenken, dass es die Vereinigten Staaten waren, die Saddam Hussein zur Macht verholfen haben . Ursprünglich erklärte Präsident Bush, dass das amerikanische Militär am Golf ist, um die Ölinteressen unseres Landes zu schützen.

Aber als dann die öffentliche Meinung, die der Präsident ja so liebt, umschwang, änderte er die Begründung für unser Eingreifen im Golf. Jetzt sagte der Präsident, wir hätten im Golf unsere Demokratie zu verteidigen. Aber, verdammt noch mal, wie kann irgendetwas, das in einem anderen Land geschieht, Freiheit und Demokratie der Vereinigten Staaten berühren? Dann begann Bush, der amerikanischen Öffentlichkeit und der Welt zu erzählen, wir seien im Golf, weil Hussein in Kuwait einmarschiert ist, und wie schlimm sei es doch, in einem anderen Land einzumarschieren. Wenn das wahr ist, wie hat Präsident Bush dann befehlen können, in Panama einzumarschieren, um eine einzige Person zum Preis von 5000 Menschenleben gefangenzunehmen? Glaubt Präsident Bush, die USA hätten ein Recht, in ein anderes Land einzumarschieren, aber wenn ein anderes Land das gleiche macht wie wir, dann ist es ein Verbrechen?

Präsident Bush hat auch versucht, das Argument zu benutzen, dass der Irak chemischen Waffen besitzt und diese einsetzen werde. Doch der Irak hätte keine chemischen Waffen, wenn nicht wir und unsere deutschen Verbündeten ihm dazu verholfen hätten. Wenn Präsident Bush so in Sorge über den Einsatz chemischer Waffen ist, warum hat er nichts gesagt, als Hussein seine eigenen Leute und die des benachbarten Iran vergast hat? Der Präsident sagt auch, wir seien im Golf, um die Menschen vor einer nackten Aggression zu schützen. Doch exerzieren wir nicht die gleiche nackte Aggression unter dem Namen einer "militärischen Intervention"?

Die Welt hat so viele Fragen, aber die Regierung hat offenbar nur wenige Antworten, aber viele Ausreden. Doch wir brauchen keine Ausreden. Wir, die Menschen dieser Welt, müssen die Wahrheit wissen. Die Menschen auf diesem Planeten müssen erfahren, warum der Präsident der Vereinigten Staaten das Leben von über 300.000 Menschen riskieren will, einzig und allein für einen niedrigen Benzinpreis. Ist das menschliche Leben so wenig wert, dass man massenhaft Blut vergiessen kann, damit das Benzin weiterhin 95 Cent pro Gallone kostet? Wenn der Präsident des Landes, das ich so sehr liebe, glaubt, uns das weismachen zu können, dann muss ich widersprechen.

Weil ich noch immer beim Militär bin, kann ich nicht zu irgendwelchen Aktionen auffordern, weil sie mich dann wahrscheinlich ins Gefängnis stecken werden. Aber ich möchte zu etwas anderem auffordern: Jeder möge sich die Zeit nehmen, auch meine Kameraden beim Militär, sein Gewissen zu erforschen und sich zu fragen, ob er noch mitmachen kann. Prüft all die Geschichten, mit denen die Regierungen Euch Sand in die Augen streuen wollen. Prüft Euch selbst, ob ihr noch in irgendeiner Weise Regierungen unterstützen könnt, die so handeln. Und wenn Du beim Militär bist und ähnliche Gefühle hast wie ich, bitte, dann sprich sie aus und lass die anderen davon wissen, denn das wird weder Dich, noch Deine Kameraden verletzen.

Ich möchte an ein Wort des späten Dr. Martin Luther King erinnern: "Um dieser Menschen willen, um dieser Regierung willen, um dieser Hunderttausenden willen, die unter unserer Gewalt leiden, ich kann nicht schweigen!" Gesegnet seien jene, die Frieden schaffen, denn sie dürfen sich die Kinder Gottes nennen.


Just Say No!
Hunsrück Forum 40/91, Februar 91
Wolfgang Bartels

US-Soldaten erklären: Wir gehen nicht zum Kriegseinsatz an den Golf! Während seine Kameraden auf dem Bitburger US-Flugplatz antreten, um mit einer Kampfflugzeugstaffel zum Einsatz nach Saudi-Arabien zu fliegen, schiebt der zwanzigjährige Luftwaffensoldat Henry Spielberger Strafdienst. Er wurde zum Putzen abkommandiert. Airman Spielberger, bisher Sicherheitspolizist auf dem Flugplatz, hatte gegenüber seinen Vorgesetzten und Kameraden erklärt: "Ich werde nicht an den Golf gehen oder nach Saudi-Arabien, weil ich nicht eine Ölgesellschaft verteidigen werde. Ich will nicht an einem Blutbad teilnehmen. Und als Christ werde ich auf keinen Fall dort unten einen anderen Menschen töten."

Rund 100 000 in Deutschland stationierte amerikanische Soldaten haben bereits ihren Marschbefehl zur Verstärkung der US-Präsenz im Golf in der Tasche. Tagtäglich starten von Rhein-Main-Airbase oder Ramstein die Flugzeuge nach Saudi-Arabien. Doch nicht alle GIs sind bereit, widerspruchslos zu gehorchen, sondern fragen vielmehr öffentlich nach dem Sinn eines Krieges am Golf - wie Airman Henry Spielberger aus Bitburg.

Der zwanzigjährige Soldat aus Philadelphia ist überzeugter Christ. Anfang Oktober schrieb er einen Leserbrief an die Soldatenzeitung "Stars and Stripes", in dem er sich für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen einsetzte. Spielberger vertrat die Meinung: "Kriegsdienstverweigerer sind friedvolle Leute und wollen an keinem Krieg teilnehmen. Aber sie sind Menschen und Amerikaner mit denselben Rechten wie jeder andere Amerikaner."

Kaum war der Leserbrief veröffentlicht, entzogen ihm die Vorgesetzten seine Sicherheitsstufe. Statt eines Gewehrs darf er jetzt nur noch einen Besen schwingen. Spielberger ist davon überzeugt, dass seine Vorgesetzten ein Exempel statuieren wollen: "Den anderen Soldaten soll signalisiert werden: Der hat den Mund aufgemacht, und seht, was mit ihm geschieht. Dabei habe ich nur von meinem in der Verfassung geschützten Recht auf freie Meinungsäusserung Gebrauch gemacht. Und es ist schliesslich diese Verfassung, die ich als Soldat verteidigen soll."

Henry Spielberger ist keineswegs der einzige US-Soldat, der den Militärdienst im Golf-Konflikt verweigert Seit Wochen klingelt bei André Stoner in Kastellaun ständig das Telefon. Er ist Beauftragter des "Military Counseling Network“ und zugleich Mitarbeiter der amerikanischen Mennonitischen Kirche in Deutschland. Das Military Counseling Network ist eine unabhängigen Einrichtung, bei der sich GIs über ihre Rechte informieren können. Bisher haben sich fast 200 US-Soldaten bei Stoner gemeldet "Rund zwei Dutzend sind uns bekannt, die sich durchgerungen haben, den Kriegsdienst offen zu verweigern. Viele andere sagen: Das ist nicht mein Krieg. Ich weiss noch nicht, was ich mache. Aber einige überlegen sich, den Befehl nach Saudi-Arabien zu verweigern, auch wenn das Gefängnis heisst. Durch diese Gespräche wissen wir, dass der Unmut bei den Soldaten sehr, sehr gross ist."

Seit einem Jahr ist Airman Henry Spielberger in Bitburg stationiert. Zur Luftwaffe kam er nicht aus eigener Überzeugung. Sein Vater war an einer Verletzung gestorben, die er während eines Vietnam-Einsatzes erlitt.

Damals war Henry sechs Monate alt. Als der Sohn das wehrfähige Alter erreicht hatte, drängte die Mutter darauf, dass auch er zur Air Force ging. Doch wer erst einmal drin ist, kann kaum noch aussteigen. Die Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen ist ein langwieriges und diskriminierendes Verfahren. Doch angesichts des drohenden Krieges am Golf will Henry Spielberger seinem Gewissen und nicht den Befehlen seiner Vorgesetzten gehorchen: "Der Golf-Konflikt droht, zu einem zweiten Vietnam zu werden. Ich spüre, wie sich unser Land, die Vereinigten Staaten, für einen Krieg vorbereitet. Die USA wollen Krieg. Ich gehe nicht an den Golf. Und wenn sie mir den Befehl geben und mir mit Lebenslänglich im Gefängnis drohen: Ich werde nicht an den Golf gehen!"

Wäre Henry Spielberger nicht bei der Air Force in Bitburg, sondern zu Hause in Philadelphia, seine Auffassung vom Golf-Konflikt wäre gar nicht so aussergewöhnlich. Die New York Tim es berichtete über eine Meinungsumfrage, die Mitte November erhoben wurde. Danach befürworten nur noch 41 Prozent die Entscheidung des Präsidenten George Bush, weitere Soldaten an den Golf zu schicken. Im August hatten noch 75 Prozent der US-Bürger die Politik ihres Präsidenten gebilligt.

Im November wünschte die Hälfte der Amerikaner intensivere diplomatische Anstrengungen der Regierung, um die Krise auf dem Verhandlungswege beizulegen. Der Nationale Kirchenrat der USA, die Vertretung von 32 amerikanischen Kirchen, forderte den Abzug aller US-Truppen aus der Golfregion, deren Stationierung nicht ausdrücklich von den Vereinten Nationen gefordert werde. Selbst der frühere US-Präsident Jimmy Carter lehnte einen Angriff der US-Truppen im Golf ab: Der Ölpreis sei es nicht wert, Menschenleben dafür zu opfern.

In den USA gibt es bereits Hunderte Soldaten und Reservisten, die den Marschbefehl zum Golf verweigert haben. Mittlerweile wurden bereits mehrmonatige Haftstrafen gegen Verweigerer verhängt. So erhielt der Army-Sergeant George Morse fünf Monate Haft und Reduzierung seines Soldes auf ein Drittel, weil er sich aus moralischen und religiösen Gründen weigerte, mit seiner Einheit in den Golf zu fliegen.

Einer der ersten US-Soldaten, die die Einberufung nach Saudi-Arabien verweigerten, war der Marineinfanterist Erik Larsen. Bereits im September appellierte er an seine Kameraden, die Teilnahme an einem Krieg im Golf zu verweigern: "Der einzige Gewinner eines Krieges im Mittleren Osten werden die Ölgesellschaften und die Bosse von der Wall Street sein. Kein Betrag an Gewinn oder öl ist den Tod eines einzigen amerikanischen GI wert. Soldaten sind die Opfer des Krieges. Wir sind diejenigen, deren Körper in Leichensäcke gesteckt werden. Wir werden die nächste Generation der Rollstuhl-Veteranen sein. Wir werden die nächsten sein, die von der Veteranenbehörde vernachlässigt werden und heimatlos über die Strassen ziehen."

Erik Larsen hat mehrere Wochen lang amerikanische Militärstandorte in Deutschland bereist, um zweifelnde Kameraden zu ermutigen. Bei Gesprächen mit Deutschen wurde er oft gefragt: Warum gibt es in Euren Streitkräften eigentlich Kriegsdienstverweigerer? Ihr habt doch keine Wehrpflicht wie bei uns, sondern Ihr seid eine Berufsarmee. Larsens Antwort: "Das stimmt nur zum Teil. Wir haben zwar eine Berufsarmee doch wer geht dorthin? Doch meist nur diejenigen, die anders eine Ausbildung oder einen Job nicht bekommen. Man könnte es auch Armuts-Wehrpflicht nennen. Es ist die Armut, die die Leute in die Streitkräften treibt."

John Kenneth Galbraith hat in einem "Zeit"-Artikel kritisiert, dass die jungen Männer und Frauen, die jetzt in der Wüste Saudi-Arabiens stationiert sind, hauptsächlich aus den ärmeren Familien kommen: "Ähnlich wie im amerikanischen Bürgerkrieg heuern wir auch jetzt Menschen aus dem Armenhaus Amerikas an, um den Militärdienst mit seinen möglicherweise schwerwiegenden Konsequenzen zu leisten. Die Wohlhabenden aber stehen darüber und daneben." Und das, obwohl "die eigentlichen Profiteure der Aktionen gegen Saddam Hussein die glücklicheren und wohlhabenderen Kreise unserer Bevölkerung" seien. Denn: "Deren Benzin, deren Öl und Energieversorgung bleiben erst einmal gesichert und damit auch ihr höherer Lebensstandard." Der Vorschlag von Galbraith, doch ein Freiwilligenkorps in den wohlsituierten Vorstädten zu rekrutieren, stiess naturgemäss auf taube Ohren.

Henry Spielberger, Erik Larsen und die anderen Kriegsdienstverweigerer innerhalb der US-Streitkräfte hegen nicht die geringste Sympathie für Saddam Hussein. Aber sie fragen sich, warum der irakische Diktator gerade jetzt zum Buhmann aufgebaut wird. Spielberger weist immer wieder darauf hin, dass es gerade die Vereinigten Staaten waren, die Saddam Hussein zur Macht verholfen haben: "Präsident Bush begründet das amerikanische Engagement damit, dass der Irak chemische Waffen hat und sie einsetzen wird. Doch der Irak hätte keine chemischen Waffen, wenn nicht die USA und unsere deutschen Verbündeten ihm dazu verholfen hätten. Wenn der Präsident sich jetzt so über chemische Waffen aufregt, warum hat er geschwiegen, als Hussein sein eigene Bevölkerung und die des Iran mit Gas bombardiert hat?"

Wenig hilfreich für die meisten verweigernden Soldaten ist eine speziell deutsche Diskussion, nämlich der Streit um Aufrufe zum Desertieren. Den GIs geht es darum, den Kriegsdienst oder den konkreten Einsatzbefehl zum Golf zu verweigern. Wohlfeile Aufrufe zum Desertieren, verkündet aus warmen deutschen, Wohnstuben oder bei Pressekonferenzen, sollten auch ehrlicherweise die Strafe nennen, die auf den Betreffenden wartet: Niemals nach Hause zurückkehren zu können oder fünf Jahre Militärgefängnis. Mag es für die "Bewältigung" unserer eigenen Geschichte auch noch so wichtig sein, in der öffentlichen Meinung durchzusetzen, dass jene Wehrmachtssoldaten, die am Ende des Zweiten Weltkrieges die Truppe verlassen haben, ehrenwerte Motive hatten, so ist es doch nicht zulässig, diese deutsche Debatte auf amerikanische Kriegsdienstverweigerer aufzustülpen. Solidarität lässt sich nur dann üben, wenn der zu Unterstützende mit seinen eigenen Sorgen und Nöten ernst genommen und nicht als Objekt eigener Anschauungen und Interessen benutzt wird. Dies sei einigen friedensbewegten Deutschen ins Stammbuch geschrieben.

Die neuesten Nachrichten sind schlimm genug. Um Neujahr gab es mindestens drei Fälle, dass verweigernde US-Soldaten mit Handschellen gefesselt in Flugzeuge geschleppt und trotz ihrer Proteste nach Saudi-Arabien geflogen wurden. Derrick Jones (Friedberg), Bryan Centa (Mainz) und David Owen Carson (Aschaffenburg) sind im Golf-Konflikt die ersten Geiseln auf amerikanischer Seite. Eine Gruppe von US-Soldaten in Worms hat einen "Rap", eine traditionelle Liedform der Schwarzen zum Mitsingen, verfasst Sie fordern - in Anlehnung an eine Anti-Drogen-Kampagne der Präsidentengattin - ihre Kameraden auf: "Just Say No - Sag einfach Nein!": "Sie wollen mich in die Wüste schicken, um ein tödliches Spiel zu spielen, bewaffnet bis an die Zähne und bereit zu morden. Aber ich bin nicht bereit, für den Ölpreis zu sterben.

Ja, Onkel Sam, Du kannst mich am Arsch lecken. Just say No!"