Anti-Castor Demo in Kamen - 25.09.04 12 Uhr Alter Markt
Schwarze Katze Sonderseite

Anti-Castor Demo in Kamen Schwarze Katze Demobericht, 25.09.04
Bilder der Anti-Castor Demo Kamen Schwarze Katze, 25.09.04
Fotobericht zur Anti-Atom-Demo in Kamen indy, 30.09.04
Noch mehr Bilder und der WDR-Film
WIGA-Nachbetrachtung
Demoaufruf von diversen Unterstützergruppen
Pressemitteilung der BI Ahaus u.a. zur Demo
Demoaufruf WIGA
Mini-Demo stoppte den Verkehr auf der Hochstraße WR Kamen, 27.09.04
Kommentar auf Indymedia, 27.09.04
Anti-Atom-Demo in Kamen - Verkehr steht X, 27.09.04
Rede auf der Demo in Kamen 25.09.04
Auf der Demo verteiltes Anti-Castor Flugi www.antiatom.de/mk
40 Autonome wetzten ihre Mikadostäbe Hellweger Anzeiger, 27.09.04
Kamen / Unna - Demonstrative Aktionen Kreispolizeibehörde Unna, 25.09.04
Kleiner Protest an Autobahnauffahrt WDR, 25.09.04
Atomkraftgegner demonstrierten in Kamen gegen Castor-Transport Atomkraftgegner, 26.09.04

Vorgeschichte
Demo in Kamen findet morgen mit buntem Programm wie geplant statt 24.09.04
Proteste gegen Castor - Atomkraftgegner demonstrieren in Kamen yahoo, 25.09.04
Grüne gegen eigene Minister WR Kamen, 04.01.01
Castor-Strecke Geheimnis Kreis-Polizisten im Einsatz WR Kamen, 04.01.01
Castor-Gegner planen Protest auf dem Kamener Autobahn-Kreuz WR Kamen, 13.05.04
Die Polizei verbietet Demonstration auf Autobahn WR Kamen, 25.05.04
Polizei verbietet Demonstration auf Autobahn WR Kamen, 25.05.04
Droht nun das totale Chaos auf Autobahn? WR Kamen, 26.05.04
Castor-Gegner hoffen: Entfällt der Transport? WR Kamen, 27.05.04
Initiativen meldeten ihre Demonstration ab WR Kamen, 28.05.04
Anti-Atom-Gruppe plant Castor-Demo WR Kamen, 09.09.04
Castor-Gegner fühlen sich eingeschüchtert WR Kamen, 19.09.04
Kooperation ist kein Kaffekränzchen WR Kamen, 20.09.04
Heute Information über Demo in Kamen WR Kamen, 21.09.04
Castor rollt im Herbst übers Kreuz WR Kamen, 22.09.04
Demo: "Auflagen sind nicht durchsetzbar" WR Kamen, 23.09.04
A 1-Auffahrt: Behinderungen durch "Demo" WR Kamen, 23.09.04
Grüne: Die Castortransporte über Kamen sind überflüssig WR Kamen, 24.09.04
Wochenende in Kamen WR Kamen, 24.09.04


Anti-Castor Demo in Kamen - bunt, kreativ, öffentlichkeitswirksam
Schwarze Katze Demobericht, 25.09.04

Banner bei der Anti-Castor Demo Kamen, Foto: Schwarze Katze, 25.09.04Der geplante Castor-Transport vom sächsischen Rossendorf ins westfälische Münster sorgt für viel Aufsehen. Die Landesregierung von NRW hat keinen Bock den teuren Polizeieinsatz zu bezahlen und möchte, dass Sachsen für die Kosten aufkommt und eigene Polizisten schickt. Bei diesem Streit geht es nicht um eine prinzipielle Ablehnung der menschen- und tierfeindlichen Atomkraft, sondern nur um Knete. Nicht nur auf Landesebene regen sich Menschen wegen dem Castor-Transport, der diesmal über die Autobahn gehen soll, auf. Auch in der im östlichen Ruhrgebiet gelegenen Kleinstadt Kamen. Dort war für den 25.09.04 von Atomkraftgegnern eine Demonstration in Richtung Autobahn angekündigt worden, was Gesprächsstoff in´s sonst eher beschauliche Kamen brachte. Der Kreisvorsitzende der Kamener Grünen hielt die beabsichtigten Castortransporte, die auch über Kamen gehen sollte, für überflüssig.

Polizeischikanen
Die Kreispolizeibehörde Unna versuchte erfolglos schikanöse Auflagen zu erteilen, beispielsweise, dass in der Kamener Innenstadt nur die Gehwege benutzt werden und nur der Lautsprecherwagen sich auf der Fahrbahn bewegen dürfte. Kreispolizeisprecher Martin Volkmer meinte dagegen, dass von Schikanen keine Rede sein könne, die Auflagen seien "durchweg verhältnismässig" zur "Gefahrenlage". Wir gehen im Gegensatz zum Polizeisprecher nicht davon aus, dass die Gefahren bei Castortransporten von den Menschen ausgehen, die dagegen demonstrieren. Einer der Bündnis-Sprecher bezeichnete die Anwesenheit des Dortmunder Staatsschutzes auf der Anti-Atom Demo als Skandal, da damit versucht würde, die Demo als polizeirelevantes Thema darzustellen. Die Anti-Atom Initiative Kamen warf der Polizei Einschüchterungen und Berhinderungen vor. Die Polizei besuchte den Anmelder der Demo sogar nachts zuhause und fragte seine Nachbarn über ihn aus. Der vom Staat Bespitzelte findet das Vorgehen der Polizei "nicht korrekt", insbesondere über sein persönliches Lebensumfeld Erkundigungen einzuziehen. In der WR Kamen vom 19.09.04 wird der Pressesprecher des "Aktionsbündnisse Münsterland gegen Atomanlagen" dazu zitiert:

Offensichtlich liegen die Nerven beim Innenministerium und den zuständigen Polizeibehörden blank. Denn als jetzt die Anmeldung für die Demonstration in Kamen fristgerecht und ordnungsgemäss von den Bürgerinitiativen eingereicht wurde, reagierte die Polizeibehörde völlig überzogen und nervös. So wurde versucht, dem Anmelder zu Nachtschlafender Zeit (23.20 Uhr) die Einladung zu einem sogenannten Kooperationsgespräch zu übergeben, dieses jedoch vergeblich. So wiederholte man die Übergabe am nächsten Morgen um 8 Uhr. Wenige Tage später tauchten die Polizeibeamten wieder beim Anmelder auf, diesmal nicht ohne vorher die Nachbarwohnungen zu konsultieren und Fragen über das Privatleben des Anmelders zu stellen. All das hat mit dem Demonstrationsrecht wenig, aber mit Einschüchterung und Behinderung viel tun. Es wird uns jedoch nicht davon abhalten, den Widerstand gegen die unsinnigen und gefährlichen Atomtransporte deutlich zu machen. Wir protestieren gegen die peinlichen Auftritte der Polizei und werden auch in Zukunft unsere Rechte wahrnehmen.

1. Demo wird verboten
Schon für den 1. Juni 04 sollte eine Anti-Castor Demonstration in Kamen aus demselben Anlass laufen, nur weil der Castor nicht lief, wurde sie verschoben. Der Polizei gefiel die geplante Route zur Autobahnauffahrt A1 Höhe Zollpost nicht und sprach gar davon, dass mit einer solchen Demo Leben gefährdet würde. Den Atomkraftgegnern gefällt wiederum nicht, dass über das vielbefahrene Kamener Kreuz Atommüll transportiert werden soll und die Bevölkerung Kamens dabei gesundheitlich gefährdet wird. Die Kamener Lokalpresse titelte im Mai bildzeitungsmässig mit "Droht nun das totale Chaos auf der Autobahn?" und beunruhigte die ZeitungsleserInnen mit der Frage "Droht jetzt die Konfrontation und damit das totale Chaos im und ums Kamener Kreuz?" Der Anmelder erklärte worum es wirklich geht: "Den Demonstrationswilligen ginge es nicht darum, den Verkehr auf der Autobahn zu behindern. Wir wollen den Castor-Transport verhindern".


Demo durch Kamen

Castor-Stopp-Mikado auf dem Alten Markt

Im Vorfeld der Demo wurden einige Informationsveranstaltungen durchgeführt, die auf zum Teil reges Interesse stiessen. Die WR Kamen schrieb am 21.09.04 über eine dieser Infoveranstaltungen: "Das Anti-Castor-Aktionsbündnis protestiert nicht nur gegen einen Transport des Atommülls über die Autobahn zum Brennelementezwischenlager in Ahaus, sondern fordert auch den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie. Nur so könne verhindert werden, dass viele Tausend Tonnen radioaktiver Müll entstehen, für den es weltweit kein Entsorgungskonzept gibt."

2. Demoversuch klappt
Da der Castor-Tranport im Juli abgesagt wurde, fand die Anti-Atom Demo erst später statt, als wieder Gefahr für Mensch und Tier durch einen erneuten Atommülltransport bestand. Sie fand schliesslich wegen dem "drohenden Atommülltransport ins Zwischenlager Ahaus" am 25.09.04, einen Tag vor den Kommunalwahlen statt. Diesmal hatte die Polizei gnädigerweise nichts rumzumeckern, auch nicht gegen die zeitliche Nähe zu den Kommunalwahlen. Als ob das jemand interessiert... Da die mögliche Transportstrecke am Kamener Kreuz lag, war der Lokalbezug für die Auftaktdemo vorhanden.

Winkelelement bei der Anti-Castor Demo Kamen, Foto: Schwarze Katze, 25.09.04Wir verteilten auf der Auftaktkundgebung, wo es coole Punk-Mucke gab, ein Flugblatt, wo inhaltlich auf Gefahren und Unsinnigkeit der Castor-Transporte eingegangen wurde und die Webadresse www.antiatom.de/mk angegeben ist. Die Atomkraftgegner forderten "einen kompletten Einlagerungsstopp für das Ahauser Atomlager", da diese Anlage "nicht mehr den Sicherheitsanforderungen für eine langfristige Lagerung von abgebrannten Brennstäbe" entspricht. Zur Demo riefen folgende Gruppen auf: Antifa Kamen, Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, Anti-Atom-Initiative Kamen, Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus", Widerstand gegen Atomanlagen (WIGA) Münster, Menschen gegen Atomanlagen (MEGA) Waltrop, GAL Kamen. Sie schrieben in ihrem gemeinsamen Aufruf:

Machen wir deutlich, dass wir nicht bereit sind die Zerstörung der Umwelt und die Gefährdung von Millionen von Menschenleben weiter hinzunehmen! Kommt deshalb alle am 25. September nach Kamen. Veranstalten wir gemeinsam eine entschlossene und phantasievolle Auftaktdemonstration für die kommende Transportphase, die in der darauf folgenden Woche beginnt. Der Transporttermin wurde auch aufgrund des Anti-Atom-Widerstands Anfang des Jahres verschoben. Es besteht die Chance durch unseren entschiedenen Protest die Transporte noch im Vorfeld zu verhindern. Setzten wir ein deutliches Zeichen, dass wir nicht tatenlos zuschauen werden - auch nicht wenn der Castor rollt!

Im Aufruf wird noch auf die langfristigen Gefahren hingewiesen: Der heute produzierte Atommüll wird noch Zehntausende Jahren radioaktiv strahlen und eine grosse Gefahr darstellen. Es gibt weltweit kein einziges Endlager, in dem der Müll sicher verwahrt werden kann. Dennoch wird weiterhin Atommüll in den Atomkraftwerken produziert und die gewonnene Energie als sauber und billig propagiert. Billig ist sie aber nur deshalb, weil die Betreiber sich nicht um die Probleme der Entsorgung kümmern müssen. Der einzige Weg, die gefährlichen und inakzeptablen Atommülltransporte zu beenden und keinen weiteren Atommüll mehr zu produzieren, ist der sofortige Ausstieg aus der Atomenergie.

Als Teilerfolg sahen die Organisatoren, dass die NRW-Landesregierung im Jahre 2004 keinen Transport nach NRW genehmigen wird. Ein Redner warnte davor, dass bei einem Atomtransport über die Autobahn die Polizei die komplette Autobahn inklusive Autobahnbrücken absperren würde und Kamen, da es von drei Autobahnen umgeben ist, quasi von der Aussenwelt abgeschnitten würde.

Anti-Castor Demo Kamen, 25.09.04, Foto: Schwarze KatzeDer Gittarist der Band Slup konnte wegen Rippenfellentzündung nicht kommen, stattdessen spielte die coole Münsteraner Punkband "No Ties Required" kurz vor der Autobahnauffahrt in einem LKW. Der NRW-Innenminister Behrens erklärte am Kamener Demotag, dass der Castortransport verschoben ist. Insgesamt gab es mehr Polizisten als Demonstranten, auch der Dortmunder Staatsschutz war gut vertreten. Offenbar ist es in der BRD staatsfeindlich Leben vor atomarer Verseuchung zu schützen. Nachfolgend ein Auszug aus dem gelungenen Redebeitrag der Anti-Atom Initiative Kamen:

Da stellt sich doch eigentlich die Frage, wie es sein kann das weiterhin auf die Atomenergie gesetzt wird, auf eine total menschen- und umweltfeindliche Technologie. Darauf wird meist erwidert: weil die Atomenergie billig ist. Aber wie kann eine derartige Technologie billig sein? Das ist recht einfach. Die Atomenergie ist staatlicherseits extrem subventioniert. Atomkraftwerke sind nicht versichert und für die Entsorgung des Atommülls müssen die Betreiberfirmen auch nicht aufkommen. Kurz gesagt: Mit der Herstellung von Atomenergie lässt sich Profit machen. Damit erfüllt sie ihre Existenzbedingung in einer kapitalistischen Gesellschaft. Im Kapitalismus stehen nämlich nicht die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen im Mittelpunkt, sondern einzig wirtschaftliche Gründe und Verwertungsinteressen.

In unserem Aufruf stand zu lesen: Für eine herrschaftsfreie Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die wir für menschlich und lebenswert halten, sollte aber frei von Unterdrückung sein. Es soll keine Herrscher geben und keine Beherrschten. Die Menschen sollen ihr Leben selbst in die Hand nehmen können und solidarisch miteinander zusammenleben. Wir wollen eine Wirtschaft, die eben nicht die Verwertung des Kapitals im Mittelpunkt hat, sondern die Bedürfnisse der Menschen. Das unsere Gesellschaft alles andere als herrschaftsfrei ist, liegt auf der Hand. Und da Kapitalismus und Freiheit nicht zusammenpassen, egal wie mensch es dreht und wendet, ist klar, das die Abschaffung der kapitalistischen Verhältnisse unser Ziel ist. Deshalb ist unser Widerstand gegen die Atomenergie mit der Perspektive einer anderen Gesellschaft verbunden. Wir wollen grundlegende Veränderungen. Die sind nicht nur nötig sondern auch möglich.

Anti-Castor Demo Kamen, 25.09.04, Foto: Schwarze KatzeAtommikado gegen die Atommafia
Ein Demoteilnehmer beschreibt später auf Indymedia das überdimensonierte Mikado-Spiel: "Bevor die Demo losging wurde kurz das Mikado erklärt und probegespielt. Drei Teams waren vertreten (Schwarz, Rot, Grün). Wenn beim Versuch die Mikadostäbe zu Räumen gewackelt wird, ist das nächste Team am Zug. Regeln sind halt Regeln und daran muss sich auch die Polizei halten. Die zeitgleich eingetroffene Castorattrappe wurde symbolisch blockiert. Dann zog die Demo parolenrufend durch die Innenstadt, mit kleinen Abweichungen von der Demoroute. Die erste Kreuzung wurde gleich mit Mikado blockiert. Später sollte es noch einen Kreisverkehr und die Hochstrasse (Autobahnzubringer) treffen. Derweil schlossen sich weitere Menschen der Demo an."

Der Artikel endet mit einem dickem Lob für die Organisatoren: "Alle TeilnehmerInnen gingen mit einem guten Gefühl nach Hause. Die Organisation hat bestens funktioniert. Die Demo war lautstark und die Ablehnung der Atomkraft konnte gut vermittelt werden. Es wurde deutlich gezeigt: Wir sind in der Lage einiges auf den Kopf zu stellen und am Tag X können sich Polizei und Regierung auf was gefasst machen. Alles in Allem ein äusserst gelungener Auftakt für das Ruhrgebiet und den Anti-Atom-Widerstand überhaupt."

Team Schwarz schrieb am 28.09.04 ebenfalls auf Indymedia: "Ich war schon lange nicht mehr auf einer Demo, die so fett Spass gemacht hat wie die Demo in Kamen. Statt ellenlanger Reden gab es super Punkmucke und statt endlosen latschen und rumstehen gab es Mikadostangen und Aktion. Besonders gelobt werden muss die Super Organisation, vor allem das selbbestimmte/selbstbewusste Auftreten gegenüber Team Grün war ein absolutes Highlight. Wäre nur schön gewesen wenn mehr Menschen den Weg nach Kamen gefunden hätten. Meine Einschätzung nach waren wir bestenfalls 80 Leute. Um so bemerkenswerter das es den Antiatomis im Vorfeld gelungen ist, so einen Wirbel zu entfachen, dass die Autobahnauffahrt für 4 Stunden gesperrt wurde. Alles im allem ein gelungener Test für den Tag X. Danke auch für die Unterstützung aus dem Münsterland, insbesondere bei der WigA Münster."

Anti-Castor Demo Kamen, 25.09.04, Foto: Schwarze KatzeLecker war das Essen von Food not Bombs, was sich ein Schwarze Katze Aktivist leider zum Teil auf die Jacke schüttete, aber glücklicherweise gab es Nachschlag und Papiertaschentücher. Die Polizei versperrte mit Gittern die Autobahnauffahrt, hielt sich aber mit Provokationen zurück. Bilder und Zeitungsartikel gibt´s übrigens auf unserer Sonderseite zu sehen.

"Störenfried" zieht ein positives Fazit zur Demo:
Zunächst die Transpis sind einfach nur Supergut, besonders das mit dem Maulwurf und dem Presslufthammer. Zu der Sperrung der Autobahn Auffahrt kann ich nur gratulieren, mit so wenig Aufwand soviel Stau! Ich glaub langsam, die können, dass mit den Castoren und der Autobahn knicken. Weil am Tag X, wird es sicherlich einige solcher Aktionen geben. Wird mal Zeit das die Leute im Ruhrpott Unterstützung bekommen und es auch anderswo rockt, die Transporte führen über mehr als 600 km Autobahn. Es gibt also genügend Raum sich quer zu stellen und die lange Anfahrt entfällt auch! See you on the barricades!

Unser Fazit ist ebenfalls positiv: Eine gelungene Demo gegen die Vernichtung der natürlichen Lebensgrundlagen. Schöne Transpis, gute Sprüche, inhaltliche Redebeiträge, lecker veganes Essen, viel Öffentlichkeit. Davon könnten sich andere eine Scheibe abschneiden. Weiter kreativ und bunt gegen die Atommafia!


Bilder der Anti-Castor Demo Kamen
von
Schwarze Katze, 25.09.04

Am 25.09.04 fand eine Anti-Castor Demo in Kamen statt. Mit viel Polizei im Schlepptau ging´s Richtung Autobahnauffahrt Höhe Zollpost, wo Food not Bombs lecker Essen verteilten. Eine gelungene Demo gegen die Vernichtung der natürlichen Lebensgrundlagen. Keine Atommülltransporte! Atomkraftwerke abschalten!


Fotobericht zur Anti-Atom-Demo in Kamen
kein ruhiges Hinterland... - 30.09.2004 15:20, Indymedia

Am 25. September demonstrierten zwischen 85 und 100 Leute gegen den drohenden Castortransport nach Ahaus in der im östlichen Ruhrgebiet liegenden Kleinstadt Kamen. Aufgerufen hatten Initiativen aus dem Münsterland und dem östlichen Ruhrgebiet, die Demo sollte Auftakt des Widerstandes im Ruhrgebiet werden. Dies gelang sicherlich eindrucksvoll. Viele der Teilnehmenden waren sich einig: Selten hat eine Demo mit verhältnismäßig wenig TeilnehmerInnen so viel Spass gemacht und so viel Fantasie und Kraft gezeigt.


Raupetranspi auf dem Alten Markt


Punkband aus Münster spielt auf der Auftaktkundgebung


Demo startet durch die Innenstadt - mit dabei die Mikadoröhren


Mikado auf eine Kreuzung in Kamen


Castor-Stopp-Mikado auf Kreisverkehr - Team Rot ist am Zug


Demo auf der Hochstraße Richtung Autobahn


Mikado auf der Hochstraße


Redebeitrag für BesucherInnen von IKEA und Kaufland auf der anderen Seite


Autobahnauffahrt

Die Demo startete mit einer Kundgebung am Alten Markt. Sie zog dann durch Teile der Innenstadt bis zur sog. Hochstraße, einer breiten Bundesstraße, zur Autobahnauffahrt. (Kamen-Zentrum, A1). An der gesperrten Autobahnauffahrt gab es eine Abschlusskundgebung mit veganer Vöku. Die Band spielte auch hier noch einige Songs. Mit der Demo wurden große Mikadostäbe mitgeschleppt. An verschiedenen Kreuzungen und auf der Hochstraße wurde dann Castor-Stopp-Mikado gespielt – eine kreative Möglichkeit sich auf Castorblockade-Aktionen einzustimmen. Für diejenigen die nicht mit den Regeln vertraut sind: Bei Mikado müssen Stäbchen so entfernt werden, dass keine anderen Stäbchen wackeln. Wird gewackelt ist die nächste Person dran. Und wo gewackelt wird, da fährt kein Castor!

Schon Ende Mai hatten Anti-Atom-Gruppen eine Demonstration in Kamen auf dem Kamener Kreuz (Autobahnen A1und A2) angekündigt, verzichteten dann aber auf diese, weil sich abzeichnete, dass der Castor nicht rollen würde. Momentan sieht die Situation so aus, dass Innenminister Behrens (NRW) ankündigte, dass 2004 keine Transporte fahren sollen. Die sächsische Landesregierung besteht aber weiterhin auf die 3 Transporte mit jeweils 6 MTR-2-Behältern noch in diesem Jahr durchzufürhen. Als Transportzeitraum wird momentan der November gehandelt. Das Kamener Kreuz könnte ein wichtiger Punkt auf der Transportroute nach Ahaus werden. Aktionen am Tag X sind deshalb angekündigt.

Ein ausführlicher Bericht zur Demo hier:
www.de.indymedia.org/2004/09/94793.shtml

www.nixfaehrtmehr.de
www.mega-waltrop.de
www.wigatom.de

Ergänzungen

Gelungene Aktion
Störenfried 30.09.2004 16:01

Zunächst die Transpis sind einfach nur Supergut, besonders das mit dem Maulwurf und dem Preßlufthammer.
Zu der Sperrung der Autobahn Auffahrt kann ich nur gratulieren, mit so wenig Aufwand soviel Stau! Ich glaub langsam, die können, dass mit den Castoren und der Autobahn knicken. Weil am Tag X, wird es sicherlich einige solcher Aktionen geben. Wird mal Zeit das die Leute im Ruhrpott Unterstützung bekommen und es auch anderswo rockt, die Transporte führen über mehr als 600km Autobahn. Es gibt also genügend Raum sich quer zu stellen und die lange Anfahrt entfällt auch! See you on the barricades!


Noch mehr Bilder von der Anti-Atom-Demo in Kamen
WIGA Bilder und WDR Film

Die WIGA hat noch einige Bilder auf ihre Seiten gepackt: hier und hier. In der Aktuellen Stunde vom 25.09.04 lief ein 2:15 Minuten-Film.


Talking is over - Autobahn Action was on
40 Autonome wetzten ihre Mikadostangen

WIGA Demonachbetrachtung

Wir hatten uns viel vorgenommen. "Kopfstehend Samba tanzen auf der Autobahn". Für die Autobahn hat es (noch) nicht ganz gereicht, aber die Auffahrt war über mehrere Stunden gesperrt. War ja auch nur ein Test. Und der hat hingehauen.

Immerhin, ca 74 Leute fanden den Weg zur Demo, and there was Punkrock. Die sehr geile münsteraner Punkband "No Ties Required" rockten wie die Schweine und ließen sich dabei auch noch rumkutschieren. Merci.

Mit Punkband auf der Pritsche und überdimensionealen Mikado-Stangen im Werkzeugkoffer ging es los gen Autobahn. Hier eine kleine Bildergalerie. Im Vorfeld der Demo hatten die allseits geschätzten Ordnungshüter über die Lokalpresse ein Riesen Brimborium um die Demo gemacht. Kooperation war die Ansage, aber dann sind sie nicht erschienen. Vielleicht klappts ja beim nächsten mal. Die leute von der "Schwarzen Katze" im Sauerland haben sich eine Menge Arbeit gemacht, um die Vorkommnisse vor und während der Demo zu dokumentieren, sehr witziger Pressespiegel inklusive. Danke! Von uns gab es wie immer eine Presseerklärung.


Kein Castortransport nach Ahaus! Für den sofortigen Atomausstieg!
Für eine herrschaftsfreie Gesellschaft!

Aufruf zur Demonstration am 25.09.04 in Kamen
Anti-Atom Initiative Kamen, WigA Münster, MegA Waltrop, BI "Kein Atommüll in Ahaus", Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, Antifa Kamen, GAL Kamen

Im November 2003 wurde bekannt, dass die sächsische Landesregierung und das Bundesumweltministerium 18 Castor-Behälter mit 951 abgebrannten hochradioaktiven Brennelementen aus Dresden-Rossendorf in das 600km entfernte Zwischenlager Ahaus im Münsterland bringen möchte. Die Atomtransporte sollen über die Autobahn rollen. Eine der möglichen Routen führt über das Kamener Kreuz. Der Transporttermin wurde schon mehrmals verschoben. Es ist wahrscheinlich, dass die Transporte nach den Kommunalwahlen am 26. September fahren werden.

Die verwendeten Castorbehälter vom Typ MTR-2 machen nicht nur einen Straßentransport erforderlich, sondern benötigen aufgrund ihrer Instabilität auch Spezial-Stoßdämpfer. Da es wenige dieser Art gibt, könnten bis zu 18 Transporte über die Autobahn rollen. Atomtransporte bedeuteten eine nicht einschätzbare Gefahr für Menschen und Umwelt, gerade auf der Autobahn.

Dieser Atomtransport ist nicht nur aufwendig und gefährlich, sondern auch komplett unnütz: der Atommüll lagert in Ahaus nicht sicherer als in Dresden-Rossendorf. Beide Hallen sind fast baugleich. Der Austritt der radioaktiven Strahlung wird nur durch die Castorbehälter verhindert. Für jede Reparatur müssen die Castorbehälter zurück nach Rossendorf transportiert werden. Deshalb sprechen sich auch die Dresdener Anti-Atom-Initiaven gegen den Transport aus und kündigen an, seine Abfahrt schon in Dresden zu verhindern.

Der heute produzierte Atommüll wird noch Zehntausende Jahren radioaktiv strahlen und eine große Gefahr darstellen. Es gibt weltweit kein einziges Endlager, in dem der Müll sicher verwahrt werden kann. Dennoch wird weiterhin Atommüll in den Atomkraftwerken produziert und die gewonnene Energie als sauber und billig propagiert. Billig ist sie aber nur deshalb, weil die Betreiber sich nicht um die Probleme der Entsorgung kümmern müssen. Der einzige Weg, die gefährlichen und inakzeptablen Atommülltransporte zu beenden und keinen weiteren Atommüll mehr zu produzieren, ist der sofortige Ausstieg aus der Atomenergie.

Doch dieser ist zur Zeit nicht in Sicht. Der von der rot-grünen Regierung beschlossene "Ausstieg" aus der Atomenergie innerhalb von dreißig Jahren, ist vielmehr eine Garantie für weitere 30 Jahre Fortbestehen der Kernenergie. 30 Jahre in denen Tausenden Tonnen radioaktiver Abfall anfallen werden und die Menschen der Gefahr eines Atomunfalls ausgesetzt sind. Derweil wird sogar über eine Aufkündigung des "Ausstiegs" diskutiert. Weltweit ist die Atomenergie wieder auf dem Vormarsch. Auch in Europa sollen neue Atomanlagen gebaut werden. In Deutschland soll u.a. die Urananreichungsanlage in Gronau ausgebaut werden.

Wir hingegen fordern den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie. Alternativen, die den heutigen Energiebedarf vollkommen decken könnten, gibt es schließlich genügend. Windenergie und vor allem Solarenergie sind nur einige der vielen Möglichkeiten, umweltschonend Energie zu gewinnen. Doch solange die AKW-Betreiber nicht für die Entsorgung und die Sicherung der Castortransporte aufkommen müssen, bleibt die Kernenergie ein lukratives Geschäft mit dem für die Betreiber mehr Gewinn zu erwirtschaften ist, als mit erneuerbaren Energien. Die Verseuchung der Umwelt und die Gefährdung von Millionen von Menschen werden den kapitalistischen Interessen der Betreiberfirmen untergeordnet.

Doch wir sind nicht bereit, dass andere über unser Leben bestimmen und gegen unseren Willen herrschen. Die Atomenergie ist nur einer von vielen Punkten an denen die Logik des Kapitalismus sich über alle anderen Gründe hinwegsetzt. Wir wollen nicht in einer Welt leben, in der sich kapitalistische Verwertungsinteressen über die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen hinwegsetzen. Wir wollen unser Leben selbst in die Hand nehmen und gemeinsam in einer herrschaftsfreien Gesellschaft leben.

Wir rufen deshalb alle Menschen dazu auf gegen den drohenden Castortransport und für den sofortigen Atomausstieg zu demonstrieren!

Machen wir deutlich, dass wir nicht bereit sind die Zerstörung der Umwelt und die Gefährdung von Millionen von Menschenleben weiter hinzunehmen! Kommt deshalb alle am 25. September nach Kamen. Veranstalten wir gemeinsam eine entschlossene und phantasievolle Auftaktdemonstration für die kommende Transportphase, die in der darauf folgenden Woche beginnt. Der Transporttermin wurde auch aufgrund des Anti-Atom-Widerstands Anfang des Jahres verschoben. Es besteht die Chance durch unseren entschiedenen Protest die Transporte noch im Vorfeld zu verhindern. Setzten wir ein deutliches Zeichen, dass wir nicht tatenlos zuschauen werden - auch nicht wenn der Castor rollt!

Es rufen auf und unterstützen: Anti-Atom Initiative Kamen, WigA Münster, MegA Waltrop, BI "Kein Atommüll in Ahaus", Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, Antifa Kamen, GAL Kamen

25.September 2004 | 12.00 Uhr | Alter Markt | Kamen
www.nixfaehrtmehr.de


25. September, 12 Uhr: Anti-Atom-Demo in Kamen
Atomkraftgegner: Keine Atomtransporte nach Ahaus !

Pressemitteilung, 20.09.04

Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen
Anti-Atominitiative Kamen
Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus"
Widerstand gegen Atomanlagen (WIGA) Münster
Menschen gegen Atomanlagen (MEGA) Waltrop

Die Anti-Atomkraft-Initiativen im Münsterland und im Ruhrgebiet haben den heißen Protestherbst gegen weitere Atomtransporte nach Ahaus eingeläutet. Gestern demonstrierten in Ahaus rund 250 Atomkraftgegner. Mit einem Auto-Korso brachten sie zudem eine nachgestellte Castor-Attrappe unter großer Polizeibegleitung von Waltrop nach Ahaus.

Für Samstag, 25. September, um 12 Uhr rufen wir gemeinsam zu einer Demonstration in Kamen auf. Demonstrationsauftakt ist auf dem Alten Markt in Kamen mit einer Kundgebung. Danach geht die Demonstration zur Autobahn A 1. Mit der Demonstration soll gegen die geplanten Castor-Transporte mit hochradioaktivem Atommüll von Dresden-Rossendorf nach Ahaus protestiert werden. Gleichzeitig fordern wir den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie, um die weitere Atommüll-Produktion zu stoppen.

Eine der zwei möglichen Transportstrecken für den Dresdner Atommüll führt über die Autobahn Kassel-Paderborn-Unna-Kamener Kreuz-Dortmund-Waltrop-Recklinghausen-Bottrop Richtung Ahaus. Mit der Demonstration soll auf die Gefährlichkeit und Unsinnigkeit dieser Atomtransporte aufmerksam gemacht werden. In den Castor-Behältern befindet sich ca. 2 kg Plutonium - genug um die gesamte Bevölkerung Nordrhein-Westfalens zu töten. Für die Atomtransporte müssten zudem ganze Autobahnabschnitte komplett geschlossen werden. Lange Staus würden dadurch unvermeidlich.

Deshalb fordern die Atomkraftgegner, dass die NRW-Landesregierung einen kompletten Einlagerungsstopp für das Atomlager Ahaus verhängt. Die Atomanlage entspricht keinerlei Sicherheitsanforderungen für eine langfristige Lagerung von Atommüll. Die Anti-Atomkraft-Initiativen kritisieren scharf, dass die Landesregierung die massiven Sicherheitsprobleme in Ahaus nicht anerkennt. Stattdessen trifft die Landesregierung weiterhin polizeiliche Vorbereitungen für Atomtransporte von Dresden nach Ahaus noch in diesem Herbst.

Unterdessen lud der Anmelder der Demonstration in Kamen die Polizei zum zweiten Mal zu einem Kooperationsgespräch ein. Das Treffen soll am Mittwoch, 22. September, um 20 Uhr in der Gaststätte Frauenstraße 24 in Münster stattfinden. Ein erstes Gesprächsangebot für das Wochenende hatte die Kreispolizei Unna abgelehnt. Wir fordern die Kreispolizei Unna auf, sich endlich kooperativ zu zeigen und ihre massiven Einschüchterungsversuche gegenüber dem Anmelder - wie letzte Woche von uns berichtet - einzustellen. Wir fordern auch das NRW-Innenministerium auf, zu den Vorfällen Stellung zu nehmen.

Wegbeschreibung zum Alten Markt Kamen:

Mit der Bahn:
Ausstieg am Kamen Bahnhof, kurz rechts, links durch den Busbahnhof, auf der größeren Straße nach rechts, immer geradeaus, linkehand kommt Rathaus und Stadthalle, durch die Hochstraßenbrücke durch bis zur T-Kreuzung, dort über die Ampel auf den gegenüberliegenden kleinen Platz (Platz der Partnerstädte), dann links und der Straße folgen, dann erreicht ihr den Markt (ca. 7-10 Minuten zu Fuß) Ihr könnt auch eine Station mit dem Bus fahren, die Hälfte fährt zum Markt, einfach nachfragen

Mit dem Auto:
A1: Abfahrt Kamen-Zentrum runter, links, der Straße folgen, auf der Hochstraße zweite Abfahrt Kamen-Zentrum nehmen, geradeaus bis zum kreisel dort ganz links raus, straße folgen (rechtsabbiegen) und ihr seid da.

A2/Bundesstraße von Lünen/Waltrop: Abfahrt Kamen/Bergkamen, links, Straße folgen, Ortseingang Kamen, Straße weiter folgen bis zur großen Kreuzung, linkehand ist die VKU-Zentrale, geradeaus bis zum Kreisel, aus dem Kreisel rechts raus, bis zur T-Kreuzung, gegenüber liegt die Stadthalle, an der Kreuzung links, unter der Hochstraßenbrücke her bis zur T-Kreuzung, rechts abbiegen, am kreisel dort ganz links raus, straße folgen (rechtsabbiegen) und ihr seid da.

Parktipps: Direkt am Markt werden wohl kaum bis gar keine Parkplätze sein. Drumherum sind aber einige, z.B. am letzten Kreisel geradeaus oder rechts abbiegen; parken- und zu Fuß weiterlaufen. Das Parken in Kamen ist kostenlos!


WIGA-Demoaufruf
Widerstand gegen Atomanlagen Münsterland,
www.wigatom.de

Talking is over - Autobahn Action is on
25.09.04:
Demo in Kamen ab 12:00 Alter Markt.
Abfahrt Münster 10:45 Umweltzentrum.

Am Tag X wird es entlang der gesamten Transportstrecke (620 km BAB) von Rossendorf nach Ahaus Proteste geben. mit dem Autobahnaktionstag im Februar hat die Antiatombewegung gezeigt, daß es sehrwohl möglich ist, Proteste auf bzw an den Autobahnen zu machen. Das Autobahnkreuz Kamen ist einer der wichtigsten Knotenpunkte im Verkehrsnetz, den die Castortransporte passieren sollen. Für den Tag X haben wir bereits Demonstrationen auf den Autobahnen angemeldet. Und hierfür wollen wir uns am 25.09. warmlaufen. Von der Kamener Innenstadt soll eine möglichst bunte, lautstarke Demo in Richtung Autobahn ziehen. Wir wollen mit unserer Kreativität und Spontanität den Plänen der Atommafia einen Strich durch die Rechnung machen! Und hiermit fangen wir in Kamen an.

Noch ist dies keine Demo auf der Autobahn, sondern eine Demo zur Autobahn (Beachtet bitte folgende Sicherheitshinweise, weil Kreativität nicht Idiotie bedeutet). Aber eines wissen auch dioe Herrschenden: Am Tag X wird die Autobahn kopfstehend Samba tanzen. Wer das zu verhindern sucht, sollte schonmal einen Tanzkurs belegen. Denn: Wir blasen den Marsch. Ein seht lesenswerter [Aufruf] und garantiert Herrschaftsfrei. [Wegbeschreibung] nach Kamen.


Mini-Demo stoppte den Verkehr auf der Hochstraße
WR Kamen, 27.09.04


Mikado spielten die Castorgegner auf Kamens Kreuzungen mit großen Papprollen.

Kamen. "Laßt uns ein bißchen Spass haben", verkündete der Auftaktredner auf dem Alten Markt. Mit machtvollen Anti-AKW-Demos der 80er Jahre hatte der Castor-Protest durch Kamen angesichts von etwa 40 Teilnehmern nichts zu tun. Amüsiert reagierte mit Ausnahme genervter Autofahrer auch das Umfeld, von Passanten bis Polizei.

Die rund 40 Demonstranten fanden sich zur Mittagszeit auf dem Markt ein. Das Vorgeplänkel mit der Polizei um Genehmigungsauflagen entpuppte sich schnell als Polittheater. Die Demonstranten freuten sich über die zahlenmäßig überlegene Polizeibegleitung, die immerhin sicherte ihnen die gewünschte Aufmerksamkeit.

Mit großem Vergnügen spielten die Demonstranten Mikado auf ausgesuchten Kamener Kreuzungen. Lange Papprollen hatten sie dafür vorbereitet. Reden wie Transparente boten wenig neue Erkenntnisse. Stillegung der Atomanlagen wurde gefordert, zugleich gegen Sexismus und Antisemitismus protestiert. Ein paar provokantere Parolen trübten das uneingeschränkt friedliche Bild nicht.

Die Kreispolizei wiederum zeigte sich vorbereitet, aber wenig beunruhigt. Man rechnete nicht mit irgendwelchen Ausuferungen oder gar Gewalt. Verkehrliche Probleme aber habe man zu beachten, so ein Sprecher der Einsatzleitung vor Ort.

Die Musik auf dem Markt von "Slup" vergrößerte auch nicht gerade das Publikum. Die Kamener zogen das musikalische und sonstige Angebot des parallel abgehaltenen Oststraßenfestes vor.

Absolut friedlicher Protest-Verlauf

Am Ende bescheinigte auch die Polizei dem Protestzug einen absolut friedlichen Verlauf. Begleitende Beamte kamen mit den Demonstranten ins Gespräch, halfen auch schon mal bei Verpflegungsfragen. Wirkung aber hatte die Demonstration auf den Verkehr. Die Hochstraße von Kamen-Mitte bis zur Zollpost war mehrere Stunden gesperrt. In Pkw wie Linienbussen im Stau kochte da schon mal die Volksseele hoch.

Die Demonstranten sahen als Verursacher nicht sich selbst, sondern den Atommül. Sie forderten Solidarität mit den Anliegern von Atommüll-Lagern, die um ihre Gesundheit und die ihrer Kinder fürchten müßten.


Kommentar auf Indymedia
Team Schwarz 28.09.2004 03:10

Test bestanden
Ich war schon lange nicht mehr auf einer Demo, die so fett Spaß gemacht hat wie die Demo in Kamen. Statt ellenlanger Reden gab es super Punkmucke und statt endlosen latschen und rumstehen gab es Mikadostangen und Aktion. Besonders gelobt werden muß die Super Organisation, vor allem das selbbestimmte/selbstbewußte Auftreten gegenüber Team Grün war ein absolutes Highlight. Wäre nur schön gewesen wenn mehr Menschen den Weg nach Kamen gefunden hätten. Meine Einschätzung nach waren wir bestenfalls 80 Leute. Um so bemerkenswerter das es den Antiatomis im Vorfeld gelungen ist, so einen Wirbel zu entfachen, dass die Autobahnauffahrt für 4 Stunden gesperrt wurde. Alles im allem ein gelungener Test für den Tag X. Danke auch für die Unterstützung aus dem Münsterland, insbesondere bei der WigA Münster.


Anti-Atom-Demo in Kamen - Verkehr steht
X - 27.09.2004 11:01, Indymedia

Mit 100 TeilnehmerInnen, weniger als erwartet worden war, fand am Samstag eine kreative Demo in Kamen (Westf.) statt. Zur Demo hatten die lokale Anti-AKW-Gruppe, Antifa und GAL sowie weitere Anti-Atom-Initiativen aus dem Ruhrgebiet und dem Münsterland aufgerufen. Anlass war der drohende Castortransport von Dresden-Rossendorf nach Ahaus. Die DemonstrantInnen zeigten eindrucksvoll, dass auch mit wenigen TeilnehmerInnen eine Menge Trubel erzeugt werden kann. Das Ergebnis: Autobahnauffahrt Kamen-Zentrum (A1) für ca. 4 Stunden gesperrt, riesiger Stau auf der mehrspurigen Zufahrtsstraße, 1 Hundertschaft als Demobegleitung, Helikopter und Unmengen an Polizei auf der Autobahn und an Rastplätzen. Mittendrin eine gutgelaunte Demo, die auf Kreuzungen ein überdimensioniertes Castor-Stopp-Mikado spielt und auch mal die Route selbstbewusst verlegt.

Demo durch Kamen

Castor-Stopp-Mikado auf dem Alten Markt

Mit der üblichen Viertelstunde Verspätung begann um 12.15 Uhr die Auftaktkundgebung am Alten Markt. Die Stimmung war noch etwas gedämpft. Nach einer Begrüßung folgte ein Redebeitrag über Castortransporte. Gefordert wurde natürlich der sofortige Ausstieg aus der Atomenergie. Drei Lieder brachte die am Freitag Abend spontan als Ersatz eingesprungene Band "NO TIES REQUIRED" zum Besten. Nach einem Grußwort eines lokalen GAL-Vertreters folgte ein kurzer Redebeitrag, der vor allem noch einmal deutlich machte, dass der Widerstand mit einer weitergehenden Perspektive, die einer herrschaftsfreien Gesellschaft nämlich, verbunden sein sollte. Auch die lokalen Bündnis90-Grünen erhielten ihr Fett weg. Ihr am Samstag morgen erfolgter Kommentar zum Castortransport wurde kritisiert, da die Grünen darin den Transport nur mit dem Argument ablehnten, die Ostdeutschen sollten sich doch gefälligst um ihren eigenen Atommüll kümmern und diesen nicht nach NRW verfrachten.

Die Polizei hielt sich die ganze Kundgebung, wie auch während der Demo zurück. Die unsinnigen Auflagen der Kreispolizeibehörde Unna (10 Leute = 1Ordner, nur Bürgersteige benutzen, Signalwesten für Leute die auf der Straße gehen...) wurden zurückgezogen. Einzig der Staatsschutz war überdimensioniert vertreten.

So konnte dann der von einem Redner angekündigte Spaß beginnen. Bevor die Demo losging wurde kurz das Mikado erklärt und probegespielt. Drei Teams waren vertreten (Schwarz, Rot, Grün). Wenn beim Versuch die Mikadostäbe zu Räumen gewackelt wird, ist das nächste Team am Zug. Regeln sind halt Regeln und daran muss sich auch die Polizei halten. Die zeitgleich eingetroffene Castorattrappe wurde symbolisch blockiert. Dann zog die Demo parolenrufend durch die Innenstadt, mit kleinen Abweichungen von der Demoroute. Die erste Kreuzung wurde gleich mit Mikado blockiert. Später sollte es noch einen Kreisverkehr und die Hochstraße (Autobahnzubringer) treffen. Derweil schlossen sich weitere Menschen der Demo an.

Die Stimmung in der Demo wuchs immer mehr und erreichte dann sicherlich einen ersten Höhepunkt als der LKW mit der Band die Demo auf der Hochstraßen-Auffahrt einholte. Diese hatten zuvor einen anderen Weg fahren müssen und spielten dabei unermüdlich von der Pritsche herunter. Auf der Hochstraße, einer zweispurigen Bundesstraße, Zubringer zu der Autobahn A1 und aufgrund der Eisenbahnschienen wichtigste Verbindung nach Kamen hinein, war dicht. Hinter der Demo eine lange Autoschlange. Die beiden Spuren in Fahrtrichtung nahm die Demo ein und eine Gegenverkehrspur die Polizei. Eigentlich sollte die Demo nur den ganz rechten Fahrstreifen erhalten. Von einer Fußgängerbrücke und einem Parkplatz beobachteten PassantInnen das bunte Treiben. Eine Redebeitrag machte das Demoanliegen ersichtlich und erntete auch Zustimmung.

Die Autobahnauffahrt war komplett mit Wannen und Gittern gesperrt. Nach einer weiteren Runde Mikado und Bandmucke wurde dann die Fahrstrecke geräumt. Die FoodnotBombs-Gruppen erreichten die Demo und es wurde ausgiebig auf der Zufahrt gespeist. Neben Obst und Brot, servierten sie eine warme Suppe und ein Reisgericht. Da wurde sogar die Polizei etwas neidisch, die zuvor mit ihrem ’Kaffee-Koch-Bulli’ angegeben hatte. Gegen 16.45 Uhr löste sich die Demo bei bester Stimmung auf.

Alle TeilnehmerInnen gingen mit einem guten Gefühl nach Hause. Die Organisation hat bestens funktioniert. Die Demo war lautstark und die Ablehnung der Atomkraft konnte gut vermittelt werden. Es wurde deutlich gezeigt: Wir sind in der Lage einiges auf den Kopf zu stellen und am Tag X können sich Polizei und Regierung auf was gefasst machen. Alles in Allem ein äußerst gelungener Auftakt für das Ruhrgebiet und den Anti-Atom-Widerstand überhaupt.

NRW-Innenminister Behrens verkündete fast zeitgleich, dass 2004 keine Transporte rollen werden. Die Anti-Atom-Initiativen bleiben skeptisch und stellen sich auf den Tag X ein. Kamen hat am Samstag gezeigt, dass sich auch hier Widerstand am Tag X formieren wird.

Berichte auf Indymedia im Vorfeld der Demo:
www.de.indymedia.org/2004/09/94500.shtml
http://www.de.indymedia.org/2004/09/94279.shtml>www.de.indymedia.org/2004/09/94279.shtm

Aufruf zur Demo:
www.bo-alternativ.de/kamen-25-09-04.htm

Weitere Infos zum Ahaus-Castor und Atomenergie allgemein:
www.wigatom.de
www.bi-ahaus.de
www.nixfaehrtmehr.de
www.mega-waltrop.de

Nicht vergessen:
Dahin gehen wo die Atomspirale beginnt. Bundesweite Demo gegen die Uranaufbereitungsanlage in Gronau (Münsterland) am 9.Oktober 2004.
www.aku-gronau.de


Rede auf der Demo in Kamen
Anti-Atom Initiative Kamen, 25.09.04

Hallo liebe Freundinnen und Freunde,
Wir freuen uns, dass ihr heute gekommen seid um gegen den Castortransport nach Ahaus zu demonstrieren.

Zum Transport ist ja schon einiges gesagt worden. Ich kann auch nur noch einmal wiederholen: Dieser Transport ist nicht nur total gefährlich, sondern auch komplett nutzlos. In Ahaus lagert der Atommüll nicht sicherer als in Dresden-Rossendorf. In Dresden entsteht auch keine grüne Wiese, Dresden wird nicht atommüllfreie Zone durch diesen Transport. Dort wird auch weiterhin Atommüll lagern. Deshalb ist klar, dass die Menschen dort sagen: Wir lassen diesen Atommülltourismus nicht zu und blockieren den Transport schon bei der Abfahrt.

Verständlich ist auch, dass die Menschen in Ahaus sagen: Wir wollen den strahlenden Müll nicht. Wir wollen nicht, dass noch mehr Atommüll in Ahaus eingelagert wird, dass aus dem Zwischenlager Ahaus ein atomares Endlager wird. Denn: Ein Endlagerkonzept gibt es nirgendwo- Weltweit.

Was es aber zuhauf gibt, ist radioaktiver Müll und täglich wird mehr produziert. Die nächsten Castorbehälter stehen ebenfalls schon zum Abtransport bereit. Zum Beispiel aus dem Forschungsreaktor Garching bei München. Das Transportziel lautet: Ahaus! Der Transport aus Dresden-Rossendorf könnte dafür als Türöffner fungieren. Ein weiterer Grund entschieden gegen ihn zu protestieren.

Wir fordern nicht nur, dass kein Atommüll in Ahaus eingelagert wird, wir fordern ebenfalls den sofortigen Atomausstieg. Nur durch die Abschaltung aller Atomanlagen kann verhindert werden, dass nicht noch mehr Atommüll produziert wird. Nur durch die Abschaltung aller Atomanlagen, kann die Gefahr eines Unfalls abgewendet werden. Was passieren kann, wenn ein Atomkraftwerk in die Luft fliegt, wissen wir alle seid der Katastrophe von Tschernobyl. Doch auch im Normalbetrieb geschehen immer wieder Unfälle und Störfälle. Die Atomtechnologie ist nicht kontrollieren und alles andere als sicher!

Da stellt sich doch eigentlich die Frage, wie es sein kann das weiterhin auf die Atomenergie gesetzt wird, auf eine total menschen- und umweltfeindliche Technologie. Darauf wird meist erwidert: weil die Atomenergie billig ist. Aber wie kann eine derartige Technologie billig sein?

Das ist recht einfach. Die Atomenergie ist staatlicherseits extrem subventioniert. Atomkraftwerke sind nicht versichert und für die Entsorgung des Atommülls müssen die Betreiberfirmen auch nicht aufkommen. Kurz gesagt: Mit der Herstellung von Atomenergie lässt sich Profit machen. Damit erfüllt sie ihre Existenzbedingung in einer kapitalistischen Gesellschaft. Im Kapitalismus stehen nämlich nicht die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen im Mittelpunkt, sondern einzig wirtschaftliche Gründe und Verwertungsinteressen.

In unserem Aufruf stand zu lesen: Für eine herrschaftsfreie Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die wir für menschlich und lebenswert halten, sollte aber frei von Unterdrückung sein. Es soll keine Herrscher geben und keine Beherrschten. Die Menschen sollen ihr Leben selbst in die Hand nehmen können und solidarisch miteinander zusammenleben. Wir wollen eine Wirtschaft, die eben nicht die Verwertung des Kapitals im Mittelpunkt hat, sondern die Bedürfnisse der Menschen.

Das unsere Gesellschaft alles andere als herrschaftsfrei ist, liegt auf der Hand. Und da Kapitalismus und Freiheit nicht zusammenpassen, egal wie mensch es dreht und wendet, ist klar, das die Abschaffung der kapitalistischen Verhältnisse unser Ziel ist.

Deshalb ist unser Widerstand gegen die Atomenergie mit der Perspektive einer anderen Gesellschaft verbunden. Wir wollen grundlegende Veränderungen. Die sind nicht nur nötig sondern auch möglich.

In diesem Sinne:
Kein Castortransport nach Ahaus!
Für den sofortigen Atomausstieg!
Für eine herrschaftsfreie Gesellschaft!


Auf der Demo verteiltes Anti-Castor Flugi
www.antiatom.de/mk, 25.09.04

ist hier abrufbar: www.free.de/schwarze-katze/download/pdf/atom01.pdf


40 Autonome wetzten ihre Mikadostäbe
Hellweger Anzeiger, Kamen, 27.09.04

Castor-Großdemo entpuppt sich als viel Lärm um wenig - Mehr Polizei als Protestler und noch mehr genervte Autofahrer

kamen | Ende der 80er ist David Katze schon in Gorleben mitmarschiert. Heute, am Samstag, verteilt er ungebrochen eifernd Anti-Castor-Zettel auf dem Kamener Markt. Ein atomgelbes Plakat flattert im Wind: "Autonome, putzt Eure Werkzeuge!"

Die meisten der 150 angekündigten Protestler haben ihren Werkzeugkoffer nicht bloß im Schrank gelassen, sondern sind erst gar nicht erschienen. David Katze vom Anti-Atom-Bündnis Märkischer Kreis ist erschienen, unverdrossen wie weiland in Gorleben. "Wir sind das einzige Aktionsbündnis im ganzen Märkischen Kreis", verrät der an Jahren gereifte 34-Jährige. "Wir sind bloß fünf", setzt er hinzu. "Aber das brauchen Sie ja nicht zu schreiben." Insgesamt zählt das Häuflein Versprenkelter gerade mal 40, was sie allerdings nicht daran hindert, den Samstagvormittagsverkehr auf der Unnaer Straße mittels polizeilicher Absperrungen bereits ab 11 Uhr lahm zu legen und eine Hundertschaft Uniformierter aus Unna und Duisburg sieben Stunden lang mit Aufpassen zu beschäftigten.


Anti-Atom-Mikado auf dem Alten Markt. Fotos (2): Milk

Flankiert von einer Hundertschaft Polizei marschierten die Atomgegner durch die Innenstadt.

Martin Vonstein, Leiter Strafverfolgung bei der Kreispolizei, besieht sich die autonome Ballung auf dem Markt in Seelenruhe von Rande aus. "Solche Versammlungen sind vom Bundesverfassungsgericht vorgesehen", doziert er streng neutral. "Unsere Pflicht ist es, die Demonstranten zu schützen." Die sehen 20 Minuten nach geplantem Beginn selbst ein, dass "da wohl nicht mehr viele dazukommen". Auch die Band Slup wird nicht kommen, der Gitarrist hat Rippenfellentzündung und lässt solidarische Grüße ausrichten, ersatzweise kommt eine andere Band, "die spielt coole Punk-Mucke." Von cooler Mucke umdröhnt zieht das Häuflein Unermüdlicher durch die Innenstadt über die B 233 gen Autobahn. Alle paar 100 Meter knubbeln sie sich zusammen und schmeißen unter brachialem Kampfgeschrei meterlange stilisierte Mikadostäbe auf die Straße. Bevorzugt tun sie das auf Kreuzungen, und die genervten Autofahrer finden das nicht wirklich witzig. "Das sind ja bloß ein paar Männeken", ruft eine Frau auf der Fußgängerbrücke über der Unnaer Straße fassungslos, "dafür dieser Wahnsinnsaufwand?!"

Immerhin läuft alles friedlich, wenngleich die Definition von "Erfolg" abhängig ist von der jeweiligen Perspektive: Während das Aktionsbündnis Münsterland in seiner abschließenden Pressemitteilung von "rund 100 Atomkraftgegnern" tönt, kommt die Polizei beim besten Willen bloß auf 40 (mehr waren es auch nicht, wir haben nachgezählt). Und dass dieser Castortransport übers Kamener Kreuz, gegen den sie am Samstag so leidenschaftlich mit ihren autonomen Werkzeugen rasselten, laut samstäglicher Verkündigung des Innenministers nun doch nicht rollen soll - das konnte das Häuflein Unermüdlicher am Freitag ja noch nicht wissen. sia


Kamen / Unna - Demonstrative Aktionen
Kreispolizeibehörde Unna, 25.09.04

Im Bereich der Kreispolizeibehörde Unna fanden am Samstag, 25.09.2004, zwei Versammlungen unter freiem Himmel statt.

In Kamen demonstrierte ein Aktionsbündnis gegen Castor-Transporte. Die Veranstaltung begann um 12.00 Uhr in der Kamener Innenstadt und endete gegen 15.30 Uhr nach einem Aufzug zur Kreuzung B 233 / Gewerbegebiet Zollpost mit einer Kundgebung.

Teilnehmer: 40 Personen

Die Veranstaltung verlief friedlich. Während der Dauer der Demonstration kam es in der Kamener Innenstadt und im Bereich der o.g. Kreuzung zu Verkehrsstörungen.

In Unna wurde eine Demonstration mit dem Motto „Keine Chance für pädosexuelle Vereine in Unna“ durchgeführt. Die Kundgebung fand in der Zeit zwischen 11.00 Uhr und 13.30 Uhr in der Ahornstraße in Unna statt. Vertreter der Stadt Unna, der Kirchen und des Kinderschutzbundes begleiteten die Veranstaltung mit einem umfassenden Beratungsangebot für die Teilnehmer der Demonstration.

Teilnehmer: ca. 50 Personen

Die Veranstaltung verlief friedlich und störungsfrei.


Anti-Castor-Demonstration in Kamen
Kleiner Protest an Autobahnauffahrt

WDR, 25.09.04

Am Mittag zogen Anti-Atomkraft-Initiativen aus dem Münsterland in Kamen durch die Innenstadt, um gegen die geplanten Castor-Transporte vom sächsischen Rossendorf ins westfälische Brennelemente-Zwischenlager Ahaus zu demonstrieren. Der Protestzug zog vom Alten Markt in Kamen zur Autobahn-Auffahrt Kamen-Zentrum. Wie die Polizei auf Anfrage von wdr.de mitteilte, sei es bei der Demonstration bis zum frühen Nachmittag zu Verkehrsbehinderungen, aber keinen weiteren Störungen gekommen. Die Veranstalter hatten mit etwa 150 Demonstranten gerechnet. "Wir zählen 40", sagte der Polizeisprecher. Die Atomkraftgegner protestieren gegen die Atommüll-Fahrten, die sie für gefährlich und überflüssig halten.

Behrens: Kein Transport mehr dieses Jahr

Wie NRW-Innenminister Fritz Behrens mitteilte, werden die umstrittenen Castor-Transporte nicht mehr in diesem Jahr gestartet. Weder seien die technischen Transportvoraussetzungen gegeben, noch könne Dresden im Alleingang die hochsensible Fracht auf den Weg bringen, sagte Behrens (SPD) den "Ruhr Nachrichten". Voraussetzung für einen Transport seien konkrete Vorabsprachen mit allen beteiligten Bundesländern über die entsprechenden Sicherungsmaßnahmen. Diese hätten bislang nicht stattgefunden.


Atomkraftgegner demonstrierten in Kamen gegen Castor-Transport
Heute 17 Uhr: Kundgebung in Ahaus

Pressemitteilung, 26.09.04

Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen
Anti-Atom-Initiative Kamen
Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus"
Widerstand gegen Atomanlagen (WIGA) Münster
Menschen gegen Atomanlagen (MEGA) Waltrop

Rund 100 Atomkraftgegner aus Kamen, dem Ruhrgebiet und dem Münsterland demonstrierten am Samstag in Kamen mit einem schwungvollen Demozug gegen die geplanten Castor-Transporte mit hochradioaktivem Atommüll von Dresden nach Ahaus. Sie kritisierten dabei insbesondere, dass die Castor-Behälter nicht sicher sind, dass die Lagerhalle in Ahaus für eine langfristige Lagerung völlig ungeeignet ist und dass die sichere Entsorgung des Dresdner Atommülls durch die Transporte nicht gewährleistet wird. Redner wiesen auch darauf hin, dass für die Atomtransporte über 600 km Autobahn massive polizeiliche Behinderungen des Verkehrs zu erwarten sind. So plant die Polizei sämtliche Autobahnzufahrten und -brücken für die Castoren zu sperren. Da Kamen z. B. auf drei Seiten von Autobahnen umgeben ist, wäre Kamen für die Dauer des Transportes von der Außenwelt quasi abgeschnitten.

Die Anti-Atomkraft-Initiativen begrüßen die Ankündigung von NRW-Innenminister Behrens, dass 2004 kein Atommüll mehr nach Ahaus fahren soll und sehen dies als weiteren Teilerfolg der monatelangen Proteste. Allerdings steht die Aussage des Innenministers in krassem Widerspruch zu den deutlichen polizeilichen Transport-Vorbereitungen, die seit Tagen in Ahaus zu beobachten sind. Wir fordern von der Landesregierung, sämtliche Vorbereitungen für den Castor-Transport umgehend einzustellen und warnen die Landesregierung vor einem gefährlichen Doppelspiel. Innenminister Behrens steht nun persönlich im Wort, dass 2004 tatsächlich kein Castor mehr nach Ahaus fährt.

Wir werden weiterhin politischen Druck auf die NRW-Landesregierung ausüben, um einen umfassenden Einlagerungsstopp für das Atomlager in Ahaus zu erreichen. Deshalb demonstrieren wir heute um 17 Uhr auf einer Kundgebung in Ahaus vor dem Rathaus erneut gegen die Transporte. Wir erwarten von dem neu gewählten Stadtrat in Ahaus eine klare politische Aussage gegen weitere Einlagerungen von Atommüll in Ahaus. Das ist umso dringender, als 2005 auch Atommüll aus dem Forschungsreaktor Garching bei München über die Autobahn nach Ahaus rollen soll.

Sächsische Landesregierung und Bundesregierung sollen Atomtransporte absagen

Angesichts der geänderten politischen Landschaft in Sachsen fordern wir die jetzige geschäftsführende sächsische CDU-Landesregierung auf, auf die Atomtransporte nach Ahaus zu verzichten und die Genehmigung an das Bundesamt für Strahlenschutz zurückzugeben. Es wird immer deutlicher, dass die Atomtransporte nach Ahaus mehr Probleme schaffen als lösen. Eine kluge Politik erkennt dies an und verzichtet auf die hochgefährlichen und unsinnigen Transporte.

Gleichzeitig erwarten wir von Bundesumweltminister Trittin, dass er die Atomtransporte nach Ahaus neu bewertet. Die Transporte liegen nicht im öffentlichen Interesse und müssen deshalb abgesagt werden. Trittin besitzt genügend politischen Spielraum, um die Atomtransporte zu unterbinden.

Die Anti-Atomkraft-Initiativen kündigen weitere Proteste an, um die Transporte zu verhindern. "Unser bisheriger Widerstand hat sich schon ausgezahlt. Wir bleiben auch jetzt dran und sind für manche Überraschungen gut," so ein Sprecher der Initiativen.


NRW-Polizei bereitet Castor-Transport nach Ahaus vor!
Demo in Kamen findet morgen mit buntem Programm wie geplant statt

Pressemitteilung, 24.09.04

Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen
Anti-Atom-Initiative Kamen
Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus"
Widerstand gegen Atomanlagen (WIGA) Münster
Menschen gegen Atomanlagen (MEGA) Waltrop

Für die Anti-Atom-Initiativen im Münsterland und Ruhrgebiet verdichten sich die Hinweise, dass die sächsische und nordrhein-westfälische Landesregierung noch in diesem Herbst die 18 Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll von Dresden nach Ahaus fahren wollen. Während die sächsische Landesregierung schon seit einem Jahr auf einen schnellen Transporttermin drängt, mehren sich nun auch in NRW die Anzeichen für ernsthafte polizeiliche Vorbereitungen. So wurde die Ahauser Polizei Mitte September personell deutlich verstärkt. Seit dieser Woche sind in Ahaus auch auswärtige Polizeieinheiten auf Erkundungsfahrten zu beobachten. Gleichzeitig weigert sich die rot-grüne Landesregierung auf die sächsische SPD Einfluss zu nehmen, welche als wahrscheinlicher Koalitionspartner der sächsischen CDU dafür sorgen könnte, dass die Transporte komplett abgesagt werden.

Noch im März überschlugen sich NRW-Regierungsmitglieder mit verbalen Breitseiten gegen die Atomtransporte. Ministerpräsident Steinbrück bezeichnete sie als "irrsinnig" und "aberwitzig". Seitdem ist die Landesregierung fast komplett auf Tauchstation gegangen. Wir fordern Peer Steinbrück auf, seinen Worten nun Taten folgen zu lassen und sich auch öffentlich für einen kompletten Einlagerungsstopp in Ahaus einzusetzen. Wir fordern von der Landesregierung, auf jeden Fall sämtliche polizeilichen Vorbereitungen sofort einzustellen.

Kamen: Anti-Atom-Demo morgen ab 12 Uhr, Auftakt am Alten Markt Am morgigen Samstag, findet ab 12 Uhr in Kamen wie geplant eine regionale Anti-Atom-Demo statt. Auftakt ist auf dem Alten Markt, die Abschlusskundgebung findet bei IKEA an der Autobahnzufahrt Kamen-Zentrum statt. Die Autobahnen A1 und A2 liegen mit dem Kamener Kreuz auf der südlichen Transportroute des ca. 600 km Transportweges von Dresden nach Ahaus. Nach unserer Einschätzung wird Kamen zu einem neuralgischen Punkt für den Castor-Transport werden. Es ist damit zu rechnen, dass die Polizei am Tag X Kamen und sämtliche Autobahn-Zufahrten weiträumig absperren wird. Das wird zu massiven Behinderungen der Bevölkerung führen.

Wir laden deshalb alle Bürgerinnen und Bürger von Kamen herzlich ein, mit uns gegen diese hochgefährlichen und überflüssigen Atomtransporte zu demonstrieren. Noch lassen sich diese Atomtransporte absagen. Für Kinder wird es eine Luftballonaktion geben. Die Band Slup aus dem Ruhrgebiet wird für starke Rhythmen sorgen und auch an das leibliche Wohl ist gedacht.

Ahaus: Kundgebung am Sonntag, 26. September, um 17 Uhr vor dem Rathaus Gleichzeitig weisen wir auch nochmals auf die Anti-Atom-Kundgebung am jetzigen Sonntag, 26.9., um 17 Uhr in Ahaus hin. Auch mit dieser Demonstration wollen wir unsere Forderung nach einer Absage der Atomtransporte und für einen sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie unterstreichen.

Wir sind auf alle Eventualitäten vorbereitet und rufen bundesweit zu Protesten gegen die Atomtransporte auf. Gleichzeitig unterstreichen die Anti-Atom-Initiativen, dass es auch auf den Autobahnen selbst Demonstrationen gegen die Castor-Transporte geben wird, sollten diese tatsächlich losfahren.


Proteste gegen Castor - Atomkraftgegner demonstrieren in Kamen
yahoo-Nachrichten, 25.09.04, 04:05

Kamen (ddp-nrw). Heute wollen die Anti-Atomkraft-Initiativen aus dem Münsterland in Kamen gegen die geplanten Castor-Transporte vom sächsischen Rossendorf ins westfälische Brennelemente-Zwischenlager Ahaus demonstrieren. Der Protestzug soll sich auf dem Alten Markt in Kamen formieren und zur A 1 führen, wie die Veranstalter mitteilten. Die Atomkraftgegner wollen damit auf die nach ihrer Ansicht gefährlichen und unsinnigen Atommüll-Fahrten aufmerksam machen.

Die A 2 soll bei den anstehenden Castor-Transporten eine von zwei möglichen Strecken sein. Nach Angaben der Atomkraftgegner müssten wegen der Fahrten ganze Autobahnabschnitte komplett gesperrt werden.

Die Initiativen fordern stattdessen, dass die nordrhein-westfälische Landesregierung einen kompletten Einlagerungsstopp für das Ahauser Atomlager verhängt. Die Anlage entspricht nach Angaben der Atomkraftgegner nicht mehr den Sicherheitsanforderungen für eine langfristige Lagerung von abgebrannten Brennstäbe.


Grüne gegen eigene Minister
WR Kamen, 04.01.01

Kamen. (wol) Die Kamener Grünen gehen in zentralen inhaltlichen Fragen auf Gegenkurs zu eigenen Ministern. Die neue Sprecherin des Ortsverbandes, Monika Hennigs, kritisiert Massenschlachtungen und kündigt an, bei Castor-Transporten werde man gegen den eigenen Minister demonstrieren. Der bisherige Ortsverbandssprecher Peter Büttner macht sein Amt aus beruflichen Gründen frei. Er wird künftig als Schriftführer weiter zum Vorstand gehören und konzentriert sich ansonsten auf die Mitarbeit im Kreisvorstand. Monika Hennigs vertrat ihn bisher schon als Sprecherin und sammelte Erfahrungen in verschiedenen Gremien, unter anderem in Sparkassenverwaltungsrat und Krankenhausausschuss. Sie will künftig die Arbeit von Ortsverband und Fraktion stärker trennen, den Ortsverband aufwerten. Die 45-Jährige will außerdem mit neuen Angeboten grüne Themen stärker in die öffentliche Diskussion bringen, so sind unter anderem politische Frühstücksangebote geplant. Ein wichtiges Thema werde dabei im Zuge des BSE-Skandals die Diskussion um einen grundlegenden Wandel in der Lebensmittelindustrie sein. Bei Castor-Transporten halten die Kamener Grünen wie auch der Kreisvorstand an ihrer Gegnerschaft fest, auch gegen den eigenen Bundesminiter. Einen Landesminister wollen sie im Sommer nach Kamen holen. Mit Michael Vesper will man die Möglichkeiten erörtern, neue Zuschussprogramme für den Förderturm zu nutzen. Dem Vorstand gehören außerdem an als stellvertretende Sprecherin Gabi Lenkenhoff, als Kassierer Jo Achim Sandrock, als Beisitzer Bettina Werning und Henning Flaskamp.


Castor-Strecke Geheimnis Kreis-Polizisten im Einsatz
WR Kamen, 04.01.01

Bergkamen. Ob der Castor-Transport ins Zwischenlager nach Ahaus nach zwei Jahren wieder durch Bergkamen rollt sei zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation, sagte Polizeipressesprecher Martin Volkmar gestern. Sicher ist, dass auf jeden Fall Polizeibeamte aus dem Kreis Unna im Zuge einer Hundertschaft aus dem Regierungsbezirk Arnsberg zum Einsatz kommen werden.


Castor-Gegner planen Protest auf dem Kamener Autobahn-Kreuz
WR Kamen, 13.05.04

Kamen/Münster. Sollte es tatsächlich Ende Mai oder Anfang Juni Castortransporte über die Autobahn geben, wollen Gegner von Atomtransporten auf dem Kamener Kreuz demonstrieren.

Mehrere Aktionsbündnisse und Initiativen aus dem unter anderem aus Münster kündigten gestern für den 27. Mai für das Kamener Kreuz und einen weiteren Autobahnknoten Aktionen an. Weil die NRW-Landesregierung schon zu Pfingsten eventuell die ersten Castor-Transporte von Dresden nach Ahaus durchführen wolle, meldeten die Castorgegner aus dem Münsterland Demonstrationen direkt auf der 600 km langen Autobahn-Transportstrecke an.

Der Demonstrationsbeginn wird jeweils für 16 Uhr angekündigt. Die Anti-Atom-Bewegung wolle nun in die Offensive gehen, um die Castor-Transporte doch noch zu verhindern. Sprecher der Initiativen teilten gestern mit: "Wir werden uns nicht von geheim geplanten Castor-Transporten nach Ahaus überraschen lassen. Deshalb werden wir an den möglichen Transportterminen auf jeden Fall auf der Autobahn gegen diese hochgefährlichen und absolut überflüssigen Atomtransporte demonstrieren.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt habe die NRW-Landesregierung nicht die konkreten Transportvorbereitungen dementiert. Auch sei immer noch keine Klage gegen den Sofortvollzug der Transportgenehmigungen für die Castoren eingereicht.

"Wenn die Politik uns nicht wirksam vor den Gefahren der Atomenergie schützt, müssen und werden wir die Sache selbst in die Hand nehmen," so ein Initiativen-Sprecher. Bei neuen Entwicklungen werde man die Demonstrationstermine verschieben.


Die Polizei verbietet Demo auf der Autobahn
WR Kamen, 25.05.04

Kamen. Aus Sicherheitsgründen hat die Kreispolizeibehörde Unna gestern die von Castor-Gegnern aus dem Lager der Anti-AKW-Bewegung geplante Demonstration mit Abschlusskundgebung auf den stark befahrenen Autobahnen A 1 und A 2 rund um das Kamener Kreuz verboten. Das hätte die Polizei dem Veranstalter nach Anmeldung der Demo auch mitgeteilt.


Polizei verbietet Demonstration auf Autobahn
WR Kamen, 25.05.04

Kamen. (P.M.) "Rote Karte" für die Castor-Gegner: Die Kreispolizeibehörde Unna wird aus Sicherheitsgründen eine beabsichtigte Demonstration auf den Autobahnen 1 und 2 am Kamener Kreuz verbieten. Das bestätigte am gestrigen Abend die Pressestelle der Kreispolizeibehörde Unna gegenüber den Medien.

Unter dem Thema "Castor stoppen - Atomanlagen sofort stilllegen!" hatte der Veranstalter, der den Castor-Transport von Sachsen nach Ahaus verhindern will, für den Dienstag nach Pfingsten, 1. Juni, eine Kundgebung auf der Fahrbahn der A 2, Richtung Hannover, mit anschließenden Demonstrationsmärschen im Bereich des Autobahnkreuzes Kamen und Abschlusskundgebungen auf der A 1 angemeldet. Unsere Zeitung berichtet schon am 14. Mai ausführlich darüber.

Konfrontation?

Mehrere Aktionsbündnisse und Initiativen der Anti-AKW-Bewegung hatten ihre Teilnahme angekündigt.

Danach ist auch die Konfrontation mit der Staatsgewalt nicht auszuschließen: "Wenn die Politik uns nicht wirksam vor den Gefahren der Atomenergie schützt, müssen und werden wir die Sache selbst in die Hand nehmen", bemerkte ein Initiativen-Sprecher.

Leben gefährdet

An der Demonstration sollten nach Angaben des Veranstalters, so Polizeisprecher Martin Volkmer, "zwischen 700 und 1.000 Menschen teilnehmen." Die angemeldete Versammlung werde von der Polizei verboten, weil die Demonstration auf der Autobahn "eine unmittelbare Gefährdung der öffentlichen Sicherheit darstellt. Die Ausübung der Versammlungsfreiheit darf nicht mit Gefährdungen für Leben und Gesundheit von Menschen verbunden sein."

Angesichts der auf den Bundesautobahnen A 1 und A 2 herrschenden Verkehrsdichte seien - aufgrund konkreter Erfahrungen der Autobahnpolizei - Verletzungen bis hin zu Tötungen von Verkehrsteilnehmern bei Unfällen, insbesondere an den Stauenden auf der Bundesautobahn zu befürchten.

Martin Volkmer: "Diese Unfallgefahren, die darüber hinaus auch für die Demonstrationsteilnehmer und die für den Schutz der Versammlung eingesetzten Polizeibeamten bestehen, sind selbst bei verkehrsgerechter Fahrweise der betroffenen Fahrzeugführer und bei einem umfassenden Polizeieinsatz unvermeidbar."

Auch Ersatz: "Nein"

Das Verbot werde sich auch auf Ersatzveranstaltungen im Bereich der Bundesautobahnen im Gebiet der Kreispolizeibehörde Unna beziehen.

Der Veranstalter hätte drei von der Polizei angebotene Kooperationsgespräche nicht wahrgenommen. In entsprechenden Anschreiben hätte die Kreispolizeibehörde Unna von Anfang an deutlich gemacht, dass die Demonstrationen auf Bundesautobahnen als rechtlich nicht zulässig beurteilt würden und ein Verbot zur Folge hätten.


Droht nun das totale Chaos auf Autobahn?
WR Kamen, 26.05.04

Kamen. (P.M.) Droht jetzt die Konfrontation und damit das totale Chaos im und ums Kamener Kreuz? Bürgerinitiativen, Aktionsbündnisse und Widerstandsgruppen gegen Kernkrakftanlagen und Atom-Mülltransporte werden nach dem von der Polizei aus Sicherheitsgründen ankündigten Verbot der Demonstration am 1. Juni gegen die Castor-Transporte auf den Autobahnen 1 und 2 Widerspruch einlegen. Die Verfügung der Polizei wurde gestern überreicht.

Da die Demo möglicherweise auch im Falle einer Niederlage vor dem Verwaltungsgericht stattfinden wird, reagiert die Kreispolizeibehörde Unna: Sie werde sich auf einen Einsatz vorbereiten.

Gestern kam es zum verbalen Schlagabtausch. Demo-Antragsteller Matthias Eickhoff (Münster) warf der Polizei mangelnde Kooperationsbereitschaft vor und unterstellte Kommunikationsprobleme. Er sei gestern um 10 Uhr von Polizeidirektor Vonstein per Fax lediglich darüber informiert worden, dass die Polizei beabsichtige, die Demonstration zu verbieten. "Von einem konkreten Verbot weiß ich bisher aber nicht", erklärte er am Nachmittag in einem Telefongespräch mit unserer Redaktion. Da lag ihm die Verfügung noch nicht vor. Auch die Begründung habe er erst aus den Medien erfahren. Er wolle zunächst das offizielle Verbot abwarten. "Dagegen werden wir Widerspruch einlegen." Wie die Castor-Gegner auf eine Ablehnung reagieren würden, könne nur spekuliert werden. Eickhoff: "Eins nach dem Anderen."

Die Kreispolizeibehörde reagierte mit einer Mischung aus Verärgerung und Verwunderung. Pressesprecherin Ute Hellmann: "Wir haben dem Antragsteller drei Gesprächstermine angeboten, auch außerhalb der Bürozeiten. Alle drei Termine sind kurzfristig abgesagt worden. Auch die telefonische Kontaktaufnahme ist gescheitert. Der Antragsteller war einfach nicht zu erreichen."

Ihre grundsätzlichen Bedenken gegen Demonstationen auf Autobahnen hätte die Polizei dem Antragsteller überdies zweimal schriftlich mitgeteilt. Da dieser trotzdem verbreitet hätte, die Demonstration stattfinden zu lassen, bleibe der Polizei keine andere Wahl, als diese zu verbieten.

Gleichwohl die Polizei, ebenso wie ihr oberster Dienstherr, NRW-Innenminister Behrens, Verständnis für die Argumente der Initiativen hätte und die Versammlungsfreiheit natürlich als ein hohes und schützenswertes Gut bewerte: Autobahnen seien kein geeigneter Demonstrationsschauplatz. Ute Hellmann: "Sie dienen nicht der Kommunikation, sondern sind dafür da, um von A nach B zu fahren. Gerade auf der A 1 und A 2 herrscht eine so hohe Verkehrsdichte, dass Leben und Gesundheit aller Beteiligten durch eine Demonstration gefährdet werden." Eine Sperrung komme deshalb nicht infrage, weil diese "einen viel zu großen Eingriff in das Recht anderer Menschen bedeuten würde."

Minister soll klagen

Die zwei vom Bundesamt für Strahlenschutz genehmigten Castor-Transporte führen durch die beiden Autobahnkreuze Kamen und Lotte / Osnabrück (A 1). Weil dem so ist, unterstreicht Eickhoff, "soll auch dort demonstriert werden." Im übrigen achte er zwar die Haltung des NRW-Innenministers. Der solle aber auch handeln: "Warum klagt er nicht?" Wie Unna hatte auch die Kreispolizeibehörde Steinfurt ein Demonstrationsverbot angekündigt. Auch diese liegt mit dem Antragsteller im Clinch.


Castor-Gegner hoffen: Entfällt der Transport?
WR Kamen, 27.05.04

Kamen. Widerspruch erhoben haben die Aktionsbündnisse gegen den Castor-Transport, nachdem die Kreispolizeibehörde Unna die am 1. Juni im Kamener Kreuz beabsichtigte Demonstration verboten hatte (wir berichteten).

Das bestätigte gestern Antragsteller Matthias Eickhoff gegenüber unserer Zeitung. Den Demonstrationswilligen ginge es nicht darum, den Verkehr auf der Autobahn zu behindern. Eickhoff: "Wir wollen den Castor-Transport verhindern". Falls dieser tatsächlich stattfinde, müsste die Polizei die Auffahrten eh sperren. Denn der Castor-Transport könne nicht in den fließenden Verkehr eingebunden werden.

Nach jetzigem Stand habe man allerdings die Hoffnung, dass der Transport abgesagt wird. Das werde derzeit diskutiert. Und dazu hätte sicher auch das Aktionsbündnis beigetragen. Die Landesregierung zeige inzwischen auch eine entschlossenere Haltung. Der Atommüll, der von Dresden nach Ahaus gebracht werden soll, könne dort nicht sicherer als in Dresden gelagert werden. Die Notwendigkeit des Transportes sei nicht nachzuvollziehen.


Initiativen meldeten ihre Demonstration ab
WR Kamen, 28.05.04

Kamen. Bleibt das Chaos Kamen, zunächst jedenfalls, erspart? Der für den 1. Juni angekündigte Atommüll-Transport von Dresden nach Ahaus über das Kamener Autobahnkreuz wird nach Angaben der Anti-Atom-Initiativen verschoben.

Diese Nachricht mochte die Kreispolizeibehörde Unna gestern weder bestätigen noch dementieren. "Aus nahe liegenden Gründen machen wir keine Angaben über konkrete Zeitpunkte solcher Transporte", warb Pressesprecher Martin Volkmer um Zurückhaltung. Die Initiativen sind sicher: Castor findet am 1. Juni nicht statt. Ihre für diesen Tag beabsichtigte Demonstration, die bekanntlich verboten worden war, haben sie abgmeldet. Das bestätigte am Nachmittag auch die Polizei. Die Initiative forderten gestern die NRW-Landesregierung auf, "endlich die Atomtransporte ganz zu verhindern." Insgesamt sind 18 Transporte von Dresden nach Ahaus vorgesehen.


Anti-Atom-Gruppe plant Castor-Demo
WR Kamen, 09.09.04

Kamen. Eine neugegründete Gruppe "Anti-Atom-Kamen" will am 25. September, dem Tag vor der Kommunalwahl eine überörtliche Demonstration gegen Castortransporte in Kamen durchführen.

Die Gruppe wandte sich gestern an die Presse, allerdings ohne Ansprechpartner zu nennen. Der Kreispolizei liegt ein Antrag für eine solche Demonstration vor, entschieden ist über den Antrag noch nicht. Geplant ist offenbar ein Treffen direkt in der Kamener Innenstadt. Danach will man, so die Polizei auf Anfrage, in Richtung Autobahn ziehen. Zumindest diese Route wertet die Kreispolizei kritisch. Es habe ja vor einigen Monaten bereits Pläne gegeben, sogar auf der Autobahn zu demonstrieren. Hier müssten Gefährdungen auch bei einer neuen Planung ausgeschlossen sein. Entsprechende Vorgespräche aber müssten noch geführt werden, so Ute Hellmann von der Pressestelle der Polizei. Die Nähe zum Wahltag sieht die Polizei nicht grundsätzlich als Problem. Anlass der Demonstrationsplanung sei der "drohende Atommülltransport ins Zwischenlager Ahaus", mit dem die Initiatoren nun für einen Termin nach der Kommunalwahl rechnen. Der Transport solle über die Autobahn erfolgen und eine der möglichen Transportstrecken führe an Kamen vorbei. Man wolle "eine phantasievolle, lautstarke und entschlossene Auftaktdemonstration in Kamen".


Castor-Gegner fühlen sich eingeschüchtert
WR Kamen, 19.09.04

Kamen. Die neue Anti-Atom-Initiative Kamen und das Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen warfen gestern in einer gemeinsamen Presseerklärung der Kreispolizeibehörde Unna "Einschüchterungen und Behinderungen" im Zusammenhang mit der am 25. September ab 12 Uhr auf dem Alten Markt in Kamen geplanten Demonstration gegen Castor-Transporte aus Rossendorf (Sachsen) nach Ahaus vor. Diese Transporte sollen bekanntlich auch über das Kamener Kreuz führen.

Wie berichtet, liegt der Demo-Antrag der Kreispolizeibehörde Unna vor. Entschieden ist darüber aber noch nicht.

An der Demonstration in Kamen wollen auch weitere Anti-Atom-Gruppen und Bürgerinitiativen aus dem Ruhrgebiet und dem Münsterland teilnehmen.

In Gesprächen, die Bürgerinitiativen aus dem Münsterland mit Vertretern der Landesregierung NRW jetzt geführt hättten, sei deutlich geworden, dass mit einem Transport nach der Kommunalwahl und der Landtagswahl in Sachsen jederzeit gerechnet werden müsse. Die Anti-Atombewegung hätte schon vor Monaten "massive und phantasievolle Widerstandsaktionen angekündigt", so Willi Hesters, Pressesprecher des Aktionsbündnisse Münsterland gegen Atomanlagen. "Offensichtlich liegen die Nerven beim Innenministerium und den zuständigen Polizeibehörden blank. Denn als jetzt die Anmeldung für die Demonstration in Kamen fristgerecht und ordnungsgemäß von den Bürgerinitiativen eingereicht wurde, reagierte die Polizeibehörde völlig überzogen und nervös. So wurde versucht, dem Anmelder zu Nachtschlafender Zeit (23.20 Uhr) die Einladung zu einem sogenannten Kooperationsgespräch zu übergeben, dieses jedoch vergeblich. So wiederholte man die Übergabe am nächsten Morgen um 8 Uhr. Wenige Tage später tauchten die Polizeibeamten wieder beim Anmelder auf, diesmal nicht ohne vorher die Nachbarwohnungen zu konsultieren und Fragen über das Privatleben des Anmelders zu stellen. All das hat mit dem Demonstrationsrecht wenig, aber mit Einschüchterung und Behinderung viel tun. Es wird uns jedoch nicht davon abhalten, den Widerstand gegen die unsinnigen und gefährlichen Atomtransporte deutlich zu machen. Wir protestieren gegen die peinlichen Auftritte der Polizei und werden auch in Zukunft unsere Rechte wahrnehmen."


Kooperation ist kein Kaffekränzchen
WR Kamen, 20.09.04

Kamen. (P.M.) 150 Menschen aus der Region, dem Ruhrgebiet und dem Münsterland wollen am kommendenn Samstag ab 12 Uhr auf dem Alten Markt gegen Castor-Transporte aus dem sächsischen Rossendorf über das Kamener Kreuz zum Brennelemente-Zwischenlager in Ahaus demonstrieren. Diese Zahl nannten die Organisatoren der "Demo" gegenüber der Kreispolizeibehörde Unna. Diese wird nach Lage der Dinge den Antrag genehmigen, sofern Auflagen erfüllt werden. Welche, darüber berät die Polizei derzeit noch.

Das bestätigte gestern Martin Volkmer, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Unna, gegenüber unserer Redaktion. Gleichzeitig wies er Vorwürfe zurück, die Polizei hätte Castor-Gegner eingeschüchtert und behindert. Das hatte des Aktionsbündnis Münsterland am Wochenende behauptet (wir berichteten).

"Da liegt offensichtlich ein Missverständnis vor", bemerkte Volkmer. "Von einer Einschüchterung oder Behinderung kann nicht die Rede sein."

Nach höchstrichterlicher Entscheidung seien in solchen Angelegenheiten die zuständige Versammlungsbehörde, in diesem Fall die Kreispolizeibehörde Unna, und der Antragsteller gehalten, vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. Das geschieht im Vorfeld von Demonstrationen durch Kooperationsgespräche. Drei Angebote der Polizei dazu seien aber nicht angenommen worden. Stattdessen hätte der Antragsteller die Polizei zu "Gesprächen bei Kaffee und Kuchen" nach Ahaus bzw. "zum Frühstückk" nach Münster eingeladen. Volkmer: "Kooperationsgespräche sind aber keine Kaffeekränzchen". Sie müssten überdies am "Demo"-Ort stattfinden.

Die Polizei, unterstrich Volkmer, sei zwar weiterhin gesprächsbereit, rechne nun aber nicht mehr damit , dass eine Zusammenkunft mit den Organisatoren vor der Demonstration zustande kommt. So könnten eben auch nicht Fragen geklärt werden, die in der Regel im Vorfeld erörtert würden. Themen dabei seien u.a. örtliche Gegebenheiten, straßenverkehrliche Bedingungen und Anzahl der Ordner. Volkmer: "Schließlich geht es ja auch um die Sicherheit sowohl der Demonstranten als auch Unbeteiligter."

Kritisch könnte es vor allem zum vorgesehenen Kundgebungsabschluss werden. Der sei nämlich an der Autobahnauffahrtsstelle A 1 in Höhe des Gewerbegebietes Zollpost vorgesehen. "Eine stark befahrene Straße", gibt Volkmer zu bedenken. Allein schon deshalb seien Absprachen notwendig. Der Veranstalter von Demonstration und Kundgebung sei dazu verpflichtet, "versammlungsspezifische Gefahren zu minimieren."

Die Castor-Gegner strickten weiterhin am ideologischen Feinbild. Dabei gehe es der Polizei ja nicht darum, die Demonstration zu verhindern, sondern sie wolle und müsse dem Gesetz genüge tun. Deshalb hätte die Behörde auch so großen Wert auf das Kooperationsgespräch gelegt. Weil der Antragsteller zuhause nicht angetroffen worden sei, habe der um Amtshilfe gebetene Bezirksbeamte Nachbarn um die Auskunft gebeten, wann man ihn denn erreichen könne. Daraus hätte das Aktionsbündnis einen "Einschüchterungsversuch" konstruiert.


Heute Information über Demo in Kamen
WR Kamen, 21.09.04

Kamen. Über die Anti-Atom-Demo am Samstag in Kamen informieren Mitglieder des Organisationsbündnisse gegen den Castor-Transport von Dresden über das Kamener Kreuz nach Ahaus am heutigen Mittwoch ab 19.30 Uhr im Cafe? Libertad im GAL-Zentrum an der Güldentröge.

Dazu laden die Veranstalter alle Interessenten ein. Die Castor-Gegner selbst haben bisher drei Angebote der Kreispolizeibehörde Unna zu Kooperationsgesprächen ignoriert (wir berichteten). Im Vorfeld der Demo sollten Details abgeklärt werden. Die Behörde ist bekanntlich bereit, den Antrag auf Demonstration mit abschließender Kundgebung an der Autobahnauffahrt in Höhe des Gewerbegebietes Zollpost "gegen Auflagen" zu genehmigen.

Das Anti-Castor-Aktionsbündnis protestiert nicht nur gegen einen Transport des Atommülls über die Autobahn zum Brennelementezwischenlager in Ahaus, sondern fordert auch den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie. Nur so könne verhindert werden, "dass viele Tausend Tonnen radioaktiver Müll entstehen, für den es weltweit kein Entsorgungskonzept gibt."


Castor rollt im Herbst übers Kreuz
WR Kamen, 22.09.04

Kamen. (P.M.) Die Castor-Transporte aus Dresden-Rossendorf nach Ahaus über das Autobahnkreuz Kamen werden noch in diesem Herbst stattfinden.

Das bestätigte gestern des Innenminsteriums des Landes Sachsen auf Anfrage unserer Zeitung. Vorgesehen seien, so Andreas Schuhmann, stellvertretender Presssprecher des sächsischen Innenministeriums, drei Transporte mit jeweils sechs Behältern mit Müll aus Forschungsreaktoren "mit sehr viel geringerer Strahlungsintensität" (Schuhmann) als gängiger Atommüll. Für den Transport würden spezielle Stoßdämpfer benötigt. Sobald diese geliefert seien, könne es los gehen. Schuhmann: "Wir rechnen damit, dass das noch in diesem Herbst der Fall sein wird."

Gegen diese Castor-Transporte demonstrieren am Samstag ab 12 Uhr auf dem Alten Markt in Kamen, wie angekündigt, verschiedene Aktionsbündnisse aus dem Münsterland und dem Ruhrgebiet. Eine abschließende Kundgebung ist an der Autobahnauffahrt in Höhe des Gewerbegebietes Zollpost vorgesehen. Die Kreispolizeibehörde Unna hat die Veranstaltung "mit Auflagen" genehmigt. Diese würden dem Antragsteller aus Greven jetzt mitgeteilt.

Als "Skandal"

bezeichnet Matthias Eickhoff, einer der Bündnis-Sprecher, die für Samstag erwartete Präsens des Staatschutzes aus Dortmund. "So wird versucht, eine solche Demonstration als polizeirelevantes Thema darzustellen. Für uns ist das aber ein politisches Thema und daruf wollen wir auch aufmerksam machen. Die Atommülltransporte werden schließlich politisch entschieden. Das hat mit der Polizei nichts zu tun."

Überdies kritisierte Eickhoff das Verhalten der Kreispolizeibehörde Unna gegenüber dem Antragsteller. Dieser hätte aus beruflichen Gründen die von der Polizei angebotenen Termine zum Kooperationsgespräch in Unna / Kamen gar nicht wahr nehmen können. Deshalb hätte er die Beamten nach Münster eingeladen und dabei auch "Kaffee und Kuchen" in Aussicht gestellt. "Das war nur ein freundliches Entgegenkommen. Natürlich ist solch ein Kooperationsgespräch im Vorfeld einer Demonstration kein ,Kaffeekränzchen", zitierte Eickhoff Polizeisprecher Martin Volkmer. "Aber ein Kooperationsgespräch ist auch kein Tagesausflug."

Insgesamt bewertet Eickhoff das Vorgehen der Kreispolizeibehörde als "nicht korrekt". Dazu gehöre vor allem der Versuch, Informationen über das persönliche Umfeld des Antragstellers zu gewinnen. Eickhoff: "Dabei geht es in Kamen doch um eine ganz normale Demonstration. Wir haben keine Interesse daran, uns mit der Polizei auseinander zu setzen. Unser Ansprechpartner ist die Landesregierung."

Dies soll nämlich, fordert das Bündnis, ihren ganzen Einfluss geltend machen, um die Castor-Transporte aus Sachsen zu verhindern.

Sonst wollen die Demonstranten sie stoppen, notfalls, wie schon vor einigen Monaten angekündigt, mit Blockaden auf der Autobahn.

Verkehrsbehinderungen seien am Samstag in Kamen aber nicht geplant. Eickhoff: "Diese Demonstration wird nicht aus dem Rufer laufen. Wir haben auch nicht die Absicht, die Autobahnauffahrt zu blockieren."


Demo: "Auflagen sind nicht durchsetzbar"
WR Kamen, 23.09.04

Kamen. (alex) Kritik an den polizeilichen Auflagen der Kreispolizeibehörde Unna für die Anti-Castor-Demonstration am kommenden Samstag übten die Initiatoren des Organisationsbündnisses gegen den Castor-Transport von Dresden über das Kamener Kreuz nach Ahaus.

Die Auflagen seien schlichtweg nicht durchsetzbar, hieß es im Rahmen einer Informationsveranstaltung am Mittwochabend im GAL-Zentrum. Die Vorgabe, in der Kamener Innenstadt ausschließlich die Bürgersteige zu benutzen, sei angesichts der erwarteten Teilnehmerzahl von über 150 Demonstranten absurd, erklärt Mitinitiator Peter Roghosch vom Umweltzentrum Münster, nicht zuletzt mit Blick auf die Breite der Gehwege. Einzig der Lautsprecherwagen solle sich - streng genommen - auf der Fahrbahn bewegen. Erst habe man überlegt, gegen die Auflagen mittels eines Anwalts Widerspruch einzulegen. Dieser aber hatte dem Aktionsbündnis geraten, davon Abstand zu nehmen, da die Auflagen ohnehin "weder für uns, noch für die Polizei durchsetzbar sind", so Roghosch. Nur im Notfall, hieße es im Auflagenkatalog - also bei zu hoher Teilnehmerzahl - dürfe auch die Fahrbahn in Beschlag genommen werden. Angesichts dieser schwammigen Wenn-Bestimmung wolle man diese Auflage von vornherein ignorieren, so die Initiatoren. Auch die angekündigte Maßnahme, einen Ordner für jeweils zehn Teilnehmer abzustellen, entspreche nicht der üblichen Praxis, eher der, die sonst bei Neonazi-Aufmärschen angewandt werde. Hier verdränge Polizeirecht Versammlungsrecht, die Polizei schieße über ihr Ziel hinaus.

Als "skandalös" empfinden die Organisatoren auch, für die im Rahmen der Demo geplante Luftballonaktion eigens eine Sondergenehmigung vom Dortmunder Luftfahrtamt einholen zu müssen. Dies rieche aus Sicht des Bündnisses eindeutig nach "Schikane". Bedauerlich sei auch gewesen, dass, trotz Einladung, kein Vertreter der Kreispolizeibehörde zur Infoversammlung im GAL-Zentrum erschienen war. Dabei hätte die Teilnahme seitens der Polizei auch für diese einen positiven Effekt gehabt, denn: Die Demonstration am Samstag werde, so das Bündnis, nur ein "Vorgeschmack auf den Tag X sein", dem Tag also, an dem der Castortransport über das Kamener Kreuz rolle und an dem bei Weitem mehr Demonstranten erwartet werden, so Roghosch.

Kreispolizeisprecher Martin Volkmer lässt die Kritik nicht gelten: Das Kooperationsgespräch zwischen Anmelder und zuständiger Polizei entspreche einem versammlungsrechtlichem Gebot und müsse den Charakter eines Geschäftsgespräches haben, so Volkmer. Davon könne keine Rede sein, wenn die Öffentlichkeit beteiligt sei. Keine Rede sein könne auch von Schikanen, die Auflagen seien durchweg verhältnismäßig zur Gefahrenlage. Aus Sicht der Polizei baue das Bündnis "Fronten auf, wo keine sind".

Die Veranstaltung am Samstag solle von den Kamener Bürgern als ein Aufruf zur Selbstinformation verstanden werden. Bei einem Unfall so Bündnissprecher Roghosch, müsse ein Umfeld von 30 bis 50 Kilometern evakuiert werden.

Kreispolizeibehörde weist Vorwurf der "Schikane" von sich

Ob die Stadt Kamen über einen entsprechenden Katastrophenschutzplan verfüge, sei für ihn zweifelhaft. Der Zug werde sich indessen auf keinen Fall auf die Autobahn bewegen, betonen die Initiatoren. Die Route wird vom Markt aus über die Koppel- auf die Hochstraße und von dort über die gesperrte Rechtsabbiegespur auf die A1-Zufahrt in Richtung Köln auf eine anliegende Rasenfläche führen, wo eine Kundgebung stattfinden soll. Insgesamt soll es "eine bunte und fröhliche Veranstaltung u.a. mit Live-Musik auf dem Markt werden", kündigen die Organisatoren an. Ab 12 Uhr tritt dort die Punkband "Slup" auf. Ausschreitungen müsse niemand befürchten: "An einer Konfrontation mit der Polizei haben wir nicht das geringste Interesse", betonen die Atomgegner unisono.


A 1-Auffahrt: Behinderungen durch "Demo"
WR Kamen, 23.09.04

Kamen. Die Kreispolizeibehörde Unna weist Autofahrerinnen und -fahrer darauf hin, dass es am morgigen Samstag, 25. September, ab 13 Uhr im Zuge der Anti-Castor-Demonstration in Kamen und im Bereich der Auffahrt zur Autobahn 1 in Fahrtrichtung Köln von der Hochstraße aus wahrscheinlich zu Beeinträchtigungen kommen wird. Zwar sei die Zufahrt von der nach rechts umgeleiteten Geradeaus-Spur aus zugänglich, doch aufgrund des Demonstrationszuges seien Rückstaus zu erwarten. Vom Gewerbegebiet Zollpost und von der Hochstraße in Fahrtrichtung Kamen sei die normale Fahrspur zur Auffahrt befahrbar, so die Polizei. Ein Aktionsbündnis demonstriert bekanntlich gegen Castor-Transporte aus Dresden-Rossendorf über das Kamener Kreuz.


Grüne: Die Castortransporte über Kamen sind überflüssig
WR Kamen, 24.09.04

Kamen. Als "überflüssig" bezeichnete am Freitag Jochen Nadolski-Voigt, Kreisverbandssprecher der Bündnsi-Grünen, die beabsichtigten Castortransporte von Dresden-Rossendorf (Sachsen) über Kamen nach Ahaus.

Die Grünen sähen nicht ein, warum das Bundesland Sachsen seine Altlasten nach Nordrhein-Westfalen abschieben will. Stattdessen sollten endlich die Verantwortlichen in Ostdeutschland dort für eine entsprechende Lagerung ihres eigenen Atommülls sorgen. Zusammen mit der grünen Landtagsfraktion richtet der Kreisverbandssprecher einen Appell an die neue sich abzeichnende Koalition zwischen CDU und SPD, ihrer gesamtdeutschen Verantwortung gerecht zu werden. "Die Menschen im Westen haben langsam genug davon, dass mit Ostdeutschland nur negative Schlagzeilen verbunden werden", so Nadolski-Voigt und spielt damit auch auf die aktuellen Wahlergebnisse in Ostdeutschland an. Es könne nicht sein, dass die heimische Bevölkerung mit unsinnigen Atom-Transporten über die Autobahn gefährdet und gleichzeitig auch noch mit den Kosten für die Sicherung der Transporte belastet würden.

Das Aktionsbündnis aus dem Münsterland bekräftigte gestern, dass die für heute in Kamen geplanten Demonstration (Markt) und Abschlusskundgebung an der Autobahnauffahrt am Zollpost stattfinden werden. Die Information, dass die sächsische Landesregierung die Castor-Transporte noch für diesen Herbst bestätigte (wir berichteten), muss ihr indes entgangen sein. "Für die Anti-Atom-Initiativen im Münsterland und Ruhrgebiet verdichten sich die Hinweise, dass die sächsische und nordrhein-westfälische Landesregierung noch in diesem Herbst die 18 Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll von Dresden nach Ahaus fahren wollen", hieß es gestern in einer Presseerklärung. Das Innenministerium Sachsens sprach von Müll aus Forschungsreaktoren, der weniger strahlenintensiv sei.


Wochenende in Kamen
WR Kamen, 24.09.04

Samstag, 25. September 12 Uhr Demonstration gegen Castor-Transporte über Kamen, anschließend Kundgebung an der Autobahnauffahrt Höhe Zollpost.