Nach den Vorfällen in Hamburg am 31.1.2004, als sich "sogenannte Antideutsche" mit ihren Nationalfahnen provokativ in die Spitze einer Antifa-Demo reindrängen wollten, hatten wir die kompletten Termine der Antifaschistischen Aktionswoche von unseren Seiten genommen, da eine der hauptsächlich organisierenden Gruppen dieser Aktionswoche - die AANO (Autonome Antifa Nordost) - neben Mitgliedern der Redaktion Bahamas an den Vorfällen in Hamburg beteiligt waren. Dies war nicht fair gegenüber den Gruppen, die sich an der Antifaschistischen Aktionswoche beteiligten und dem Verhalten der AANO ebenso kritisch gegenüberstehen. Wir möchten noch mal betonen, dass wir keineswegs alle in der Aktionswoche vertretenen Gruppen damit in einen Topf werfen wollten.
Wir hatten damals angekündigt, eine ausführlichere Stellungnahme zu veröffentlichen. Aus verschiedenen Gründen hat es nun doch etwas länger gedauert. Da viele Gruppen und Menschen zu diesem Vorfall Stellung bezogen hatten, wollten wir diese Meinungen erst noch auswerten und dann abwägen, welche weiteren Konsequenzen dies für uns haben sollte. Letztendlich fehlte uns aber schlicht und einfach die Zeit. Nun geht es in unserer Stellungnahme nicht mehr hauptsächlich um die Aufarbeitung der Vorfälle in Hamburg, da wir dies nur als einen Punkt in der sich weiter verschärfenden Auseinandersetzung mit den "sogenannten Antideutschen" sehen, sondern eher um einen perspektivischen Umgang mit dem Konflikt.
Termine von den "sogenannten antideutschen" Gruppen, wie z.B. Bahamas oder Antideutsche Kommunisten (ADK), hatten wir ja schon länger nicht mehr veröffentlicht. Da die AANO in letzter Zeit immer mehr diese Positionen der genannten Gruppen übernimmt und eine Zusammenarbeit erkennbar ist, ziehen wir die Konsequenz und werden den Link der AANO von unserer Seite entfernen und in Zukunft keine Termine der AANO mehr veröffentlichen. Werbung von und für Gruppen, die sich zum Hauptziel gesetzt hat, die "deutsche Linke" zu bekämpfen, wird von unserer Seite nicht unterstützt.
* Unser Statement richtet sich nicht gegen "die Antideutschen", da es in diesem Spektrum unterschiedliche Gruppen gibt, und wir eine antideutsche Position für richtig und wichtig halten.
* Gruppen, die immer wieder pauschal "die Linke" destruktiv kritisieren und angreifen, stellen sich selbst ausserhalb und werden von uns nun auch so behandelt. Wir wollen solchen Gruppen, die als ihren Hauptfeind "die deutsche Linke" bekämpfen, keine Plattform mehr bieten.
* Mit einer pauschalen und kollektiven Verurteilung als "antisemitisch" oder "Zugehörigkeit zum deutschen Volksmob" von allem, was nicht der eigenen Meinung entspricht, wird der tatsächliche Antisemitismus verharmlost und ist kaum noch wahrnehmbar.
* Wir verurteilen die Instrumentalisierung der israelischen Fahne von deutschen und nicht-jüdischen Linken zu taktischen und provozierenden Zwecken.
* Eure bedingungslose Solidarität zu Nationalstaaten wie USA oder GB durch Fahnenschwenken oder Parolen ("USA - Antifa") halten wir für dumm und gefährlich.
* Ein Grossteil der linken politischen Menschen hat auf diese Polarisierung des Konfliktes ("sogenannte Antideutsche" gegen Antiimps) keine Lust und wird sich nicht daran beteiligen. Ein gegenseitiges Anstacheln und Eskalieren (von beiden Seiten) werden wir nicht mitmachen.
* Wir finden es wichtig, gegen Antisemitismus in der Linken vorzugehen. Antisemitische Parolen haben auch auf einer linken Veranstaltung nichts zu suchen! Wir sehen es dabei auch nicht als Entschuldigung an, wenn dies aufgrund von Provokationen von "sogenannten Antideutschen" geschieht.
* Eine Auseinandersetzung mit gewalttätigen Mitteln und körperlicher Gewalt lehnen wir ab. An einer Eskalation der jetzigen Lage sind wir nicht interessiert. Jedoch sehen wir eine Notwendigkeit, Provokationen und Angriffen auf linke Veranstaltungen und Demos entschlossen entgegenzutreten.
Wir haben vielleicht nicht alle Punkte berücksichtigt, die wichtig sind. Wir beenden dies aber hier und verweisen auf die Links im Anhang, die sich ausführlicher mit dem Thema beschäftigt haben. Besonders der Text vom Antifaschistischen Infoblatt gibt so in etwa unsere Meinung ganz gut wider.
Aus Erfahrung wissen wir, dass Kritik an den "sogenannten Antideutschen" meistens in einer überheblichen Art auseinandergenommen wird. Auf so einen Diskussionsstil werden wir uns nicht einlassen. Wir lassen uns nicht in euer eingeschränktes "gut/böse"-Schema pressen.
Stressfaktor - Internet-Ausgabe
(nicht identisch mit der Papierausgabe)
Berlin, 11. Juli 2004
Anhang (Links zum Thema)
"Wo endet der Antifaschismus?" (Antifaschistisches Infoblatt)
"Feature: Bahamas" (sinistra)
"Sonderseite: antideutsche Ideologie" (Schwarze Katze)