Von "Antideutschen" und anderem Wahnsinn
aus der Auflösungserklärung der AAK (Autonome Antifa Kassel), April 04

Und in den letzten Jahren - seit Winter 2002 - machten die so genannten "Antideutschen" die Runde. In Abgrenzung an den deutschen Überfall auf Jugoslawien entstanden mutierte diese Gruppe zu einer kleinen Psychosekte. Ohne hier weiter auf das reaktionäre und rassistische Ideenwirrwarr einzugehen sei daran erinnert, dass das Adjektiv "antideutsch" von sich aus nichts verwerfliches oder reaktionäres in sich birgt. Denn eine oppositionelle Haltung gegenüber dem deutschen Staat, seiner Geschichte und der Gesellschaft gehört zum Grundkonsens der radikalen Linken. Doch was unsere Israelfahnen schwingenden Freunde davon unterscheidet ist die Tatsache, dass diese Leute sich von diesem Konsens Lichtjahre entfernt haben. So geht es in erster Linie nicht um die Kritik am deutschen Staat, seiner Geschichte oder des Kapitalismuses, sondern um die inhaltliche und praktische Demontage der radikalen Restlinken. So wird jeder theoretischen oder praktischen Aktivität ein grundlegender Antisemitismus unterstellt.

Diese Leute teilen die Welt nicht mehr in Klassen oder Schichten, sondern in Rassen ein. Auf der einen Seite die Guten, (Menschen jüdischen Glaubens und irgendwie sie selbst - selbstverständlich) und auf der anderen Seite der Rest. Nicht nur, dass sie Nazis, Konservative, Bürgerliche und radikale (Rest-) Linke auf eine antisemitischen Stufe stellen. Mit der Anwendung dieser oben genannter Kriterien reproduzieren sie den Antisemitismus selbst. Menschen jüdischen Glaubens leisten sie damit einen Bärendienst. Dieser rassistische Wahn der "Antideutschen" ist die keiner ernsthaften Diskussion unter mündigen Menschen würdig. Dennoch sei unseren "antideutschen" Freunden ein von Herzen gut gemeinter Tipp zum ewigen Seelenfrieden mit auf den Weg gegeben. Ihre Dazugehörigkeit zur antideutschen Sekte wäscht sie wohl kaum vom genetisch-antisemitischem Trieb, den ihrer Meinung alle Deutschen haben rein. Auch wird ein Übertritt zum jüdischen Glauben und zur israelischen Staatsbürgerschaft dies wohl nicht bezwecken können. Es bleibt wohl nur eine Möglichkeit die antideutsche-deutsche Seele zu retten: Den Suizid.

Tja liebe Freunde das ist die letzte Konsequenz eures Wahns. Und Konsequenz ist doch was ihr stets so sehr hochhaltet. Also zieht sie endlich, erlöst euch vom Selbsthass und uns von eurer Anwesenheit.

Von Trägern und anderem Trägen
An dieser Stelle ist es wohl sinnvoll sich mit dem Träger des antideutschen Wahns näher auseinander zusetzen. Schon wie bei den destruktiv geführten Diskussionen der letzten 20 Jahre handelt es sich bei den "Antideutschen" meist um gescheiterte Existenzen und zwar im doppelten Sinne. Einmal sind sie im bürgerlichem Leben auf der Strecke geblieben. Sie sind nicht in der Lage im Schlechten des Kapitalismus ein erträgliches Leben zu führen. Dies spricht auch für ihre Unfähigkeit zur historischen und gesellschaftlichen Analyse. Gescheitert sind sie auch in der radikalen Linken. Denn meist haben ihre wortreichen Vertreter keine lange Polit-Kariere hinter sich, sondern hoben sich meist durch unqualifizierte und unreflektierte Diskussionsbeiträge hervor. Auf der einen Seite handelt es sich individuell um die gleichen gescheiterten Existenzen wie bei den vorherigen destruktiven Diskussionen der Jahre zuvor. Diese Leute kommen sozusagen alle par Jahre aus ihren siffigen WGs heraus und versuchen die Restlinke noch weiter in eine Krise zu stürzen. Sie übertragen ihren eigenen Selbsthass (Hat Papi oder Mami sie nicht genug geliebt? Ober waren die Lehrer so schrecklich böse?) auf die Aktiven, welche eben noch nicht aufgegeben haben und so den Nörglern ihr eigenes Scheitern aufzeigen. Auf der anderen Seite haben wir relativ junge "Antideutsche", welche sich selbst über ihre Wahnidee in eine eliminatorisch-oppositionelle Position gegenüber der Restlinken stellen. Dadurch können sie ihre pubertäre Wut auslassen und eine genüssliche Loslösung vom Väterlichem vollziehen und so erwachsene Kleinbürger werden. War diese Wut neben anderen, materiellen Ursachen früher ein Vehikel zur emanzipatorischen Integration junger Leute in die radikale Linke, so produziert sie nun teils die Anti-Opposition innerhalb der selbigen.

Was besonders auffällig bei dieser Konstellation ist, ist die Tatsache, dass besonders die Leute für den Wahn der "Antideutschen" anfällig sind, welche sich prinzipiell nie an noch so harmlos-militanten Aktionen beteiligten. Früher aus Angst. Was vollkommen ok ist. Nun aber gestehen sie aus der Einsicht in ihre Angst, die sie aber aus Feigheit nicht zugeben wollen, anderen diese Mittel "aus theoretischen Gründen" nicht mehr zu. Schlimmer: Wer gegen jede Aktivität, nicht nur der Militanten, der Restlinken kategorisch protestiert, legitimiert die eigene systemerhaltene Inaktivität. Das Beste dabei. Sie können sich auch noch als die besseren Menschen, die antideutschen Herrenmenschen fühlen. Herren über Mensch und Moral.

So setzt sich das "antideutsche" Spektrum aus alten gescheiterten Existenzen und jungen kleinbürgerlichen Spießern und Besserwissern zusammen. Ja es scheint als ob die oben beschriebenen Charaktere auch für die anderen destruktiven Diskussionen verantwortlich waren.

Von Gründen und Ursachen II
Den großen Fehler, welche die radikale Linke im Zusammenhang mit den "Antideutschen" beging, war nicht die ehrliche Auseinandersetzung mit ihren Thesen, sondern der Wille diese Leute, die eindeutig gegen alle linksradikalen Werte und Aktionsformen hetzten, wieder in die Linke zu integrieren. Sie selbst verlor dabei jede Selbstachtung. Schlimmer sie verlor jegliche Handlungsfähigkeit, was sich besonders bei der dramatischen Abnahme von Demonstrationen und Aktionen ausdrückt. Dies hat den Teufelskreislauf zur Folge. Weniger Action à weniger Wirkung à weniger PR à weniger Aktive à noch weniger Actionà noch weniger Wirkung ...

Das Traurige bei der Geschichte der radikalen Linken in Deutschland ist einfach, dass die aktuelle objektive Entwicklung in Deutschland (Neoliberalismus, Demontage bürgerlicher Rechte, Aufrüstung nach Innen und Außen), in Europa (Ausweitung des Machtbereiches, Kolonialismus in Osteuropa, Konkurrenz zu den USA) und in der Welt (Zusammenbruch des bipolaren Gleichgewichtes, Imperialismus der westlichen Industriestaaten, Aufkommen reaktionärer Massenbewegungen im arabischen Raum) einen radikal-militanten Widerstand nötiger denn je machen. Denn wenn dieser nicht ab und zu der herrschenden Ideologie und Gehirnwäsche öffentlich widerspricht, hat es das System viel einfacher die Masse der Menschen in geistiger Knechtschaft und politischer Lethargie zu lassen. Aber die Restlinke zieht es ja vor über abgefahrene Wahnideen zu schwadronieren...