Ich selbst komme eher aus der Anarchoecke, habe deswegen mit diesem Anti-XXX-Kommunismus-Strömungen auch nur eher am Rande zu tun. Das erste mal sind mir die Antideutschen bei Indymedia im Jahr 2001 aufgefallen. Sie haben Indy vortrefflich genutzt, um mit ihren Provokationen auf sich aufmerksam zu machen. Die Antiimps waren zu dem Zeitpunkt noch ziemlich ruhig und sind erst nach dem 11. September lauter geworden.
Diskussionen sind Antideutsche mit ihrer Polemik immer aus dem Wege gegangen. Wie bei K-Gruppen üblich, ist Kritik verboten.
Aus anarchistischer Sicht, sind antideutsche Ideologien ein antiemanzipatorischer Rückschritt:
- Während es bei Anarchos und anderen Libertären üblich ist, Nationen generell abzulehnen, wurden bei Antideutschen nur noch bestimmte Nationen abgelehnt und Menschen wieder generell aufgrund ihrer Nationalität (was ist das?) bewertet
- Während es bei Anarchos und anderen Libertären üblich ist, Staatlichkeit und Autorität allgemein abzulehnen, rufen Antideutsche nach dem starken Staat, befürworten Weltordnungskriege und versuchen innerhalb der Linken mit Machtspielchen zu dominieren
- Während es bei Anarchos und anderen Libertären üblich war, Nazis nicht nur auf der Strasse, sondern auch in den Köpfen entgegenzutreten (beispielsweise Demontage ihrer Ideologie, Lächerlichmachen), werten Antideutsche die Nazis mit ihren unreflektierten Methoden (bei denen sie immer nach dem Staat rufen) eher auf und lassen sich in Nazistrategien einbinden - bis hin zur aktiven Spaltung der Antifa-Szene
- Während für Anarchos und andere Libertären Antisemitismus und Rassismus als absolut inaktzeptabel gelten, praktizieren Antideutsche oft einen inversen Antisemitismus und wenden sich nicht mehr generell gegen Rassismus. Antiziganismus ist gar kein Thema.
- Während Anarchos und andere Libertäre den Kapitalismus überwinden wollen und progressive Teile sozialer Bewegungen unterstützen oder konstruktiv kritisieren, bekämpfen Antideutsche jegliche Bewegung als "Volks-Mob auf der Strasse"
- Während Anarchos und andere Libertäre allgemein gegen vereinfachtes Rezeptedenken antreten (welches ja dem Kommunismus meist anhaftet), sind Antideutsche nur noch gegen "verkürzte Kapitalismuskritik", wobei dieser Begriff einfach nur meint "alles, was nicht antideutsche Analyse ist", wobei "antideutsche Analyse" eher ideologische Bandwurmsatz-Fabrikation ist - genaugenommen beruht die antideutsche Ideologie auf demselben binären Weltbild, wie die meisten kommunistischen Ideologien
- Während Anarchos und andere Libertäre jegliche Herrschafts- und Machtverhältnisse angreifen, möchte Antideutsch viele konservieren. Das gipfelt dann schon mal in Bahamas-Artikeln, in denen Vergewaltigung als tragbare Sexualpraxis festgeschrieben wird.
- Während Anarchos und andere Libertäre vom Mensch als Indiviuum ausgehen, verneint Antideutsch (wie die meisten kommunistischen Ideologien) den Menschen als Individuum und ordnet ihn Kollektiven zu, die als Ganzes beurteilt werden
- Im Gegensatz zu Anarchos und andere Libertären ist Antideutsch eine Einpunkt-Ideologie
Antideutsch bedeutet in jedem Bereich und in jeder Frage einen Rückschritt hinter linke und autonome Diskurse der letzten 20 Jahre. Antideutsch ist als Abspaltung extremer Antiimp-Strömungen der 80er (Maoismus) entstanden und hat es bis heute nicht geschafft, diese maoistischen Denk- und Praxis-Weisen zu überwinden.
PS: Zu Antiimps muss ich nichts mehr schreiben: Wer im Jahr 2004 noch auf die Volks-Partei hofft, die einen deutschen Volkssozialismus anstrebt (so mit Gulag und allem), ist kein Stück diskussionswürdig.