Zum Elend der neuen deutschen Linken
Kritik als Spektakel

ein Text der Veranstaltung "Zur Kritik der Neuen Deutschen Wertkritik"
Sowot und Wildcat, 27.03.02

Der Zusammenbruch des »Realsozialismus« hat auch zu Umbrüchen innerhalb der deutschen Linken geführt. Die ganzen neunziger Jahre hindurch beherrschten Diskussionen das Feld, die von Angst getrieben waren (»4. Reich«), einen rassistischen Konsens beschworen und damit die Unmöglichkeit jeglicher umwälzender sozialer Praxis behaupteten. Stadtteil-Inis lösten sich in Rassismus-Seminare auf, 80er-Jahre-Militante alterten innerhalb kürzester Zeit und ergingen sich in zynischem Geschichtspessimismus, man ver-schenkte die alten radikal-Ausgaben, um Platz für die stattlichere Adorno-Gesamtausgabe zu machen.

Die Rückkehr des Nationalen und Provinziellen machte vor der Linken keinen Halt.

In dieser Zeit kristallisierte sich ein politische Strömung heraus, die sich »Antideutsch« nannte - eine Strömung, die gleichsam mehr war als nur die Bekundung, die spezifischen Verhältnisse hier zu hassen. »Antideutsch« ist ein Habitus, eine Versicherung über diesen Verhältnissen zu stehen. Damit wurde die Frage nach der eigenen Reproduktion in diesen Verhältnissen verdrängt. Synonym zur neoliberalen Ideologie war es individuelles Pech oder Glück, wie und von wem man gerade die Kohle bezog, die »richtige« Theorie zum Antisemitismus wurde wichtiger als die Frage, wo man gerade jobbte. Das »Elend des Studentenleben« wurde ebenfalls nicht mehr hinterfragt, stattdessen wurden linke Diskussionen einer rapiden Akademisierung unterzogen. Dafür griff man ausgerechnet auf jemanden zurück, der schon vor über zwanzig Jahren an den Universitäten als „out“ bezeichnet wurde: Marx wurde modern, weil der Kapitalismus in seiner neoliberalen Selbstbeweihräucherung wieder so alt aussah. Jede Zeit der anschwellenden Kritik am Kapitalismus und des Widerstands gegen seine Zumutungen hat ihre eigene Marxlektüre; und sie ist jedesmal gleichermaßen Ausdruck des Zeitgeistes wie seine kritische Überwindung. In den 90er Jahren haben wir vor allem die Marxlektüre des Zeitgeistes erlebt - die Neue Deutsche Wertkritik.

Fetisch Wertkritik
Die Selbstdarstellung des Kapitalismus in den 90er Jahren weist drei Besonderheiten auf. Alle drei gehören schon im-mer zum Arsenal seiner Ideologie, erfahren aber in der Zeit des sogenannten »Neoliberalismus« eine besondere Betonung, die sich an realen Prozessen festmacht:

1) Die Ideologie der Ware: alles soll zur Ware wer-den, soll ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Bedürfnis-se oder staatliche Regulierung frei gehandelt werden. Das nackte Verkäufer-Käufer-Verhältnis, der freie Markt wird als die allein seeligmachende Medizin gepredigt.

2) Das Kapital betont seine okkulte Qualität der Selbstverwertung: es vermehrt sich von selbst, das Geld muss nur an die Börse getragen werden. Der Aktienboom und ähnliche Pyramidenspiele suggerierten eine Welt der ständig steigenden Profite ganz ohne Fabriken oder ArbeiterInnen. Jedenfalls bis zum März vorletzten Jahres....

3) Dementsprechend verschwanden die ArbeiterInnen und die Fabriken aus der öffentlichen Wahrnehmung - sie wurden für die neue geniale Art des Profitmachens nicht mehr gebraucht. In den modischen Beschreibungen der nun ausgerufenen Epoche des »Postfordismus« sind Fabriken und Fließbänder ohnehin schon längst verschwunden. Eigentlich wird auch gar nicht mehr gearbeitet - die neuen Kreativen der »Internet-Ökonomie« spielen doch nur ein bißchen an ihren Computern und feiern ganz flexibel ihre Selbstverwirklichung.

Diesem Zeitgeist musste die erneute Marxlektüre Rechnung tragen, um auf der Höhe der Zeit zu sein -womit die Gefahr verbunden ist, sich von ihm blenden zu lassen. Wer mit einem Gegner streitet, läuft immer Gefahr, lediglich seine Bewertung der Verhältnisse zu bestreiten, dabei aber dessen Bild von den Verhältnissen zu übernehmen. Wenn der Priester sagt, Gott ist gut, sagt der Rebell, nein, Gott ist böse - und teilt so mit dem Priester den Glauben an Gott. Ähnlich ergeht es der Wertkritik:

sie teilt mit dem neoliberalistischen Credo den Glauben an die Allmacht der Ware, an die Selbstverwertung des Kapitals und an die Bedeutungslosigkeit von Arbeit und Ausbeutung. Sie verurteilt nur all das, was der Zeitgeist lobt.

Die Neue Deutsche Wertkritik behauptet die radikalste Kritik dieser Verhältnisse zu liefern. Im neuen linken Jargon schlägt sich dies darin nieder, vor einem „verkürzten Antikapitalismus“ zu warnen, doch die Verlängerung der Neuen Deutschen Wertkritik reicht auch nicht viel weiter. Ist sie doch der unmögliche Versuch, die Warengesellschaft zu kritisieren, ohne vom Klassenverhältnis zu sprechen: Sie macht aus den angepriesenen Qualitäten des Kapitalismus die zentralen Kategorien ihrer Kritik. Die Ware wird der Ausgangspunkt eines allgemeinen Verblendungszusammenhang und der Wert der Waren stiftet allein einen gesellschaftlichen Zusammenhang zwischen den isolierten »Warenmonaden«. Die Menschen werden reduziert auf »Charaktermasken« ihrer ökonomischen Funktionen und unterliegen der »Wertvergesellschaftung« (ein anderes Wort für »Marktwirtschaft«).

Der von Marx stammende Ausdruck des »Fetischs« der Ware wird im Sinne einer kulturellen und medialen Manipulation der Menschen interpretiert - was im übrigen gut zur postmodernen Auffassung der Welt als Diskurs passt und die Wertkritik auch darin auf die Höhe der Zeit bringt.

Die neoliberal abgefeierte Selbstverwertung des Kapitals wird als Ausdruck seiner Allmacht kritisiert: das Kapital sei ein »automatisches Subjekt«, das sich wie ein göttliches Wesen allein aus sich heraus bewegt und unangreifbar über die Menschen herrscht. Die Arbeit spiele dabei keine Rolle mehr, im Gegenteil, das Kapital lasse die ArbeiterInnen nur noch als entmenschte »Arbeitskraftbehälter« zurück und hab sie sich vollständig einverleibt als »variables Kapital«. Je nach Ausrichtung der Wertkritik wird diese prinzipielle Identität von Kapital und Ausgebeuteten entweder als Korruption und »Verhausschweinung« der Arbeiterbewegung seit dem 19. Jahrhundert gefaßt, oder als Übergang in die »deutsche Volksgemeinschaft« im Natio-nalsozialismus. Diese historischen Herleitungen können allerdings nicht erklären, was dann noch das kapitalistische am Kapital sein soll bzw. warum sie überhaupt noch von Warenfetisch und Kapital sprechen.

Die Marxsche Kritik des Warenfetischs richtet sich gegen die Vorstellungen von einer Markt- und Tauschgesellschaft. Er führt das Gespenstische und Unerklärliche der Warenform darauf zurück, daß die Ware Arbeitsprodukt ist und die Verhältnisse der Produzenten zu ihren Produktionsbedingun-gen in verdrehter Form ausdrückt. Die Produkte nehmen die Warenform an, weil sie Produkte einer historisch bestimmten Form sind. Während Marx den Warenfetischismus kritisiert, um den Blick auf die dahinter liegende Tota-lität der kapitalistischen Klassengesellschaft und Produktionsweise zu lenken, übernimmt die Deutsche Wertkritik nur die Beschreibung des Warenfetischismus und sieht in ihm die Ursache des allgemeinen Elends. Zudem verharmlost sie mit der Auffassung vom Fetischismus als einer medialen Verblendung das Problem: als gänge es nur darum, sich keine falschen Gedanken einreden zu lassen, und nicht darum, eine ganze Welt zu revolutionieren. Marx ging es in der Kritik des Warenfetischismus gerade nicht um die Frage von Bewußtseinsmanipulation, sondern um eine reale Verkeh-rung, die in der materiellen Reproduktion der Gesellschaft stattfindet. Ausgangspunkt für eine revolutionäre Kritik des Werts sind folgende Überlegungen:

a) Der Wert ist das bestimmende nur insoweit, wie die Waren als Produkte und Bestandteile des Kapitals getauscht werden; nicht der Tausch führt zum Wert, sondern die kapitalistische Produk-tion. Der Austausch von Waren ist das Mittel, um den in den Waren enthaltenen Mehrwert zu realisieren. Oder anders ausgedrückt: selbständige Existenz und Objektivität hat der Wert nur in der Kapitalverwertung, nicht in der Ware als solcher.

b) Die Ausbreitung und Verallgemeinerung der Ware - und erst damit läßt sich von einer all-gemeinen Wertform sprechen - setzt historisch und logisch eine bestimmte Klassenbeziehung - die Verallgemeinerung der Lohnarbeit - voraus. Erst die Abtrennung von den eigenen Produktions-bedingungen in der Form der Lohnarbeit schafft den allgemeinen Zwang, tauschen zu müssen. Diese Form der Abtrennung und des Klassenverhältnisses basiert auf einer bestimmten qualitativen Form der Produktivität, bei der der Einsatz von toter Arbeit und nicht mehr die vorgefundenen Naturbedingungen zur zentralen Größe für die Reichtumsproduktion werden. Historisch setzte dies die erste Agrarrevolution und die industrielle Revolution voraus.

c) Der Wert ist die widersprüchliche Weise, in der sich die Produzenten des Reichtums auf ihre gesellschaftlich kombinierte Arbeit und die aus dieser Kombination erwachsende Produktivität beziehen. Der Wert ist daher keine dingliche Eigenschaft der einzelnen Ware oder Arbeit, sondern das Verhältnis zur Totalität der gesellschaftlichen Arbeit. Dieser allgemeine Zusammenhang der Arbeiten im Kapitalismus, der sich im Wert und Geld ausdrückt, existiert in seinem scheinbaren Gegenteil: in der Beliebigkeit und Abstraktheit der Industriearbeit und der Gleichgültigkeit gegen jede bestimmte Arbeit.

Und hier liegt der Ausgangspunkt für die reale Kritik des Kapitals, der lebendige Widerspruch in seinem Inneren, das was konstitutiv ist für Klassenkampf - nicht die Interessengegensätze an der Oberfläche, sondern derWiderstand gegen die Arbeit und ihre Abschaffung. Die Mischung aus Antideutschtum und Wertkritik - für die die Freiburger Initiative Sozialistisches Forum und die Berliner Zeitschrift bahamas stehen - verliert bezeichnenderweise ihre kritische Haltung, wenn es um Krieg geht. Der soziale Gehalt des Krieges, sowie die dahinterliegenden materiellen Interessen interessieren nicht. Stattdessen folgt man den vorgegebenen ideologischen Verkleidungen - und liefert noch weitere, um diesen Krieg, wie bereits während des 2. Golfkriegs, auch der Linken schmackhaft zu machen. Dabei muss man nicht gleich die Bombardierung »islamischer Zentren« fordern, es reicht, Verständnis zu zeigen für die »Polizeiaktion« der USA gegen »islamistische Terroristen« - die man als Wiedergänger der Nazis erkannt haben möchte. Dass damit objektiv der Aufrüstung des deutschen Militär- und Gewaltsstaates das Wort geredet wird, muss dabei ignoriert werden.

Krieg als Praxisersatz
1. Der neuen, »antideutschen« Wertkritik geht es nicht um die Kritik eines gesellschaftlichen Verhältnisses, dass weltweite Ungleichzeitigkeit, Hunger, Elend und Ausbeutung produziert. Sie spricht zwar von Totalität, reißt aber den weltweiten Zusammenhang auseinander und meint, »Zivilisation« und »Barbarei« voneinander trennen zu können. Den Unterschied zwischen »Zivilisation« und »Barbarei« buchstabiert sie dabei genauso aus, wie die kapitalistischen Demokra-tien nach dem 2. Weltkrieg: entweder normale kapitalistische Demokratie oder barbarischer Faschismus. Das ist eine propagandistische Gegenüberstellung, mit der auch die neuen Kriege nach 89/90 begründet werden.

Dabei ignorieren die antideutschen Wertkritiker den sozialen Gehalt und die materiellen Hintergründe des aktuellen Krieges. Bei dem »langen Krieg gegen den Terror« geht es nicht einfach nur um Öl, oder um die Verhinderung von Anschlägen, oder um das Austragen von Konkurrenz zwischen Industriestaaten, diese einzelnen Momente stehen im Zusammenhang mit den Perspektiven des Kapitalismus als einem globalen System. Die Verwertung steckt in einer Krise und zugleich verliert sie als »einzig mögliche« Form unseres gesellschaftlichen Zusammenhangs an Glaubwürdigkeit. Die Kontrolle der sozialen Gegensätze hat nie ohne eine äußeren Feind, ohne die positive Selbstbespiegelung dieser Gesellschaftsform in anderen, „minderen“, „barbarischen“ existieren können.

Die ganze Debatte um »Zivilisation« und »Barbarei« wird in Kategorien geführt, die gerade aus der deutschen Geschichte zu vertraut sind: die Russenphopie in der deutschen Sozialdemokratie, die »zivilisatorische Mission«, mit der die Nazis über Osteuropa herfielen. Aber diese Debatte folgt auch den nach 89 vorgegebenen propagandistischen Konstrukten: »Der Kampf der Kulturen«, Huntingtons Auftragsarbeit für den CIA, bot sich als ein neues Raster nach dem Wegfall des Kalten Krieges an, möglicherweise ohne zu wissen, wie erfolgreich es werden könnte.

2. Die Antisemitismustheorie, die der antideutschen Wertkritik zu Grunde liegt, ist eine Formel, die nur der eigenen Positionierung dient. Sie behauptet, der Kapitalismus bringe notwendigerweise Antisemitismus hervor. Die Möglichkeit des Antisemitismus wird nicht mehr konkret und historisch untersucht, sondern als Unabdingbarkeit beschworen.

Ihrer Lesart zur Folge werde der Wert notwendigerweise im Juden personifiziert und angegriffen. Um dieser Personifizie-rung, diesem »verkürzten Antikapitalismus« – wie man in antideutschen Kreisen gerne sagt – nicht zu folgen, nimmt man lieber vornehmen Abstand von jeglichem Versuch, diese Verhältnisse umzuwälzen. Die panische Angst vor einem Umkip-pen des Kapitalverhältnisses in antisemitische »Barbarei« führt zur Unterstützung der bestehenden Barbarei. Bewegungen gegen die bestehenden Verhältnisse werden von vornherein entweder ignoriert oder gleich denunziert. So ist für die bahamas der Aufstand in Argentinien mit dem Hinweis erledigt, es hätte dort zur gleichen Zeit antisemitische Friedhofs-schändungen gegeben.

3. Die Geschichtsbetrachtung der antideutschen Wertkritik täuscht durch Analogien und moralisiert mit der Dro-hung einer ewigen Wiederkehr eines neuen Auschwitz. Im jüngsten Fall arbeitet sie noch an einem Verschwinden der Erkenntnisse der Faschismustheorien: der dem Islamismus eingeschrieben Hass auf die Juden wird parallelisiert mit dem Vernichtungsantisemitismus des NS: aus der rechten These von Auschwitz als »asiatischer Tat« wird bei den Antideutschen nun die »orientalische Tat«. Dass die Vernichtung der europäischen Juden ohne imperialistischen Krieg, Großraumwirtschaft, dem Fordismus angemessene Bürokratie und die Leidenschaftslosigkeit moderner Menschen nicht erfolgt wäre, ist verges-sen. Vom NS bleibt nur noch das Besondere, das »typisch deutsche«, der »Sonderweg« übrig.

Und in ihrer Verehrung der Siegermächte werden die Kämpfe für die soziale Revolution und gegen die Faschisten in Spanien, die Streiks, Klassenkämpfe und Aufstände ein zweites Mal geschlagen. Geschichte wird von oben, aus der Luke eines B-52-Bombers betrachtet. Die Einfühlung in die vergangenen Sieger kommt den jeweils Herrschenden alle-mal zugute.

4. Amerika wird von der antideutschen Wertkritik spiegelverkehrt zum Antiamerikanismus als positives Symbol gehandelt: In den USA sieht man nicht nur die stets wiederkehrenden Befreier vom Faschismus. Auch will man in »Ame-rika« die reinste und klarste Form des Werts erblicken. Was den Antiamerikanern ein Greul ist (Dekadenz, Liberalismus, Entfesslung der Finanzmärkte) ist den antideutschen Wertkritikern im Vergleich zum spießigen, staatshörigen »Deutschen« immer noch das kleinere Übel. Dabei betreibt man billige Völkerpsychologie: »In den USA liegt offen zutage, was den Kapitalismus konstitutiv ausmacht...Es besteht in den USA einfach kein Grund, den Krisen- und Katastrophencharakter des Kapitals zu exterritorialisieren und entsprechend personalisiert nach außen zu projizieren« (bahamas Nr.37)

Das ist reine Ideologie, die sich nicht mit der Wirklichkeit US-amerikanischer Geschichte konfrontieren will. Vergessen ist, daß der Boom der 50er Jahren ohne Koreakrieg und die dazugehörige Angst vor der »gelben Gefahr« nicht denkbar ist, die beginnende Krise in den 60er Jahren einen Vietnamkrieg brauchte - und heute »Schurkenstaaten« und die »Achse des Bösen« zum Krisenmanagement der Rezession in den USA gehören.

5. Ein Selbstbefreiungsprozess wird von den antideutschen Wertkritikern ausgeschlossen. Ihr Emanzipationsbegriff ist ein klassisch aufklärerischer, ein Begriff der von oben, vom Staat aus gedacht wird. Ihr Blick auf Geschichte ignoriert die Kämpfe. Doch Entwicklung und Fortschritt hat es nicht ohne sie gegeben. Im Vergleich zu vorkapitalistischen Gesellschaften können wir davon sprechen, dass es eine Emanzipation ist, dass wir niemandem gehören, dass wir unsere persönlichen Beziehungen formell frei wählen können - aber eben nur formell, weil inhaltlich dahinter doch wieder das Klassenverhältnis lauert. Das ist ein grundlegender Widerspruch.

Die Antideutschen machen aus diesem Zusammenhang die groteske Forderung, die angeblich vorkapitalistischen Gesellschaften sollten erst einmal in den Kapitalismus gebombt werden, damit sie sich dort auch die Frage nach der Emanzipation stellen können - das ist grotesk, weil das einzig positive an diesen Prozessen immer die Selbstbefreiungsprozesse waren (Revolte gegen Leibeigenschaft, Sklaverei, gegen Feudalismus) - im Rückblick machen die Antideutschen daraus einen reinen Prozess von oben, der nun auch von oben, mit Bomben aus der Luft, in anderen Teilen der Welt zu bewerkstelligen sei.

6. Die antideutsche Wertkritik ist kritische Kritik. Sie spricht gerne ein Praxisverbot aus und meint ihr Kritikerdasein stehe außerhalb der Verhältnisse und sei keine spezifische Praxis. Pflegen die antideutschen Wertkritiker sonst die reine Kritik, delegieren sie im jüngsten Fall Praxis an den Staat. Gleichbleibend ist ihr bloß kommentierender Zugang zur Wirklichkeit. Man wird lange warten können, bis bahamas und ISF Brigaden aufstellt, um auch selbst tätig zu werden und um die „islamistischen Faschisten“ zu bekämpfen. Das risikolose Ja zum Krieg ist ihr Praxisersatz und damit Praxis, die mit Kritik nichts zu tun hat.