Staatsantifa im Märkischen Kreis
Schwarze Katze Infoseite

1.) Zur Entstehung der Staatsantifa
2.) Manuskript der Schwarze Katze Radiosendung zur Staatsantifa
3.) Resolution der SPD MK
4.) Jusos distanzieren sich von "Ausschreitungen" von "Linksextremisten" bei Antifa-Demos
5.) Jusos distanzieren sich von "Linksextremisten" und wollen bei Antifa-Demos mit der Polizei zusammenarbeiten
6.) Jusos MK verteilen "Antifa"-Zeitung ohne Lokalbezug
7.) Jusos MK wollen mit Kirchen und Unternehmern Einwanderer in das BRD-System integrieren
8.) Jusos MK stellen Bedingungen für BGR: Anerkennung des Grundgesetzes und Distanzierung von Gewalt
9.) Jusos MK wollen nicht mit Antifa zusammenarbeiten
10.) Jusos MK Gegendarstellung
11.) Parteienvertreter halten sich mit Propaganda beim BGR Hemer erfreulicherweise zurück
12.) Wuppertaler Antifas distanzieren sich von der Staatsantifa
13.) Deutschland goes Antifa
14.) Antifa Hemer berichtet über einen Pfarrer aus Balve
15.) Staatsschutz in Altena: Polizist fragt ob es einen angeborenen (!) Rassismus gäbe

Zur Entstehung der Staatsantifa
Quelle:
Schwarze Katze Widerstandskalender

  • 27.07.2000 Nachdem es bei einem Brandanschlag in Düsseldorf 10 schwerverletzte Menschen, darunter auch welche jüdischen Glaubens gibt, entdeckt der BRD-Staat seine "antifaschistischen Ambitionen". Die Schwarze Katze hat kurz nach dem Anschlag eine Radiosendung mit dem Titel Der offizielle Antifaschismus nach Düsseldorf produziert. Systemtreue Gruppen wie Kirchen, Stadtverwaltungen, Schulen und Kindergärten (kein Scherz) bekommen bis Ende 2001 viel Geld um Deutschlands Ansehen im Ausland aufzupolieren. Die Staatsantifa entsteht. Antifa-Gruppen, die seit Jahren was gegen die braune Pest gemacht haben, gehen ebenso wie antirassistische Gruppen grösstenteils leer aus. 2002 gibt es schon keine Landesgelder gegen Ausländerfeindlichkeit mehr, denn die Zeit der Staatsantifa ist vorbei. Viele bürgerliche BGR-Gruppen (Bündnis gegen Rechts) lösen sich auf als es keine Staatsknete mehr gibt. Antifa- und Antira-Gruppen machen weiter und sind wieder wie vorher zum grössten Teil alleine bei der Bekämpfung der nationalistischen Hetze. In der autonomen Zeitung Zeck # 93 vom Nov. 2000 gibt es eine interessante Diskussion von autonomen Antifas, wie mit der Staatsantifa-Kampagne umzugehen sei.

    Schwarze Katze Radiosendung zur Staatsantifa

    Der offizielle Antifaschismus nach Düsseldorf - Manuskript der Schwarze Katze Radiosendung Mitte 2000

    Seit Jahren übte sich Deutschland und seine Regierenden im Wegsehen, Verdrängen und Schönreden von neonazistischer Gewalt: Angriffe von Rechten auf ausländische Mitmenschen, bei denen manches Mal PolizistInnen untätig daneben stehen, wurden durchwegs als Einzelfälle, als unpolitische Taten von wenigen Verirrten verharmlost. Seit Düsseldorf scheint alles anders: plötzlich ist überall von rechtsextremistischem Terror die Rede, der Deutschland bedrohe, so als wäre dieser quasi über Nacht entstanden. Nachdem die (inter-)nationale Aufmerksamkeit erregt wurde und sich der Bombenanschlag von Düsseldorf und seine Opfer nicht unter den Teppich kehren ließen, kehrt Deutschland nun den Antifaschismus nach außen. Alle sind sich einig: es muss was getan werden gegen die rechte Gefahr.
      Worum geht es dabei wirklich? Anhand dieser Kernfrage versuche ich in diesem Text, die Absichten hinter der staatlichen Kampagne gegen Rechts zu analysieren. Dies will ich am Verhalten der Medien verfolgen, auch, um ihre Rolle für die aktuelle Debatte und ihre Folgen beurteilen zu können.

    Wenn eines klar heraus gestellt werden muss dann dies: Neonazis sind nicht erst seit Düsseldorf ein Problem und sogenannte Einzelfälle haben Kontinuität, die nachdenklich stimmen sollte: Im Jahr 1999 wurden 7000 rechtsextreme Straftaten registriert, drei Menschen wurden getötet. Dies gab Innenminister Schily auf Anfrage der PDS-Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke bekannt. 327 Menschen wurden verletzt, 37 jüdische Grabstätten geschändet und 48 Sachbeschädigungen mit antisemitischem Hintergrund angezeigt. Es gab 29 Brandanschläge auf Ausländer - und Asylbewerberheime, deutlich mehr als im Vorjahr. Doch die tatsächlichen Zahlen dürften weitaus höher liegen, da viele Straftaten gar nicht zur Anzeige gebracht werden oder ihnen von staatlicher Seite ein politischer Hintergrund abgesprochen wird. Ein rhetorische Frage: Haben "National befreite Zonen" im Osten Deutschlands, in denen AusländerInnen, Linke und sonstige AbweichlerInnen sich nicht mehr auf die Strasse trauen können, nicht hinlänglich bewiesen, dass es sich bei NeofaschistInnen weder um verirrte Jugendliche, noch um saufende Idioten handelt, die ab und zu fremdenfeindliche Parolen von sich geben?

      Auch im Märkischen Kreis sind Neonazis aktiv: so führt z.B. das Deutsche Kulturwerk in Letmathe regelmässig Bildungsveranstaltungen durch, bei denen Nazis wie Manfred Röder am 15. Juni 2000 ihre menschenverachtende Weltsicht ungehindert verbreiten können. Manfred Röder, der wegen eines Anschlages auf ein Asylbewerberheim im Gefängniß saß, konnte an diesem Abend in einer Letmather Gaststätte einen Vortrag mit dem eindeutigen Titel "Wir bauen das Reich" halten, zu welcher die angereisten Neonazis sogar noch von der Polizei eskortiert wurden, um sie vor autonomen AntifaschistInnen zu schützen, welche aus allen Teilen NRWs gekommen waren, um die rechte Veranstaltung zu verhindern.

    Neonazis sind nicht erst seit Düsseldorf ein Problem, mit dem mensch sich auseinander setzen muss. Anderes kann nur behaupten, wer die Augen vor der Wirklichkeit in Deutschland seit Jahren konsequent verschließt. Warum sind Neonazis dann erst in den letzen Wochen ein Thema für die etablierte Politik geworden? Der Bombenanschlag in Düsseldorf hat ein internationales Aufsehen erregt, so dass es für die Regierenden weder möglich noch politisch tragbar war, den Vorfall zu vertuschen, darüber hinwegzugehen wie bei all den anderen Vorfällen in der Vergangenheit. Die Spekulationen über einen neonazistischen Hintergrund des Attentats, der bis heute ebenso ungeklärt wie fraglich ist, verstärkt den Druck, welcher durch den erwartenden Blick der Welt produziert wird.

      In den Aussagen der PolitikerInnen wird in der Folge immer wieder deutlich, wovor sie sich wirklich fürchten: Die braune Gefahr wurde und wird vor allem als eine Gefahr für das Ansehen Deutschlands betrachtet und zusehends darauf reduziert. Immer wieder ist von einer "Schande für Deutschland" die Rede, so z.B. Brandenburgs Innenminister Stolpe. Bundeskanzler Schröder wurde da noch unmissverständlicher als er das Ausland aufforderte, sein Deutschlandbild nicht mit den aktuellen schlimmen Entgleisungen gleich zu setzen. In Düsseldorf stirbt durch einen Bombensplitter ein Kind im Bauch seiner Mutter und Deutschland tut nichts anderes, als um sich zu blicken und sorgenvoll vor sich hin zu reden: "so können wir vor denen doch nicht da stehen." Von AusländerInnen, welche schon durch ihre Bezeichnung als solche diskriminiert werden, von Homosexuellen, von Flüchtlingen und anderen Minderheiten, denen, welche tagtäglich von Gewalt durch Neonazis bedroht sind, fehlt in den Reden der selbsternannten VolxvertreterInnen jede Spur. Sie, die Politiker an der Macht sehen im Neonazismus eine Bedrohung für das Investitionsklima in diesem Land. Es geht nicht um Menschen, sondern um den Wirtschaftsstandort und die Weltmacht Deutschland, die ihr hochpoliertes Image und ihre geheiligte Profitrate bedroht sieht. Im Angesicht solcher Menschenverachtung wirken all ihre wortgewaltigen Empörungen über die menschenfeindlichen Untaten der Nazis wie leere Sprechblasen, mit denen die Opfer nur ein weiteres Mal verhöhnt werden.

    Wie schon bei der Kampagne gegen Kampfhunde ist der Einfluss der meinungsbildenden Medien auch bei der staatlichen Kampagne gegen Rechts von entscheidender Bedeutung gewesen. Dabei lassen sich drei Phasen erkennen, welche eng ineinander verzahnt sind und welche ich im folgenden darzustellen versuche.

    Phase eins. Am Anfang wird auf Betroffenheit gesetzt, die Menschen sollen emotional angesprochen werden. Das Entsetzen über das Attentat von Düsseldorf und das Mitleid für die Opfer steht im Vordergrund. Dies hat zur Folge, dass es den Menschen leicht gemacht wird, neonazistische Gewalt auf der rein emotionalen Ebene abzuhandeln und dabei stehen zu bleiben, wie Menschen nur so etwas tun können. Deshalb wird im folgenden auch nirgends ernsthaft die Frage aufgeworfen, worin die gesellschaftlichen Ursachen für Neonazismus begründet liegen, welche eine tiefgreifende Analyse erfordert hätte. Diese erste Phase stellt also, um es mal nett auszudrücken, ein emotionale Vorbereitung dar, auf die alles Weitere aufbaut.

    Phase zwei. In den nächsten Wochen nach dem Bombenanschlag gibt es keinen Tag, in dem nicht über neue Taten von Neonazis berichtet wird. Weil zu viele Menschen von den herrschenden Medien und den von ihnen gegebenen Informationen abhängig sind, wird es leicht möglich, das beängstigende Bild einer Welle rechten Terrors zu schaffen. Die Medien konstruieren so eine Wirklichkeit, welche logischerweise den falschen Eindruck bei den Menschen hervor rufen muss: "Oh mein Gott, warum passiert im Moment bloß so viel?" Brutalste Übergriffe von FaschistInnen auf sogenannte AusländerInnen, bei denen diese bis in den Tod getrampelt werden, sind in diesem Land eine anhaltende, bittere Normalität. Aber für zu viele erweckten und erwecken die gehäuften Meldungen über rechte Gewalt den Anschein, dass es sich um ein momentanes "Hoch" handele. Viel sagt dies darüber aus, wie die Medien die Wahrnehmung der Menschen bestimmen: Gewalt von Neonazis gibt es (nicht) nur dann, wenn die Tageszeitungen darüber berichten. Doch wenn es für die Massenmedien in absehbarer Zeit nicht mehr lukrativ ist, über diese Untaten zu berichten, hören die Angriffe auf Flüchtlinge, auf Homosexuelle und Andersartige sicher nicht auf. Schon die Zahl der Meldungen, die vorher keinen Wert für die Medien besessen haben, muss die desinformierten NachrichtenhörerInnen überrollt haben. Wieder werden also ganz bewusst die Gefühle der Menschen angepeilt: die Angst um die eigene Sicherheit, an der in der letzen Phase angesetzt wird.

    Phase drei. PolitikerInnen aller colouer fordern ein hartes Vorgehen gegen Neonazis, dass sich in den Schlagzeilen der Zeitungen wieder spiegelt: "Kanzler für Härte im Kampf gegen Rechts" oder "NRW nimmt braune Schläger ins Visier." Doch es bleibt nicht bei der abstrakten Forderung: in den folgenden Tagen zeigt sich, dass mensch über sehr konkrete Vorstellung und Pläne verfügt, die wohl schon länger bereit stehen: Diskussionen setzen sich in Gang darüber, ob die NPD verboten werden soll. CDU und SPD wollen Schnellgerichte und Schnellverfahren für Neonazis, eine härtere Strafverfolgung. Rechte sollen mit Berufsverboten belegt und aus Betrieben heraus geschmissen werden. Eine Einschränkung des Demonstrationsrechts und eine Verschärfung des Jugendstrafrechts wird gefordert. Es soll eine zentrale Datenbank für rechte Gewalttäter aufgebaut werden. Es wird überlegt, wie das Internet überwacht werden kann, in dem sich zahlreiche rechte Homepages finden, über die z.B. faschistische Musik vertrieben wird. Seit einigen Tagen besuchen PolizistInnen Anhänger der rechten Szene, um mögliche Gewalttäter vor Übergriffen auf Ausländer und Obdachlose zu warnen.

    Nun kristallisiert sich in aller Deutlichkeit heraus, welches Ziel hinter der Kampagne gegen Rechts wirklich steckt: der Ausbau des Überwachungstaates, der gleichbedeutend mit der Aushöhlung von Bürgerrechten ist. Dabei stellen die Neonazis lediglich einen Vorwand dar, welcher die Menschen davon überzeugen soll, dass all diese Maßnahmen vernünftig und unausweichlich sind. Staatliche Repression und ihre Verschärfung wird medial zu der einen Lösung hochstilisiert: Alternativen, die nicht auf Ausdehnung staatlicher und polizeilicher Eingriffe in das Leben aller basieren, sondern "von unten" ausgehen, sprich die Stärkung einer antifaschistischen Basisbewegung zu Ziel haben könnten, werden nicht angeboten. Auf solche Weise wird ein Konsens produziert, den die Massenmedien mit zu verantworten haben. Und all das, was schon lange bereit steht oder schon längst eingesetzt wird, erfährt durch die Kampagne seine Rechtfertigung: genetischer Fingerabdruck, flächendeckende Überwachung mit Videokameras oder die elektronische Fußfessel, mit der das Gefängnis und die entstehenden Kosten in das eigene Heim importiert werden. Über sie kann in nächster Zukunft ebenso offen geredet werden, da die Mehrheit der Bevölkerung den durch Politik und Medien vorbestimmten Kurs angenommen hat: In einer Umfrage stimmten 93% der Befragten darin überein, dass rechtsextremistische TäterInnen härter verfolgt werden sollen.
      Schöne neue Welt...und das alles natürlich nur, um die Menschen vor braunem Terror zu schützen. Was stört es da schon, dass dadurch unser aller Freiheit immer mehr eingeschränkt wird? Geblendet vom Szenario haben die Menschen nicht erkannt, dass er erweiterte Repressionsapparat nicht nur gegen Rechte, sondern gegen alle eingesetzt werden wird, vorrangig gegen die, welche sich für ein von Zwang und Ausbeutung befreites Leben jenseits einer staatlichen Ordnung einsetzen.

    Neonazismus ist für die herrschende Politik nur interessant geworden, weil sie ihn als gut getarntes Vehikel nutzbar machen konnte, um die Umwandlung zum Überwachungsstaat, in dem jede und jeder verdächtig ist, voran zu treiben. Verlogen ist der offizielle Antifaschismus auch aus einem anderen Grund: diejenigen, die sich zur Zeit für eine härtere Strafverfolgung der Neonazis stark machen, haben mit ihrer auf Ausgrenzung beruhenden Politik erst eine Atmosphäre geschaffen, in der Neonazis das Gefühl haben können, den sogenannten Volxwillen auszuführen. Diejenigen, welche sich heute für ein NPD Verbot aussprechen, haben in den letzten Jahren viele der Forderungen von rechtsradikalen Parteien eingelöst: die faktische Abschaffung des Asylrechts, beschleunigte Abschiebeverfahren und ein abgeschottetes Europa. Sind Parolen wie "Deutschland ist kein Einwanderungsland" und "Kinder statt Inder" (Jürgen Rüttgers) nicht rassistisch, nur weil sie von der CDU kommen? Ist es nicht menschenverachtend, wenn ein Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim damit dokumentiert wird, es handle sich "um den Ausdruck berechtigter Ängste gegen Überfremdung?"
      Es sind nicht die rechtsradikalen sondern die etablierten Parteien gewesen, welche das Asylrecht ausgehöhlt und es in einen Hohn seiner selbst verwandelt haben. Die Debatte um "ausländische" SpezialistInnen hat nur offen gezeigt, worauf schon lange hin gearbeitet wurde: das Grundrecht Asyl, ursprünglich gedacht als ein individueller, rechtlich durchsetzbarer Anspruch von Flüchtlingen, Schutz gewährt zu bekommen, soll zu einem von oben herab zugestandenen Privileg von wenigen werden. Das Ziel wird heute nicht einmal verheimlicht: Eine Einwanderung, die sich an den Bedürfnissen der Bundesrepublik Deutschland orientiert. In Deutschland ist nur noch der oder die willkommen, welche sich für die Wirtschaft verwerten lässt, z.B. indische InformatikerInnen. Menschen, welche vor staatlicher Gewalt, vor politischer oder geschlechtsspezifischer Verfolgung im eigenen Land fliehen, gehören nicht dazu. Ein letzter Satz dazu, der alles andere als eine Parole darstellt: Die Würde des Menschen ist schon viel zu lange angetastet.

    Gewerkschaften, Sportvereine und selbst die UnternehmerInnen sind mit dabei im Bündnis gegen Rechts, aber wer tut etwas gegen die braune Gefahr? Es war schon immer zu wenig, Toleranz gegenüber andersartigen Menschen zu fordern und Neonazis werden sich sicher nicht bekehren lassen. Rassismus wird in dieser Gesellschaft immer wider aufs Neue produziert: "AusländerInnen" werden für soziale Probleme wie Arbeitslosigkeit, Kriminalität verantwortlich gemacht, Flüchtlinge werden als Schmarotzer bezeichnet, die nur in die BRD kommen, um sich um Wohlstand zu baden. Um Verschärfungen des Asylgesetzes durchzusetzen werden Ängste vor (sic!) Flüchtlingswellen ("Asylantenflut") geschürt, ein Begriff, der dem Vokabular des Nationalsozialismus entlehnt ist und verdeutlicht, dass es nie einen Bruch zum Dritten Reich gegeben hat, dass diese Gesellschaft in ihrem Kern immer noch rassistisch ist. Und von PolitikerInnen der CDU wird dies dann so dargestellt, dass diese (sic!) berechtigten Ängste abgebaut werden können, indem Einwanderung kontrolliert, beschränkt oder verunmöglicht wird. Denkt mensch diese Argumentation zu ende, die selbst schon rassistisch gefärbt ist, bedeutet dass: weil so viele "AusländerInnen" in die BRD kommen, entsteht Fremdenfeindlichkeit unter den Menschen. So drehen die RassistInnen die Perspektive um. Die "AusländerInnen" selber sind die Ursache für Ausländerfeindlichkeit, und müssen daher weg. Immer wieder muss deshalb betont werden: Das Problem sind und bleiben die RassistInnen.

    Und alle, für die Antifaschismus nicht nur auf dem Papier existiert, die sich zusammentun, um sich gemeinsam gegen die Neonazis zu wehren und so aus der Rolle des hilflosen Opfers raus zu kommen, werden vom Staat verfolgt und kriminalisiert, wie das genannte Beispiel Letmathe einmal zu häufig bestätigt hat: die AntifaschistInnen werden von der Polizei eingekesselt und den Neonazis der Weg frei gemacht, damit sie sich in Ruhe fortbilden lassen können. In Klammern: "Wir bauen das Reich." Was noch übrig bleibt, wenn mensch als staatstreueR BürgerIn antifaschistisch "aktiv" werden will, bringt Herr Becksteins (CSU) Rat in einer Fernseh-Diskussionsrunde zum Ausdruck: Wenn man rechte Gewalt beobachte, solle man nicht den Helden raus kehren und eingreifen, aber mit dem Handy die Polizei informieren. Und den Krankenwagen am besten gleich mit, denn bis die Polizei da ist sind die FaschistInnen mit ihrem Opfer längst fertig. Was hier Zivilcourage genannt wird bedeutet in Wirklichkeit, untätig daneben zu stehen, wenn andere Menschen und ihr Leben bedroht werden, sich auf PolizistInnen zu verlassen. Die eigene Verantwortung wird dabei abgeschoben, ebenso wie die Auseinandersetzung mit Gewalt und der Frage, wie mensch selbst mit dieser umgehen soll. Und in einer gewalttätigen Gesellschaft wie dieser muss erst einmal diese Frage gestellt werden, um Veränderung denkbar und möglich zu machen, egal, wie die persönliche Antwort auch aussehen mag.

    Schwarze Katze, Postfach 41 20, 58664 Hemer, www.free.de/schwarze-katze/


    Heuchlerisch distanziert sich die SPD Märkischer Kreis von "Gewalt" befürwortet gleichzeitig die SPD-Bundestagsfraktion den NATO-Angriffskrieg wie gegen Jugoslawien. Auch ansonsten befürwortet die SPD durchgehend strukturelle Gewalt. In dem nachfolgenden Text steht auch noch: "Die SPD Märkischer Kreis begrüßt und unterstützt ausdrücklich das Engagement verschiedenster Initiativen". Damit sind aber nicht die lokalen Antifa-Gruppen gemeint. Gegen die hetzen die Neosozis permanent und die Jusos MK versuchten zweimal erfolglos ein eigenes "Bündnis gegen Rechts" zusammen mit anderen konservativen Gruppen zu gründen unter Ausschluss der aktiven Antifas.

    Ordentlicher Unterbezirksparteitag der SPD im Märkischen Kreis
    Samstag, 28. April 2001, 10.00 Uhr, Stadthalle Meinerzhagen
    Resolution Nr. 1

    Für eine friedliche und tolerante Gesellschaft
    gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus

    Gewalt und Intoleranz gegenüber Minderheiten haben in Deutschland gefährlich zugenommen. Sie verbinden sich in dramatischer Weise mit rechtsextremistischer und neonazistischer Ideologie. Rechtes Gedankengut verführt zu Gewalt, Gewaltbereitschaft sucht sich ihre ideologische Begründung. Im ganzen Land, nicht nur im Osten Deutschlands. Menschen werden missachtet, angepöbelt, gejagt, verletzt, ermordet.

    Damit muss Schluss sein!

    Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten treten der rechten Gewalt entschieden entgegen. Dazu verpflichtet uns unsere Geschichte und unser Bekenntnis zur Demokratie. Es darf keine Toleranz gegenüber der Intoleranz geben. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit dürfen keinerlei Akzeptanz finden, nicht im verbrecherischen Handeln und nicht in leichtfertigen Sprüchen. Wir sehen uns dabei in Übereinstimmung mit der großen Mehrheit der Menschen in unserem Land, die ebenfalls Rechtsextremismus, Ausländerfeindlichkeit und Gewalt nicht wollen. Das ist gut zu wissen. Wir müssen in Deutschland keine Angst haben um unsere Demokratie. Sie ist gefestigt und wehrhaft. Das muss sie jetzt beweisen. Denn der Rechtsextremismus und seine Gewalt sind unvereinbar mit den Grundsätzen der Demokratie, sie sind menschenfeindlich und gefährden Friedfertigkeit und Wohlstand in unserem Lande dauerhaft. Keine einzige Gewalttat gegen Minderheiten ist gerechtfertigt und hinnehmbar. Der Schutz möglicher Opfer muss unser Anliegen sein. Die Politik ist gefordert. Aber nicht nur sie. Das Zuhause, die Schule, Medien, Firmen, Vereine und Organisationen müssen Orte sein, wo Dialogfähigkeit gelernt und Kompromissfähigkeit geübt werden.

    Jede und jeder Jugendliche muss eine ehrliche Lebens- und Berufschance haben. Bildungs-, Ausbildungs- und Arbeitschancen sind Prävention gegen Intoleranz und Gewalt. Die SPD Märkischer Kreis begrüßt und unterstützt ausdrücklich das Engagement verschiedenster Initiativen, aus aktuellem Anlass insbesondere die Aktivitäten der Friedensgruppe Lüdenscheid. Unsere Kreisstadt und keine andere Stadt und Gemeinde in unserem Land darf sich die Dauerstörung durch rechtsradikale Demostrationen gefallen lassen.

    Wir unterstützen
    . die Unterschriftensammlung "NEIN zu weiteren Nazi-Aufmärschen"
    . die Mahnveranstaltung "Lüdenscheid stellt sich quer" am heutigen Samstag um 15.00 Uhr auf dem Sternplatz in Lüdenscheid
    . das Lüdenscheider Friedensfest am 30. Juni an gleicher Stelle.

    Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten engagieren sich vor Ort in der Auseinandersetzung mit rechter Ideologie und Gewalt, zusammen mit Gewerkschaften, Kirchen und anderen gesellschaftlichen Gruppen, auch mit anderen demokratischen Parteien. Das gute Vorbild wirkt. Und viele müssen noch zusätzlich mitmachen. Dazu rufen wir heute alle Bürgerinnen und Bürger in der Region auf: Nicht wegschauen, nicht vorbeigehen ! Hingehen und mitmachen !


    Jusos MK distanzieren sich von "Linksextremisten"
    Schwarze Katze, 07.03.01

    Die Jusos Märkischer Kreis distanzieren sich von "Linksextremisten", die bei Antifa-Demos "Ausschreitungen" begehen. Deswegen arbeiten sie wie bei der Antifa-Demo in Hagen mit der Polizei zusammen. Dies wurde auf der Auf der am 4. März in Bochum stattfindenden Bezirkskonferenz der Jusos Westliches Westfalen beschlossen. Also werden diese Punkte nicht nur von den Jusos Märkischer Kreis so vertreten, sondern von allen Jusos im Bezirk Westliches Westfalen. Hier ein Ausschnitt aus der Juso MK Presseerklärung:

    "Zum einen sollen potentielle Teilnehmer für Demonstrationen gegen Rechts geschult werden, damit es nicht - wie in der Vergangenheit leider zu häufig - zu Ausschreitungen bei friedlichen Kundgebungen durch Links- wie Rechtsextremisten kommt. Mit diesem Konzept wollen sich die Jusos deutlich von gewalttätigen Ausschreitungen distanzieren, da so nach Ansicht des Unterbezirksvorstands das Ziel von Demonstrationen, die für mehr Toleranz werben, ad absurdum geführt werde. Auch eine Kooperation mit der Polizei wird dabei in Erwägung gezogen, da in diesem Bereich bei einer Kundgebung in Hagen bereits positive Erfahrungen gemacht worden sind.

    Der zweite zentrale Punkt ist die Bildung eines Netzwerks, damit der Verband der Jusos in Zukunft bei Demonstrationen "gegen Rechts" als starke Masse auftreten kann. In allen Regionen des Bezirks sollen deshalb Ansprechpartner gefunden werden, die auch kurzfristig viele Teilnehmer an Demonstrationen mobilisieren können."


    Mit dem folgenden Wisch versuchen die Jusos neue Mitglieder zu fangen und distanzieren sich darin von Antifas und wollen mit der Polizei zusammenarbeiten:

    "Aktiv gegen Rechts" –
    Jusos MK konzipieren Projekt im Bezirk Westliches Westfalen
    Pressemitteilung der Jusos MK vom 21.02.01

    Märkischer Kreis. Die märkischen Jungsozialisten (Jusos) haben sich auf ihrer Vorstandssitzung am vergangenen Dienstag ein weiteres Mal mit dem Thema „Rechtsextremismus“ beschäftigt. Auf der Konferenz der Jusos des Bezirks Westliches Westfalen (WW) soll deshalb ein Projekt initiiert werden, mit dem die Kampagnenfähigkeit der Jusos bei Demonstrationen verbessert werden soll. Zudem wurden zwei Personalentscheidungen getroffen: Björn Strobel aus Herscheid wurde zum neuen Unterbezirks-Geschäftsführer der Jusos gewählt, Miriam Offermann aus Meinerzhagen ist für den Bezirksvorstand der Jusos nominiert. Beide Entscheidungen erfolgten einstimmig.

    Auf der am 4. März in Bochum stattfindenden Bezirkskonferenz der Jusos WW möchte die 17jährige Miriam Offermann Koordinatorin für das von den Jusos MK konzipierten Projekts werden. Miriam Offermann gehört auch dem jetzigen Bezirksvorstand an und hat dort die Interessen der Jusos MK vertreten. Wie der Sprecher der Jusos MK, Sascha Vogt, mitteilte, weist das Projekt „Aktiv gegen Rechts“ zwei Kernpunkte auf:

    Zum einen sollen potentielle Teilnehmer für Demonstrationen gegen Rechts geschult werden, damit es nicht – wie in der Vergangenheit leider zu häufig – zu Ausschreitungen bei friedlichen Kundgebungen durch Links- wie Rechtsextremisten kommt. Mit diesem Konzept wollen sich die Jusos deutlich von gewalttätigen Ausschreitungen distanzieren, da so nach Ansicht des Unterbezirksvorstands das Ziel von Demonstrationen, die für mehr Toleranz werben, ad absurdum geführt werde. Auch eine Kooperation mit der Polizei wird dabei in Erwägung gezogen, da in diesem Bereich bei einer Kundgebung in Hagen bereits positive Erfahrungen gemacht worden sind. Die märkischen Jungsozialisten möchten dabei auch der neuen Bereitschaft Jugendlicher, sich punktuell in sogenannten „unkonventionellen Formen der Beteiligung“ zu engagieren, Rechnung tragen.

    Der zweite zentrale Punkt ist die Bildung eines Netzwerks, damit der Verband der Jusos in Zukunft bei Demonstrationen „gegen Rechts“ als starke Masse auftreten kann. In allen Regionen des Bezirks sollen deshalb Ansprechpartner gefunden werden, die auch kurzfristig viele Teilnehmer an Demonstrationen mobilisieren können.


    Die Jusos MK schafften es nicht eigene Texte zur besonders im Märkischen Kreis starken Nazi-Szene zu schreiben und übernahmen deswegen ein überregionles Papier:
    „Den Nazis keine Räume“ –
    Jusos MK verteilen Info-Zeitschriften in Hemer und Iserlohn
    Pressemitteilung der Jusos MK vom 11.05.01

    Märkischer Kreis. Für die märkischen Jungsozialisten bedeutet ein entschlossenes Auftreten gegen rechte Gewalt mehr als nur leere Sonntagsreden. Deshalb haben die Jusos MK in der vergangenen Woche annähernd 1.200 Info-Zeitschriften mit dem Titel „Den Nazis keine Räume“ in den Städten Hemer und Iserlohn verteilt, um gezielt über rechte Strukturen in Deutschland zu informieren. Ähnliche Aktionen in anderen Städten des Märkischen Kreises sollen folgen.

    Leider ist in den vergangenen Wochen und Monaten das Thema „Rechtsextremismus“ zunehmend aus dem öffentlichen Interesse gewichen. Immer noch aber zeugen rechte Aufmärsche beispielsweise in Dortmund oder Lüdenscheid von einem rechtsextremen Potential in Deutschland und eben auch im Märkischen Kreis. Dass beim Lüdenscheider NPD-Aufmarsch letztens weitaus weniger Teilnehmer als zunächst befürchtet zu verzeichnen waren ist zwar ein positives Zeichen, für die Jusos MK aber kein Anlass das Problemfeld aus den Augen zu verlieren.

    Deshalb haben die märkischen Jungsozialisten in der vergangenen Woche Zeitschriften zu diesem Thema verteilt, um möglichst viele Jugendliche über das Problem zu informieren. Die Verteilaktionen wurden in Kooperation mit den Juso-Arbeitsgemeinschaften Hemer und Iserlohn vor Schulbeginn vor den weiterführenden Schulen durchgeführt.

    In der Zeitschrift werden unter anderem Nazi-Strukturen in der BRD aufgezeigt oder Strategie-Papiere rechtsextremer Gruppierungen vorgestellt. Dazu werden in einem ausführlicher Teil Tipps gegeben, um selbst aktiv gegen Rechts vorgehen zu können.

    In den kommenden Wochen soll die Aktion auch in anderen Städten des Märkischen Kreises fortgesetzt werden. Insgesamt werden über 2000 Exemplare verteilt werden. Mir der Verteilung wollen die Jusos MK auch das geplante Netzwerk gegen rechte Gewalt forcieren.


    Die Jusos kochten auch hier wieder ihr eigenes Süppchen um mal wieder in die Zeitung zu kommen. Andere Gruppen wie die Antifa Hemer, oder die Schwarze Katze wurden nicht gefragt sich zu beteiligen. Anscheinend nehmen die Jusos an, diese in der Bekämpfung der Ausländerfeindlichkeit aktiven Zusammenhänge wären keine "gesellschaftlich relevanten Gruppen". Wohl im Gegensatz zum CDU-Ableger Junge Union, der sich die lokalen konservativen Jusos eher verbunden fühlen, wie ein Juso dies am Infostand zugab. Interessant am nachfolgenden Text ist, was nicht darin steht: Die SPD-Abschiebepolitik wird mit keinem Wort erwähnt.
    Einwanderungsrat gefordert -
    Jusos beziehen Stellung zu Einwanderungspolitik
    Pressemitteilung der Jusos MK vom 04.07.01

    Märkischer Kreis. Die märkischen Jungsozialisten (Jusos) haben im Rahmen ihrer jüngsten Sitzung des Unterbezirksausschusses einstimmig Stellung zum Bericht der "Süssmuth-Kommission" zum Thema Einwanderung bezogen. Beim kreisweiten Treffen der jungen Politiker aus den Städten und Gemeinden am Dienstag Abend in Lüdenscheid stärkten sie außerdem ihrem neuen Bundesvorsitzenden Niels Annen den Rücken, der die Anforderungen der Jusos für eine künftige Einwanderungspolitik formuliert hatte. Auch im Märkischen Kreis soll nach Ansicht der Jusos MK auf breiter Ebene nicht über das "ob", sondern über das "wie" der Integration von ausländischen Mitbürgern diskutiert werden. Mögliche Integrations-Projekte könnten zudem vom Märkischen Kreis finanziell und ideell gefördert werden.

    Der neue Juso-Bundesvorsitzende hatte in seiner Stellungnahme eine sachliche Diskussion über das Thema "Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik" gefordert. Die Jusos werden diese Diskussion mit folgenden Schwerpunkten führen: 1. Ein Einwanderungs- und Integrationsgesetz, das seinen Namen verdient. Die ökonomische Verwertbarkeit von Menschen darf nicht Hauptkriterium einer möglichen Einwanderung sein, ein quotenbewehrtes Einwanderungsgesetz lehnen die Jusos ausdrücklich ab. 2. Einrichtung eines Einwanderungsrates, in dem alle relevanten gesellschaftlichen Gruppen vertreten sind. 3. Die Schaffung eines Bundesamtes für Einwanderung, in dem die Zuständigkeiten für Migration gebündelt werden.

    Die Jusos MK fordern daher einen Einwanderungsrat für den Märkischen Kreis, um dieses sensible Thema mit allen gesellschaftlichen Gruppen vor Ort diskutieren zu können. Juso-Sprecher Sascha Vogt stellte dazu klar: "Wir wissen, dass das Thema "Zuwanderung" viele Ängste schürt, gerade deshalb müssen wir vor Ort Gespräche mit zum Beispiel Kirchen, Vereinen oder Verbänden führen, wie eine bessere Integration gestaltet werden kann." Die Jusos MK hoffen, mit diesem Schritt den Weg in eine Zukunft der Toleranz und des Miteinanders statt Nebeneinanders zu forcieren.

    Außerdem regten die märkischen Jungsozialisten einen Innovationsfond für gute Integrations-Projekte an. "Integration ist ein Thema, das vor Ort entschieden wird und nicht am runden Tisch in Berlin. Wir sollten daher einen Anreiz für sinnvolle Projekte geben, die die Integration von ausländischen Mitbürgern fördern." Für die Bereitstellung der Mittel sind dabei nach Ansicht der Jusos MK sowohl die Politik als auch die Unternehmen gefordert.


    Jusos MK stellen Bedingungen für Bündnis gegen Rechts MK:
    Anerkennung des Grundgesetzes und Distanzierung von Gewalt
    Antifa Hemer, 19.09.00

    Die Jusos MK stellen Bedingungen an die Teilnahme von anderen Gruppen an ihrer kreisweiten Vernetzung gegen Rechts. Die teilnehmenden Gruppen, zu denen auch die Junge Union (CDU-Nachwuchs) und die Jungen Liberalen (Julis) zählen sollen, sollen sich von Gewalt distanzieren und die Verfassung anerkennen. Die Jusos MK möchten eine Einladung zu dem nächsten Bündnis gegen Rechts MK Treffen.

    Nachtrag der Antifa Hemer vom August 02: Das von den Jusos MK angestrebte Parteienjugendbündnis unter Aussschluss der lokalen Antifa-Gruppen ist über das Planungsstadium nie hinausgekommen. Die Antifa-Gruppen im Märkischen Kreis haben auch nach dem staatlich finanzierten Sommer der Staatsantifa weitergemacht.
    Jusos MK wollen nicht mit der Antifa zusammenarbeiten
    Antifa Hemer, 12.10.00

    Der Kreisvorstand der SPD-Jugendorganisation Jusos Märkischer Kreis hat beschlossen, sich nicht am bestehenden Bündnis gegen Rechts MK zu beteiligen. Begründung: Die Antifa sei verfassungsfeindlich und befürwortete Gewalt. Erst bemühen wir uns die Jusos mit ins Boot zu bekommen und dann sowas.

    Die beiden Antifa Gruppen aus dem MK (Lüdenscheid und Hemer) sind einen Schritt auf die Jusos zugegangen und jetzt sowas. Die NPD MK wird sich über solche Nachrichten bestimmt freuen. :-(( Die Jusos MK werden jetzt zusammen mit der CDU-Jugend ihr eigenes Ding gegen Rechts aufbauen. Ob alle Juso Gruppen im Märkischen Kreis das auch so sehen, wird sich zeigen. So ist am Samstag ein Treffen der Hemeraner Jusos, wo besprochen wird, ob die Hemeraner Jusos das mittragen werden.

    Während sich die Antifas uneins sind, hat sich nun eine neue Nazigruppe in unserer Region gegründet. Sie nennt sich Nationaler Widerstand Hagen/Lüdenscheid. Auf ihrer Internetseite haben sie einen Link zur NPD Märkischer Kreis gesetzt und gehören dem militanten Nazispektrum an.

    Die NPD wird am Samstag vormittag in Hemer einen Infostand abhalten. Bisher haben die einige Leute aus Hemer über die Lokalpresse angekündigt, dagegen zu protestieren. Das Arnsberger Verwaltungsgericht konnte beim Herbsttage Strassenfest einen Stand der NPD untersagen. Am diesem Samstag will die von dem Verbot bedrohte NPD in der Hemeraner Fussgängerzone auftreten. Gestern nachmittag hat die Stadt Hemer der NPD die Erlaubnis dazu gegeben. Der NPD Stand wird im Bereich der Adler Apotheke aufgebaut. (das ist schräg gegenüber von Woolworth - so riesig ist Hemer auch wieder nicht - einfach nach Fussgängerzone fragen, da ist das). Die NPD wollte eigentlich lieber auf dem Wochenmarkt antreten. Die Hemeraner Verwaltung argumentierte, dass dies die Satzung nicht zulassen würde und liess sie damit abblitzen. Naja, dafür haben sie eine Standerlaubnis einige Meter weiter bekommen. Typisch Hemer.

    Vor den Herbsttagen wurde in der Zeitung gegen uns polemisiert. Dort stand, dass die bösen Autonomen (damit ist die Antifa Hemer gemeint) den Republikaner Stand auf den Herbsttagen stürmen will. Und auch noch wie gefährlich wir so sind. Eine Hemeraner Republikanerin hat sich auf der Unterschriftenliste gegen Ausländerfeindlichkeit eingetragen (die wo sich die Hemeraner prinzipiell gegen rechte und linke Extremisten und gegen Gewalt unterschreiben durften). Einen Anstecker der Marke Hemer gegen Rechts wollte sie aber nicht anstecken, da die Republikaner ja auch eine rechte Partei seien.

    Der Angriff von 40 Leuten gegen die Türkin im Hemeraner Stadtteil Westig hat jetzt auch die türkische Boulevardpresse erreicht. Dort wurde ausführlichst unter dem Titel Nazisturm gegen Türkin darüber berichtet. Ein Bild von dem verletzten Vater des Mädchens wurde auch noch abgedruckt.

    OK, das wars von der Antifa Hemer. Hoffentlich nächstes Mal bessere Nachrichten. Falls du Infos über Rechte hast (egal wie wenig) schick uns das zu. Wir kümmern uns darum...


    Jusos MK Gegendarstellung
    13.10.00

    Schwarze Katze, 13.10.00:
    Jusos stellen ihre Sicht dar (wir haben uns nicht mit den Jusos Hemer über das Grundgesetz (GG) unterhalten, deswegen können sie gar nicht wissen, ob wir dadrauf stehen oder nicht (bedeutet auf dem GG stehen das GG mit Füssen treten oder was?) Wir bleiben dabei: Es ist nicht gut sich vom Staat in Punkto Aktionsformen spalten zu lassen. Das tut ja schliesslich die Anti-Atombewegung auch nicht. Wenn die Jusos unbedingt ihren eigenen Sandkasten zum Spielen haben wollen - ist ihre Sache (nicht böse gemeint, nur etwas verärgert). Naja bildet euch selber eine Meinung dazu. Hier der Originalbrief von jemandem von den Jusos Hemer:

    Juso Statement zum letzten Schwarze Katze Rundbrief, 13.10.00:
    "ich habe heute mit einigen von den jusos mk gesprochen: die jusos mk haben in der vorstandssitzung (ich war tatsächlich nicht da) so wie ich es verstanden habe nichts wirklich beschlossen. der beschluss der unterbezirkskonferenz über ein arbeitsprogramm lautet zum thema jugend gegen rechts:

    über die parteigrenzen hinweg suchen wir den kontakt zu anderen politischen gruppen, die auf dem fundament des grundgesetzes stehen, im kampf gegen rechts. wie mir gesagt wurde, hast du dich an der formulierung "auf dem fundament des grundgesetzes" gestoßen, weil ihr nicht auf demselbigen steht.

    deswegen - und nicht weil die antifa gewalttätig sein soll - kann bisher wohl keine zusammenarbeit zusammenkommen. dass die antifa gewalttätig sein soll, muss irgendjemand in der diskussion falsch verstanden haben und so kam dieses missverständnis auf. also, wir sind grundsätzlich für eine zusammenarbeit, aber nur, wenn ihr euch zum grundgesetz bekennt. wenn nicht, können wir nicht entgegen dem beschluss mit euch zusammenarbeiten. stell das noch in den sk-rb richtig, ja!?"


    Bericht über das Treffen des BGR Hemer/Hemer gegen Rechts
    Schwarze Katze, 25.05.01

    Am Di., 22.05.01 fand nach langer Pause wieder ein Treffen des Bündnis gegen Rechts Hemer statt. Auf dem Höhepunkt der Staatsantifa-Kampagne gegründet, wurde das BGR Hemer schnell von Hemeraner Parteien und Parteien-Jugendorganisationen dominiert. Nachdem die Staatsantifa-Kampagne nun ihrem Ende entgegengeht, zeigen die meisten Parteien nun nicht mehr soviel Interesse an Aktivitäten gegen rechts. Dies schlug sich auch in der Zusammensetzung des BGR nieder. Mehr "normale Bürger" waren da. Positiv! Die anwesenden Parteienvertreter (Jusos und Grüne) hielten sich mit Propaganda für ihre Organisation erfreulicherweise zurück. Und CDU, UWG und FDP waren gar nicht erst gekommen. Die frühere Parteiendominanz wurde kritisiert.

    Es ging an dem Abend um die Sache:

    Eine Infosammlung und evtl. eine Infoveranstaltung zu rechter Musik wurde geplant. Schriftliche Materialien dazu werden von dem Schwarzen Katze Archiv dem dazu neu gegründeten Arbeitskreis zur Verfügung gestellt. Ebenso ist eine Radiosendung in Kooperation mit der "Radiogruppe Schwarze Katze" in Planung.

    Auf den Hemeraner Herbsttagen soll wieder ein Infostand durchgeführt werden. Es wurde auch darüber geredet ob mensch sich bei einem anderen Hemeraner Stadtfest einbringen solle.

    Nachdem jemand von der Schwarzen Katze von der Aktion "Den Opfern einen Namen geben" erzählte, die erfolgreich in Menden, Iserlohn, Hagen und Lüdenscheid veranstaltet wurde, kam Interesse auf, diese Aktion auch in Hemer zu veranstalten. Die Schwarze Katze stellt hierzu wie schon bei der Demo in Iserlohn kostenfrei alle Materialien. Bezugnehmend auf eine Dokumentation der Frankfurter Rundschau wird exemplarisch 80 Opfern rechter Gewalt mit Namen, Todesdatum und Tathergang gedacht.

    Ursprünglich startete die Aktion zuerst in Menden, durchgeführt von einer Mendener antirassistischen Gruppe. 80 Pappschilder mit Namen und Todesdatum der durch die Rechten umgebrachten Nicht-Deutschen, Homosexuellen, Punks, Obdachlosen wurden nacheinander mit brennenden Friedhofskerzen auf den Boden gelegt. Zu jedem Fall von rechter Gewalt wurde kurz von einem anderen Sprecher über Mikro und Verstärkeranlage der Tathergang geschildert. Währenddessen wurde eine Kerze angezündet, die Pappe mit dem jeweiligen Namen und Todesdatum auf den Boden gelegt. Viele Mendener Bürger blieben stehen. Nach Abschluss der Aktion hat die Schwarze Katze bei der Mendener antirassististischen Organisation angefragt, ob sie die Pappen, Kerzen und Flugblätter ihnen zur Durchführung von ähnlichen Veranstaltungen zur Verfügung stellen könnte. Dies geschah auch.

    Daraufhin wurde in abgewandelter Form die Aktion in Iserlohn und Lüdenscheid durchgeführt. Nun auch in Hemer. Über den genauen Ablauf wird beim nächsten BGR Hemer Treffen am 6. Juni 01 geredet. Dort soll auch über eine evtl. Beteiligung an der antifaschistischen Demo in Arnsberg geredet werden. Christian Worch hat die rechte Demo um eine Woche nach hinten verschoben, sie soll jetzt zeitgleich mit dem Arnsberger Schützenfest am 30.6.01 stattfinden. Weil dann viele Arnsberger ins Schützenfest eingebunden sind, glaubt Worch, dass dann weniger auf der antifaschistischen Gegendemonstration sind. Ob er sich da mal nicht täuscht?


    Wuppertaler Antifas distanzieren sich von Staatsantifa
    Quelle:
    Schwarze Katze Rundbrief 27.09.00

    Kurzinfo und Aufruf zur Demonstration gegen Naziterror und staatlichen Rassismus am 30.9. in Wuppertal

    Brandanschlag auf Fluechtlinge in Wuppertal
    In der Nacht vom 22. auf den 23.9. wurde ein Brandanschlag auf eine Fluechtlingsunterkunft an der Kreuzstrasse in Wuppertal-Barmen veruebt. Die Taeter warfen zwei Molotov-Cocktails gegen die Unterkunft, wovon einer durch ein Fenster in den Schlafraum einer Familie aus Ex-Jugoslawien flog und eine Matratze in Brand setzte. Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass niemand schwer verletzt oder getoetet wurde. Es gab zwei leichte Verletztungen, das Feuer konnte geloescht werden. Noch in der selben Nacht nahm die Polizei sieben Nazis fest, die sich in Tatortnaehe rumtrieben. Bei den der Polizei z.T. bekannten Nazis handelt es sich um drei Frauen und vier Maenner im Alter von 16 bis 24 Jahren, zwei davon kommen aus Wuppertal. Sie werden zur Zeit von der Polizei verhoert und werden am 24.9. dem Haftrichter vorgefuehrt. Es ist gut moeglich, dass sie aus dem Umfeld der Naziszene stammen, die sich aus Nazis aus Wuppertal-Oberbarmen, Schwelm und Ennepe-Ruhr-Kreis zusammensetzt und in der jungsten Zeit mit dem Ueberfall auf die Gedenkfeier am KZ-Kemna unter Anleitung des NPD-Kaders Thorsten Craemer und dem aktuellen Strassenterror in Schwelm mit Messerattacken u.a. gegen Antifas aufgefallen ist.

    Faschisten morden, der Staat schiebt ab, das ist das gleiche Rassistenpack!
    Wir rufen zur Demonstration gegen faschistischen Naziterror und gegen staatlichen Rassismus auf, fuer eine Solidaritaet mit den Fluechtlingen (nicht nur) in Wuppertal. Dabei wollen wir uns deutlich von der aktuellen staatsantifaschistischen Kampagne abgrenzen, die sich gleichermassen gegen Auslaenderfeinde wie "Auslaender" richtet, zwischen nuetzlichen und unnuetzen Nicht-Deutschen unterscheiden will und deren zivilgesellschaftliches Moment eben gerade darin liegt, dass genau dies die Bevoelkerung als Eigenleistung umsetzen soll.

    Auftakt der Demonstration:
    Samstag, 30. September
    11.00 Uhr Berliner Platz (am Bhf. Wuppertal-Oberbarmen)

    Ausfuehrlicher Aufruf folgt in Kuerze

    AntifaschistInnen aus Wuppertal
    Kontakt: Infoladen, Brunnentstr. 41, 42105 Wuppertal


    Antifaschismus in der Diskussion - Deutschland goes Antifa
    Interim # 509, 07.09.00
    Quelle:
    Schwarze Katze Rundbrief 22.09.00

    Was für ein Sommer! Vor allem: was für ein Sommertheater! Ein Ruck geht plötzlich durch die BRD. Es ist ein antfaschistischer Ruck, alle betonen plötzlich und für die Linke unvermutet den Kampf gegen Rechts: von der PDS bis zur CSU, von der Jungen Welt bis zur Springer-Presse. Die Nazis, ihre Weltanschauung, ihre Strukturen, Parteien, Treffpunkte, Aktionen, Propaganda, Aufmärsche, Waffenlager, Wehrsportcamps und ihre schwarzen Listen werden endlich als das gesehen, was sie sind: als Gefahr. Wo aber sind jene geblieben, die schon vor Jahren davor gewarnt, die sich bemüht haben, die Strukturen aufzuzeigen und sie nach Möglichkeit zu behindern? Wo ist die Antifa-Bewegung in diesen Tagen? Sie scheint verschwunden, nur noch ihre Parolen sind zu vernehmen: Nazi-Strukturen zerschlagen statt verbieten, Glatzen-Aufmärsche verhindern, kein Fußbreit den Faschisten - Nie wieder!

    All das ist in den letzten Wochen aus den Mündern von (Regierungs- gleichermaßen wie Oppositions-) Politikern zu hören gewesen.   Die Antifa aber bleibt ruhig, die Erklärungen dafür sind vielfältig, aber wenig einleuchtend: Die öffentliche Diskussion ist aufgesetzt, unehrlich und kommt viel zu spät, früher hat es immer keinen interessiert als die Antifa als erste auf die Gefährlichkeit der Nazis hingewiesen hat und letztlich geht es nur um die Wahrung des deutschen Ansehens in der Welt, heißt es zur Begründung. Das alles mag stimmen, rechtfertigt aber noch lange keinen Rückzug in beleidigte Untätigkeit. Die Warnung vor der organisierten Fascho-Gewalt wird nicht deswegen plötzlich falsch, weil andere, die die Warnung stets ignorierten, sie nun einfach übernehmen. Auch nützt es Flüchtlingen und Migrantinnen herzlich wenig, wenn die mediale Thematisierung ihrer Bedrohung und ihrer Lebenssituation ausgerechnet in der radikalen Linken mit der Bemerkung „Ich verstehe diese plötzliche Aufregung gar nicht, vor zwei Jahren war deren Situation doch auch nicht viel besser" abgetan werden.

    Natürlich ist es sehr frustrierend, sich jahrelang mit dem Thema Neonazis zu beschäftigen und dabei selbst bei der sogenannten liberalen Öffentlichkeit auf taube Ohren zu stoßen, natürlich ist es aufreibend, nahezu ungehörte Pressearbeit zu den Angriffen auf Ausländer/innen zu machen, und jetzt festzustellen, daß antifaschistische und antirassistische Bekenntnise zur politischen Sommermode in der BRD geworden sind - ohne daß trau/man selbst einen Einfluß darauf hatte oder hat. Menschlich mögen diese Enttäuschungen angebracht sein, politisch sind sie es nicht. Nicht die aufgeregte Darstellung in den Medien, nicht die öffentliche Diskussion über einen drohenden Nazi-Terrorismus, nicht die Thematisierung von national befreiten Zonen oder die Berichterstattung über alltägliche rassistische Angriffe von Faschos sind das Problem. Die eigentliche Gefahr geht von den Nazis selbst, ihren Strukturen und den Angriffen aus. Daß plötzlich das öffentliche Interesse an diesem Thema erwacht ist, ist also keineswegs schlecht. Denn so kommt endlich mal ins Gespräch, was Linke schon seit Jahren erfolglos ins öffentliche Bewußtsein zu bringen versuchen. Daß Law-and-Order-Hardliner wie Beckstein und Schönbohm bei der Diskussion über die staatliche Bekämpfung der Nazi-Bewegung bestimmt nichts Gutes im Sinne führen, ändert daran erstmal nichts. Die kulturelle Hegemonie, die die Rechten vielerorts - aufbauend auf eine rassistische Grundstimmung - unangefochten für sich beanspruchen können, sie steht nun im Mittelpunkt des Interesses und damit zur Disposition.

    Empörung über die rechte Hegemonie macht sich breit, die liberale Öffentlichkeit, die viele schon verschwunden glaubten, sie ist plötzlich wieder da. Ob sie das Sommertheater überleben wird, ist freilich noch lange nicht klar. Aber genau deswegen gilt es derzeit, sich nicht selbstbeweihräuchernd auf die eigene ehemalige Vorreiterrolle zurückzuziehen, sondern den Versuch zu wagen, das gesellschaftliche Kräfteverhältnis zu beeinflussen, zumindest Teile der längst verloren geglaubten Hegemonie wiederzuerlangen. Wir wollen hier keine Mythen stricken oder in Zweckoptimismus verfallen. Aber für die radikale Linke ist die gegenwärtige Entwicklung eigentlich das beste, was passieren kann. Ohne die Debatte der letzten Wochen eingeleitet zu haben - was aufgrund eigener Schwäche gar nicht möglich gewesen wäre - kann sie davon profitieren und versuchen, Einfluß zu gewinnen: Staatlichen wie gesellschaftlichen Rassismus stärker thematisieren. Problembewußtsein schaffen, Bündnispartner gewinnen. Denn was beobachten wir zur Zeit: Die Angriffe auf Migrant/inn/en - vor Wochen noch für die Öffentlichkeit unspektakulär - finden nun in sämtlichen Medien Erwähnung und nötigen viele Politiker zu Lippenbekenntnissen. Einerseits schafft das zwar Publicity für die Nazis, aber auch Schutz für ihre potentiellen Opfer. Die Faschos können eben nicht mehr hinter den Kulissen agieren. Sie sehen, daß sie schnell ins Kreuzfeuer geraten. Das mag sie in gewisser Weise bestätigen, anderseits baut es aber auch Druck auf. Natürlich sehen wir auch die Probleme: Autoritäre Politiker versuchen die gegenwärtige Situation für sich zu nutzen. Unter dem Label des Kampfes gegen die Neonazi-Bewegung wollen sie Organisations- und Versammlungsfreiheit einschränken - und ähnlich wie nach den Pogromen von Hoyerswerda, Rostock und Quedlinburg Anfang der 90er Jahre könnte uns auch diesmal aufbauend auf die vielen rassistischen Angriffe eine neue Asyl- und Migrationsdebatte ins Haus stehen.

    Diese Entwicklungen müssen aber getrennt voneinander betrachtet werden. Die autoritären Tendenzen einiger Politiker und die Tendenz zur Änderung der Asyl- und Ausländer/innen-Gesetzgebung gibt es unabhängig von der Thematisierung der erstarkenden Fascho-Bewegung. Ja, vielleicht bekommt genau diese Strömung innerhalb der politischen Klasse einen kleinen - wirklich nur kleinen, aber immerhin - Dämpfer, sieht ihren Spielraum eingeschränkt aufgrund der öffentlichen Anti-Nazi-Stimmung. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts - weiß Gott keine besonders kritische Institution -, nach dem das Asylrecht künftig großzügiger ausgelegt werden muß, könnte hierfür ein Beispiel sein. Die Frage ist also letztlich, was wir daraus machen: Genauso wie für Beckstein, Schönbohm oder Schily böte sich auch für die radikale Linke die theoretische Möglichkeit, die Situation zur Stärkung ihrer Position zu stärken: repressive Angriffe auf antifaschistische und linke Strukturen zu dramatisieren und damit zu verhindern oder zumindest zu erschweren, staatlichen Rassismus entblößen oder einfach nur die entstandenen Räume in der öffentlichen Diskussion zu nutzen, um gesellschaftlich wieder diskursfähiger zu werden.

    Die Entwicklungen zeigen, daß sich derzeit Räume öffnen: Die akzeptierende Jugendarbeit, lange als offizielles Konzept gepriesen und von linker Seite harsch kritisiert, ist derzeit nicht mehr relevant und scheint zumindest fraglich geworden, bürgerliche Medien wie Stern und taz outen nach schwedischem Vorbild bekannte Neonazis, Bündnisse zwischen bürgerlichen und autonomen Antifaschisten scheinen zur Ver- oder Behinderung von Naziaufmärschen wieder möglich - ohne die übliche Distanzierungshysterie. In den Zeitungen der gesamten BRD finden s auf einmal wohlwollende Kommentare über türkische Jugendliche, die Faschisten attackieren oder Berichte über weit verbreiteten Rassismus im Staatsapparat - etwa bei der Berliner Polizei. Genau diese Stimmung müssen wir auszunutzen versuchen. Es geht für uns darum mehr Einfluß zu nehmen, ein Stückchen kulturelle Hegemonie zurückzuerobern, und die Empörung über die Stärke der Nazis und den verbreil ten Rassismus zu radikalisieren! Es geht eben darum, mögliche Handlungsspielräume für die Linke auszuloten un sie vor allem zu nutzen.

    Darüber, wie dies erreicht werden kann, gibt es sicher etliche Möglichkeiten. Antifa war nicht immer gleich Antifa, ist nicht immer gleich Antifa und wird auch nicht immer gleich Antifa bleiben. Der Begriff allein hat sich über die Jahre hinweg verändert, wurde angepaßt an die jeweiligen Notwendigkeiten und Stimmungen. Das ist auch gut so. Zeigt uns diese Entwicklung doch, daß die radikale Linke doch in der Lage ist, auf gewisse Situationen zu reagieren und sich auf gewisse gesellschaftliche Kostellationen einzustellen. Es zeigt d Möglichkeit, der Veränderung. Immerhin ist das was, was sich viele Linke heute schon gar nicht mehr vorstellen können und es vermutlich noch nicht einmal versuchen. Wichtig ist dabei eines: Daß die Antifa sich längst nicht mehr auf ihr Feindbild fixieren darf. Sie darf nicht nur gegen Nazis sein - gerade nicht angesichts der aktuellen Entwicklung, wo eigentlich alle in Deutschland gegen Na sind. Gegen Nazis, das ist eine wunderbare Grundlage für antifaschistische Bündnispolitik bis hin zum bürgerliche Lager, aber es geht darum, auch Alternativen aufzuzeigen und vorzuleben - Alternativen zu dieser Gesellschaft, die Rassismus und Faschos hervorbringt.

    Das ist für die Antifa wichtiger denn je, weil die radikale Linke in den vergangenen Jahren ja nicht gerade stärker geworden ist, die Antifa aber einer jenen wenigen Teilbereiche ist, die überhaupt noch existent, aktionsfähig und aktiv sind. Über die Gegnerschaft zum Vorschmarsch der Faschos kann eine Politisierung erfolgen, vorausgesetzt natürlich es gibt alternative Konzepte oder zumindest einige Vorstellungen darüber, wie solche Konzepte grob aussehen könnten. Den von vielen Antifas so sehr betonten Unterschied zwische dem zivilgesellschaftlichen Ansatz und dem Konzepte des revolutionären Antifaschismus können wir aber nicht unbedingt erkennen. Mehr noch: Wir halten eine solche Unterscheidung teilweise auch für ziemlich unsinnig. Dem die Betonung vom Konzept Antifa als Selbstschutz und der Anspruch, eine revolutionäre Bewegung aufbauen zu wollen, schließen sich keineswegs aus. Im Gegenteil, bietet die Verteidigung eigener von den Faschos bedrohter Räume, der Kampf um die kulturelle Hegemonie, einen guten Ansatzpunkt, darauf aufbauend Ideen und Alternati von für eine gesellschaftliche Veränderung zu entwickeln, die dann wiederum zum Beispiel zu revolutionären Forderungen weiterentwickelt werden können. Antifa heißt eben nicht nur Angriff. Aber Antifa heißt auch Angriff Wir dürfen aber dabei nicht vergessen, daß die radikale Linke in der Krise steckt, es kaum noch Raum und Ansät für Utopien und gesellschaftliche Alternativen gibt.

    Perspektivlosigkeit ist leider weit verbreitet. Die Antifa ist hiervon im Verhältnis immer noch weniger betroffen als andere sogenannt „Teilbereiche". Das liegt natürlich an d offenkundigen Notwendigkeit eines Kampfes gegen die stärker werdende Neonazi-Szene. All das spricht aber keineswegs gegen die Aufrechterhaltung eines revolutionären Anspruchs auch in der Antifa- Und um geseflschafti an Bedeutuung zu gewinnen, bedarf es nicht nur einer geschickten Bündnispolitik, sondern genauso eines politisch Konzepts, innerhalb dessen alle denkbaren Aktionsformen Raum finden und darüber hinaus auch noch einer gewissen Attraktivität und einer offensiven Plakativität der eigenen Vorstellungen. In diesem Sinne:

    Den antifaschistischen Selbstschutz organsieren! Eine revolutionäre Antifa-Bewegung aufbauen!

    einige Antifaschist/inn/en


    Antifa Hemer berichtet über einen Pfarrer aus Balve
    Antifa Hemer, 05.12.00
    Quelle:
    Schwarze Katze Rundbrief 05.12.00

    Antifa Hemer: In Balve gibt es einen Pfarrer, der eine etwas eigenwillige Auffassung von christlicher Nächstenliebe hat. Das Asylbewerberlager liegt etwa 3 km ausserhalb von Balve. Deswegen müssen die Frauen des Lagers den Einkaufsweg immer zu Fuss absolvieren. In der einen Hand die schweren Einkaufstaschen, in der anderen die quengelnden Kinder. Wenn der Pfarrer nun mit seinem Auto an ihnen vorbeifährt, lächelt er und winkt ihnen freundlich zu - und fährt weiter. Darauf angesprochen sagte der Mann Gottes, dass er die Asylbewerber deswegen nicht mitnehmen würde, weil sonst die Hälfte seiner Gemeinde dann nicht mehr in seinen Gottesdienst kommen würde.


    Staatsschutz in Altena
    Schwarze Katze, 05.12.00
    Quelle:
    Schwarze Katze Rundbrief 05.12.00

    Wir waren am Donnerstag bei der Veranstaltung über Rechtsradikalismus in der Burg Holtzbrink in Altena. Der Polizist Opitz fragte in seiner Eingangsrede, ob es einen angeborenen Rassismus gebe. Eine sehr ausgefallene Meinung um es mal nett auszudrücken. Er meinte wenn die Medien ständig über Rechts berichten würden (wie jetzt) würde sich das im Anzeigenverhalten in der Bevölkerung niederschlagen. Folglich gebe es dann mehr Anzeigen und die Presse berichte wieder mehr über rechts. Bedeutet dass wenn die Presse nichts über rechte Gewalt schreibt, dass dann auch weniger passiert? Naja. Über Altena sagte der Polizist, dass es schon mal schlimmer gewesen sei. Von der lokalen rechten Struktur hatte der Dorfpolizist keine so grosse Ahnung.

    Der 2. Redner war der Iserlohner Pfarrer Bernhardt Laß. Er meinte, dass es rivalisierende Jugendgruppen gebe, die in Nationalitäten auseinanderfallen würden. Deswegen gäbe es eine Polarisierung. Das Problem Rassismus verortete er trotzdem in der Mitte der Gesellschaft.

    Als 3. Redner war Jürgen Deffner vom Staatssschutz Hagen dran. Er ist seit 1969 beim Staatsschutz beschäftigt. In den 70ern hat er nach eigener Aussage in erster Linie "linksextremistische" Gruppen observiert. "Wir haben observiert was Linke als bespitzeln bezeichneten und wir hatten damals gute Gründe dafür" so Deffner. 2 Jahre Arbeit beim BKA bei der "Zielfahndung" folgten. Seit 1979 ist sein Aufgabengebiet "Rechtsextremismus". Er betonte vor dem mehrheitlich linken Publikum aus einem antifaschistischen Elternhaus zu kommen. Seine Eltern waren mit seiner Berufswahl zum Staatsschutz zu gehen nicht einverstanden. Jemand aus dem Publikum fragte, ob die Berufswahl in der Zeit der Pubertät liegen würde.

    Deffner beschrieb aus seiner Sicht die Entwicklung der Rechten von 1970 bis heute. 1970 war die NPD bis auf NRW und ein anderes Bundesland in jedem anderen Landtag vertreten gewesen. In Lüdenscheid war die NPD auch im Stadtrat und im Kreistag vertreten. "Das gibt´s heute nicht mehr" so der Referent. Ein Teilnehmer der Veranstaltung betonte, dass in Lüdenscheid heute ein Republikaner im Stadtrat sitzt.

    Er erzählte noch kurz was von der Spudok (der Spurendokumentationsdatei) ohne den Namen SpuDok zu nennen, dass dort für diese Region 10.000 Datensätze erfasst seien. Dann gab es noch was zur lokalen Geschichte der Nationalistischen Front, was zur Aktionsgruppe Hagen, dem Donnerversand, die Sauerländer Aktionsfront, was zum Deutschen Kulturwerk (Eurpäischen Geistes) und was über die damalige FAP-Gruppe in Altena. Der Märkischer Kreis war nach Angaben des Vortragenden immer schon eine Hochburg der Rechten gewesen. Als Jürgen Deffner dazu befragt wurde, dass er noch vor 3 Monaten gesagt habe, dass es keine Gefahr von rechts gäbe, sagte er dass dies in einem anderen Zusammenhang gesagt wurde. Die Infos über die rechte Szene haben wir für die zuständige Antifa Gruppe (Antifa Hemer) aufgeschrieben und ihr gegeben. Allerdings sagten sie uns, dass sie bis auf zwei Puzzelstückchen eigentlich alles vorher wussten und dass der Staatsschützer nicht alles gesagt habe.

    "Das Bespitzeln haben wir früher gemacht und wenn dann nur in begrenzten Mitteln und nur bei Rechten" so Deffner. Ein weiteres Zitat: "Jede Form von Extremismus ist eine Gefahr für die Demokratie - dafür gibt es den Staatsschutz und den Verfassungsschutz um solche extremistische Gruppen und Vereine zu erkennen und zu bekämpfen das ist unsere Aufgabe." Über die Demonstration gegen den Donner-Versand sagte der Staatsschützer seien von den Antifas auch Steine geschmissen worden. Dieses ist nicht geschehen, wie uns nachher ein Vertreter der Antifa Hemer versicherte, der bei der Demo selber dabeigewesen ist.

    Teilnehmer der Dortmunder antifaschistischen Demonstration waren anwesend und beklagten sich über das harte Vorgehen der Polizei, die viele Antifas einkesselte. Eine Teilnehmerin der Dortmunder Demo erläuterte: "Die Polizei knüppelt nach links und streichelt nach rechts. Erst kesselten sie uns ein und dann beschützten sie die Nazis auf dem Weg zum Bahnhof" und "die Polizisten sprachen über die Demonstranten als linke Zecken". Herr Opitz von der Polizeigewerkschaft meinte, dies seien alles bedauerliche Einzelfälle, aber "bei den jungen Polizisten überwog ein Angstgefühl", da "diese von Steinen angegriffen wurden". Die "Polizisten seien sehr weisungsgebunden und manchmal werde eine harte Gangart angeordnet". Die Polizei als solche sei nicht rechtsradikal - alles wären Einzelfälle.

    Zum Ende der Veranstaltung sprach ein Asylbewerber aus dem Kamerun sich gegen die Residenzpflicht aus. Der Kampf gegen Rassismus hätte bei dieser Veranstaltung nichts mit den Opfern rassistischer Gewalt zu tun. Rassismus sei in der BRD kulturell verwurzelt. Diese Veranstaltung würde nur stattfinden, weil die Presse anwesend sei. "It´s a public show!" so der Flüchtling. Die Redner wollten sich nur über das Thema "Rechtsextremismus" profilieren. Solche Veranstaltungen finden nach Ansicht des Asylbewerbers nur deswegen statt um das Ansehen Deutschlands in der Welt zu verbessern, so dass weiter Investitionen und Geschäfte gemacht werden könnten. Die Presse zeichne das Bild eines schlechten Ausländers, vor dem sich die Deutschen fürchten müssten. Seine Rede löste eine allgemeine Betroffenheit unter den Zuhörern aus.

    Am Schluss der Veranstaltung fragte jemand von der Schwarzen Katze wie der Staatsschutz lokal Spitzel in Organisationen reinstecken würde. Auf diese Frage hin hat Jürgen Deffner vom Staatsschutz 3 mal behauptet, er hätte die Frage nicht verstanden und dann ergänzte er unter dem Gelächter der Anwesenden: "Wir haben keine Spitzel in Organisationen. Der Verfassungsschutz macht das - nicht der Staatsschutz!" Danach führte er mit jemand vom Radioverein MK ein Interview über die lokale rechte Szene. Sendetermin wird noch bekanntgegeben.