Nazidemo in Lüdenscheid am 28.04.01
Schwarze Katze Sonderseite

Bilder Demo 28.04.02 in Lüdenscheid
Bericht der Antifa Hemer über die rechte Demo in Lüdenscheid vom 28.04.01
Bericht über die Demo in Lüdenscheid vom 28.04.01 Demoreports
Neue Nazi-Demo am 28.04.01! Antifa Hemer
Bericht Videotext 28.04.01
Es soll wieder friedliche Aktion gegen rechte Demo geben WR 14.03.01
Rechte Szene plant wieder Demonstration LN 15.03.01
"Bürger können der Polizei trauen" LN 17.03.01
Rechte Demo verboten - Landrat duldet keine NS-Verherrlichung LN 06.04.01
Platzverweis für Neonazis angepeilt LN 24.04.01
Rechte dürfen doch wieder demonstrieren LN 24.04.01
Polizei-Präsenz wird in Brügge deutlich geringer ausfallen WR 26.04.01
"Wir lassen uns unsere Demokratie nicht kaputt machen" WR 26.04.01
Landrat zu Nazi-Demo: "Bürger sollten Brügge meiden" WR 27.04.2001
Strategie der Trennung: Brügge soll ruhig bleiben LN 28.04.01
SPD erschrocken über Schmidts Schweigen LN 28.04.01
Eine Stunde brauner Spuk LN 30.04.2001
Timo Pradel von der NPD MK äussert sich im LN-Forum
Naziaufmarsch am 28.4. in Lüdenscheid stoppen! NO PASARAN!, 19.04.01
AAL Presseerklärung


Bilder vom 28.04.01 in Lüdenscheid
Klick auf die Bilder, dann werden sie grösser.

Bahnhofsvorplatz Lüdenscheid Bahnhofsvorplatz Lüdenscheid Bahnhofsvorplatz Lüdenscheid
Bahnhofsvorplatz Lüdenscheid Bahnhofsvorplatz Lüdenscheid Bahnhofsvorplatz Lüdenscheid
Bahnhofsvorplatz Lüdenscheid Bahnhofsvorplatz Lüdenscheid Bahnhofsvorplatz Lüdenscheid
Christian Worch kämpft gegen Drogenmissbrauch Die Polizei entfernt ein verbotenes Plakat Brügge
Brügge Brügge Brügge
Brügge Diese Menschen fordern die Todesstrafe für Volksverräter Brügge

Bericht der Antifa Hemer über die rechte Demo in Lüdenscheid vom 28.04.01

Städtebericht der Antifa Hemer vom 01.05.01

Am Samstag, 28.4.01 fand in Lüdenscheid unter dem widerlichen Motto "Für die Zukunft der deutschen Jugend - Gegen Drogen, Kinderschänder und Vergewaltiger" eine Nazidemo statt. Ein Hagener vom Nationalen Widerstand Hagen/Lüdenscheid hatte das angemeldet. Die NPD Märkischer Kreis liess es sich nicht nehmen die nationale Demo zu unterstützen.

Die nur 40 Nazis zogen z.T. Hitler-Gruss-zeigend durch Lüdenscheid. Unter Rufen wie "Hier marschiert die deutsche Zukunft" und "Ali Mehmet Mustafa - geht zurück nach Ankara" wurden die "stolzen Deutschen" von der Polizei vor den Antifas beschützt. Die Republikaner wollten auch einen Infostand machen. Als sie allerdings ca. 40 Antifas sahen liessen sie von ihrem Vorhaben ab. Die Polizei kesselte im Verlauf der Demo Antifas ein und erteilte Platzverweise.

Eine Journalistin, die sich in den Nazi-Pulk getraut hatte, wurde auf das übelste beschimpft . Daraufhin wurde ein Nazi von der Polizei festgenommen und die Journalistin von der Polizei rausgeholt. Eine schlechte Presse macht sich halt nicht gut für die Polizei...

Interessant war, dass nur relativ wenige Nazis aus dem Märkischen Kreis kamen. Die meisten kamen aus dem Ruhrgebiet. Siegfried Borchard, auch SS-Siggi genannt, der frühere Führer der "Borussenfront" war mit einigen Kumpanen dabei.

Der Bahnhof war mit Antifa-Spuckies und Parolen verschönert worden. "No Pasaran!" mussten die Nazis auf ihrer Demoroute lesen. Dies bedeutet "Sie werden nicht durchkommen" und war die anarchistische Parole in Spanien 1936/37 gegen die Faschisten.

Schliesslich war der grosse Moment für den mehrfachen Millionär Christian Worch gekommen. Er hielt vor seinen Kameraden eine halbstündige frei gehaltene Rede. Er fragte sich, wo Drogen herkommen würden. Natürlich aus dem Ausland war sein Ergebnis. Worch meinte, dass Deutsche deswegen Drogen nehmen würden, weil sie vom Grosskapital beeinflusst worden wären. Drogen wären ein Mittel des Grosskapitals um Deutschland zu vernichten. Am Schluss seiner Rede laberte er noch was von Voraussetzungen um ein guter Deutscher zu sein. Sie sollten ihren "Volksgenossen helfen" und "keine Drogen" nehmen. Ein Teil der Nazis hörte sich dies sichtlich angeheitert an. Kurz vorher hatten sich einige von ihnen in einer Lüdenscheider Kneipe gut mit Bier versorgt.

Antifa Hemer c/o
Schwarze Katze
Postfach 41 20
58664 Hemer


Bericht über die Demo am 28.04.01 in Lüdenscheid!
Demoreports

Lüdenscheid, 28.04.2001 Der ursprünglich am 28.April in Lüdenscheid (Sauerland) geplante Aufmarsch wurde in das nahe gelegene Dorf Brügge verlegt. Beim Veranstalter handelte es sich um den bekannten Hamburger Neonazi Christian Worch. Es waren im Vorfeld Gegendemonstrationen generell verboten und seitens der Verwaltung dazu angehalten worden, von jeglichen Protesten abzusehen. Der Landrat der Region hatte die Bewohner von Brügge dazu aufgefordert, bei Vorbeiziehen des Aufmarsches die Fensterläden geschlossen zu halten (damit die rechtsradikalen Demonstranten sich abgewiesen fühlen sollten); dieser Aufforderung wurde von der Bevölkerung nicht nachgekommen. Gegen 14 Uhr versammelten sich am Bahnhof Lüdenscheid ungefähr 50 vorwiegend aus der linken Szene stammende Gegendemonstranten. Sie wurden zusammen mit einigen sich dort zufällig aufhaltenden Personen auf dem Bahnhofsvorplatz eingekesselt. Kurze Zeit später wurden die Personalien der Eingeschlossenen aufgenommen, die teilweise im Zug einer Erkennungsdienstlichen Behandlung fotografiert wurden. Ihnen wurden Platzverweise für das Bahnhofsgelände und die gesamte Ortschaft Brügge erteilt. Die gesamte Aktion verlief vollkommen friedlich und relativ schnell.

Um 14 Uhr begann der angemeldete Aufmarsch in Brügge und verlief ohne Störungen. Der Redner C.Worch konzentrierte sich in seiner Ansprache hauptsächlich auf Strafrecht und Drogenpolitik, wobei er u.a. ,,Todestrafe für Kinderschänder, Dealer und Volksverräter" forderte und unter dem Motto ,,Deutsche Jugend drogenfrei" nahelegte, dass eine nationale Gesinnung die Jugend vor Drogenkonsum schütze. Während des Aufmarsches skandierten die ca. 45 Demonstranten Parolen wie ,,Deutschland ist größer als die BRD", ,,ob Ost, ob West:nieder mit der roten Pest", ,,Ausländer rein, wir sagen nein" und ,,Mehmet; Ali; Mustafa; Geht zurrück nach Ankara". Die leztgenannte Parole war auf einer Demonstration in Dortmund im vorigen Monat noch als Volksverhetzung klassifiziert gewesen; auf Nachfrage gab die Sprecherin der Polizei in Brügge an, sie wüßte die rechtliche Lage in diesem Fall nicht. Das Verbot gegen Gegendemonstrationen galt hierbei auch für die stumme Meinungsäußerung einzelner, so wurde z.B. ein DINA3 Plakat mit der Aufschrift ,,Für eure Meinung gibts keine Begründung" , das von einer Person gehalten wurde, sofort von der Polizei entfernt. Während der Demonstration kam es zu zwei Ingewahrsamnahmen wegen Beleidigung und zeigen des Hitler Grußes.


Antifa Hemer: Neue Nazi-Demo am 28.04.01 in Lüdenscheid!
Quelle: Schwarze Katze Rundbrief 14.03.01

Antifa Hemer: Der "Nationale Widerstand Hagen/Lüdenscheid" ruft zusammen mit der NPD MK und anderen Rechten für den 28.4.01 in Lüdenscheid zu einer Demo auf. Unter dem Motto: "Für die Zukunft der deutschen Jugend - gegen Drogen, Kinderschänder und Vergewaltiger". Anmelder der Demo ist ein Hagener Nazi. Eins ist sicher: Den Nazis wird an diesem Tag die Strasse nicht alleine gehören!

In Dortmund wurden Kinder und Jugendliche bei einer Antifa-Demo eingekesselt und von der Polizei auf das übelste beschimpft. Aus den von der Polizei Drangsalierten hat sich die "Notgemeinschaft Polizeikessel-Betroffener NRW" gegründet. Sie haben eine gute Webseite erstellt: http://jugendgegenrechts.org

Sie weisen auf ihrer Internetseite auf folgendes hin: "Der 5. Senat des Oberverwaltungsgerichts Münster hat am 2.3.01 in einem Beschluss die Dortmunder Polizeikessel als Unrecht bezeichnet. "Eine öffentliche Versammlung verliert nicht dadurch den von der Verfassung garantierten Schutz der Versammlungsfreiheit, dass einige wenige Teilnehmer Straftaten begehen." Der Polizei wurde untersagt, am 3.3.01 eine Versammlung ohne vorherige Auflösung (dies muss gut hörbar und mehrmals geschehen!!!) einzukesseln."


Bericht Videotext 28.04.01
Heute haben in Lüdenscheid (NRW) etwa 60 Rechtsextremisten demonstriert; erwartet wurden etwa 400 Teilnehmer. Es gab zwei Festnahmen.


Es soll wieder friedliche Aktion gegen rechte Demo geben
Westfälische Rundschau 14.03.2001

Lüdenscheid. (rol) "Wir werden auf jeden Fall etwas machen", so die Reaktion von Bernd Benscheid, Mitglied der Lüdenscheider Friedensgruppe. Gemeint ist eine Gegenaktion zu der von der rechten Szene beantragten Demonstration am 28. April in Lüdenscheid.

"Wir können nicht ruhig sein - das ist meine persönliche Meinung dazu", sagte Benscheid weiter. Pläne für eine Gegenveranstaltung gibt es aber noch nicht. "Am Montag treffen wir uns, dann werden wir auch den 28. April besprechen." Benscheid hofft in diesem Zusammenhang, dass es zu einer gemeinsamen friedlichen Aktion aller Gruppierungen kommen wird.

So ist es auch für den 30. Juni vorgesehen. Nachdem im vergangenen Jahr das erste geplante Friedensfest buchstäblich ins Wasser fiel, hofft die Friedensgruppe, mit dem Termin Ende Juni einen sommerlichen Tag zu erwischen. Es soll, so die Vorstellungen der Friedensgruppe, ein großes Fest bis in den Abend hinein werden. Alle Altersschichtensollen mit einem bunten Programm angesprochen werden. Es haben sich bereits einige Gruppen gemeldet, die kostenlos auftreten wollen.

Das ist auch wichtig für die Friedensgruppe, denn ein großes finanzielles Polster besitzt sie nicht. Erfreulich für die Mitglieder ist dabei die Tatsache, dass die letzte Kulturaktion auf dem Sternplatz kein finanzielles Fiasko wurde. "Wir haben doch breite Unterstützung gefunden, und durch die Verkäufe von Glühwein oder Plaketten konnten wir die Kosten decken", sieht Benscheid das auch als Ansporn an, weiter zu machen.

Themen hat die Friedensgruppe beim nächsten Treffen, das am kommenden Montag, 19. März, um 19 Uhr in der Theaterschänke an der Freiherr-vom-Stein-Straße statt findet, also genug.

Im Vordergrund stehen wird aber zunächst die Unterstützung der "Aktion Noteingang - dem Hass keine Chance", die am Samstag, 24. März, im Pfarrsaal St. Joseph und Medardus an der Jokuschstraße stattfindet.

Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind übrigens zu diesem Treffen in der Theaterschänke eingeladen. Auch entsprechende Vorschläge zu den geplanten Aktion sind willkommen.


Rechte Szene plant wieder Demonstration
Lüdenscheider Nachrichten vom 15.03.01

Kreispolizei bestätigt Antrag einer Privatperson. Unterstützung von Rechtsextremen. Friedensfest Ende Juni auf Sternplatz.

LÜDENSCHEID. Die Kreispolizeibehörde muss sich erneut mit einem Demonstrationsantrag aus der rechten Szene beschäftigen. Dies bestätigte gestern ein Polizeisprecher. Der Antrag sei am 28. Februar eingegangen. Darin werde der Termin 28. April ab 15 Uhr in Lüdenscheid genannt. Antragsteller sei nicht die NPD, sondern eine Privatperson.

Allerdings unterstützen die rechtsextremen Gruppierungen, die auch die Demonstrationen am 26. Januar und am 24. Februar in Lüdenscheid organisiert haben, das Thema der Kundgebung, das im Internet nachzulesen ist: "Für eine Zukunft der Deutschen Jugend, gegen Drogen, Kinderschänder und Vergewaltiger."

Sollte die Demonstration in Lüdenscheid genehmigt werden, wäre es innerhalb weniger Monate die dritte dieser Art. Noch ist darüber allerdings nicht entschieden. Wie bei Anträgen auf Demonstration üblich, werden mit dem Antragsteller in den nächsten Tagen sogenannte Kooperationsgespräche geführt. Dabei geht es um die rechtlichen Voraussetzungen und mögliche Auflagen.

Mit dem Rechtsextremismus beschäftigt sich auch die Lüdenscheider Friedensgruppe bei ihrem Treffen am Montag um 19 Uhr in der Theaterschänke. Besprochen wird an diesem Abend die Unterstützung der "Aktion Noteingang - dem Hass keine Chance", die am 24. März im Pfarrsaal St. Joseph und Medardus stattfindet.

Inhalt der Veranstaltung ist die Vorstellung von strukturellen und strategischen Tendenzen im aktuellen deutschen Rechtsextremismus, Gegenkultur gegen Rechts und Rechtsextremisten auf dem Daten-Highway.

Weiterhin stehen nach Angaben der Friedensgruppe am Montagabend Aktivitäten gegen Rechtsextremismus auf dem Programm und die Planungen für das Friedensfest, das von der Lüdenscheider Gruppe am 30. Juni auf dem Sternplatz durchgeführt wird.

Die Lüdenscheider Friedensgruppe hat übrigens bisher noch keine Antwort von Landrat Aloys Steppuhn erhalten. Kreispolizeichef Karl-Heinz Braun war von der Friedensgruppe wegen einiger Äußerungen im Vorfeld der NPD-Demonstrationen in Lüdenscheid kritisiert worden. Der Landrat war um eine Stellungnahme gebeten worden.


"Bürger können der Polizei trauen"
Lüdenscheider Nachrichten vom 17.03.2001

Landrat Aloys Steppuhn nimmt in einem offenen Brief an Morisse Stellung zu Vorwürfen gegen Polizeichef Braun

LÜDENSCHEID Gestern hat sich Landrat Aloys Steppuhn zu Wort gemeldet. Der CDU-Politiker nimmt in einem offenen Brief an Hermann Morisse, führendes Mitglied der Lüdenscheider Friedensgruppe, Stellung zu den Vorwürfen, welche die Friedensgruppe gegen den Leitenden Polizeidirektor Karl-Heinz Braun erhoben hat.

Die Friedensgruppe hatte Braun unter anderem "Zensur" eines LN-Interviews mit Lüdfenscheids Polizeichef Dietmar Henning und unzureichende Distanz zur NPD vorgeworfen.

Auszugsweise veröffentlichen wir diesen Brief nachstehend:

"1. Herr Ltd. Polizeidirektor Braun ist Polizeibeamter des Landes Nordrhein-Westfalen und war als Einsatzleiter Polizeiführer des durchgeführten Demonstrationseinsatzes. Er ist nicht Behördenleiter der Kreispolizeibehörde, sondern Behördenleiter ist der Landrat. Gerade als verantwortlicher Polizeiführer ist er zwingend zur Neutralität verpflichtet. Aus der Betonung der Neutralität polizeilichen Handelns den Schluss auf etwa Sympathien für extreme politische Positionen zu ziehen, ist unlogisch und nicht nachvollziehbar.

Die Aussage von Herrn Braun 'Wir müssen unsere Arbeit neutral verrichten' ist daher absolut nicht zu beanstanden, sondern wird von einem verantwortungsbewussten Polizeiführer geradezu gefordert.

Denn die Polizei hat in jedem Einsatz - vor allem bei Demonstrationen - ihr Verhalten an Recht und Gesetz auszurichten. ... Dabei haben die Polizeibeamten insgesamt ihre persönlichen Einstellungen und politischen Ansichten zurückzustellen. Die Polizei darf auf keinen Fall politisch entscheiden. Die bitteren Erfahrungen mit einer politischen Polizei in Deutschland dürfen sich nicht wiederholen.

2. Die politische Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus wird von mir ausdrücklich begrüßt. ... In diesem Zusammenhang verweise ich insbesondere auf die unter meiner Schirmherrschaft stehende Aktion "Wir im Märkischen Kreis - für mehr Toleranz, für mehr Aufmerksamkeit, für Nächstenliebe".

3. Im Rahmen dieses kreisweiten Konzeptes gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit hat die Polizei im Märkischen Kreis eine feste Position und einen klaren Auftrag. Beispielhaft sind folgende Aktivitäten zu nennen:

a) Bildung eines Präventionsteams mit der Zielsetzung, Aufklärungsarbeit insbesondere in Schulen zu den Themen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zu leisten,

b) Zusammenarbeit mit externen Institutionen, Jugendverbänden, Schulen, Bildung von Ordnungspartnerschaften,

c) Fortbildungskonzeption für Mitarbeiter und Mitarbeitrinnen der KPB Lüdenscheid zu den Themen 'Polizei und Fremde' sowie 'Handlungskonzept gegen Fremdenfeindlichkeit'.

Alle diese Aktivitäten hat Herr Braun in seiner Funktion als Leiter der Abteilung Gefahrenabwehr/Strafverfolgung meiner Behörde an entscheidender Stelle in der Polizei eingeleitet, unterstützt und veranlasst.

4. Die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus hat nur eine Chance auf Erfolg, wenn sie auf geistiger Ebene erfolgt, unter Ausschluss jeglicher Gewaltanwendung. ... Leider ist im Alltag festzustellen, dass die Auseinandersetzung gerne auf der Straße gesucht wird, wobei es anlässlich von Demonstrationen auch zu körperlichen Auseinandersetzungen kommt. Dies hat die Polizei als Garant für die öffentliche Sicherheit - sogar mit Gewalt - zu unterbinden, ebenfalls ohne Ansehen der Person und deren politischer Position. Dies macht aber auch deutlich, dass nur eine politisch neutrale Polizei Garant für die Sicherung der freiheitlich demokratischen Grundordnung sein kann.

5. Das in Rede stehende Interview mit dem Leiter der Polizeiinspektion Lüdenscheid war vor einem anderen Hintergrund und nicht als Nachbetrachtung des Demonstrationseinsatzes verabredet worden.

In der Polizei bestehen klare Regelungen, wer zu welchem Thema Presseauskünfte zu geben berechtigt ist. So ist gesetzlich festgelegt, dass Presseauskünfte prinzipiell nur der Behördenleiter oder - je nach Bedeutung des Sachverhaltes - bestimmte von ihm beauftragte Mitarbeiter erteilen können. Deswegen war Herr Henning als einer von zehn Abschnittsleitern des Einsatzes am 24. Februar nicht befugt, Auskünfte zum Gesamteinsatz zu erteilen, den Herr Braun persönlich mit Erfolg geführt hat. Mit der Funktion als Polizeiinspektionsleiter Lüdenscheid, die Herr Henning anerkennenswert gut wahrnimmt, stand dies in keinem Zusammenhang. Was soll an einem solchen Vorbehalt zu Presseauskünften fragwürdig sein? So wie ein Bürgermeister einer Stadt oder ein Firmenchef sich Presseauskünfte ... vorbehalten kann und nicht seine Abteilungsleiter oder Unterabteilungsleiter dazu berechtigt, so verhält es sich eben auch bei der Polizei.

6. Abschließend stelle ich als Landrat und Behördenleiter der Kreispolizeibehörde Lüdenscheid fest, dass der bisher größte, schwierigste und brisanteste Einsatz in unserer Behörde auf Grund sorgfältiger Planung, umfassender Vorbereitung und professioneller Durchführung weitestgehend störungsfrei abgelaufen ist.

Ich bedanke mich bei allen eingesetzten Beamtinnen und Beamten für die gute Arbeit und weiß, dass die Bürgerinnen und Bürger im Märkischen Kreis auf ihre Polizei vertrauen können und Ihrer Polizei auch trauen können.

Gerade weil dies so ist, ist Ihr offener Brief umso unverständlicher.

Zahlreiche Polizisten und Polizistinnen auch des Märkischen Kreises fühlen sich von dem offenen Brief im Namen der Friedensgruppe ungerechtfertigt angegangen und stark betroffen. Im täglichen Dienst für den Bürger zeigen sie fortwährend Bereitschaft, für unseren demokratischen Rechtsstaat einzustehen; wie traurige Beispiele aus dem letzten Jahr zeigen; wenn nötig mit ihrem Leben."


Rechte Demo verboten

Landrat duldet keine NS-Verherrlichung
Lüdenscheider Nachrichten 06.04.01

LÜDENSCHEID Landrat Aloys Steppuhn hat die für den 28. April in Lüdenscheid angemeldete rechtsextreme Demonstration gestern Nachmittag verboten. Der Antragsteller aus Hagen sei eindeutig dem rechtsradikalen Spektrum zuzuordnen und Mitglied des Nationalen Widerstandes Hagen-Lüdenscheid, so der Landrat in seiner Begründung. "Verbotsgründe sind im Wesentlichen für mich, dass mit der Durchführung dieser geplanten Demo eine Verherrlichung des Nationalsozialismus einher geht." Eine solche Verherrlichung werde im Kreisgebiet auf keinen Fall geduldet.

Der Veranstalter wollte die Demonstration auf dem Bahnhofsvorplatz stattfinden lassen und anschließend mit seinen Gesinnungsgenossen durch "verschiedene Straßen in Innenstadtnähe" ziehen, teilt Steppuhn mit. Es seien 200 bis 400 Teilnehmer erwartet worden.

Er habe alle "Register gezogen, um zu verhindern, dass es neuerlich zu einem Aufzug von Rechtsradikalen in Lüdenscheid kommt", erklärt der Landrat - in der Hoffnung, "dass in diesem Falle die Gerichte mitziehen". omo


Platzverweis für Neonazis angepeilt
Lüdenscheider Nachrichten 10.04.01

LÜDENSCHEID Die Friedensgruppe Lüdenscheid lässt in ihrem Protest gegen neonazistische Aktivitäten nicht locker. Jetzt hat die Vereinigung die Betreiber von Lüdenscheider Gaststätten, Cafés, Restaurants, Hotels und Pensionen angeschrieben und um Unterstützung bei der Abwehr rechtsradikaler Tendenzen in der Gesellschaft gebeten.

Unter dem Motto "Kein Raum für Rechtsextremisten und Faschisten" sollen die örtliche Gastronomen Neonazis künftig keine Veranstaltungssäle und Unterkünfte mehr zur Verfügung stellen. In der Vergangenheit war das bisweilen vorgekommen.

Zwar ist den Mitgliedern der Friedensgruppe durchaus bewusst, dass dabei auch finanzielle Interessen der Wirte und Hoteliers auf dem Spiel stehen. Trotzdem werben die Friedensfreunde um Verständnis für ihre Forderung. "Denn Menschlichkeit und das friedliche Zusammenleben in unserer Stadt", so die Argumentation in Reihen der Gruppe, "sollten Vorrang vor wirtschaftlichen Erwägungen haben".

Dokumentieren können die Gastronomen ihre Abneigung gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass übrigens mit einem entsprechenden Aufkleber an der Tür, der ihnen von der Friedensgruppe zugesandt wurde.

Nach Einschätzung der Friedensgruppe müssen die Gastwirte bei Anmeldungen unter folgenden Bezeichnungen mit rechtsextremen Veranstaltungen in ihrem Betrieb rechnen: Sauerländer Aktionsfront (SAF), Deutsches Kulturwerk europäischen Geistes, Deutschland-Bewegung, Kameradschaft Hagen-Lüdenscheid, Nationaler Widerstand Hagen-Lüdenscheid, NPD, Freie Nationalistische Ruhr, Siegener Bärensturm, Freundeskreis Partei Neue Ordnung, Konservativer Gesprächskreis und Widerstandsbüro West. dt


Rechte dürfen doch wieder demonstrieren
Verwaltungsgericht Arnsberg hebt Verbot des Landrates für Samstag auf
Lüdenscheider Nachrichten 24.04.01

LÜDENSCHEID Die Rechten dürfen am Samstag wieder in Lüdenscheid aufmarschieren. Gestern hat die 3. Kammer des Arnsberger Verwaltungsgerichtes die Verbotsverfügung der Kreispolizei vom 5. April aufgehoben.

Entgegen der Einschätzung des Polizeichefs, Landrat Aloys Steppuhn, sehen die Richter "keine hinreichend konkrete Gefahr für die öffentliche Sicherheit", teilt der Sprecher des Verwaltungsgerichtes mit. Damit orientieren sich die Arnsberger Juristen an den "hohen Anforderungen" im Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes, das am 24. März im Vorfeld der rechten Demo eine "hinreichend sichere Prognose" forderte, dass es zu Straftaten kommt. Mit diesem Argument erkennen die Richter zwar an, dass durch den rechtsextremen Hintergrund der Demo ein Verstoß gegen die öffentliche Ordnung erkennbar sei, hoben das Verbot durch den Landrat jedoch trotzdem auf.

Inwieweit das ebenfalls für Samstag, ab 11.15 Uhr, geplante "Bahnhofs-Informationsfest" der Lüdenscheider Grünen von der neuen Entwicklung betroffen ist, erscheint derzeit unklar. Zu dem Fest werden mindestens 400 Gäste erwartet, unter anderem Landtagsabgeordnete der Grünen sowie von SPD und CDU. Die Veranstalter haben von der Polizei bereits eine Genehmigung.

Johannes Eckermann, einer der beiden Vorsitzenden vom Lüdenscheider Bündnis90/Die Grünen, zeigte sich gestern überrascht von dem Arnsberger Urteil. Gegenüber den LN kündigte er an, sich neu mit seinen Mitstreitern beraten zu wollen.

Auch Landrat Steppuhn war gestern noch nicht zu einer Stellungnahme bereit. "Ich werde das Urteil prüfen lassen und dann entscheiden, ob ich dagegen Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einlege."

Ein Polizei-Sprecher sagte: "Der Einsatz war vorsichtshalber sowieso durchgeplant, weil das Verwaltungsgericht sich bisher nicht geäußert hatte." Jetzt müsse man alle Punkte neu abwägen. Zur Frage, ob die Rechten mit der Bahn anreisen und in das Fest der Grünen platzen wollten, sagte der Sprecher: "Mit Sicherheit."


Polizei-Präsenz wird in Brügge deutlich geringer ausfallen
Westfälische Rundschau Lüdenscheid 26.04.01

Lüdenscheid. (rol) Der rechte Demonstrationszug am Samstag, 28. April, findet diesmal nicht im Lüdenscheider Zentrum statt. Da bereits die Veranstaltung der Grünen am Bahnhof (Informationsfest) genehmigt war, bekam der Hagener Veranstalter die Auflage, die Demonstrationsteilnehmer am Brügger Bahnhof aussteigen zu lassen.

Zu einem Kooperationsgespräch zwischen Kreispolizeibehörde und dem aus Hagen stammenden in der rechten Szene bekannten Antragsteller wird es wohl nicht mehr kommen, da er die Auflagen anerkannt hat. Im Internet ist der Aufruf entsprechend geändert worden.

Polizei-Pressesprecher Michael Bechatzek bestätigte gestern auf Anfrage der WR, dass der Treffpunkt der Rechten um 14 Uhr am Brügger Bahnhof sein wird und die Demonstration um 15 Uhr beginnen soll. Dabei wird es sicherlich zu Verkehrsbehinderungen auf den Bundestraßen 54/229 kommen.

"Eine Nummer kleiner fahren", so Bechatzek, wird die Polizei diesen Demo-Tag in Brügge. Im Februar waren weit über 1000 Polizisten in der Bergstadt. Trotzdem wird es natürlich verstärkte Polizeipräsenz geben, zumal die Antifa zu einem "Spaziergang" ab Post Brügge um 13 Uhr aufgerufen hat. "Ein Demonstrationsantrag der Antifa liegt uns definitiv nicht vor", so der Polizei-Pressesprecher gestern.


"Wir lassen uns unsere Demokratie nicht kaputt machen"
Westfälische Rundschau Lüdenscheid 26.04.01

Lüdenscheid-Brügge. (hgm) Während CDU-Fraktionschef August-Wilhelm Cordt den Lüdenscheider Grünen bereits dazu gratuliert hat, durch ihr morgiges Bahnhofsfest ein Aussteigen von Teilnehmern der Demo von Rechtsradikalen am Stadtbahnhof verhindert zu haben, zeigte sich die Brügger SPD-Ratsfrau Christa Stahlschmidt besorgt.

"Ich bitte alle meine Brügger, die Ruhe zu bewahren, wenn die ,Neos´ wegen des Festes am Lüdenscheider Bahnhof in Brügge aussteigen müssen und hier marschieren", schrieb Christa Stahlschmidt gestern in einer Stellungnahme.

Sie vertraue auf die Begleitung der Polizei, "die das bisher dankenswerterweise mit Umsicht und Fingerspitzengefühl gehändelt" habe. "So lange die Rechtslage ist, wie sie ist, müssen wir das über uns ergehen lassen", schrieb die Sozialdemokratin weiter. "Das bedeutet ja nicht, dass wir das Problem aussitzen, sondern dass wir Demokraten sind und nicht Gewalt mit Gewalt erwidern. Unsere Demokratie lassen wir uns nicht kaputt reden oder kaputt machen."

Sie wolle "nicht noch einmal ein ,1000-jähriges Reich´ erleben. Ich möchte nicht, dass Menschengruppen - aus welchem Grund auch immer - verfolgt, gedemütigt, gequält und umgebracht werden. Und ich möchte nicht, dass sich noch einmal so ein Frauenbild einführt wie im 3. Reich."


Landrat zu Nazi-Demo: "Bürger sollten Brügge meiden"
WR 27.04.2001

Lüdenscheid. (flo) Mit massiver Polizeipräsenz und der strikten Trennung von Rechtsextremen und Gegendemonstranten will die Polizei heute in Brügge die Sicherheit der Bürger und das Recht auf Versammlungsfreiheit durchsetzen.

Weder Landrat Aloys Steppuhn als Behördenchef noch Karl-Heinz Braun, Leitender Polizeidirektor und Einsatzleiter, ließen Zweifel daran, dass die unter Auflagen genehmigte Demonstration ab dem Brügger Bahnhof zur Brügger Schule Schutz vor Störern genießen werde.

Erwartet werden Proteste seitens der Autonomen Antifa, die aber für ihr Vorhaben keine Genehmigung besitzt und im Fall von Störungsversuchen damit rechnen müsse, "mit polizeilichen Maßnahmen überzogen zu werden", wie Braun klar stellte. Dazu komme, dass alle Versuche der Polizei, mit der Antifa deeskalierende Gespräche aufzunehmen, von den Autonomen abgeblockt worden seien.

Aus seiner Sicht als gewählter Landrat des Märkischen Kreises machte Steppuhn aber auch keinerlei Hehl daraus, dass er die zeitgleichen Veranstaltungen im Lüdenscheider Innenstadtgebiet ausdrücklich begrüße. Er rufe alle Bürger dazu auf, Brügge heute zu meiden und stattdessen die Veranstaltungen in der Stadt zu besuchen. Sollten die Bürger in Brügge mit heruntergelassenen Rolläden auf die rechtsextremistische Demonstration reagieren, würde ihn dies ebenfalls freuen.

Der Schwerpunkt der polizeilichen Aktivitäten wird danach heute in Brügge liegen. Zur erwarteten Zahl von DemontrationsteilnehmerInnen hat die Polizei keine verlässlichen Anhaltspunkte, und über die Zahl der eingesetzten Beamten wollte Braun aus taktischen Gründen keine Angaben machen.

Bereits gestern waren Kontaktbeamte in Brügge unterwegs, die die Bürger über die erwartete Lage informierten: mögliche Sperrungen, Verkehrsbehinderungen, blockierte Parkplätze etc.

Der Aufmarsch der Rechtsextremen heute Nachmittag ist genehmigt unter verschiedenen Auflagen, was beispielsweise das Tragen von Fahnen, Bomberjacken und Kampfstiefeln oder bestimmte Parolen angeht.

Insgesamt sahen die Verantwortlichen der heutigen Demonstration mit Zuversicht ins Auge: "Ich bin überzeugt, dass unsere Demokratie diese Situation aushalten muss und wird", sagte Steppuhn.


Strategie der Trennung: Brügge soll ruhig bleiben
Lüdenscheider Nachrichten 28.04.01

Polizei trifft umfangreiche Vorsorgemaßnahmen für Demonstration. Landrat fordert Bürger auf, zur Friedensdemo in Innenstadt zu kommen.

LÜDENSCHEID Starke Polizeiaufgebote werden heute "Lüdenscheids Stadtmitte und den Ortsteil Brügge abdecken". Das kündigte Kreis-Polizeichef Karl-Heinz Braun gestern vor dem Hintergrund der Demonstration an, zu der heute 200 bis 400 Rechtsradikale in die Kreisstadt kommen wollen.

Die Behörde setzt auf die Strategie der Trennung, "um jegliche Konfrontation auf der Straße zu vermeiden", sagte Braun weiter. Die Neonazis werden ab 15 Uhr vom Bahnhof Brügge aus über die Volmestraße in Richtung Schalksmühle und dann die Parkstraße hoch bis zur Grundschule Brügge gehen, dort eine Kundgebung veranstalten und wieder zurück zum Bahnhof geleitet.

Nach der vom Verwaltungsgericht aufgehobenen Verbotsverfügung ist Aloys Steppuhn als Leiter der Kreispolizeibehörde gezwungen, den "ordnungsgemäßen Ablauf der Demonstration sicherzustellen", wie er gestern sagte. In seiner Funktion als politisch gewählter Landrat aber erklärte er: "Ich bin überzeugt, dass unsere Demokratie eine derartige Situation aushalten kann und wird." Er freue sich über die zeitgleich stattfindenden Veranstaltungen in der Innenstadt und fordere die Bevölkerung auf, daran teil zu nehmen, so Steppuhn.

"Gleichzeitig bitte ich die Bürger, Brügge zu meiden, um den Aufmerksamkeitswert durch die rechtsextremistische Demonstration so gering wie möglich zu halten." Wenn die Brügger Anlieger die "Rolläden runter lassen", sei das ein persönliches Signal, über das er sich freuen würde.

Zwar erhofft sich die Polizei durch die räumliche Trennung laut Karl-Heinz Braun "eine bessere Ausgangsposition". Doch ob die Autonome Antifa aus Lüdenscheid mit spielt, ist zweifelhaft. In einer öffentlichen Erklärung hatte die Linke zu einem "Antifaschistischen Spaziergang" in Brügge aufgerufen. Eine formelle Anmeldung dafür erfolgte nicht. Wie die Polizeiführung berichtete, seien Kooperationsgespräche mit Antifa-Vertretern nicht zustande gekommen. Braun: "Sie waren weder telefonisch noch per Fax noch persönlich ansprechbar. Sie haben sich verweigert."

Die Polizeiführung befürchtet, dass es in Brügge zu einer direkten Auseinandersetzung zwischen den Demonstranten kommen wird und will frühzeitig Platzverweise aussprechen. Braun: "Wer nicht nach Brügge kommt, hilft uns bei unserer praktischen Arbeit." Potentielle Störer müssten damit rechnen, mit "polizeilichen Maßnahmen überzogen zu werden".

Für weitere Informationen hat die Polizei ein Bürgertelefon eingerichtet. Es ist zwischen 8 und 20 Uhr unter der Rufnummer 0 23 71 / XXXX zu erreichen.


SPD erschrocken über Schmidts Schweigen
Lüdenscheider Nachrichten 28.04.01

Unverständnis über Rolle des Bürgermeisters im Vorfeld der Rechten-Demo. Sozialdemokraten fordern gemeinsames Vorgehen gegen Neonazis

Von Karsten Steinhauer

LÜDENSCHEID Kopfschütteln bei Klaus Crummenerl. "Das ist viel zu wenig", kommentierte der Stadtdirektor a.D. die Bereitschaft in Lüdenscheid, den Neonazis die Stirn zu bieten. Führende SPD-Mitglieder appellierten am Donnerstag an alle demokratischen Parteien, die Kirchen und die Bürger, mit ihrer Teilnahme an der heutigen Mahnveranstaltung der Friedensgruppe (15 Uhr, Sternplatz) gegen den rechten Aufmarsch ein gemeinsames Zeichen zu setzen.

Unverständnis bei der Veranstaltung des Ortsvereins Honsel/Worth zum aktuellen Thema "Faschismus" zeigten Sozialdemokraten über die Rolle des Bürgermeisters im Vorfeld der Rechten-Demo. Es sei erschreckend, so Ortsvereins-Chef Jörn Janik, wie der erste Mann der Stadt dem Aufmarsch begegne. "Schmidt sagt und tut gar nichts", kritisierte Janik im Bürgerhaus Lenneteich. Sein SPD-Ortsverein wird heute und am 5. Mai in der Oberstadt Flugblätter gegen die Neonazis verteilen.

Für den Bundestagsabgeordneten Dieter Dzewas, der über Maßnahmen gegen Fremdenfeindlichkeit und rechte Gewalt auf Bundesebene informierte, ist die Haltung der Union insgesamt ein wahltaktisches Manöver. Rund 13 Prozent der Bevölkerung seien anfällig für rechte Parolen, so das Ergebnis von Studien, die zudem zeigten: "Rechtsradikalismus ist kein Jugendphänomen." Auch SPD-Anhänger seien durch Einwanderung und Existenzangst verunsichert, betonte Dzewas, der im Gespräch vor Ort Ängste abbauen will.

Karl-Heinz Blasweiler plädierte für eine Offensive der Linken, um "die Leute gegen das Rattenfänger-System immun zu machen". Der Kämmerer an die Adresse der Polizei: "Nicht die Antifa ist der Störer." Welche Gefahren von Rechts drohen, verdeutlichte der erhellende Vortrag von Dr. Dietmar Simon über den Faschismus in Lüdenscheid bis 1933. Eine Lehre daraus formulierte Dieter Dzewas: "Zivilcourage kann nicht staatlich verordnet werden."


Polizeikessel erstickt Konfrontation im Keim
Lüdenscheider Nachrichten 30.04.01

Bahnhöfe Brügge und Lüdenscheid: 1000 Sicherheitskräfte für 57 Neonazis und knapp 100 Gegendemonstranten. Auch Unbeteiligte festgesetzt

LÜDENSCHEID Ausnahmezustand am Lüdenscheider Bahnhof: Mehrere Hundertschaften der Polizei kesselten am Samstag knapp 100 Demonstranten der heimischen Antifa ein. Kaum beachtet wurde dagegen der Aufmarsch von 57 Rechtsextremisten in Brügge. Auch die Mahnveranstaltung der Friedensgruppe wurde durch die Ereignisse an der Bahnhofsallee in den Hintergrund gedrängt. Insgesamt waren nach LN-Informationen rund 1000 Sicherheitskräfte im Einsatz. Die Polizei spricht hingegen von "deutlich unter tausend" Beamten.

Am Bahnhof in Lüdenscheid hatten sich gegen 13.30 Uhr die Antifa-Aktivisten mit Transparenten versammelt. Ein Großaufgebot der Polizei riegelte darauf hin den Sektor ab. Dabei wurden auch Teilnehmer an der laufenden Info-Veranstaltung der Grünen zur Bahn, die abgebrochen werden musste, mit festgesetzt.

Einsatzleiter Manfred Scheibe erklärte zum Vorgehen der Polizei: Die "problematische Gruppe" sei eingekesselt worden, um eine verbotene Gegendemonstration in Brügge und damit eine drohende Konfrontation mit den Rechtsextremisten zu verhindern.

Den Antifa-Mitgliedern wurde von der Polizei über Lautsprecher ein Platzverweis für das Lüdenscheider Bahnhofsgelände und den Ortsteil Brügge erteilt. Über Durchlässe wurden die Eingekesselten dann zur Feststellung der Personalien geführt und in Richtung Innenstadt entlassen. Eine Gruppe von Demonstranten bildete innerhalb des Polizeikessels einen Block, der sich aber nach Gesprächen mit Kommunikationsbeamten friedlich auflöste. Insgesamt verlief die etwa zweistündige Polizeiaktion ohne größere Zwischenfälle.

In Brügge ging unterdessen das Konzept der Polizeiführung auf: Die rechten und linken Gruppierungen trafen nicht aufeinander, die befürchtete Straßenschlacht zwischen Skinheads und Antifa-Aktivisten blieb aus. Zwar hatten Linke in der Nacht mit Spraydosen und Aufklebern ihre Parolen verbreitet.

Als die Rechtsradikalen eintrafen, gelang es den Gegendemonstranten aber nur vereinzelt, den rechten Aufmarsch zu stören. Ein 27-Jähriger aus Hamm wurde festgenommen, weil er den Hitlergruß gezeigt hatte, ein weiterer Neonazi landete im Polizeigewahrsam, nachdem er eine Passantin wüst beschimpft hatte. Nach eineinhalb Stunden war der braune Spuk ausgestanden.

In der Innenstadt herrschte derweil bei den Mitgliedern der Friedensgruppe Betroffenheit. In der Hauptsache natürlich, weil Lüdenscheid an diesem Tag einen neuerlichen Neonazi-Aufmarsch erlebte.

Bedenklich stimmte die Friedensfreunde aber auch, dass die Resonanz auf ihre Mahnwache auf dem Sternplatz im Vergleich zu früheren Protestaktionen eher gering ausfiel. Knapp 200 Bürger zeigten auf dem Sternplatz Flagge gegen Rechtsradikalismus und Fremdenhass.


Eine Stunde brauner Spuk

Lüdenscheider Nachrichten 30.04.01

Rechtsextremistische Demonstration in Brügge ohne nennenswerte Zwischenfälle. Brügger Bürger straften Skinheads mit Nichtbeachtung

LÜDENSCHEID Nach etwas mehr als einer Stunde war der braune Spuk vorbei. Die Hoffnungen der Neonazis erfüllten sich nicht. Die Brügger säumten nicht die Straße, hörten bei der Kundgebung nicht zu - und ließen vereinzelt die Rolläden an ihren Fenstern herunter, um ihre Haltung zu den Rechtsradikalen zu zeigen. Nur vereinzelt schafften es Gegendemonstranten, durch die Absperrungen der Polizei nach Brügge zu gelangen.

Angemeldet war die Demonstration für 200 bis 400 Teilnehmer. Doch eine Stunde vor deren Beginn verloren sich gerade einmal 40 Skinheads vor dem Bahnhofsgebäude. Schon eine viertel Stunde später waren es nur noch 39. Ein 27-Jähriger aus Hamm hatte den Hitlergruß gezeigt und war sofort festgenommen worden. Eine halbe Stunde später beleidigte ein 20 Jahre alter betrunkener Rechtsextremist aus Dortmund eine Passantin und Polizeibeamte und landete im Polizeigewahrsam.

Die Polizei zeigte massive Präsenz. Zu Fuß und per Auto geleitete sie den Zug der schließlich 57 Demonstranten über die Volmestraße. An der Einmündung Parkstraße, von wo aus die Skins zur Grundschule Brügge abbogen, stoppten die Beamten die lautstarken Störer, meist junge Männer, unter ihnen Ausländer und Antifa-Aktivisten.

An der Bushaltestelle vor der Schule griff die Galionsfigur der Rechten, der Hamburger Christian Worch, zum Mikro. Die Kundgebung, bei der auch der als "SS-Siggi" berüchtigte Dortmunder Skinhead Borchert zuhörte, verlief ohne Störungen.

Der Rückweg des braunen Haufens zum Bahnhof endete, wie er begonnen hatte. Unbehelligt skandierten die Demonstranten ihre Parolen.

Im Zug, mit dem das Gros der Skins abreiste, drohte die Lage noch einmal brenzlig zu werden. Denn am Bahnhof in Lüdenscheid waren linke Demonstranten eingestiegen. Der Bundesgrenzschutz besetzte den mittleren Wagen und trennte die Gegner auch hier wirkungsvoll voneinander. Auch in Dortmund wartete schon die Polizei am Bahnhof.


Timo Pradel von der NPD MK äussert sich im LN-Forum

Thema: "Rechte" Demo in Lüdenscheid verboten

Timo Pradel
Gast

"Rechte" Demo in Lüdenscheid verboten Datum: 07.04.01 um 13:41

Am 28.04.01 plant eine politisch "rechts" stehende Gruppierung eine Demonstration in Lüdenscheid. Es handelt sich hierbei nicht um die NPD, um das von vorn herein klarzustellen.

Das Motto dieser Demonstration lautet: "Für eine Zukunft der deutschen Jugend, gegen Drogen und Kinderschänder". Die Demonstration wurde mittlerweile vom Landrat des Märkischen Kreises, Aloys Steppuhn, verboten. Als Steppuhn sein Verbot am vergangenen Donnerstag bei einer Sitzung des Kreistages in Iserlohn der Öffentlichkeit bekanntgab, bekam er von allen im Kreistag vertretenen Fraktionen Applaus.

Ich kann dieses "kollektive Rinderwahnsinnsverhalten" nicht nachvollziehen. Was ist daran eigentlich so schlimm, wenn die deutsche Jugend eine Zukunft für sich einfordert, oder gegen Drogendealer und Kinderschänder auf die Straße gehen will? Sind es die "falschen Personen", die hier ihr Recht auf Versammlungsfreiheit einfordern wollen? Hat Art. 3 GG (Alle Menschen sind vor dem Gestz gleich) vor diesem Hintergrund noch Bestand?

Ich würde mich über sachliche Argumente und Antworten der Besucher dieses Forums freuen.

Timo Pradel
--------------------------------------------------------------------------------
T. Pradel
Gast

Re: "Rechte" Demo in Lüdenscheid verboten Datum: 26.04.01 um 11:45

Da keine Antwort der Forumsteilnehmer zum Diskussionsthema vorliegt, gebe ich mir hier selbst eine Antwort.

Ich finde es bedauerlich, daß hier niemand dazu in der Lage war, mit mir zu diskutieren. Und das bei einem Thema, was scheinbar viele Lüdenscheider bewegt. Wirklich traurig, dieses Armutszeugnis!

Zum zweiten stelle ich mit Genugtuung fest, daß das VG Arnsberg den Herrn Landrat Steppuhn wieder auf den Boden der Rechtsstaatlichkeit zurückbefördert hat. Mein Rat an Herrn Steppuhn: Bevor Sie wieder einmal beabsichtigen, eine "rechte" Demonstration zu verbieten, empfehle ich Ihnen und allen "Anständigen" zuvor die Lektüre des Grundgesetzes. Ihr überflüssiges Verbot, Herr Steppuhn, hat den Steuerzahler wieder einmal tausende von Marken gekostet. Man sollte Sie eigentlich persönlich für den angerichteten finanziellen Schaden verantwortlich machen!

Allen Gutmenschen wünsche ich am 28.04. ein schönes "Querstellen". Das treibt den Polizeiaufwand und die dazugehörigen Kosten in die Höhe. Der Steuerzahler dankt.

T. Pradel
--------------------------------------------------------------------------------
It's me!
Gast

Re: "Rechte" Demo in Lüdenscheid verboten Datum: 26.04.01 um 20:06

Nee, wie süß! Selbstgespräche eines Neonazi!
--------------------------------------------------------------------------------
T. Pradel
Gast

Re: Selbstgespräche Datum: 26.04.01 um 22:41

Nicht "Selbstgespräche eines Neonazis", sondern Gedanken eines klar denkenden Deutschen.
--------------------------------------------------------------------------------


Naziaufmarsch am 28.4. in Lüdenscheid stoppen! NO PASARAN!, AAL 19.04.01
Aufruf der Autonomen Antifa Lüdenscheid zur massiven Mobilisierung gegen den geplanten Naziaufmarsch in Lüdenscheid

NO PASARAN!

Aufruf der Autonomen Antifa Lüdenscheid zur massiven Mobilisierung gegen den geplanten Naziaufmarsch in Lüdenscheid:

Das Sauerland bildet immer mehr eine wichtige Achse der faschistischen Szene in Nordrhein Westfalen.

Mit dem Zuzug von einem der Führenden Personen des Nationalen Widerstandes Hagen/Lüdenscheid von Hagen nach Lüdenscheid, mit dem von Timo Pradel geleiteten Deutschem Kulturwerk, mit dem R.&K. Vertrieb von Rüdiger Kashner aus Hagen, der SAF (Sauerländer Aktionsfront), einem sehr gut organisierten Kreisverband der NPD, der Kameradschaft Ennepetal, mit der Skinhead- und rechtradikalen Szene in und um Neuenrade-Affeln, hat sich eine gefährliche und gut organisierte militante rechte Szene im Sauerland etabliert. Dagegen setzen wir unseren Widerstand!

Es wird an diesem Wochenende keine Demonstration der Antifa geben. Nach den Auflagen für die letzte Demo und dem massiven Polizeispalier, welches die Demo begleitetete, werden wir diesmal auf die Vermittlung von Inhalten verzichten. Wir haben die Nase voll und wollen dem faschistischen Mob im Sauerland entschieden unseren Widerstand verdeutlichen.

Wir rufen Autonome Gruppen und Antifa Gruppen auf, massiv nach Lüdenscheid zu mobilisieren. Es sind von verschiedenen Gruppen (PDS, KPD, Friedensgruppe) Kundgebungen angemeldet worden: Wir wollen ab 14h massenhaft in der Innenstadt und am Bahnhof präsent sein. Angemeldet wurden: Knapperstr. (AOK Gebäude),Christuskirche ,Sternplatz (Rathausplatz), ab 11h gibt es eine Begehung der Grünen/Lüdenscheid am Bahnhof Lüdenscheid, bei der es um die Neustrukturierung des Bahnhofsgeländes geht, weitere Punkte werden veröffentlicht.

TechniX zur Bahn und Straße:
Es gibt nur eine Bahnverbindung von Hagen nach Lüdenscheid auf der das faschistische Pack von der Polizei nach Lüdenscheid gebracht werden kann(Volmetalbahn), Abfahrt Hagen immer 12 Minuten nach jeder vollen Stunde, Ankunft in Lüdenscheid immer um ..,54h). Beim letzten Aufmarsch sind aber auch viele Nazis mit dem Auto gekommen, geparkt wurden die Autos direkt am Bahnhof oder in nahegelegenen Seitenstraßen. An allen drei Autobahnabfahrten in Lüdenscheid gibt es Parkplätze auf denen sich die Nazis vorher treffen können.
Die Nazis wollen ab 15h durch Lüdenscheid marschieren: Treffpunkt Hauptbahnhof!

talking is over - action is on!
Uns gehört die Straße uns gehört die Stadt!

Kommt nach Lüdenscheid gebt die Info und den Termin weiter an andere Gruppen.

NO PASARAN!

Bitte veröffentlicht diesen Termin auf eurer Internetseite!

Mit antifaschistischen Grüssen

Autonome Antifa Lüdenscheid


Presseerklärung der Autonomen Antifa Lüdenscheid

Nach den Aufmärschen in Ennepetal und Hagen unternehmen die Nazis nun den Versuch zum dritten Mal innerhalb von 2 Wochen in NRW zu marschieren.
Organisiert wird der Aufmarsch wieder von der Gruppe "Nationaler Widerstand Hagen/Lüdenscheid".
Diesmal treffen sich die Nazis um 14h am Brügger Bahnhof und wollen um 15h losgehen.
Ab 13h gilt der Platz vor der Post in Brügge, als Ausgangspunkt für einen Antifaschistischen Spaziergang .
Wir rufen alle gesellschaftlichen Gruppen auf, nach Brügge zu mobilisieren und auf eine Kundgebung in der Lüdenscheider Innenstadt zu verzichten, denn diese macht an diesem Tag in Lüdenscheid selbst keinen Sinn mehr und würde weit ab vom Naziaufmarsch gar keinen Zweck mehr erfüllen.
Es ist egal ob die Nazis in Lüdenscheid, Halver oder in Brügge demonstrieren. Jeder gelungene Aufmarsch stärkt die rechten Strukturen nach innen und nach außen.
Auch spielt die Anzahl der marschierenden Faschisten nur eine sekundäre Rolle.
Sie wollen durch ihr massives Auftreten auf der Straße, zur Normalität werden ,auf die viele Menschen mit Gleichgültigkeit reagieren oder gegen die weit ab von ihren Aufmärschen demonstriert wird.

Alle Menschen die gegen den Aufmarsch demonstrieren wollen haben am Samstag den 28.4. ab 11h in der Kneipe der Stock (Knapperstr. 50) bei einem gemütlichen Frühstück die Möglichkeit sich über die Aktionen und den Naziaufmarsch zu informieren.
Damit setzt der Stock auch ein deutliches Zeichen gegen Rechts und zeigt klar und deutlich Flagge gegen Rechts.

Wir wollen hier noch mal eindringlich sagen:
Faschismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen!
Für Nazis werden wir niemals freiwillig die Straße frei geben.
Sie können an diesem Tag mit unserem entschiedenen Widerstand rechnen.

Nationaler Widerstand Raus aus dem Sauerland!