antisemitische Demo am 03.06.03 in Hagen
Schwarze Katze Sonderseite
Steine fallen runter, Wasser fliesst den Berg hinab, Anarchisten sind für Freiheit und Nazis sind antisemitisch. Daran wird sich wohl nie was ändern. Dass Wasser den Berg runter- und nicht rauffliesst, dass Steine nicht plötzlich nach oben fallen und dass Anarchos für Freiheitsrechte eintreten, dagegen kann eigentlich niemand was haben. Aber gegen den eliminatorischen Antisemitismus der Faschos schon. Antisemitismus darf nicht normal werden, gerade im Hinblick auf die düstere deutsche Vergangenheit.
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Am 3.6.03 besuchte Paul Spiegel vom Zentralrat der Juden Hagen. Er las aus seinem Buch "Wieder zu Hause? - Erinnerungen" vor. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Ausstellung "Rassismus in Deutschland" statt, deren Schirmherrschaft Paul Spiegel übernommen hat. Paul Spiegel gehört zur Generation der Holocaust-Überlebenden. Er wurde 1937 in Warendorf in Westfalen geboren. Mit seiner Familie flieht er 1938 vor den Nazis nach Belgien, aber die dortige Sicherheit hält nicht lange an. Nach der Besetzung Belgiens durch Deutschland wird Pauls Vater verhaftet. Seine etwas ältere Schwester wird nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Die Mutter muss den kleinen Jungen weggeben. Eine belgische Familie, die entschlossen war, jüdische Kinder zu retten, kümmert sich um ihn. Nun beginnt eine Odyssee der Angst von Versteck zu Versteck. |
Nach Kriegsende und Befreiung kehrt der Rest der Familie nach Warendorf zurück, der Vater, der das Grauen der Konzentrationslager überlebte, wollte es so. Ab Mitte der sechziger Jahre macht Paul Spiegel in Düsseldorf Karriere. Er wird Journalist, Manager, Pressesprecher und baut eine eigene Künstleragentur auf. Schon früh hat er sich in jüdischen Gremien und Gemeinden engagiert. Er wird Ratsvorsitzender der Gemeinde in Düsseldorf und im nordrheinischen Gebiet. Nach dem Tod von Ignatz Bubis wird er zum Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt.
Einfühlsam und ruhig erzählt Paul Spiegel aus seinem Leben. Ein deutscher Jude, der Unvorstellbares erlebt und durchgemacht hat, mahnt den Anfängen zu wehren, und entwickelt seine Vision von einer deutschen Gesellschaft, in der Juden und Nichtjuden miteinander leben können. Einige Deutsche konnten es nicht lassen bei der Veranstaltung abfällige Bemerkungen über Israel loszulassen und Paul Spiegel als Vertreter Israels hinzustellen. Also mit anderen Worten: "Eigentlich gehörst du ja garnicht hierhin."
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Paul Spiegel trug sich ins Goldene Buch der Stadt Hagen ein. Das nationalistische Störtebeker Netz kommentierte dies folgendermassen: Zwar versuchte die städtische Obrigkeit dem Oberhaupt der bundesdeutschen Juden den Aufenthalt durch eine möglichst devote und politisch korrekte Haltung, die dann sogar in eine Eintragung Spiegels in das Goldene Buch der Stadt mündete, zu verzuckern, doch dürfte die Demonstration ihre Wirkung auf Spiegel, der in der Stadt zu einer Lesung aus seinen Memoiren weilte, dennoch nicht verfehlt haben. |
| Der in der rechten Szene bekannte Maik Müller gründete die "Initiative für die Anerkennung des Staates Palästina", um gegen Paul Spiegel als Vertreter der Juden zu demonstrieren. Unter dem widerlichen Motto "Der Rassismus ist ein Meister aus Israel" meldete Maik Müller für den 3.6.03 eine Demo an. Diese durfte auch stattfinden. 700 Polizisten aus Hagen, Bochum und Dortmund schützten die Nazis vor den zahlreich vertretenen Antifas. Ein Polizeihubschrauber kreiste über der Innenstadt, über Eilpe und über Oberhagen. Was das wieder kostet. Und alles nur wegen 55 bekloppter Nazis. | |
Die Völkisch Orientierte Gemeinschaft Dortmund behauptete fälschlicherweise: "ein Teil der Anwohner blieb auf unserer Seite und schimpften laut über die Gegendemonstranten". Ausserdem behaupten sie, dass Anwohner ihre Nazi-Parolen mitriefen und sie auf dem ganzen Zug begleiteten, was definitiv nicht stimmt. Die Nazi-Gruppierung "Freie Radikale Kräfte Dortmund" schrieb in ihrer Demonachbetrachtung drohend "Hagen, wir kommen wieder!!".
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Aus einem gemeinsamen Aufruf der Antifa Hemer und der Schwarzen Katze: Paul Spiegel über die Nazi-Demonstranten: |
Die Westfalenpost Hagen schrieb am 03.06.03 unter der Überschrift "Aufmarsch von Rechten unerträglich" folgendes: "Paul Spiegel, Überlebender des Holocaust, wird heute nach Hagen kommen und muss um sich herum hunderte Uniformierte sehen, weil es nach deutschem Recht nicht zu verhindern sei, erklärten Staatsanwaltschaft und die Polizeipräsidentin.".
Hedwig Schürmann vom DGB Hagen meinte "Wir empfinden es als unerträglich, dass die Nazis einen Vortrag von Paul Spiegel im Rahmen der Aussstellung ,Rassismus in Deutschland´ als Vorwand nehmen, ihre rechten Parolen anzubringen".
Der Hagener SPD-Bundestagsabgeordnete René Röspel zum zeitgleich stattfindenden Vortrag des Repräsentanten der Juden und der Nazi-Demo: "Das ist geradezu unerträglich, das hätte man anders lösen können". Die Hagener SPD rief nach Angaben von Radio Hagen vom 02.06.03 dazu auf, die Spiegel-Veranstaltung zu besuchen. Also indirekt, sich nicht an der Antifa-Kundgebung zu beteiligen.
Die Antifa-Demo sollte ursprünglich ab 18 Uhr am Oberhagener Bahnhof losgehen. Dies wurde aber von der Polizei nicht genehmigt. Die Faschos durften marschieren und die Antifa-Demo wird verboten. Alltag in der BRD. Nun wurde für 18 bis 21 Uhr eine Antifa-Kundgebung an der Johanniskirche angemeldet und schlussendlich von der Polizei genehmigt. Etwa 150 Antifas demonstrierten gegen den braunen Mob.
Stellungnahme der Antifa Hagen vom 05.06.03:
"Positiv war noch die kreative Widerstandsaktion von einigen Hagener GenossInnen, die den Naziaufmarsch mit einem Transparent "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland" begleiteten und letztendlich durch ihre dauernden Sprechchöre maßgeblich mit dazu beitrugen, dass Maik Müller irgendwann völlig entnervt durchdrehte und wegen Volksverhetzung festgenommen wurde."
Bei der Antifa-Demo wurden etliche Israel-Fahnen getragen. Auf der einen Seite für einige verständlich, weil sowas Nazis ärgert, die im selben Moment gegen Israel demonstrieren - auf der anderen Seite gab es bei anderen, die dabei waren, Bauchschmerzen. So würden Schwarze Katze Aktivisten keine Nationalfahnen schwenken, weder palästinensische, noch israelische und deutsche schon gar nicht. Wenn schon Fahnen, dann schwarze oder schwarz-rote, die symbolisieren Freiheit. Nationalfahnen werden nur von Nationalisten getragen. Die Grenzen verlaufen nicht zwischen den "Völkern", sondern zwischen oben und unten! Die mit Nationalfahnen konstruierte Volksgemeinschaft gaukelt eine Einheit vor, die es nicht gibt. Die deutsche Arbeitslose befindet sich angeblich im selben Boot mit dem deutschen Grosskapitalisten. Das stimmt aber nicht. Es gibt unterschiedliche Interessen. Ihre Kriege um Rohstoffe sind nicht unsere. No war but class war! No war between nations - no peace between classes!
Bullen ohne Ende und 55 bekloppte Nazis - Bericht zum Naziaufmarsch in Hagen
Antifa Hagen, 05.06.03
Aufruf Antifa Hagen, 31.05.03
Antisemitismus und Antizionismus angreifen - Deutschland abschalten
Antisemitismus und Antizionismus angreifen - Deutschland abschalten
Am Dienstag, den 03.06. wollen Nazis eine Demonstration unter dem Motto „Der Rassismus ist ein Meister aus Israel“ durchführen. Grund hierfür ist eine Lesung Paul Spiegels, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden. Dieser wird ab 18 Uhr unter dem Titel „Wieder zu Hause? Erinnerungen“ im Tor 2 (Hagen-Eilpe) eine Lesung halten.
Bisher sind Ort und Zeit der Nazidemo noch nicht bekannt. Ein Kooperationsgespräch zwischen Polizei und Anmelder findet am Montag statt.
Im Antisemitismus sind die „Grenzen der Aufklärung“ (Adorno) erreicht. Wir rufen deshalb dazu auf, den Nazis an diesem Tag direkt entgegenzutreten. Wir wollen aber auch die Hetze gegen den Staat Israel als das zu denunzieren, was es ist: als nichts weiter als die territoriale Form des Antisemitismus, als dessen in Deutschland zur Zeit einzig mögliche Ausdrucksform. Im Zuge des momentan weltweit aufflammenden antisemitischen Vernichtungswahns wird in Deutschland wieder deutlich, dass die Deutschen den Juden Auschwitz nie verzeihen werden. Indem genüsslich aufgezeigt wird, welche Verbrechen Israel angeblich begehe, was für ein Terrorstaat Israel sei, indem der Zionismus - die im nachhinein einzig richtige Antwort auf den weltweiten, modernen Antisemitismus – dem Faschismus gleichgestellt wird, werden die Opfer zu Tätern stilisiert, der Holocaust relativiert, die eigene Schuld weit von sich geschoben. Das Motto der Nazis „Der Rassismus ist ein Meister aus Israel“ schlägt genau in diese Kerbe und lädt die deutsche Nation zum zustimmenden Nicken ein. Antisemitismus ist als Denkform solange aktuell, als die bürgerliche Gesellschaft nach negativer Aufhebung in die Barbarei strebt, die Alpträume ihrer widersprüchlichen Existenz auf die Juden oder auf Israel, den Juden unter den Staaten projiziert.
Das eigene Verlangen, das versagte Glück, wird im Interesse der Selbsterhaltung aus dem Individuum abgespalten und mit den Juden vernichtet: „Was der Antisemit wünscht und vorbereitet ist der Tod des Juden“ (Sartre). Sich momentan in Deutschland den Antisemiten entgegenzustellen heißt, ihnen die Deckmäntelchen ihrer antisemitischen Ideologie zu entreißen und ihnen um die Ohren zu hauen. Ohne die antisemitische Denkform zu attackieren gibt es keinerlei Aussicht auf eine positive Aufhebung der bürgerlichen Gesellschaft zu einer Assoziation freier Individuen. Der Kampf gegen Antisemitismus ist aber nicht von dem Bekenntnis zum Staat Israel zu trennen. Es bleibt richtig: Sozialismus oder Barbarei
Wir treffen uns vorerst um 18 Uhr am Oberhagener Bahnhof. Weitere Infos folgen. Zum Oberhagener Bahnhof kommt ihr vom Hauptbahnhof aus mit der Volmetalbahn Richtung Lüdenscheid jeweils um 12 nach oder mit mehreren Bussen in Richtung Hagen-Eilpe.
Diskussion über den Aufruf der Antifa Hagen
Indymedia
Antifakundgebung verboten!
Antifa Hagen, 02.06.03
Nazis raus aus Hagen!
PDS Hagen
So einfach heißt die Antwort auf die widerliche Beleidigung der Hagener Bürger und Paul Spiegels . Erneut trugen die Nazis ihr braunes Gesudel auf die Straße.
Die Bevölkerung in Oberhagen hat von diesem Mob einfach nur die Schnauze voll.
Mit Wiederwillen und deutlichen und lautstarken Protest ertrugen sie den Karnevalsumzug der Faschisten.
Erfreulich ist das sich sehr viele junge Menschen der absolut friedlichen Demonstration der ANTIFA Hagen angeschloßen haben und das die Polizei bei den Rechten, endlich, durchgegriffen hat und Festnahmen wegen brüllen von verbotenenen Parolen erfolgte. Dies war bisher oft nicht erfolgt.
Schade war auch das von den PolitikerInnen der "Volksparteien" CDU, SPD und "FDP" sich keiner sehen ließ. Die Grünen und natürlich die PDS zeigte Gesicht und nahm an der Demonstration gegen die Nazis teil.
Eine Bemerkung noch zur und an die Polizei.
Es ist nicht verboten während der Demonstration auch mal zu lächeln und ein wenig fröhlich zu sein. Nicht die Antifaschisten sind das Übel und daran Schuld das sie eine zusätzliche Schicht einlegen mußten und 700 Beamte dem Steuerzahler wieder richtig bluten lassen. Es sind die Nazis die ihre menschenverachtende Politik auf die Straße tragen wollen. Dagegen zu demonstrieren ist nicht nur ein Recht sondern eine Pflicht jedes Demokraten! Solingen und vieles andere ist nicht vergessen!!
Fazit:
Ein kleines Lächeln und schon sieht die Welt ein wenig bunter aus...
Nie wieder Krieg; Nie wieder Faschismus. 1945 wie Heute!
Naziaufmarsch in Hagen verhindern!
Sommer Sonne Sozialismus, 02.06.2003 21:39
Zum vierten Mal innerhalb der vergangenen zwei Jahren wollen Nazis einen Aufmarsch in Hagen durchführen - beteiligt Euch an den Gegenaktionen!
Zum vierten Mal innerhalb der vergangenen zwei Jahren wollen Nazis einen Aufmarsch in Hagen durchführen. Ihr Motto für die "vierte Runde" lautet: "Der Rassismus ist ein Meister aus Israel".
Die Nasen begründen das Thema mit einem Besuch, speziell einer Veranstaltung mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, welche in Hagen-Eilpe stattfinden soll. Schon alleine der deutliche Antisemitismus welcher mit dem Thema verbreitet und etabliert werden soll, wird zu einem der Hauptgründe wieso mit militanten Nazis aus ganz NRW gerechnet werden muß.
Wir hoffen das trotz dem antisemitischen Themas, eine sinnvolle Aktionsform gestartet wird und diese nicht in antideutschen Theorien endet.
Beteiligt Euch an den Gegenaktionen!
Widerstand ist wunderbar!
Treffpunkt der Nazis 19:00 Uhr, Hagen-Oberhagen
(dort sogar schon zum dritten Mal!)
Treffpunkt für Gegenaktivitäten 18:00 Uhr, Hagen-Oberhagen (achtet auf Änderungen!)

Nachdem aus Presse bekannt war das P. Spiegel, Zentralrat der Juden, in die Stadt Hagen kommt um aus seinem ach so „schlimmen Leben“ zu erzählen, meldeten die Kameraden vor Ort sofort eine Demonstration unter dem Motto „Der Rassismus ist ein Meister aus Israel“ an. Beginn der Veranstaltung sollte 19:00 Uhr sein, aber uns war schon vorher klar, dass dies nicht funktionieren kann. Denn die Polizei übte mal wieder ihre schikanier Methoden an uns aus, indem sie uns die Einfahrt in die Stadt ziemlich erschwert haben und einigen Kameraden wurde sogar die Einfahrt verweigert. Was sich natürlich an der Teilnehmerzahl bemerkbar machte. Trotz alle dem schafften es noch ca. 80 Kameraden zum Treffpunkt zu gelangen. Obwohl noch nicht alle Kameraden vor Ort waren, mussten wir mit der Veranstaltung beginnen, denn die Veranstaltungszeit war begrenzt.
Als wir dann unseren Demonstrationszug mit den rufen von „Frei, Sozial, National!“ gegannen, riefen, zu unserem erstaunen, sogar ein paar Anwohner mit, welche uns auf dem gesamten Zug begleiteten. Die Antifa war aber natürlich zahlreich vertreten, mit lautem Gebrüll versteht sich. Es hat ihnen aber nichts gebracht, denn ein Teil der Anwohner blieb auf unserer Seite und schimpften laut über die Gegendemonstranten Es schafften nur wenige Rotfaschisten der Antifa zu unserem Demonstrationszug zu gelangen. Neben diesen, begleiteten uns eine Gruppe von ca. 30 türkischen Kindern, von denen die meisten gerade einmal aus dem Grundschulalter heraus waren. Dennoch waren diese die lautstärkste Gruppe der Gegendemonstranten. Diese kleinen „Kinder“ wussten nicht einmal worum es geht. Ihr lächerliches „Nazis raus“ Geschreie, war das einzige was man „wirklich“ als Protest hätte verstehen können. Die Strecke betrug leider nur 1,4 km, allerdings haben wir durch ein gezügeltes Tempo das Beste herausholen können. Die Polizei versuchte selbst bei der Zwischenkundgebung ihre Macht zu präsentieren, indem die Kundgebung nicht wie geplant an einer Kreuzung stattgefunden hat, sondern in einer kleinen Seitenstraße.
Bei der Zwischenkundgebung gaben die Redner ihr bestes (natürlich nur was im legalen Rahmen möglich war), wobei ein Redner vom KDS und ein Redner vom Wattenscheider Widerstand vertreten war. Nach der Zwischenkundgebung setzte sich der Demonstrationszug wieder in Bewegung. Leider nur sehr kurz, weil plötzlich der Redner vom Wattenscheider Widerstand wegen einer angeblichen Beleidigung festgenommen wurde. Der Demonstrationszug wurde sofort gestoppt und wir verlangten die Freilassung unseres Kameraden, leider ohne Erfolg. Darum erklärte der Veranstalter die Veranstaltung für beendet, jeder konnte nun seinen eigenen Weg gehen. Die Auflagen wurden damit nichtig. Die Polizei drängte uns jedoch zügig zum Bahnhof, auf diesem Weg wurde dann der Veranstalter von der Polizei festgenommen, wegen (angeblicher) Nichteinhaltung der Auflagen. Genaueres ist noch unklar. Am Bahnhof angekommen mussten wir dann die Heimreise antreten, aber wir können der Stadt Hagen jetzt schon versprechen:
„Wir kommen wieder! Und dies war nicht das letzte mal in diesem Jahr!“
BERICHT: Demonstration am 03.06.2003 in Hagen (Westfalen)
Freie Radikale Kräfte Dortmund, 03.06.03
Unter großem Andrang der Medien, marschierten wir vom Bahnhof Oberhagen durch die von Ausländern besetzten Viertel. Von der örtlichen Antifa schafften es gerade mal drei bis vier jämmerliche Gestalten bis zu unserem Demonstrationszug. Neben diesen, begleiteten uns eine Gruppe von ca. 30 Türken, von denen die meisten gerade einmal aus dem Grundschulalter heraus waren. Dennoch waren diese die lautstärkste Gruppe der Gegendemonstranten. Zu erwähnen ist noch, dass diese pubertierenden Türken nicht einmal wussten, worum es bei unserer Demonstration eigentlich ging. Ihr lächerliches „Nazis raus“ Geschreie, war das einzige was man „wirklich“ als Protest hätte verstehen können. Der Widerstand der Antifa, insbesondere der antideutschen Israel-Vasallen war nicht vorhanden. Hier zeigt sich sehr deutlich, wie sehr die antifaschistische Demomobilisierung abgenommen hat. In einer Seitenstraße konnte man zwar ca. 20 Antifaschisten erblicken, jedoch waren diese mindestens 100 m vom Aufmarsch entfernt.
In den Redebeiträgen wurde auf die aggressive Unterdrückung des palästinensischen Volkes und die Weltmachtsstellung von Israel eingegangen. Leider wurde einer der beiden Redner nach unserer Zwischenkundgebung von den Bullen verhaftet, da er die Parole „Israel – Internationale Völkermordzentrale“ durch den Lautsprecher von sich gab. Dies geschah zum Entsetzen aller Demonstrationsteilnehmer, weil schon vorher die Parolen „Juden raus aus Palästina“, „Zionisten – Mörder und Faschisten“ und „Zionisten, Mörder und Rassisten“ durch das Mikro gerufen wurden.
Nach der Verhaftung des Kameraden löste der Versammlungsleiter die Demonstration auf.
Auf dem Rückweg zum Bahnhof wurde der Versammlungsleiter aus unbekannten Gründen ebenfalls festgenommen. Durch dieses Verhalten hat die Hagener Polizei bewiesen, dass es notwendig ist, das der Nationale Widerstand in Hagen noch weitere Demonstrationen anmeldet.
Der Rassismus ist ein Meister aus Israel!
Hagen. "Bis 1945 hat die deutsche Polizei uns abgeführt, heute schützt sie uns." Paul Spiegel, Präsident des Zentralrats der Juden, wirkte niedergeschlagen. "Die Demo der Neonazis ist gezielt gegen mich gerichtet - so ´was muss man erstmal verarbeiten." Trotzdem habe er keine Sekunde lang seinen Besuch in Hagen in Frage gestellt.
Paul Spiegel, westfälischer Journalist, jüdischer Verbandsfunktionär und seit drei Jahren Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, hatte gestern ein straffes Programm zu absolvieren. Nachmittags kam er zum WP-Redaktionsgespräch ins Pressehaus, danach trug er sich beim Empfang im Stadtmuseum ins Goldene Buch der Stadt ein, und anschließend lockte er 250 Lesungs-Interessierte in die Eilper Kulturstätte Tor 2.
Auf allen drei Veranstaltunge ging der in Warendorf geborene zweifache Fmailienvater auf die traurigen Begleitumstände seines Besuchs der Volmestadt ein. Schließlich fand zeitgleich zur Lesung eine Neonazi-Demonstration in Oberhagen statt. Linke Gruppierungen hatten daraufhin zur Gegen-Demo auf dem Johanniskirchplatz aufgerufen.
Erst einen Tag zuvor habe er von der "unsinnigen Aktion", die den Einsatz von 700 Polizisten zur Folge habe, erfahren. Trotzdem müsse eine Demokratie solche Demonstrationen zulassen - "so was müssen wir ertragen". Nicht einen Moment lang habe er gezögert, nach Hagen zu kommen, "obwohl - es ist heute kein angenehmes Gefühl, durch die Stadt zu fahren. Und die Lesung hier - die mittlerweile 40. bundesweit - ist für mich keine normale Lesung."
Der Ignatz-Bubis-Nachfolger und Betreiber einer Künstleragentur, der sich als kritischer Mahner sieht, las im Eilper Tor 2 aus seinem aktuellen Buch "Wieder zu Hause? Erinnerungen". Und rund 250 Besucher - unter ihnen Regierungspräsidentin Renate Drewke, Vertreter der Stadtspitze und aus Kultur und Wirtschaft - lauschten gebannt dem 65-Jährigen, der über seine Kindheit in Belgien und über das Holocaust-Trauma sprach.
Am Rande erzählte Spiegel, dass er nicht ans Kürzertreten denke. Der patente Westfale schmunzelnd: "Da halte ich´s mit Udo Jürgens - ,Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an . . .´" Und Spiegel verriet seinen sehnlichsten Wunsch: "Dass irgendwann jüdische Personen und Einrichtungen nicht mehr besonders geschützt werden müssen."
Oberbürgermeister Wilfried Horn, der den obersten Repräsentanten der jüdischen Bevölkerung herzlich begrüßte, betonte: "Rechtsradikalismus hat in unserer Stadt keinen Platz. Wir werden uns auch diesmal wieder gegen den Spuk von rechts wehren."
In Hagen demonstrierten Neonazis gegen einen Vortrag Paul Spiegels. Ihr Motto lautete: »Der Rassismus ist ein Meister aus Israel.«... Unter solchen Vorzeichen habe ich noch nie eine Lesung halten müssen,« sagte Paul Spiegel am Dienstag voriger Woche zu Beginn einer Veranstaltung in Hagen, zu der ihn das dortige Stadtmuseum eingeladen hatte. Es sei »bedrückend«, erklärte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, wenn man am Tag zuvor erfahre, dass einen so etwas erwarte. Denn während Spiegel im Rahmen der Ausstellung »Rassismus in Deutschland« vor 250 Zuhörern aus seiner Autobiographie »Wieder zu Hause? Erinnerungen« vorlas, marschierten draußen zeitweilig in nur 200 Meter Entfernung 60 Neonazis unter dem Motto: »Der Rassismus ist ein Meister aus Israel.« Dabei stellt nicht nur der Umstand, dass Neonazis direkt gegen eine solche Veranstaltung mit Paul Spiegel demonstrieren wollten, ein Novum dar, sondern auch die Tatsache, dass eine derartige Provokation behördlich genehmigt wurde. Der Slogan der Nazis bezieht sich auf das Gedicht »Todesfuge« von Paul Celan, in dem es heißt: »Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.« Der Lokalpresse sagte Hagens Polizeipräsidentin Ursula Steinhauer, sie habe »keine Chance« gesehen, der kurzfristig beantragten Nazi-Demonstration die Genehmigung zu verweigern. So marschierten die überwiegend dem militanten Kameradschaftsspektrum angehörenden Nazis unbehelligt durch den Stadtteil Oberhagen, der von 700 Polizeibeamten fast vollständig abgeriegelt war. Nur ein gutes Dutzend Antifaschistinnen und Antifaschisten gelangte über Umwege in den nur für Anwohner zugänglichen Bereich und begleitete den antisemitischen Aufzug lautstark. Die Nazis führten Palästinafahnen mit sich und skandierten Parolen: »Juden raus – aus Palästina« und »Internationale Völkermordzentra Israel«. Während die erstgenannte Parole nach Angaben der Hagener Polizei »nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Hagen« keine rechtliche Handhabe bot, wurde wegen der zweiten ein JN-Kader aus Bochum, Claus Cremer, festgenommen. Es habe der Verdacht auf eine Straftat vorgelegen, lautete der Kommentar der Polizei. Außerdem wurde der Anmelder selbst in Gewahrsam genommen, weil er nach dem Ende des Aufmarsches die verbotene Parole gerufen hatte: »Hier marschiert der nationale Widerstand.« Als Anmelder zeichnete Maik Müller aus Lüdenscheid verantwortlich, der dem Nationalen Widerstand Hagen-Lüdenscheid zuzurechnen ist und bereits im November 2001 gemeinsam mit Christian Worch einen Naziaufmarsch in Hagen organisierte. Damals zogen 150 Alt- und Neonazis durch Hagen-Wehringhausen unter dem Motto: »Völkische Gemeinschaft statt Überwachungsstaat.« Müller wurde im April 2002 wegen Volksverhetzung verurteilt, weil er gemeinsam mit Dortmunder Gesinnungsgenossen rassistische Parolen grölend durch den Dortmunder Norden gezogen war. In Dortmund agiert vor allem Siegfried Borchardts »Völkisch orientierte Gemeinschaft«, die auch zum Protest gegen Paul Spiegel nach Hagen aufgerufen hatte. Anlässlich eines Besuches des israelischen Botschafters, Shimon Stein, in Dortmund hatte die Gruppe um Borchardt bereits am 24. März dieses Jahres mit 70 Kameraden gegen Israel demonstriert. Die Nazis zeigten ein Transparent mit der Aufschrift »Kein Blut für Israöl« und riefen: »Hoch die internationale Solidarität«. Der Aufmarsch in Hagen scheint einer Strategie der Kameradschaftsszene zu folgen, mithilfe antiisraelischer Propaganda den Angriff auf Repräsentanten dessen, was ihnen als jüdisch gilt, zu verstärken. Ein Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde in Hagen zeigte sich nach dem Aufmarsch gegenüber der Jungle World resigniert: »Ich weiß nicht, weshalb die Nazis demonstrieren durften. Es ist traurig, dass solche Leute gegen Amerika, Israel und die Juden auf die Straße gehen. Wir waren vor der Nazidemonstration sehr nervös und sind es auch heute noch.« Die gleichzeitig stattfindende antifaschistische Gegendemonstration in der Hagener Innenstadt war gering besucht. In dieser Hinsicht stellt das Geschehen einen Tiefpunkt dar: Selten hat es in einer westdeutschen Großstadt auf einen mehrere Tage zuvor angekündigten Naziaufmarsch eine derartig schwache antifaschistische Reaktion gegeben. Offensichtlich führt die häufig anzutreffende Gleichgültigkeit mancher linker Gruppen gegenüber dem Antizionismus eigener Bündnispartner, zuletzt vor allem aus der Friedens- und Antikriegsbewegung, zur Unfähigkeit, den antiisraelischen Nazidemonstrationen entgegenzutreten. Nicht zufällig beteiligten sich Linke im vergangenen Jahr an einer propalästinensischen Demonstration in Berlin, auf der schon einmal das zitierte Wort Paul Celans gegen Israel gewendet wurde. »Der Tod ist ein Meister aus Israel«, hieß es damals (Jungle World, 17/02). Nach Hagen jedenfalls kamen nur einige antideutsch gesinnte und lokale Antifa-Initiativen und ein paar weitere linke Gruppen.
So bekundete ein Häuflein von nur 120 Personen seinen Protest gegen Antisemitismus und Antizionismus. Auf der Auftaktkundgebung verwiesen einige Hagener Linke in einem Redebeitrag darauf, dass »die Hetze gegen den Staat Israel nichts anderes als die territoriale Form des Antisemitismus darstellt, dessen in Deutschland zur Zeit einzig mögliche Ausdrucksform«. Immerhin bekannte auch die dem Umfeld der antiimperialistischen Red Community/NRW entstammende Antifa Hagen in ihrem Beitrag angesichts des Naziaufmarsches ihre Solidarität mit Israel - im Gegensatz zu einem großen Teil der nordrhein-westfälischen Antifaszene, die durch Abwesenheit glänzte. Ein Vertreter der Antifa Duisburg kritisierte das mangelnde Engagement als eine politische Bankrotterklärung. »Wenigstens weiß die Antifa jetzt, dass es Zeit ist für einen politischen Neuanfang«, sagte er.
Stoppt die staatlichen Repressionen gegen Nationalisten!
Hagen, wir kommen wieder!!!
Bilder
Bilder der Hagener Antifa-Demo
Dienstag, 03.06.03

kurz vor Beginn der Demo

in der Fußgängerzone

Richtung Naziaufmarsch

Absperrung 100 m weiter die Route der Nazis

vor der Absperrung

die stalinistische MLPD war leider auch da und forderte mal wieder Verbote durch den starken Staat...
Berichte aus bürgerlichen Medien
Verbände und Parteien haben auf die Ankündigung einer rechten Demonstration morgen in Oberhagen reagiert. Eine "Initiative für die Anerkennung des Staates Palästina" will den Besuch von Paul Spiegel in Hagen für eine antiisraelische Kundgebung nutzen. Die Hagener SPD fordert dazu auf, die Spiegelveranstaltung im historischen Zentrum und im Tor 2 zu besuchen. Die Grünen wollen sich dem Aufruf zu einer Gegenkundgebung anschließen. Die findet ebenfalls morgen abend auf dem Johanniskirchplatz statt. Die Polizei will mit einem Aufgebot von 700 Einsatzkräften präsent sein.
Lesung mit Paul Spiegel
Terminhinweis
Bericht Radio Hagen
Radio Hagen, 01.06.03 zum geplanten Naziaufmarsch
Hagen droht erneut "rechter Aufmarsch"
WR Hagen, 02.06.03
Paul Spiegel in Hagen
WDR Regionalstudio Östliches Ruhrgebiet, 02.06.03
700 Polizisten sorgen heute für Sicherheit
WP Hagen, 03.06.03
Aufmarsch von Rechten "unerträglich"
WR Hagen, 03.06.03
Großeinsatz der Polizei bei Demos in Oberhagen
WP Hagen, 04.06.03
Hagen. (JS) Ausnahmezustand gestern Abend in Oberhagen und auf dem Johanniskirchplatz. Rund 50 Angehörige der rechten Szene marschierten vom Bahnhof Oberhagen aus durch den Stadtteil. Zu einer Gegenkundgebung am Rande der Innenstadt hatte die linke Gruppierung Antifa aufgerufen. Rund 150 Demonstranten beteiligten sich. 700 Polizisten - aus Bochum, Dortmund und dem Hochsauerlandkreis waren Kräfte zusammengezogen worden - sorgten dafür, dass die Veranstaltung mit Paul Spiegel im Tor 2 nicht gestört wurde und dass die Demonstrations-Züge nicht aufeinandertrafen. Ein Polizeihubschrauber kreiste über der Innenstadt, über Eilpe und über Oberhagen.
Gegen 19.45 Uhr setzten sich die Rechtsradikalen angeführt von einem VW-Bulli mit Megaphon in Bewegung. Sie skandierten Parolen und zogen über die Frankfurter Straße, Eilper Straße, Breddestraße und Jägerstraße zurück zum Bahnhof Oberhagen. Begleitet wurde der Marsch von lauten "Nazis raus"-Rufen.
Während der Demonstration wurde ein Teilnehmer von der Polizei festgenommen. Der Veranstalter, Mike M. aus Lüdenscheid, erklärte daraufhin die Demonstration für beendet. Anschließend skandierte der Mann, der die Veranstaltung unter dem Motto "Der Rassismus ist ein Meister aus Israel" angemeldet hatte, lautstark eine Parole, die ihm während des Umzuges verboten worden war. Daraufhin wurde er ebenfalls in Gewahrsam genommen. Die übrigen Teilnehmer wurden am Bahnhof Oberhagen des Platzes verwiesen und fuhren ab.
Teilnehmer der Kundgebung auf dem Johanniskirchplatz - Motto: "Gegen Antisemitismus und Antizionismus" - zogen auch durch die Fußgängerzone. Vereinzelte Autonome versuchten immer wieder, nach Oberhagen zu gelangen. Sie wurden an den Polizeisperren zurückgehalten. Rund 100 Teilnehmer formierten sich zu einem spontanen Zug in Richtung Frankfurter Straße. Gegen 19.40 Uhr endete die Demonstration.
Während der Kundgebungen und der Aufzüge kam es zu Verkehrsbehinderungen.
Polizeisperre auf der Frankfurter Straße in Oberhagen: 700 Polizisten sorgten für Sicherheit und verhinderten ein Aufeinandertreffen von rechten und linken Demonstranten.
Paul Spiegel trug sich gestern ins Goldene Buch der Stadt Hagen ein. Rechts im Bild Oberbürgermeister Wilfried Horn.
Ausnahmezustand in Hagen
WDR Studio Dortmund, Nachrichten für das Östliche Ruhrgebiet, 03.06.03
Nur bis auf Sichtweite kamen die rechten Marschierer an das "Tor 2" heran. An der Jägerstraße wurde der Zug abgefangen.
Hagen. (joe.) Mit zwei Festnahmen endete die Demonstration einer kleinen rechtsextremen Gruppe gestern Abend in Oberhagen. Ihr Anführer Mike Müller sowie ein weiterer Parolen-Rufer wurden dem Gewahrsam der Polizei auf der Hoheleye zugeführt.
"Internationale Völkermordzentrale Israel" hatte der eine skandiert und der andere "Hier marschiert der nationale Widerstand". Die erste Parole wurde von der Polizei als Verdacht einer Straftat angesehen, die zweite war den Teilnehmern zuvor verboten worden.
Gekommen waren die etwa 60 überwiegend jungen Rechtsextremisten aus dem gesamten Region, um in Hagen gegen den Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, zu demonstrieren, der - so der Anführer - nach Hagen gekommen sei, um über Rassismus zu sprechen. Und da waren sich die Teilnehmer einig: "Der Rassismus ein Meister aus Israel." Ihre "Juden raus"-Rufe mit dem Nachsatz "aus Palästina" blieben ohne Echo.
Als Treffpunkt war den Rechtsextremisten der Platz vor dem Oberhagener Bahnhof zugewiesen worden, in dessen Bereich viele ausländische Mitbürger wohnen, die das Treiben argwöhnisch verfolgten. Zu Auseinandersetzungen kam es dank des souveränen Einsatzes der 700 eingesetzten Polizeibeamten nicht.
Bevor sich gegen 19.30 Uhr die Kolonne in Marsch setzte, hatten sich bereits vor 18 Uhr rund 150 Gegendemonstranten an der Johanneskirche zusammengefunden. Israel-Fahnen und das Spruchband "Gegen Antisemitismus und Faschismus - Solidarität mit Israel" machten die Einstellung einiger Teilnehmer deutlich. Paul Michalowicz betonte, dass die Spirale der Gewalt mit der Ermordung von 6 Millionen Juden durch Nazi-Deutschland begonnen habe, Israel deshalb aber nicht das Recht habe, die Palästinenser willkürlich zu behandeln. Es gelte, den Fundamentalisten beider Seiten das Handwerk zu legen. Dazu gehöre es, sich quer zu stellen gegen die Nazi-Aufmärsche - und auch gegen Nazis, die immer noch stolz auf jene Zeit seien, wie ein SS-Divisionsschild an einer Haustür in Wehringhausen gezeigt habe.
Im Tor 2 stellte sich Paul Spiegel den Fragen von WR-Redakteur Jens Helmecke und denen des Publikums.
Hagen. (Froh) Das Beste kommt in der Regel zum Schluss. Würde man das auch von Paul Spiegels Lesung im Tor 2 behaupten, täte man dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland sicherlich Unrecht. Spiegel hatte die Lacher trotzdem auf seiner Seite, als er zum Abschluss seinen Lieblingswitz erzählte.
Während draußen Neonazis marschierten, besuchte Spiegel die Ausstellung "Rassismus in Deutschland", deren Schirmherr er ist, und trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein. Zahlreiche Hagener bewiesen anschließend in der Kulturstätte an der Eilper Straße, dass sie mit Fremdenhass und Antisemitismus nichts am Hut haben. Allen voran OB Wilfried Horn, der Paul Spiegel aufs Herzlichste in Hagen willkommen hieß, sie für den braunen Mob entschuldigte und Spiegel als einen Menschen lobte, der seit jeher für ein offenes und tolerantes Miteinander einsteht.
Was passiert, wenn dieses Miteinander verloren geht, beschreiben Spiegels Memoiren "Wieder zu Hause? Erinnerungen" nur zu deutlich. "Ich begreife es bis heute nicht, wie Menschen so etwas tun können", erinnerte sich Spiegel an die Verschleppung seiner Schwester Rosi. Eindringlich beschrieb er die Zeit des Bangens in einem dunklen Kellerloch, verlas aber auch seine Erinnerungen an die Befreiung durch die Amerikaner. "Mit sieben Jahren bemerkte ich zum ersten Mal, dass es weder Makel ist noch Gefahr bedeutet, ein Jude zu sein."
In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum sah sich Spiegel vor allem mit der aktuellen politischen Lage in Israel konfrontiert, wusste darauf aber zu kontern: "Ich bin nicht mit allen Entscheidungen der israelischen Regierung einverstanden." Doch gebe es keine Alternative zum Friedensprozess im Nahen Osten.
Und Deutschland? "Wir sind auch nach den Gräueltaten der Nazis hier geblieben in dem Vertrauen, dass es richtig war, hier zu bleiben", machte der 65-Jährige deutlich. Er äußerte nur einen Wunsch: "Ich würde mich freuen, wenn in absehbarer Zeit jemand bei mir anruft, um mir zu sagen, dass der Schutz jüdischer Einrichtungen in Deutschland nicht mehr nötig ist."
Hagen. Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, hat einen intensiven christlich-jüdischen Dialog gefordert.
Ein solcher Dialog sei nötig, um das Verhältnis zueinander zu entkrampfen. "Wir müssen normaler, lockerer miteinander umgehen", sagte Spiegel gestern bei einem Besuch unserer Zeitung. Er habe am vergangenen Wochenende mit großer Faszination auf dem ökumenischen Kirchentag in Berlin erlebt, wie wichtig es sei, miteinander zu reden.
"Wir reden noch viel zu sehr übereinander", sagte Spiegel. In Deutschland herrsche nach wie vor großes Nichtwissen über das Judentum und den Holocaust. Zu einem großen Teil liege dies darin begründet, dass bisher keine richtige didaktische Form und kein richtiges Maß gefunden worden seien, um darüber zu informieren. Besonders in Schulbüchern sei dies als großer Mangel festzustellen.
Dass 700 Polizisten seine Sicherheit gewährleisten mussten, weil parallel zu seinem Besuch in Hagen eine Demonstration Rechtsradikaler stattfand, war für Spiegel "in dieser Form neu". Solches lasse sich aber ertragen, "wenn die Mehrheit der Bevölkerung klar gegen den Rechtsradikalismus steht". Bei der Bundestagswahl 2002 habe die Bevölkerung ein solches Bekenntnis eindrucksvoll abgelegt, sagte Spiegel.
Zum Nahost-Friedensprozess meinte der Präsident des Zentralrats, er setze trotz gewisser Zweifel große Hoffnung auf den palästinensischen Regierungschef Abbas. Israel wolle Frieden, "aber es muss ein Frieden in Sicherheit sein - für beide Seiten".
Hagen. Seine Sicherheitsbeamten sind immer bei Paul Spiegel. Sie schützen den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland auf Schritt und Tritt. Einmal ganz sicher sein zu können, dass niemand ihn mehr beschützen muss - "das wünsche ich mir von Herzen".
Paul Spiegel (65) ist zum Redaktionsbesuch bei der Westfalenpost zu Gast. Er atmet durch. An diesem drückend heißen Dienstagabend ist in Hagen der Schutz für Spiegel besonders massiv. 700 Polizisten sorgen für seine Sicherheit bei einer Lesung aus seinem Buch "Wieder zu Hause?". Der Grund: Rechtsextreme demonstrieren in der Stadt. "Eine unselige Aktion", findet der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. "Wenn diesen Demonstranten das System in Deutschland nicht passt, dann sollen sie gehen - wir Juden werden nicht aus Deutschland fortgehen!"
Linksextreme veranstalten den Gegenprotest. Es sei das erste Mal, so Spiegel, dass seine Lesung von derartigen Aktionen begleitet werde. "Das", so sagt der Westfale sehr leise und konzentriert in den Gesprächskreis der Redaktion, "muss man erst verarbeiten, das hätte ich mir nicht träumen lassen". Wie hält er das aus? "Das kann ich nur ertragen, weil ich der festen Überzeugung bin: Die große Mehrheit der Deutschen steht zu mir." Auch Hagen wehrt sich gegen den Protest der Rechtsextremen - ein Zeichen dafür: Spiegels Lesung erfreut sich besonders regen Zuspruchs.
Spiegel ruht in sich, strahlt Zuversicht aus und lächelt. Beim Redaktionsgespräch berichtet er, er schreibe ein neues Buch. Im Oktober wird es erscheinen. Es soll den Titel tragen: "Was ist koscher?" Spiegel: "Wo sind unsere gemeinsamen Schnittstellen?" Davon will er erzählen. Im Plauderton, wie der gebürtige Warendorfer es mag. Spiegel, der seit vielen Jahren in Düsseldorf eine Konzertagentur betreibt, schreibt das Buch für all jene, die mehr über die Juden erfahren wollen.
Spiegel beklagt: Noch immer wissen viel zu viele junge Menschen zu wenig über die Juden und über die Schrecken des Holocausts. Deshalb fordert der NRW-Staatspreisträger 2002: bessere Aufklärung in den Schulen. "Ja, auch Fortbildungsseminare für Lehrer."
Spiegel warnt: Die Zahl rechtsextremer Straftaten sei in Deutschland gestiegen. Spiegel kritisiert: "Den Aufstand der Anständigen hat es bislang nicht gegeben." Etwa im Fall des "Provinzpolitikers aus Münster", wie Spiegel Jürgen W. Möllemann nennt. Bittere Erinnerungen hat er an Möllemanns "Flugblattaktion" im Bundestagswahlkampf 2002, an Möllemanns Attacken gegen die israelische Regierung. Schlimm war das alles für Spiegel. Doch der Rückhalt, den er in diesen schweren Wochen durch seine beiden Stellvertreter im Zentralratsvorsitz, Friedman und Knobloch, erfahren habe, "ist mir noch heute in wohltuender Erinnerung".
Wo er kann, weist Spiegel hin auf die positiven Signale, die es für jüdische Mitbürger in Deutschland zu verzeichnen gibt. Etwa auf den Staatsvertrag, der zwischen Bundesregierung und Zentralrat der Juden geschlossen wurde. Spiegel, gefragter Podiumsgast beim ökumenischen Kirchentag in Berlin, möchte verstärkt eintreten für den christlich-jüdischen Dialog. Einmal pro Jahr will er künftig ein Forum organisieren. Weil: "Wir reden zu viel übereinander, statt miteinander."
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Martin Seto
Jungle World # 25, 11.06.03