Das Thema“ ohne Geld leben“ fasziniert, interessiert, schockiert, verärgert, erfreut – die Gefühlspalette ist groß. Mein Publikum besteht aus sehr unterschiedlichen Menschen. Manche kommen, nur um mir zu sagen, dass ich eine Schnorrerin bin, die sich auf Kosten anderer durchschlägt. Sie beschimpfen mich und sind empört. Andere bewundern mich, sprechen von Pionierin und setzen mich auf einen Thron. Dann gibt’s die Belächler, die mich nicht ernst nehmen wollen. Ein Mann schleuderte mir mal die Worte entgegen: „Sie wollen doch nur tun, was Ihnen Spaß macht. Das nenne ich Egoismus per se. Was glauben Sie wohl, in welchem Chaos wir wären, wenn das alle so machten?“ Oder die jungen Frauen, die sich jedes Mal zu Wort melden, um ihre Zweifel auszusprechen:“ Mit kleinen Kindern lässt sich so doch nicht leben. Sie können es, weil Ihre Kinder erwachsen sind und Sie keine Verantwortung mehr tragen.“ So viele Wenns und Abers – immer wieder dieselben Fragen. Trotzdem setze ich mich seit zehn Jahren diesen Angriffen aus, ertrage, freue mich über die Unterstützer, die natürlich auch zahlreich erscheinen, bin verärgert, erkläre, suche nach Gemeinsamkeiten, wünsche mir Verständnis. Seit zehn Jahren will ich keine Missionarin sein, die anderen etwas überstülpt, die ihre Ideen als das A und O bezeichnet und als den neuen Weg präsentiert. Und dennoch sind mir meine Auftritte wichtig, die Darstellung meiner Beweggründe erscheinen mir notwendig und gerade in der heutigen Zeit unbedingt erforderlich!
Das hat mit der politischen und wirtschaftlichen Situation zu tun, wie sie sich heute präsentiert: Die steigende, nicht aufzuhaltende Zahl der Arbeitslosen, die Verschuldung des Staates und der daraus resultierenden Abhängigkeiten und Bewegungsstaus, das immer weitere Aufklappen der Schere in Reich und Arm, die Gewaltzunahme allerorten, auch im Klimabereich, was auf Missbrauch und Ausbeutung der Natur durch die Menschen zurückzuführen ist u.a. Bislang standen Ziele wie Zugewinn, Glück durch materiellen Reichtum, überhaupt das Materielle im Vordergrund. Ein Freund, der Oberstudienrat ist und jedes Jahr die Abiturienten nach ihren Visionen und Wünschen befragt, erhält jahrein jahraus dieselben Antworten. Das wichtigste sei ein guter Beruf und dazu eine Arbeitsstelle, die gut bezahlt wird, dann ein Haus mit Garten, Auto und alles, was den heutigen Lebensstandard ausmacht. Die meisten Menschen sehnen sich danach, aber immer weniger können ihn halten. Die Zahl der Menschen, die am Rande stehen, wächst. Lösungen sind angeblich nicht in Sicht!
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