Das Geld existiert nicht als isoliertes Phänomen, es ist Teil eines Komplexes menschlicher Beziehungen. Das Geld setzt einen Austausch voraus, welcher eine Handelsgemeinschaft impliziert. Diese setzt ein System von Besitztiteln voraus, welches eine Rechtsgemeinschaft impliziert. Diese wiederum ist abhängig von menschlichen Beziehungen, die entweder SOR oder MOR zur Voraussetzung haben. Um das Geld zu verstehen, müssen wir uns bewußt sein, welches Optionsverhältnis impliziert ist, und ganz klar erkennen, daß wir eine durch SOR bedingte Schwierigkeit mit der Schaffung einer neuen SOR - Version nicht lösen können. Zuerst müssen wir die grundlegenden menschlichen Beziehungen von SOR zu MOR verschieben und dann das Geldproblem innerhalb des Zusammenhangs einer Lösung des grundlegenderen und allgemeineren Problems menschlicher Beziehungen lösen. Deswegen werde ich mit dem Ende der Implikationskette beginnen und vom Options-Verhältnis zum Geld schreiten. Die Reihenfolge wird folgendermaßen sein:
SOR/MOR - menschliche Beziehungen - Regierung - Rechtsgemeinschaft - Besitztitelverhältnis - Handelsgemeinschaft - Austausch - Geld.
Eben weil diese vorhergehenden Zusammenhänge fast ständig ignoriert oder nicht erkannt werden, sind die meisten Diskussionen über das Geld so oberflächlich, verwirrend und nicht überzeugend.
SOR und MOR habe ich schon beschrieben. SOR wird zuletzt beeinflußt durch invasive Gewalt, MOR durch Kommunikation und gegenseitiges Einverständnis. Ich definiere Invasion (Angriff) als jeglichen Versuch, SOR zu etablieren oder aufrechtzuerhalten und Verteidigung als jeglichen Versuch, SOR zu entfliehen oder zu verhindern. SOR erzeugt antagonistische menschliche Beziehungen, während MOR synergistische menschliche Beziehungen erzeugt.
Menschliche Beziehungen betreffen die menschliche Soziation. Soziation ist eine Art oder ein Prozeß der Interaktion, entweder assoziativ (verbindend) oder dissoziativ (trennend). So können menschliche Individuen dissoziiert sein und dennoch soziativ (gesellschaftlich) verbunden sein, weil sie sich wieder assoziieren (vereinen) könnten. So ist die freiwillige Dis-Assoziation der Test freiwilliger Assoziation. Als Teil unseres inhärenten Egoismus sind Menschen proto-kooperativ, d.h. wir neigen natürlicherweise dazu, uns in von uns als angenehm oder günstig empfundenen Situationen zu assoziieren und uns aus von uns als widrig und unpassend empfundenen Situationen zu dis-assoziieren. In einer SOR-Umgebung wird diese natürliche Tendenz aller Menschen für "Primarchen" erleichtert, aber den "Subarchen" erschwert oder vorenthalten. Solche Ungleichheit bei der grundlegenden Option, durch welche menschliche Beziehungen entstehen, verursacht sich gegenseitig ausschließende Ego- und Klasseninteressen zwischen Primarchen und Subarchen, die wiederum antagonistische menschliche Beziehungen erzeugen.
Im Gegensatz dazu erleichtert ein MOR-Umfeld die Assoziation von Individuen mit gegenseitigen oder komplementären Interessen, und erleichtert auch die Dis-Assoziation, wenn ihre Interessen unvereinbar sind. Das Resultat sind synergistische menschliche Beziehungen.
Den Begriff der Synergie bei menschlichen Beziehungen übernehme ich von der Anthropologin Ruth Benedict. Nach ihr tritt hohe Synergie dann auf, wenn eine Person zu ihrem eigenen Nutzen etwas in der Weise tut, daß es auch anderen nutzt, während niedrige Synergie dann auftritt, wenn eine Person zu ihrem eigenen Nutzen etwas macht und dabei andere behindert oder ihnen schadet. Ich bin mit ihrem Begriff Synergie einverstanden, aber nicht mit ihrem Ausdruck "niedrige Synergie". Ruth Benedict hat ganz klar nicht einen Fall reduzierter Synergie - von weniger gegenseitigem Nutzen -, sondern von der Antithese der Synergie beschrieben; und das Gegenteil von Synergie ist Antagonie. Es gibt also zwei grundlegende menschliche Beziehungsmodalitäten - Synergie und Antagonie; die am weitesten verbreitete und vorherrschendste Art menschlicher Beziehungen in der ganzen Welt heute ist die interpersonelle, gesellschaftliche und internationale Antagonie. Wie ich zeigen werde, sind die monetären Probleme, welche uns heute verwirren, Symptome fundamentalerer, antagonistischer menschlicher Beziehungen, welche durch SOR erzeugt werden.
Nachdem ich die Unterscheidung SOR/MOR formuliert hatte, entdeckte ich, daß fast jedes Wort in der englischen Sprache - Ausnahmen gibt es sehr wenige - zweideutig in Bezug auf SOR/MOR ist. Wir haben gerade gesehen, daß dies bei dem Begriff menschliche Beziehungen der Fall ist - es gibt zwei Versionen -, und es trifft auch bei den anderen Begriffen zu, die wir betrachten werden.
Werden 2 oder mehr Elemente zusammengebracht - durch Aggregation oder Organisation - umfassen sie einen Komplex. Wenn die Elemente aggregiert sind, werden sie additiv zusammengebracht und der Komplex wird "summativ" oder "Anhäufung" genannt. Wenn der Komplex von Elementen organisiert ist, wird er "konstitutiv" oder "System" genannt. Wenn Menschen als Gruppe betrachtet werden, sind die Individuen die Elemente; ein aggregierter Komplex ist dann eine Ansammlung, welche "Population" genannt wird; ein organisierter oder konstituierter Komplex, der "Soziation" genannt wird. In einer SOR-Umgebung ist die Soziation eine zwangsmäßige, sei es durch Zwangsassoziation - wie im Fall der Sklaverei - oder durch Zwangsdissoziation - wie im Fall der südafrikanischen Apartheid des 20. Jh. oder amerikanischer Reservats- "Apartheid" im 19. Jh., welche von der offiziellen weißen Vorherrschaftspolitik der "manifest destiny" auferlegt war. In einer SOR-Umgebung wird den Subarchen die Option, nach Belieben zu assoziieren oder zu dissoziieren, vorenthalten; in einer MOR-Umgebung aber haben alle menschlichen Individuen diese Option. Ein Ergebnis von MOR ist dann, daß alle menschlichen Individuen, welche sich assoziieren, einen einstimmigen Konsens bilden, denn alle, die nicht einverstanden sind, assoziieren ja nicht. Auf diese Weise wird die kommunistische Absicht der Bildung eines Konsenses, welcher oft auferlegt ist, durch vollständige individuelle Freiheit, nämlich MOR, wirkungsvoller erreicht.
Die grundlegende Unterscheidung zwischen einer Ansammlung und einem System ist, daß in einem System die Elemente in einer bestimmten Weise MITEINANDER IN BEZIEHUNG stehen. So gibt es in einem System 3 Hauptfaktoren: die ANZAHL der Elemente, die verschiedenen ARTEN von Elementen und die BEZIEHUNGEN zwischen den Elementen. Auf Menschen übertragen, erforschen Demographen die Verteilung menschlicher Populationen in Bezug auf ihre Anzahl; Psychologen und Psychiater studieren menschliche Individuen in Bezug auf ihre Art, so, als ob sie in Isolation lebten, während Soziologen, Ökonomen, Politikwissenschaftler etc. menschliche Beziehungen losgelöst von individuellen Persönlichkeitsunterschieden erforschen, als ob menschliche Beziehungen fern von menschlichen Wesen existierten, deren Meinungen, Wahrnehmungen und Handlungen ja die Beziehungen ERZEUGEN und umgekehrt die MANIFESTATIONEN von den Beziehungen sind.
Ein Mangel der meisten Abhandlungen über das Geld ist deren Sichtweise: Geld als eine Abstraktion getrennt von der Persönlichkeit der Individuen und den menschlichen Beziehungen, welche die ein Geldspiel erzeugenden Verhaltensweisen erzwingen und lenken. Die alte Frage "wie können wir von da, wo wir sind, dorthin gelangen, wohin wir wollen?" muß mit dem Eingeständnis beantwortet werden, daß wir es nicht können - nicht mit der Art von Leuten, mit der wir es zu tun haben und den Beziehungen, in denen sie geistlos eingebunden sind. Mein Punkt hier ist, daß das Geld nicht so sehr ein System ökonomischer Beziehungen als vielmehr menschlicher Beziehungen darstellt, welche durch den SOR-Staat oder die MOR-Gesellschaft kontrolliert und von erzwungenen Regeln gelenkt wird, die "Gesetze" heißen.
Ein Gesetz ist eine formulierte Beziehung in einem konzeptuellen System. Wissenschaftliche Gesetze sind beschreibende Aussagen über Beziehungen in einem System von Begriffen über bestimmte beobachtete natürliche Phänomene. Ökonomische Gesetze sind Formulierungen in einem System von Begriffen über bestimmte vorgeschriebene menschliche Handlungen. Vorgeschriebene menschliche Handlungen werden als Regeln formuliert und wenn Regeln zur systematischen Führung menschlicher Handlungen benutzt werden, werden sie operational und erzeugen ein Spiel.
Folglich sind ökonomische Gesetze die Gesetze eines künstlichen Spiels, nicht die Gesetze der unvermeidlichen Natur, wie die Ökonomen annehmen. Das Muster eines Spiels wird in den Regeln etabliert und die Regeln des jetzigen ökonomischen und - weiterentwickelt - monetären Spiels sind in Gesetzesstatuten formuliert. So hängt das ökonomische "Gesetz der Grundrente" von dem Gesetzesstatut ab, durch welches nicht nutzende BesitzerInnen von nicht-besitzenden BenutzerInnen eine Grundrente erzwingen können; und das ökonomische "Gesetz des Zinses" hängt ab von dem Gesetzesstatut, welches privilegierten Nicht-ProduzentInnen ein Monopol auf Geldemission zuweist, die dann Zins von jenen erzwingen, welche zur Ausführung ihrer Geschäfte Geld brauchen. Demgemäß sind ökonomische Gesetze die Funktion eines ökonomischen Spiels, welches in den Gesetzesstatuten eines Rechtsspiels formuliert wird, das von den Mitgliedern einer Rechtsgemeinschaft gespielt wird. Diese Rechtsgemeinschaft setzt eine Regierung ein, welche die regulative Agentur menschlicher Beziehungen - entweder SOR oder MOR - darstellt. Heute ist es SOR, und diese Tatsache wird von den meisten Menschen ignoriert, die über das Geld diskutieren. Wenn wir das Geld verstehen sollen, müssen wir die Gesetzesstatuten, welche das ökonomische Spiel definieren, ganz klar vor der Betrachtung der ökonomischen (Spiel-)Regeln (nicht natürliche Gesetze!) berücksichtigen. In der vorherrschenden SOR-Umgebung schließen gewisse Gesetzesstatuten den Wettbewerb bei der Geldemission aus. Dementsprechend werden die Polizeikräfte des Staats dazu benutzt, dem Volk ein manipuliertes Geld-Spiel aufzuzwingen. Die Natur dieses Spiels wird im folgenden klar werden.
Die Ökonomie wurde die Wissenschaft von der Produktion und dem Austausch genannt. Produktion ist die Anwendung von Kunstgriffen an natürlichen Systemen zur Erlangung nützlicher Ergebnisse oder Produkte. Austausch ist der gegenseitige Transfer von Eigentum. Die Ökonomie bezieht sich auf eine komplexe Industrie, welche sowohl eine komplexe Produktion als auch einen komplexen Austausch beinhaltet. Eigentum bezieht sich auf Vermögen, welches jedes beliebige Objekt des Eigentums ist. Um benutzt werden zu können, muß das Vermögen besessen werden. Demzufolge müssen wir Besitztitel berücksichtigen.
Besitz bedeutet, physisch zu haben, halten, besetzen und/oder zu benutzen. Was jemand besitzt, über das kann er/sie physisch verfügen. Eigentum ist ein ausschließliches Recht zu verfügen. Ein Recht ist ein allgemein anerkannter Verfügungsanspruch.
Wenn wir 3 Beziehungsebenen unterscheiden:
Ich definiere Besitztitel als Eigentum plus Besitz ( T = O + P ). Besitztitel können vereint oder getrennt sein. Von vereinten Besitztiteln (uT) wird dann gesprochen, wenn sowohl Eigentum als auch Besitz bei der selben Person lokalisiert sind, wenn z.B. jemand ein Haus als Eigentum hat, in dem er oder sie auch wohnt. Von geteilten Besitztiteln ( dT ) wird dann gesprochen, wenn eine Person das als Eigentum hat, was eine andere besitzt wie z.B. bei der Vermietung eines Hauses an einen Mieter. Geteilte Besitztitel erzeugen ein Kredit/Schulden Verhältnis. Kredit ( C ) ist geteilte Besitztitel minus den Besitzaspekt ( dT - P = C ). Schuld ( D ) ist geteilte Besitztitel minus Eigentum ( dT - O = D ). Geld ist hauptsächlich ein Kreditinstrument; darauf werde ich später genauer eingehen.
Austausch ist ein zweideutiger Ausdruck. Offensichtlich bezieht er sich auf einen Handel von etwas gegen etwas anderes, aber er macht keine Angaben über die Gleichheit oder Ungleichheit des Handels. Infolgedessen können die Ökonomen nicht bestimmen, wann ein Austausch gerecht ist. Sie sagen sehr wohl, daß ein Austausch eintritt, wenn Werte-Gleichheit besteht; alles, was sie jedoch tatsächlich wissen, ist, daß ein Handel stattfand.
Wenn wir TRANSFER als eine in eine Richtung gehende Translokation von etwas gegen nichts (als "Gegenleistung") definieren, und Austausch als eine in 2 Richtungen gehende gegenseitige Translokation von etwas gegen etwas anderes, dann können einige Austausche gleich sein - welche wir "equichange" (dt. etwa "Gleichtausch") nennen könnten - und einige können ungleich sein, d.h. zum einen Teil eine Sache gegen eine andere und zum anderen Teil eine Sache gegen nichts anderes - was wir als "Netto-Transfer" bezeichnen könnten.
Nehmen wir z.B. einmal an, Sie und ich seien gleich kompetente ProduzentInnen unserer jeweiligen Produkte und wir handeln das Produkt von 10 Stunden Ihrer Arbeit gegen 1 Stunde meiner Arbeit. Dann haben wir einen "equichange" ("Gleichtausch") von 1 Stunde und einen Netto-Transfer von 9 Stunden zu meinen Gunsten bewirkt. Ökonomen würden sagen, es hätte eine Gleichung von Werten gegeben, aber solcherart Verwirrung schafft einen Mythos der Rechtfertigung ungerechter Handlungen.
Zur Unterscheidung zwischen gerechtem und ungerechtem Handel ist die Unterscheidung zwischen Kosten-Preis und Nutzen-Preis erforderlich. Kosten sind der bei der Produktion eines Produkts anfallende und zu ertragende Streß; Nutzen ist der Gewinn, welcher sich aus der Benutzung des Produkts herleitet. Im obigen Beispiel repräsentiert das Produkt von einer Stunde "equichange" den Kosten-Preis, während die 9 Stunden Netto-Transfer den Nutzen-Preis repräsentieren. Ich bekomme 10-mal den Kosten-Wert, den Sie erhalten, aber Ökonomen nennen das gleich, weil sie sich auf den Nutz-Wert beziehen. Sie können sich dessen aber nicht sicher sein, weil ich ja 10-mal mehr Nutzen aus Ihrem Produkt ziehen könnte als Sie aus meinem. In Wirklichkeit könnte der Unterschied Ihre Verzweiflung und Ihren Mangel an alternativen Wahlmöglichkeiten gegen meine ökonomische Sicherheit und Selbstgefälligkeit repräsentieren.
Die Binsenweisheit, daß Geld ein Tauschmittel ist, enthüllt nicht genug. Nehmen wir an, ich würde eine Waffe auf Sie richten und auf diese Weise SOR-Verfügung über Ihr Leben erlangen. Nehmen wir weiter an, ich würde Ihr Leben dann auf dem Markt "anbieten" und einen Austausch vorschlagen - Ihr Geld für Ihr Leben. Wenn Sie "nein" sagen und ich Sie töte, ist das keine ökonomische Transaktion, ich habe ganz einfach Ihr Leben gestohlen. Aber wenn Sie Ihr Geld geben und ich Sie leben lasse, d.h. ich die Verfügung über Ihr Leben gegen Ihr Geld tausche, ist dies eine ökonomische Transaktion gemäß den ökonomischen Definitionen und der Theorie. In diesem Fall vermittelt meine Drohung einen Austausch, wir nennen sie aber nicht "Geld". Der Grund, warum sie kein Geld darstellt, ist, daß sie zu spezifisch ist. Die Natur dieses Vorgangs war mehr die des einfachen Barters (Tausches).
Geld ist ein ALLGEMEINES Tauschmedium; es vermittelt komplexen Handel auf einem
Markt, d.h. in einem Handelsgebiet, in welchem viele ähnliche Artikel
vieler verschiedener Produktarten gehandelt werden. Geld ist "jedes
Tauschmedium, das gegen die Mangelhaftigkeit der Methode angewandt wird, Dinge
durch einfachen Barter auszutauschen."
(Bilgram, Hugo, and Levy, Louis Edward: THE CAUSE OF BUSINESS DEPRESSIONS, J.B.
Lippincott, 1914, reprinted 1950 by Libertarian Book House, Bombay, India,
p.95)
Die eine Qualität, welche das Geld von anderen tauschbaren Dingen unterscheidet, ist seine allgemeine Annahmefähigkeit auf dem Markt und bei der Schuldenbegleichung. Das Geld gewinnt dieses exklusive Merkmal nur durch den KONSENS der Mitglieder einer Handelsgemeinschaft, gewisse wertvolle Dinge als Tauschmittel (oder komplexen Transfer) anzunehmen, so z.B. Münzen oder bestimmte Formen des Kredits. "Komplexer Transfer" bezieht sich auf eine Reihe von Transfers, welche von generalisierten Empfangsbestätigungen vermittelt werden.
Dann ist Geld ein Objekt der Übereinkunft. Wenn ein Objekt am Markt als Ware erscheint, wird es nur von jenen akzeptiert, welche seine nützlichen Eigenschaften ausnutzen wollen. Aber wenn ihm eine bestimmte übereinkunftsmäßige Form verliehen wird, wird es im Handel oder bei der Zahlung von Schulden allgemein akzeptiert und ist als solches Geld. Wenn einem Objekt die übereinkunftsmäßige Form gegeben wird, welche allgemein annahmefähig ist, wird dieser Vorgang als "Monetarisierung" dieses Objektes bezeichnet.
Nach Laurance Labadie gibt es zwei mögliche Gründe, warum alle ein Objekt annehmen würden, welches nicht wegen seiner inhärenten nützlichen Eigenschaften erwünscht wird: entweder als Mittel zur Erlangung von etwas Erwünschtem oder zur Vermeidung von etwas Unerwünschtem. Diese Unterscheidung entspricht dem, was behavioristische Psychologen im ersten Fall "positive Verstärkung" und im zweiten Fall "negative Verstärkung" nennen.
Kleinen Mengen von Gold, bei jeder Transaktion gewogen, sind bis ca. 750 vor Chr. benutzt worden. Manche Menschen nennen es "bullion money" (=ungemünztes Geld). Standard Gold- und Silbergewichte sind den vorgewogenen Gold- oder Silbermünzen um 6000 Jahre vorausgegangen. Dann machten einige lydische Händler (Griechenland) kleine Kügelchen eines Standardgewichts aus Elektrum (ein Gold/Silber-Amalgam) mit ihren privaten Garantiesiegeln darauf. Da sie gleich viel wogen wie die Standard-Steingewichte, welche mit Balkenwaagen benutzt wurden, wurde ihnen derselbe Name gegeben. Das 200 Gran (=12.96 Gramm, A.d.Ü.) BEGUA oder Gold Standard-Gewicht Ägyptens 8000 v.Chr. hatte seine Entsprechung im vorgewogenen DOLLAR der Vereinigten Staaten, oder dem Goldstandardgewicht von 23.22 Gran (=1.505 Gramm, A.d.Ü.), bis die USA ungefähr 1933 den Goldstandard verließen.
Der Ausdruck "Goldstandard" hat 2 Bedeutungen:
Im Fall der Goldzertifikate stellt das Papierzertifikat ein Versprechen dar, Goldmünzen im Nennwert des Zertifikats zu zahlen. Das Papier hat dann einen repräsentativen oder faktischen Wert. Es repräsentiert den Wert des Goldes, solange es für das repräsentierte Gold eingelöst werden kann.
Wenn das Geld, ob nun Goldmünzen oder Kreditgeld, Gold als Emissionsgrundlage hat, entspricht der Wert des Symbols dem Wert der Ware Gold. Kreditgeld kann aber als Emissionsgrundlage auch anderes Vermögen haben. In jedem Fall hängt der Tauschwert des repräsentierenden Zeichens von dem Tauschwert des Vermögens ab, welches als Sicherheit herangezogen wurde. Solche Sicherheit ist ein rechtliches Verhältnis.
Jede brauchbare Ware kann als Paradigma-Werteinheit benutzt werden. Als solche wird sie zum "gemeinsamen Nenner" aller anderen Werte. Eins, zwei, drei sind abstrakte Zahlen. Ein Fuß, zwei PFUND, drei BEGUA (die vorhin erwähnte Werteinheit) sind klassifizierte Zahlen. Josiah Warren benutzte ein Pfund Getreide als Paradigma-Werteinheit in seinem Cincinnati-Ohio "time-store" Experiment. Robert Swann schlug ein "cord wood" (Klafter Holz) vor. Warren's Getreidestandard benutzte Getreide als Wertstandard, aber alle Arbeitsprodukte konnten als Emissionsgrundlage benutzt werden. So konnte eine KartoffelbäuerIn ihre Kartoffelernte monetarisieren, d.h. ihre Kartoffeln als Sicherheit für die Emission von Geld - des Arbeitsdollars - bewertet in Pfund Getreide benutzen. Soweit ich mich erinnere, dachte sich Robert Swann seinen Holzstandard als Emissionsgrundlage, in welchem Fall die Emission von "Holzzertifikaten" ein auf Holzbesitzer beschränktes Privileg darstellen würde. In diesem Fall würde das Geldangebot durch das Holzangebot beschränkt sein, und im Fall einer Erhöhung des Geldbedarfs über das Geldangebot hinaus könnten Holzzertifikate gegen Zinsen verliehen werden. Das könnte verbessert werden, indem alle Arbeitsprodukte als Emissionsgrundlagen für Tauschmittel zugelassen werden, welche auf Standard-Cordwood Werteinheiten lauten. Dann wäre die einzig relevante Frage, ob Cordwood die zeckmäßigste Ware für die Wahl zur Standard-Paradigma-Werteinheit ist, wenn man sie mit allen anderen Arbeitsprodukten vergleicht.
Ich habe Besitztitel als Eigentum plus Besitz ( T = O + P ) definiert, Besitz als physisches Haben, Halten, Besetzen und/oder Benutzen und Eigentum als ein ausschließliches Verfügungsrecht. Besitztitel können vereint ( uT ) oder geteilt ( dT ) sein. Geteilte Besitztitel erzeugen ein Kredit/Schulden Verhältnis. Kredit ist der Eigentumsaspekt von geteilten Besitztiteln ( dTO = C ); Schulden sind der Besitzaspekt von geteilten Besitztiteln ( dTP = D ). Der Zweck des Handels ist es, ohne Geschenke, Diebstahl oder Steuern in den Besitz von nützlichen Dingen zu gelangen, welche eine andere EigentümerIn haben. Der Ausdruck "Austausch" bezieht sich auf den Tausch von Eigentum mit oder ohne einen entsprechenden Tausch von Besitz. So ist einfacher Barter ein reziproker Transfer oder Tausch von vereinten Besitztiteln, bei welchem beide Händler zum Zeck der Nutzung und mit der Absicht auf Besitz Eigentum austauschen. Komplexer Barter bedeutet reziproker Transfer von vereinten Besitztiteln, bei welchem ein Händler mit der Absicht auf Nutzung Besitz erlangt, während der andere mit der Absicht, wieder zu handeln, Besitz erlangt. Das Wertobjekt, welches mit der Absicht auf nochmaligen Handel angenommen wird, ist eine Vermittlungs-Ware.
"Verkauf" bezieht sich auf pekuniären Handel, d.h. Handel mit Geld. Während sowohl beim einfachen als auch beim komplexen Barter die gehandelten Artikel wegen ihrer Brauchbarkeit oder Nützlichkeit angenommen werden, wird Geld wegen seinem repräsentativen Wert angenommen. Auf Besitztitel übertragen: Der Besitz-Aspekt von geteilten Besitztiteln bezieht sich auf oder impliziert (>) das Arbeitsprodukt (P) : (dTP = D) > P; umgekehrt bezieht sich der Eigentums-Aspekt von geteilten Besitztiteln auf Geld (M) : M > (dTO = C). Es fällt die Assoziation C = dTO mit Geld auf oder M > C, denn Geld ist im wesentlichen ein Kreditinstrument. Umgekehrt implizieren die Arbeitsprodukte P Schulden. Das Bequeme am Geld ist, daß Eigentum an P vom Besitz von P getrennt und nur der Eigentums-Aspekt vom Austausch in Umlauf gesetzt werden kann.
Wenn Goldzertifikate als Geld benutzt würden, wären sie ihrem Wesen nach Lagerhausquittungen. Als die USA den Goldstandard hatten, lieferte der Dollar von 23,22 Gran reinen Goldes oder 25,8 Gran 3/10 feinen Goldes eine ziemlich stabile Standard-Werteinheit. Die gesetzliche Vorschrift jedoch, daß nur Goldmünzen als Geldemissionsgrundlage dienen durften, gab den Goldeigentümern ein den anderen nicht zugängiges Privileg. Das bedeutete, daß nur die Reichen eine Bank eröffnen konnten. Da die Goldmenge begrenzt war und Geld auf Gold als Emissionsgrundlage beschränkt war, war das Geldangebot in einem komplexen Industriesystem kleiner als die Geldnachfrage. Die Geschäftsleute, unfähig, ohne Tauschmittel Geschäfte zu tätigen, konkurrierten um den Gebrauch des Geldes, welches verfügbar war. Solcher Wettbewerb erzeugte ein Agio, welches von modernen Ökonomen "Zins" und von antiken und mittelalterlichen Sozialphilosophen "Wucher" genannt wurde.
Aber die sozialen und ökonomischen Auswirkungen des Geldemissionsmonopols waren für die Arbeiter sogar noch verheerender und für das Wirtschaftssystem noch zersetzender. Erstens war für die ArbeiterInnen Kapitalbeschaffung, um selbst ins Geschäft zu gehen, schier unmöglich. Weil sie EigentümerInnen an ihren eigenen Produktionsmitteln nicht sein konnten, waren sie gezwungen, käufliche Arbeiten anzunehmen; dabei mußten sie das Kapital von nicht-arbeitenden EigentümerInnen benutzen; zu deren Bedingungen, welche auf Löhne von weniger als dem Äquivalent der von ihnen produzierten Produkte hinausliefen. Durch die Abhängigkeit von den Klassen der EigentümerInnen waren die ArbeiterInnen vor Arbeitslosigkeit in einer ökonomischen "Baisse" ungeschützt. Die persönlichen Belastungen der ArbeiterInnen wuchsen in solchen Zeiten, was in gestiegenen Aufnahmezahlen in den psychiatrischen Kliniken, Mißbrauch von Familienmitgliedern, Verzweiflungsverbrechen etc. resultierte.
Der erklärte Zweck von Gesetzen zur Restriktion der Geldemission war (und ist) die Restriktion der zirkulierenden Geldmenge. Der vermeintliche Grund war, die Kaufkraftstabilität des Geldes würde solche Begrenzung erforderlich machen. Der Irrtum dieser Sichtweise kann mit Bezug auf unser obiges Beispiel des Getreidequittungsgeldes demonstriert werden.
Nehmen wir an, 200 Bushel Getreide werden deponiert und 200 Bushel Quittungen an die EinlegerInnen ausgegeben. Solche Quittungen sind kein Geld, bis sie wie Geld funktionieren; und sie funktionieren nicht wie Geld - d.h. als Tauschmittel - bis sie durch AUSGEBEN in Umlauf gebracht werden. Weder Banken noch Lagerhäuser EMITTIEREN Geld; sie GEBEN potentielle Geldformen an EinlegerInnen FREI, die es in den Umlauf ausgeben oder auch nicht ausgeben. Ich beziehe mich nicht auf EinlegerInnen von im Handel erhaltenem Geld, sondern auf die primären EinlegerInnen, welche Hypotheken oder andere Vermögenstitel als Sicherheit für die Geldformen an die Banken geben - das potentielle- oder Proto-Geld, das sie emittieren, indem sie es ausgeben. So leihen sich die Leute kein Geld, wenn sie den Banken Anteilsansprüche auf ihr Vermögen geben, sondern monetarisieren nur ihr Vermögen. Die BankerInnen schätzen das Vermögen, bestimmen seinen Marktwert und garantieren dann die Solvenz der EigentümerIn. Gäbe eine Person Kreditzeichen auf ihr eigenes Vermögen aus, würden sie nur lokal von Leuten angenommen, welche mit der Solvenz des Ausstellers vertraut wären. Der Kredit der BankerIn jedoch ist weiter etabliert. Durch Deponieren BESTIMMTER Kreditinstrumente wie z.B. eine Hypothek und den Erhalt von ALLGEMEINEN Kreditzeichen der Bank gewinnt die VermögensbesitzerIn den Vorteil allgemeiner Akzeptanz am Markt und somit den Zugang zu jedem beliebigen aller auf dem Markt angebotenen Waren. Diese allgemeine Anbringbarkeit ist die neue Funktion, welche vom Geld und von sonst nichts geleistet wird. Und das ist der Grund dafür, warum in einem komplexen industriellen System das Geld ein Schlüssel-Kontrollinstrument darstellt. Jene, welche das Geld kontrollieren, kontrollieren das Austausch-System. Jene, welche das Austausch-System kontrollieren, kontrollieren das Produktions-System. Jene, welche das Produktions-System kontrollieren, kontrollieren das Recht zu arbeiten, das Bruttosozialprodukt, die Höhe der Löhne und Gewinne und die Mittel des Lebensunterhalts. Sie kontrollieren praktisch alles. Aber ich bin abgeschweift. Laßt uns zu unserem Beispiel der 200 in einem Lagerhaus deponierten Bushel Getreide zurückkehren. Für jedes Bushel erhalten die Deponierer eine Quittung, welche gegen ein Bushel Getreide einlösbar ist. Dann ist der repräsentative Wert jeder Quittung ein Bushel Getreide oder ein Getreidebushel.
Milton Friedman sagte: "Es gibt eine und nur eine Ursache der Inflation - zuviel Geld, welches dem erhältlichen Waren- und Dienstleistungsangebot nachjagt." NEWSWEEK, 3. Okt. 1977. Für diese Art von Vernebelung ökonomischer Wahrheit erhielt Professor Friedman einen Nobel-Preis.
Es ist jedoch ein Körnchen Wahrheit an der orthodoxen Sichtweise. Wenn wir annehmen, daß 200 weitere Empfangsbestätigungen ohne die Hinterlegung weiteren Getreides zu ihrer Einlösung in Umlauf gegeben werden, DANN wäre die Geldmenge verdoppelt und der durchschnittliche Wert der Quittungen jeweils ein Halbes Bushel Getreide. Durchschnitte können jedoch in die Irre führen. Wenn es eine Population von 9 Jungfrauen und 1 schwangeren Frau gäbe, würde im Durchschnitt die schwangere Frau zu 9/10 Jungfrau und die Jungfrauen jeweils zu 1/10 schwanger sein. Ganz ähnlich würden in der Praxis die ersten 200 dem Lagerhaus präsentierten Quittungen gegen jeweils ein Bushel eingelöst werden und die anderen 200 wären uneinlösbar und nichts wert sein. Nehmen wir zuletzt an, daß ein Feuer oder eine Flut die gesamten 200 Bushel Getreide zerstört. Dann würde keine der Quittungen auch nur die geringste Kaufkraft besitzen, wenn nicht gerade die Nachricht von der Zerstörung unterdrückt wäre. In diesem Fall wäre die Kaufkraft auf eine Täuschung gegründet, welche früher oder später von der Wahrheit vertrieben werden würde, und die Kaufkraft würde auf 0 kollabieren. Solange das Geld in Gänze einlösbar ist, kann seine Menge ohne eine Entwertung seiner Kaufkraft unendlich expandiert werden. Die einzige Auswirkung wäre eine Verlangsamung der Zirkulationsgeschwindigkeit, eine Reduktion des reinen Zinses auf 0, die Eliminierung unfreiwilliger Arbeitslosigkeit, die Erhöhung der Löhne, bis sie dem vollen Arbeitsprodukt gleich sind und der Zwang für nicht arbeitende EigentümerInnen, sich ihren Lebensunterhalt selber zu verdienen.
Ein besserer Weg wäre, alle Arbeitsprodukte als Emissionsgrundlage annehmbar zu machen, sie aber mit einem gemeinsamen Standard- Wertbenenner zu bewerten, d.h. eine konventionelle Standard-Werteinheit. Dann könnten alle, die etwas zum Handeln hätten, ein Tauschmittel bekommen, entweder durch Verkauf oder durch Monetarisierung. Um letzteres zu tun, müßten in einem Geldladen Rechtsansprüche auf Vermögen hinterlegt und dafür generalisierte Kreditzeichen einem sicheren Anteil des Vermögenswertes gleich erhalten werden können. Nach Geschäftsabschluß und Erhalt der erforderlichen Menge an Kreditzeichen durch den Handel würden die Zeichen an den Geldladen (oder die Bank) zurückgegeben und die Schuld aufgehoben.
Als Demonstration des oben Gesagten laßt uns ein Beispiel erwägen, das von Benjamin R. Tucker in "Instead of a Book", S. 220, zuerst in Liberty am 26. Juli 1890 gegeben wurde:
"A ist eine LandwirtIn und ihr Eigentum ist eine Farm. Sieverpfändet sie einer Bank für $1000.-, indem sie der Bank eineHypotheken-Note über diese Summe gibt und im Austausch Noten derBank über dieselbe Summe erhält, welche durch die Hypothekabgesichert sind. Mit den Noten der Bank kauft A landwirtschaftlicheGeräte von B. Am nächsten Tag benutzt B die Noten, um C bei derHerstellung der Geräte benötigte Materialien abzukaufen. Am Tagdarauf zahlt sie C wiederum an D für etwas, das er/sie braucht. AmEnde des Jahres sind die Noten nach einer konstantenAufeinanderfolge von Austauchvorgängen in den Händen von Z, einerHändlerIn von Landwirtschaftserzeugnissen. Sie/er zahlt sie an A,und A gibt dafür landwirtschaftliche Produkte im Wert von $1000,-,welche von A während des Jahres produziert wurden. A trägt dieNoten zur Bank, erhält dafür Ihre/seine Hypothekennote und dieBank streicht die Hypothek. Hat es in diesem ganzen Kreis vonTransaktionen nun irgendeine Kapitalverleihung gegeben? Wenn ja,wer war der Leiher? Wenn nicht, wer hat ein Recht auf irgendeinenZins?"
Jedem, der obiges gelesen hat, sollte klar geworden sein, daß es keine LeiherIn, keinen Kapital- oder Geldverleih gegeben hat und niemand das Recht auf einen Zins hat. Die einzig zulässige und notwendige Gebühr wäre die Dienstleistungsgebühr; da diese Methode einen vollkommen freien Wettbewerb miteinbezieht, würde sich die Dienstleistungsgebühr tendenziell auf die Höhe der Arbeitskosten einstellen.
Dieser Typ von Geld würde Macht in die Hände jedes Individuums legen. Das hauptsächliche Erfordernis für geschäftstreibende Menschen wäre die Bildung einer freiwilligen Austausch-Assoziation. Die Mitglieder würden sich zur Annahme der Noten oder Kontoguthaben der Assoziation verpflichten. Sie würden eine Standard-Geldeinheit übernehmen und alle anderen Werte mit ihr ausdrücken. Da der Preis Wert ist, welcher in Standard-Werteinheiten (oder Preiseinheiten) ausgedrückt wird, hätten sie eine stabile Bewertungseinheit. Keine "Inflation" oder "Deflation", d.h. keine Über- oder Unterbewertung von Geld mehr. Schulden und Guthaben würden sich über die Zeit hinweg nicht mehr verändern.
Geld könnte von jedem Mitglied emittiert werden, welches adäquate Sicherheiten gibt. Solch ein Mitglied wäre keine EntleiherIn, sondern eine SchuldnerIn in derselben Lage wie die LandwirtIn in Tucker's Beispiel. In jenem Beispiel monetarisierte die LandwirtIn A einen Wert von $1000 ihrer Farm. Der Marktwert der Farm wäre in ausreichendem Maße größer als der monetarisierte Betrag, so daß bei einem Verfall (der Hypothek) der Auktionspreis der Farm die Hypothek und die Ausgaben decken würde. Während die LandwirtIn den Besitz an der Farm behielt, und sie Eigentumsansprüche an alle, welche die Noten der Bank angenommen hatten, transferierte, war sie SchuldnerIn ( D = dTP ); umgekehrt waren die VerkäuferInnen, welche ihre Noten annahmen, KreditorInnen ( C = dTO ) des von den Noten repräsentierten Betrages. So war die FarmerIn A ein Jahr lang SchuldnerIn, während die VerkäuferInnen B,C,D...Z aufeinanderfolgende KreditorInnen waren. Auf die gleiche Weise wären die Mitglieder einer Austausch-Assoziation gegenseitige KreditorInnen und DebitorInnen (SchuldnerInnen), und Schulden wären ein Instrument der Sicherheit und des Vertrauens, nicht der Erpressung - was sie über Jahrtausende hinweg gewesen sind. Die allgemeine SemantikerIn würde sagen, Schuld 1 ist nicht gleich Schuld 2. Um es noch deutlicher zu erklären, MOR-Schulden sind nicht gleich SOR-Schulden. MOR-Austausch ist nicht gleich SOR-Austausch etc. Erinnern wir uns daran, daß fast jedes Wort, das auf menschliche Beziehungen hinweist, in Bezug auf SOR und MOR zweideutig ist.
Laurance Labadie sagte, das Geld sei die größte kooperative Einrichtung, die jemals erfunden wurde, und ich stimme dem zu. Es ermöglicht sogar Fremden, tausende von Meilen voneinander entfernt, zu kooperieren. Es ist so nützlich, daß es sich sogar auszahlt, lieber ein total korruptes System zu benutzen als gar keins.
Die erste kooperative Erfindung war eine Tauschware, welche den komplexen Barter erleichterte. Eine Tauschware funktionierte als ein Handelskatalysator, der den Handel beschleunigte. Auf diese Stufe war die Frage der Quantität problematisch. Als nächstes kam die Erfindung von Waagen und Standardgewichten zur Messung von Standardeinheiten der Standardware - gewöhnlich Gold oder Silber. Das löste das Problem der Quantität. Dann wurde das Münzgeld erfunden - vorgewogene Kügelchen oder Scheiben aus wertvollem Metall, mit einem Beglaubigungssymbol aufgeprägt. Waagen und Gewichte waren nicht mehr für Handelstransaktionen nötig, das Vertrauen in Symbole wurde jetzt zur Gewohnheit. Könige lernten es schnell, das Geld zu verfälschen, d.h. Münzen mit weniger wertvollem Metall auszugeben, als durch das Symbol angegeben. So wurde das Problem der Quantität, welches ja schon gelöst war, korrumpiert.
Als der Handel, die Bevölkerung und die Nachfrage wuchs, wurde das begrenzte Angebot an wertvollen Metallen - die "königlichen Metalle" Gold und Silber (Platin wurde im mittleren Osten nicht gefunden) - geringer als die Nachfrage, und EdelmetalleigentümerInnen liehen diese Metalle gegen Zins aus. Dies war die zweite Korrumpierung des Geldes.
Das Gold und Silber, hauptsächlich in Form von Standardmünzen, "specie" genannt, wurde in sicheren Kisten oder sicheren Kammern ("safes") verschlossen und zur Zirkulation als Geld freigesetzt. Dies brachte noch eine Korrumpierung mit sich. Die Vorstellung, nur Gold und Silber wären eine adäquate Gelddeckung, war ein aus antiken Praktiken übernommener Aberglaube. Da die Nachfrage oft über das Angebot hinaus anstieg, konnten die Gold- und SilbereigentümerInnen es verleihen, um einen Handel vonstatten gehen zu lassen. Dann deponierte die neue EigentümerIn zur Sicherstellung erneut die Münzen bis zum nächsten Bedarf. Da es immer eine gewisse Menge gab, welche nie die Tresore verließ, wurde das "überschüssige" Gold durch Verleih noch mobiler gemacht. Bemerke: die EmpfängerIn war tatsächlich EntleiherIn, sie erhielt Besitz von Vermögen, dessen EigentümerIn die BankerIn oder ihre EinzahlerIn war. So lief die BankerIn Gefahr, das Geld nicht zurückzubekommen. Die Risikogebühr war somit ein Teil der Bruttozinsbelastung. Zur Deckung solcher Risiken mußten die EntleiherInnen Eigentum aus ihrem eigenen Vermögen als Sicherheit für den Kredit geben. So konnten die Geldverleiher buchstäblich nicht verlieren, die EntleiherInnen aber konnten ihr Vermögen sehr wohl verlieren. Da die Zinsgebühren hoch waren (hoffnungslose Nachfrage widerspiegelnd), wurden die BankerInnen reich und EntleiherInnen arm. Verleih und erneuter Verleih anderer Leute Geld wurde zu einer weiteren Korrumpierung der Praxis im Geldwesen.
Schließlich blieb das Metall in den Tresoren und Gold- oder Silberzertifikate und gesicherte Banknoten wurden in Umlauf gebracht. Da Symbole unendlich vervielfacht werden können, während Gold und Silber nur begrenzt vorhanden sind, konnte das Angebot von Geldzeichen expandieren, um die Nachfrage zu befriedigen. Mit den vielen in Umlauf befindlichen Tauschmitteln wuchs der Handel und die Produktion, Wohlstand verbreitete sich, die Spekulation nahm überhand und die BankerInnen wurden durch Kredite reicher. Bemerke, daß bis zum Punkt des einlösbaren Münzgeldes die Zeichen-Geld Kredite wahre Guthaben-Schulden waren, die offenstehenden Zeichen darüber hinaus aber einen Betrug darstellten, denn sie konnten nicht wie versprochen auf Verlangen eingelöst werden.
Auf einer tieferen Ebene jedoch prädisponiert die vorherrschende Unreife der aus Individuen zusammengesetzten Massen sie zur geistlosen Übernahme wahnhafter Bedeutungskategorien; und weil sie alle im gleichen Spiel gefangen sind, tendieren ihre Reaktionen dazu, von der inhärenten Dynamik des Spiels synchronisiert zu werden. Ein Heilmittel dagegen müßte sowohl eine allgemeine Erziehung - oder Rück-Erziehung - in psychologische Reife als auch einen revolutionären Wechsel in ein neues, realistischeres Spiel beinhalten. Ersteres ist notwendig, um das zu bewirken, was Mitglieder des Club of Rome als eine "kopernikanische Revolution des Geistes" bezeichnen; solch eine geistige Revolution ist eine Bedingung für jeden durchführbaren Wandel von antagonistischen zu synergistischen menschlichen Beziehungen.
Zur Erklärung der Beziehung zwischen Geld und Konjunkturschwankungen werde ich aus Bilgram und Levy, S. 372-373 zitieren. Nachdem sie zuvor vier Zyklusphasen beschrieben haben, fassen die Autoren wie folgt zusammen:
"Die charakteristischen Merkmale jeder Periode resultieren aus jenen der
vorhergehenden und werden wiederum die unmittelbaren Ursachen jener der
folgenden Periode.
Die zugrundeliegende Ursache dieser Aufeinanderfolge von Ereignissen ist der
Bedarf der Geschäftswelt an einem Tauschmittel, welches mit den
Kräften in Konflikt gerät, die sein Angebot beschränken. Dadurch
bekommt das Geld die Macht, reinen Zins zu erzwingen, welcher dem
Geldfluß von der aktiven zur passiven Seite ein Übergewicht
verleiht. (Beachte: aktives Kapital ist Kapital, welches aktiv in der
Produktion genutzt wird; unproduktives Kapital ist Kapital, welches nicht so
genutzt wird. D. W.) In der ersten Periode wird das Geld, welches so aus dem
Umlauf (durch Sparen oder Investitionen) entzogen wurde, durch Darlehen wieder
zu Aktivität gebracht (so daß es in aktiven
Geschäftstransaktionen ausgegeben werden kann); das bringt einen Anstieg
des Volumens der Darlehensschulden mit sich. In der zweiten Periode ist das
Schuldenvolumen bis zu einem Punkt angewachsen, jenseits dessen die Schulden
nicht mehr ansteigen können und die Industriesphäre durch den
Zinsfluß von Geld entleert ist, welcher durch die Darlehen nicht mehr
zurückkommt. Dies führt zur dritten Periode, einer Zeit allgemeiner
Konjunkturstagnation, Geschäftspleiten und verringerter Zinsen. Und darauf
beginnt die vierte Periode, eine Zeit der Neuordnung, welche vor allem durch
eine allmähliche Wiedereingliederung des gefangenen Geldes in die
Zirkulation charakterisiert ist.
Finanzkrisen werden gewöhnlich auf Ursachen zurückgeführt, die
unter der Kontrolle von Individuen stehen... Unsere Untersuchung weist in
Wirklichkeit auf eine verstärkte Konstriktion des Geldes hin, welche
jedoch nicht durch Planung von "Finanziers" hervorgerufen wird, die angeblich
den Geldmarkt kontrollieren, sondern durch die Wirkung unserer Währungs-
und Bankgesetze. Diese Gesetze sind beharrlich unter der Voraussetzung geformt
worden, daß das Volumen des Tauschmittels gegen die sogenannte
"Inflation" geschützt werden muß; und die Angst vor der "Inflation"
wurde aus einer Theorie geboren, welche leider viel zu lange vorherrschend war,
vor allem aufgrund der Unterstützung, die ihr durch unrichtige Folgerungen
akademischer Autoritäten zuteil wurde."
"Nach dieser Theorie hängt die Kaufkraft des $ von dem Verhältnis
des Geldangebots zur Geldnachfrage ab; sie fällt, d.h. die Preise steigen,
wenn das Geldangebot vergrößert oder die Nachfrage gesenkt wird; sie
steigt an, d.h. die Preise fallen, wenn die Nachfrage nach Geld gesteigert oder
das Angebot reduziert wird...
Die Annahme, daß der Wert des Geldes, wie der Wert von Waren, durch
Angebot und Nachfrage danach bestimmt wird, gründet sich auf eine
Analogie, aber diese Analogie ist irrelevant. Das Geld kann nicht so behandelt
werden, als ob es eine spezifische Ware wäre...
Geld ist keine spezifische Ware; sein Wesen ist das des KREDITS, wobei jedes
einzelne Geldzeichen ein Kreditinstrument darstellt...
Wenn behauptet würde, daß die Schaffung neuer Schulden die
Auswirkung hätte, den Wert aller vorher existierenden Schulden zu
vermindern, und zwar in dem Verhältnis, daß die alten und die neuen
Schulden zusammen nur denselben Wert wie vorher die alten Schulden hätten,
würde diese Behauptung sofort als unrichtig erkannt werden. Dennoch ist
die Quantitätstheorie auf dieselbe Annahme gegründet, wenn sie all
jene Schuldformen betrachtet, welche durch gemeinsames Einverständnis als
Tauschmittel verfügbar gemacht werden."
Waren sind Objekte des Werts, Geld ist ein repräsentatives Symbol für Wert. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage ist ein Warengesetz. Wenn sie Wertsymbole so behandeln, als ob sie Wertobjekte wären, machen die Ökonomen einen der naivsten Trugschlüsse überhaupt - die Verwechslung des Symbols mit seiner Entsprechung, welche ihm die Bedeutung gibt. Da das Geld im wesentlichen ein Kreditinstrument ist, gehorcht es demselben Gesetz, welches den Wert des Kredits bestimmt. Und der Wert des Kredits ist die Menge von Vermögen, die als geschuldet spezifiziert ist und unterscheidet sich nicht davon, wenn dem Kredit die Sicherheit nicht fehlt.
Offensichtlich gibt es im Wesentlichen zwei Theorien zur Erklärung des Werts des Geldes - die Volumen- oder Quantitätstheorie und die Warentheorie. In der Quantitätstheorie werden die Wertsymbole so behandelt, als ob sie entsprechende Wertgegenstände wären; in der Warentheorie werden Geldzeichen, seien es Zertifikate, Noten oder Kontoguthaben, wie repräsentative Symbole des Werts behandelt, und da alle Symbole ihre ihnen die Bedeutung gebenden Entsprechungen haben müssen, müssen die Wertsymbole in die entsprechenden Wertobjekte eintauschbar sein. Da der ÖKONOMISCHE WERT einer beliebigen ökonomischen Quantität eine beliebige andere ökonomische Quantität ist, für welche sie eingetauscht wird, erhalten Wertsymbole ihren Wert von den Objekten, für welche sie eintauschbar sind. Ein solcher Tausch kann innerhalb des Marktes durch Handel oder außerhalb des Marktes durch Einlösung bewirkt werden. Im Beispiel der Lagerhausquittungen hing der Tauschwert der Quittungen von dem Getreide ab, welches außerhalb des Marktes zur Einlösung deponiert wurde. Die Einlösung ist kein Handel. Dasselbe galt für die Banknoten, welche FarmerIn A in Benjamin Tucker's Beispiel ausgestellt hat. Der Wert der Noten war abhängig von dem Marktwert des Vermögens, das als Sicherheit gepfändet wurde und gegen welches es letztlich durch einen rechtmäßigen Prozeß einlösbar war. Solche objektiven Entsprechungen sind es, welche einem Geld-Tausch-Spiel Stabilität verleihen.
Wenn objektive Entsprechungen fehlen, kann es keinen zuverlässigen Konsens über den Wert der Dinge geben. Dies ist die letzte Korrumpierung des modernen Geldes, das nicht einlösbar ist und keine objektive, konventionelle Werteinheit besitzt, welche als Wertbenenner benutzt werden könnte. Um dennoch überhaupt handeln zu können, müssen die Händler reziproke Bewertungen vornehmen. Dies tun sie, indem sie versuchen, soviel Ware für ihre Zeichen zu bekommen, wie sie im vorhergehenden Geschäft aufgaben, als sie die Zeichen bekamen. Das läßt den Wert des Geldes von subjektiven Schätzungen unmöglich vieler privater Transaktionen abhängig werden. Das Resultat ist, daß clevere und weniger verzweifelte Händler einen unfairen Vorteil vor anderen erhalten können. Die größte kooperative Einrichtung, die je erfunden wurde, ist zur größten Erpressungs-Einrichtung korrumpiert worden, welche je erfunden wurde.
Unser heutiges Geld ist Zwangskursgeld. Geldzeichen, welche kein anderes Versprechen beinhalten als jenes seiner Annahme zum Nennwert bei Steuerzahlungen können keinen konventionellen Wert besitzen, es sei denn, die Einheit jenes "Nennwerts" hat eine direkte oder indirekte Beziehung mit einer Standardware. Als der Dollar noch eine paradigmatische Einheit von 23,22 Gran Gold war, kostete die Unze Gold $20.67. Dann inflationierte ihn Franklin Roosevelt auf $35.- pro Unze, was die paradigmatische Werteinheit 13.71 Gran (=0.888g) Gold werden ließ. Dann machte Richard Nixon daraus $42 pro Unze, was sie 11.43 Gran (=0.741g) Gold werden ließ. Aber diese Werte sind nur nominal, denn 42 Zwangsdollar können nicht gegen eine Unze Gold eingelöst werden. Anstatt dessen ist das Geld unter dem Einfluß von John Maynard Keynes, der theoretisierte, daß staatliches deficit spending die Nachfrage und damit das Angebot stimuliere und Arbeitslosigkeit reduziere, so stark "inflationiert" worden, daß das Gold typischerweise zwischen $400.- und $500.- pro Unze notiert; Wenn es $480.- pro Unze notiert, ist der Dollar ein Gran (=0.0648g) wert, selbst das jedoch ist nicht einlösbar.
Einige Ökonomen sagen, das Geld würde am Markt eingelöst. Aber eine Steuerquittung repräsentiert den Erhalt von etwas gegen nichts. Wenn dann das Steueropfer jemand anderen dazu zwingt, etwas gegen nichts zu geben, stellt es eine Dehnung der Wortbedeutung dar, dies "Einlösung" zu nennen. Von Zwangsgeld, welches zur Steuerzahlung angenommen wurde, wird behauptet, es sei eine Zahlung für staatliche Dienstleistungen; ökonomische Transaktionen sind aber keine erzwungenen. Eine Steuer ist ein Zwangstransfer von etwas gegen nichts, und die wirkliche Steuer via deficit spending wird effektiv dann erhoben, wenn die Staatsagenten das generalisierte Steuerquittungsgeld (durch Ausgeben) in Umlauf bringen. Auf diese Weise leisten die Menschen nicht nur keinen Widerstand gegen die Besteuerung, sondern wünschen sie sogar, um zu TAUSCHMITTELN zu gelangen, obwohl sie tatsächlich nur TRANSFERMITTEL erhalten. Einmal im Jahr werden die Steuerquittungen im Namen der Steuererhebung gesammelt, die wirkliche Besteuerung jedoch geschah das ganze Jahr über am Markt, als die generalisierten Steuerquittungen (durch Ausgeben) in Umlauf gebracht wurden und der Staat den initialen Transfer von etwas gegen nichts erhielt.
Die ersten, welche aus dem Deficit-Geld einen Vorteil ziehen, bekommen zu den aktuellen Preisen mehr Geld. Wenn das Geld im System verteilt wird, müssen die letzten Benutzer höhere Preise zahlen. Es scheint, als brächte alles, was durch den Staat bewirkt wird, einigen Menschen Vorteile auf Kosten von anderen. Das paßt in den Begriff der soziativen Antagonie. Sogar friedliebende Menschen, guten Willens ihren Mitmenschen gegenüber, werden in Hobbes' Krieg aller gegen alle gezwungen.
In antiken und mittelalterlichen Zeiten besagte die orthodoxe Sichtweise, daß Zins Wucher ist, d.h. Zahlungen für die Benutzung des Geldes. Der religiöse Reformator J. Calvin bestritt diese Sichtweise. Er sagte, der Zins würde gezahlt, weil mit Geld ein Haus oder ein Feld gekauft werden könne, welche ein Einkommen abwerfen könnten. Aber die VerkäuferIn von Haus oder Feld nimmt Geld in dem Handel an, und Geld ist ein allgemeines Kreditinstrument. So wird die VerkäuferIn von Kapital KreditorIn (GläubigerIn) ( C = dTO ). Die KäuferIn von Kapital, welche das Geld geliehen hat, zahlt den Zins nicht etwa an die KreditorIn, welche das Kapital verkaufte, sondern an die GeldverleiherIn. Ganz eindeutig wird Zins für den GEBRAUCH von Geld bezahlt, und das ist "Wucher". Er wird nicht für den Gebrauch von Kapital bezahlt. Der Geldzins wird für den Gebrauch von Geld gezahlt, weil Bankgesetze die Emission einschränken, so daß das Angebot immer geringer als die Nachfrage ist.
ProduzentInnen gewinnen ein Einkommen, indem sie unproduktives Kapital aktiv gebrauchen. Für die Erlangung des Kapitals müssen sie am Handel teilnehmen. Wenn das Geldangebot künstlich beschränkt wird, ist der für die Produktion notwendige Handel beschränkt, und somit wird die Produktion beschränkt. Nun ein Zitat von Bilgram und Levy:
"Zu allen Zeiten und bei jedem Handel gibt es ProduzentInnen, die zum Ausmaß des von ihnen eingesetzten Kapitals verschuldet sind. Vom Standpunkt des Kapitalisten aus gesehen sind diese offensichtlich marginale ProduzentInnen, nämlich jene, welche, was die Kapitalnutzung anbelangt, unter den für eine dauerhafte Produktion ungünstigsten Umständen arbeiten. Der Zins, der von den marginalen ProduzentInnen für Gelddarlehen bezahlt wird, d.h. von den ProduzentInnen, die bis zur Grenze ihres Kapitals verschuldet sind, ist eine Ausgabe, die sie unter momentanen Bedingungen nicht vermeiden können. Ihre Ausgaben bei der Güterproduktion sind gleich DEN KOSTEN DER BETRIEBSFÜHRUNG PLUS DEM FÜR GELIEHENES GELD BEZAHLTEN ZINS. Der Geschäftsmensch in der besseren Lage, welcher EigentümerIn des von ihm eingesetzten Kapitals ist und deswegen keinen Zins zahlen muß, kann dieselben Güter LEDIGLICH ZU DEN KOSTEN DER BETRIEBSFÜHRUNG herstellen. Aber was immer die Güterherstellung die verschiedenen ProduzentInnen auch kosten mag, der Verkaufspreis ist für alle derselbe, und dieser Preis wird von den Kosten bestimmt, die die marginale ProduzentIn für die Güterherstellung aufwenden muß. Daher ernten die, welche EigentümerInnen des von ihnen eingesetzten Kapitals sind, aus ihren Verkäufen einen Gewinn gleich dem Geldzins, den der total verschuldete Produzent zahlen muß, und dieser Gewinn stellt den Kapitalertrag dar. Auf diese Weise erlangen Kapitalgüter das, was eine Einkommenskraft zu sein scheint, deren Betrag genauso hoch ist wie der Geldzins."
Grundrente ist dem Kapitalzins analog, indem beide einen intra- marginalen Profit darstellen. Die Produktivität ist abhängig von der produktiven Nützlichkeit der Produktionsmittel, sei es Boden, Kapital oder Arbeit. Keiner dieser Faktoren ist produktiv. Nur ARBEITERiNNEN, Menschen, sind produktiv. Die Nützlichkeit dieser Faktoren kann eingeteilt werden entsprechend mehr oder weniger Nutzungseffizienz der ProduzentInnen. Der Punkt, an welchem eine dauerhafte Produktion am wenigsten effizient ist, ist "die Grenze der Produktivität", welche ein vernebelnder Ausdruck ist, da die Faktoren nicht produzieren. Ein anschaulicherer Ausdruck ist die Grenze effizienter Nutzung, oder besser vielleicht die Kostengrenze. Die Kostengrenze bestimmt den Preis für alle ProduktverkäuferInnen und jene, welche keine intra-marginalen Kosten haben, können die Differenz zwischen Kosten und Preis als Gewinn abführen.
Im Falle des Bodens sind Unterschiede in produktiver Nutzung natürlich; im Fall des Kapitals sind die Unterschiede zurückzuführen auf das kulturelle Erbe - vergangene Erfindungen, Entdeckungen und Entwicklungen; im Fall der Arbeit sind die Unterschiede zum Teil natürlich und zum Teil durch Erziehung und Training erworben, d. h. Unterschiede in Geschicklichkeit, Anwendung und natürlichem Talent.
Dann sind Kapitalzins und Grundrente sich darin ähnlich, daß beide intra-marginale Gewinne sind. Die marginalen Kapitalbenützer sind jene, welche für alles von ihnen genutzte Kapital einen Geldzins zahlen müssen. Die marginalen Bodennutzer sind jene, welche den am wenigsten bearbeitbaren oder mit der verfügbaren Produktionsweise am wenigsten kongruenten Boden nutzen, wenn sie ihr Produkt herstellen. Grundrente, Kapitaleinkünfte und Geldzins "sind,- obwohl sie auf total verschiedene Weise ihre Eigenschaft herleiten, ein Einkommen zu bieten,- trotzdem eng miteinander verwandt; das wird durch die Tatsache angedeutet, daß die Rate der Nettoeinkommen aus Boden, Kapitalgütern und Geld praktisch gleich hoch ist."
Das Einkommen aus diesen drei Klassen von Vermögen ist abhängig von vom Staat garantierten Privilegien. Grundrente ist abhängig von Nicht-Nutzungs-Eigentum; der Geldzins ist abhängig von privilegierter Emission; und Kapitaleinkünfte von marginalen ProduzentInnen, welche auf alles bei der Produktion genutzte Kapital einen Geldzins zahlen müssen. Eine Beseitigung der vom Staat garantierten Privilegien würde den Boden frei und sowohl das Geld als auch Kapitalgüter zu den Produktionskosten verfügbar machen.
Übersetzung aus dem Amerikanischen: N.N., April 1989
Dieser Artikel ist einem Brief an Arnold Maddaloni entnommen, ein Freund Don Werkheisers, welchen er durch Theodore Schroeder kennengelernt hatte.