Übersetzung einer Stelle aus der Broschüre des Prof. E. Milhaud:
"Moyen de paiement de caractère compensatoire", Paris 1938

IX.) Eine Technik und eine Lehre von den zur Verrechnung dienenden Zahlungsmitteln.

Die Tatsachen und die Probleme der Krise, die damals gemachten Vorschläge, ferner die gemachten Erfahrungen sind die Veranlassung zu Forschungen gewesen, von denen man wohl sagen kann, daß sie die ersten Grundzüge einer Technik und vielleicht sogar einer besonderen Theorie der zur Verrechnung dienenden Zahlungsmittel geliefert haben. In dieser Beziehung kommt den Arbeiten der deutschen Ökonomisten von der Gruppe der Verfasser der "Vier Gesetzentwürfe" eine besondere Bedeutung zu, vor allem den Schriften von H. Rittershausen, W. Zander und U.v.Beckerath. Mit einer bemerkenswerten Klarheit und Deutlichkeit haben sie die Regeln aufgestellt und formuliert, die bei der Emission von zur Verrechnung dienenden Zahlungsmitteln nicht vernachlässigt werden dürfen, damit das System reibungslos funktioniert. Wir beziehen uns hier auf das, was oben bei der Behandlung einiger Spezialfragen über die "Fundation" oder Deckung gesagt wurde, die zur Verrechnung dienende Zahlungsmittel haben müssen, von der Notwendigkeit ihnen einen "Rückstrom" zu sichern, von der Bedeutung der Kursnotierung an einem freien Markt, von der Notwendigkeit, Vorrichtungen einzuschalten, welche die Emission automatisch hindern, wenn das Disagio der Zahlungsmittel einen gewissen Prozentsatz erreicht hat, von der Bedeutung eventueller Zuschläge, falls die Inhaber der Zahlungsmittel nicht verrechnen, sondern sie in bar eingelöst haben wollen, etc. Die Verfasser haben auch in einer geradezu entscheidenden Art und Weise dargelegt, welcher Zusammenhang besteht zwischen einem System der Wertbeständigkeit auf der Grundlage des Goldes, in dem nur das Gold gesetzliches Zahlungsmittel im Sinne von "aufdrängbar" ist, und der Zuhilfenahme von zur Verrechnung dienenden Zahlungsmitteln mit Kurs an einem freien Markt, so daß das Gold die Grundlage aller Verträge ist, dadurch aber auch die ökonomische Sicherheit und der Schutz der Gesellschaft vor Erschütterungen sicher gestellt sind.

Die Schriften von U.v. Beckerath fügen dem von der Gruppe gebotenen Schatz von Kenntnissen ein ganzes Ensemble lichtvoller, theoretischer Ansichten hinzu. In seiner Analyse erscheint die Rolle des "Geldmonopols" und der "Ausschließlichkeit bestimmter Zahlungsmittel" ("exclusive currency") beim Ausbruch und im Fortgang der Krise dargelegt, wobei unter "Ausschließlichkeit etc." das Recht der Gläubiger (z.B. Warenverkäufer und Arbeitnehmer) zu verstehen ist, bestimmte, "gesetzliche" Zahlungsmittel zu verlangen. Seine Untersuchungen zeigen, wie das "Verrechnungsprinzip", bis in seine letzten Konsequenzen durchgeführt, die Verwendung aller Produktivkräfte der Gesellschaft ermöglichen und dadurch die Arbeitslosigkeit beseitigen würde. Seine auf der Fundation durch Kompensation und die diversen anderen Arten einer guten Fundation beruhenden Vorschläge sind höchst überzeugend. Außer der "Steuerfundation", der "Ladenfundation", der Fundation durch Annahme des Verrechnungsgeldes bei solchen Versorgungsbetrieben, auf deren Dienste das Volk nicht verzichten kann (z.B. Eisenbahn) verlangt er eine Fundation durch "Bestellungen", insbesondere seitens der Arbeiter. In überzeugender Weise legt er dar, welche große Rolle die Bestellung und ganz besonders die Bestellung der Arbeitnehmer in der Regulierung der Produktion und dadurch in der von ihm vorgeschlagenen Selbstfinanzierung der Gewerbe durch die Emission von Verrechnungsgeld spielen kann. Er begnügt sich dabei keineswegs mit allgemeinen Betrachtungen, sondern gibt oft technische Einzelheiten, um die Wirksamkeit seines Systems unter den verschiedensten wirtschaftlichen Verhältnissen klarzulegen. In einer seiner Schriften gibt er Satzungen einer "Arbeitsbeschaffungsbank". In einer anderen Schrift legt er das System an dem Beispiel einer öffentlichen Versicherung in Asien, in Kolonien und in neuen Ländern dar; er zeigt, wie die von den Versicherungsgesellschaften zur Bezahlung von Schäden ausgegebenen Verrechnungsscheine das vital wichtige Problem lösen können, Prämien in bar zu bezahlen obwohl es an eigentlichem Geld im Lande, vor allem zur Bezahlung von Versicherungsprämien, völlig oder fast völlig fehlt. Er zeigt, wie das Versicherungswesen in Ländern der genannten Art überhaupt dazu beitragen kann, den mit der wirtschaftlichen Entwicklung steigenden Bedarf an typisierten Zahlungsmitteln zu befriedigen. Über die Bedeutung der Beschaffenheit der Zahlungsmittel in der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft und besonders als Ursache des Ausbruches von Krisen und des Stattfindens von sozialen und politischen Umwälzungen schreibt er Kapitel, die von einem erstaunlichen Eindringen in das Problem zeugen. Seine Ausführungen und die von ihm beigebrachten Beispiele aus den Anfängen und dem Fortgang der französischen Revolution sowohl als aus neuerer Zeit sind von größtem Interesse.

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Übersetzung: U. v. Beckerath

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