Thomas H. Greco Jr.:
GELD UND SCHULDEN:
Eine Lösung der globalen Krise

Teil II: Freiheit und das monetäre Ideal
Copyright © 1988 Thomas H. Greco Jr.

[Dieser Artikel ist die Überarbeitung eines Kapitels aus einem in Vorbereitung befindlichen Buch mit dem Titel: "Nach dem Crash: Wiederaufbau von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft". Übersetzung aus dem Amerikanischen: N.N., Sept. 1988]

Die Beilegung der internationalen Schuldenkrise

Die weltweite Schuldenexplosion ist das Ergebnis der Tatsache, daß das Geld- und Finanzwesen sich fest in der Kontrolle eines transnationalen Bankenkartells befindet, welches ein faktisches Monopol unterhält. Die Zentralbanken der wichtigsten westlichen Staaten erschaffen das Geld (Kredit) auf der Grundlage der Verschuldung von Regierungen, Unternehmen und Individuen im Wesentlichen aus der Luft. Indem die Banken diese "Verschuldung" mit Zinsen (Wucherzinsen) belasten, welche in sich schon ungerecht sind, haben sie Vermögen und Macht in ihren Händen konzentriert, während sie die Gesamtverschuldung ansteigen lassen.

Die Schuldner als Ganzes sind in eine unmögliche Situation gebracht worden. Mit dem Versuch, den Zahlungsforderungen der Banken nachzukommen, haben viele Schuldnerländer ihren Völkern Härten auferlegt, die unbeschreibliches Leid verursachten und viele an den Rand des Verhungerns brachten. Weiter sind sie durch den Zwang zur Produktionsexpansion für den Export gezwungen worden, ihre physische Umwelt zu demütigen.

Die derzeitige Situation ist nicht mehr tragbar, weder moralisch, politisch, noch ökonomisch oder ökologisch. Soziale Gerechtigkeit, Weltfriede und das bloße Fortbestehen des Lebens auf diesem Planeten sind abhängig von einer vollständigen Umstrukturierung der Praktiken im Geldwesen und der Buchhaltung der Unternehmen. Allgemein umrissen werden folgende Maßnahmen für erforderlich angesehen:

  1. Als aller erstes muß unser derzeitiges "Schulden-Geld" System aufgegeben werden. Es muß ein vollständig neues Geldsystem eingeführt werden. Es sollte
  2. Zweitens müssen derzeitige Bankforderungen ("Schulden") innerhalb relativ kurzer Zeit ausgeglichen und eliminiert werden, so daß neue, gerechte Vereinbarungen zukünftig die Oberhand gewinnen.

Im Interesse eines harmonischen Übergangs vom heutigen ungerechten, ausbeuterischen und dysfunktionellen Geldsystem zu einem gerechten und freien Geldsystem wird vorgeschlagen, daß sowohl "Gläubiger" Banken als auch "Schuldner" Länder, -Unternehmen und individuelle "Schuldner" folgende Bedingungen zur Rückzahlung von Krediten akzeptieren, welche früher von den Banken verlängert wurden:
  1. (Wucher) Zinsen sollen sofort abgeschafft werden.
  2. Die Rückzahlung der ursprünglich aufgenommenen Kreditsumme an die Banken muß neu festgesetzt werden, so daß sie nur einenvernünftigen Teil des Einkommens ausmacht. Bei unterentwickelten Ländern sollten dortige Härten gelindert, und die Schuldenrückzahlung auf einen vernünftigen Prozentsatz am Ertrag reduziert werden, so daß keine übermäßige Not für die Bevölkerung des Schuldnerlandes entsteht.
  3. Die Rückzahlungen von unterentwickelten Staaten müssen in Form von Naturalien (was immer diese Länder als Exportprodukte in den letzten Jahren etabliert haben) erlaubt sein.
  4. Der Preis, zu welchem diese Güter gegen die ausstehende Schuld verrechnet werden, sollte bei dem zum Verrechnungsdatum gültigen Marktpreis oder bei einem Durchschnitt jüngster Marktpreise (über die letzten 5 Jahre etwa) angesetzt werden (bei dem höheren vonbeiden).
  5. Jede "Zins"-Zahlung, die schon oder noch geleistet wurde / wird, soll als Rückzahlung der ursprünglich aufgenommenen Kreditsumme angerechnet werden.

Die "Ätherisierung" des Geldes

Wie Mark Kinney in einer so scharfsinnigen Weise aufzeigt, ist jede zivilisatorische Phase auf neuen Kommunikationsmedien gegründet, welche mit neuen Formen von "typischer Konzeptualisierung" und "integrativem Denken" einhergeht. Die daraufhin neu auftauchenden Verhaltensmuster sind vom "Element des Austauschs" abhängig. Jede zivilisatorische Phase bedarf der Entwicklung eines Austausch - Elementes, welches zu ihren anderen Elementen paßt.

Kinney zitiert Arnold Toynbee's Behauptung, daß die Menschheit ständig ihre Methoden "ätherisiert", um mit weniger Aufwand mehr zu erreichen. Das bedeutet, daß jedes neue Kommunikationsmedium seinen Vorläufer übertrifft, indem es größere Informationsmengen von größerer Präzision mehr Menschen über größere Entfernungen mit weniger Aufwand zugänglich macht.

Ganz klar ist das der Fall, wenn wir Entwicklungen in den Kommunikationstechnologien über die letzten paar Jahrhunderte und insbesondere die computerisierten Telekommunikationskanäle betrachten, die explosionsartig im letzten Jahrzehnt auf der Bildfläche erschienen sind. Unsere Methoden sind deutlich nicht nur in ihrer Form sondern auch in ihrem Gehalt "ätherisiert" worden. Information wird mit zunehmendem Maß abstrakt und symbolisch, und das Übertragungsmedium ephemerisch (flüchtig, energetisch, unkonkret). Wir sehen also eine Weiterentwicklung von physischen, informationstragenden Objekten über handgeschriebene und gedruckte Dokumentation, welche physisch transportiert wird, zu elektrischen und magnetischen Impulsen, die mit Kabel und Radio/TV übertragen werden.

Das Schlüsselelement, welches in der momentanen Transformationsstufe fehlt, ist ein der Situation angemessenes Austausch - Element. Das Tauschmedium, mit welchem wir alle vertraut sind, und welches in der Tat unser Leben dominiert, ist das Geld.

Tatsächlich wurde das Geld in fortschreitendem Maß "ätherisiert". Von wertvollen Metallmünzen und Goldbarren, die selbst Wert in sich trugen, über anderes Münzgeld und Papiernoten, die symbolische Repräsentationen und in echtes Geld (wertvolle Metallmünzen) einlösbar waren, über staatlich verordnetes, nicht einlösbares Staatspapiergeld (=Zwangskursgeld, A.d.Ü.) zu Bankkredit und Computerkonten. Der Übertragungsprozeß wurde ebenfalls "ätherischer", vom physischen Austausch wertvollen Metalls und anderen Metallmünzen über den symbolischen Austausch mittels Scheck und Geldanweisung zu elektronischem Transfer. Dieser Prozeß ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Das Tauschmedium ist hinter anderen Aspekten des Transformationsprozesses zurückgeblieben, mit der Folge, daß es unseren Kampf in enormem Ausmaß verstärkt und die Zivilisation an den Rand der Katastrophe drängt.

Es wird immer klarer, daß das wesentliche Charakteristikum des Geldes Information ist (oder geworden ist). "Geld ist Information, die wir benutzen, um menschliche Leistungen zu aktivieren", wie Michael Linton es ausgedrückt hat. Ralph Haulk hat hinzugefügt, daß "Geld Wissen Gültigkeit verschafft". Aus diesen Erkenntnissen hat Kinney postuliert, daß es zwei grundlegende Informationstypen gebe, "formative Information, mit welcher wir fast alle Arten von Projekten entwerfen und planen können", und "exekutive Information, welche die genauen Qualitäten und Quantitäten produktiver Ressourcen zusammenbringt, die für die Realisierung jener Pläne benötigt werden".

Die Schwierigkeiten, denen wir in der jetzigen Übergangsstufe gegenüberstehen, entstehen aus der Situation, daß FORMATIVE Information in zunehmendem Ausmaß immer mehr Menschen zugänglich wird, während EXEKUTIVE Information meist immer noch monopolisiert ist. Das ist es, was die weite Mehrheit daran hindert, konsequent nach ihren Werten, ihrem Glauben und ihren eigenen besten Interessen zu handeln, und jenen übermäßige Macht gibt, welche an der Spitze der Finanz- und Staatshierarchien sitzen. Diejenigen Projekte, die dann tatsächlich ausgeführt werden, sind jene, welche tendenziell die Macht der Hierarchien unterhalten und festigen, gleichzeitig die Umwelt verwüsten und ungeheure Ausmaße menschlichen Leids verursachen.

Die neuen Kommunikationsmedien haben die Fähigkeit mit sich gebracht, die Menschen weltweit besser zu informieren, und die Menschheit hat als Foge davon das Potential, einen Zustand globalen, universellen Friedens und Wohlstands zu verwirklichen. Das kann nur geschehen, wenn exekutive Information für die Menschen verfügbar und die Macht zu den elementaren sozialen Einheiten zurückgekehrt ist.

Die Monopolisierung exekutiver Information durch Staat und Finanzeliten wird durch ihre Kontrolle über den Prozeß der Geldemission verkörpert. Eine Besteuerung wird zur Finanzierung des Regierungsbetriebs nicht mehr benötigt. Die Einkommensbesteuerung ist in erster Linie ein Mittel zur Ausführung der Sozialpolitik geworden und dient als ein Kontrollmechanismus bei der Regulierung der Inflationsrate.

Entstaatlichung von Geld und Austausch

Diejenigen, welche die heutigen Systeme kontrollieren, werden argumentieren, daß "sich Geld nicht selbst verwaltet", und damit haben sie genau genommen natürlich recht. Die Frage ist jedoch WIE das Geld verwaltet wird und ob Staat und Zwangsgewalt überhaupt irgendeine vernünftige Rolle dabei zu spielen haben. Nach ihren bisherigen Leistungen wird in zunehmendem Maße klar, daß sie es nicht sollten. Friedrich Hayek argumentiert: / Anmerkung (1)

Bis heute ist das Geld der Teil der Marktordnung, den der Staat am meisten unterdrückt hat. Es ist auch der Teil der Marktordnung, an dem dumme Herrscher und Ökonomen am meisten herumgepfuscht haben. ... werden es nicht heutige Kenntnisse sondern Entdeckungen durch freie Experimente sein, welche uns die besten Lösungen zeigen können. ... beschützte der Staat eifersüchtig sein Monopol zu Zwecken, die von jenen ziemlich verschieden sind, für welche dasGeld eingeführt wurde. (Money in Crisis, p.324)

Heute ist das Geld hauptsächlich nicht ein effektives Tauschmittel sondern ein Werkzeug des Staates, uns zu scheren und die Wirtschaft zu "verwalten". (p.325)

Wenn dem Staat die Macht über das Geld entzogen würde, würden private Firmen schnell neue Geldeinheiten definieren und Verbindlichkeiten in diesen Einheiten emittieren. Wettbewerb zwischen den Emittenten würde sie dazu zwingen ihre Einheiten fürdie Öffentlichkeit am nützlichsten zu definieren und sie der Öffentlichkeit zu den attraktivsten durchführbaren Bedingungen verfügbar zu machen. (p.327)

Barter und die Rolle des Geldes

Es ist wichtig, sich über den Unterschied zwischen Barter und vermitteltem Austausch klar zu werden. In einem Barter Geschäft, oder - wie E. C. Riegel es nennt - vollständigem Barter, tauschen zwei Leute gleiche Werte aus. Zum Beispiel erhält Herr A ein Paar Schuhe von Herrn B, der von Herrn A dafür sechs Hühner erhält. Wenn von beiden Parteien der Wert der Schuhe mit dem Wert der Hühner für gleich erachtet wird, ist das Geschäft vollständig.

Nehmen wir jedoch an, daß Herr A die Schuhe haben will, aber Herr B keine Hühnchen brauchen kann. In diesem Fall wird wahrscheinlich kein Handel zustandekommen. Das ist das Problem beim vollständigen Barter, jeder Händler muß etwas anbieten, was der andere haben will, oder was er zumindest im weiteren Handel mit jemand anders gebrauchen kann. Wahrscheinlich war es letztere Erkenntnis, die zur Entwicklung des Geldes geführt hat und der Grund dafür, weshalb die ersten Tauschmittel nützliche Güter gewesen sind.

Alles für ein ideales Austauschsystem erforderliche ist jedoch, daß Händler bei der Vereinbarung zusammenarbeiten, bestimmte, von anderen Händlern als Empfangsbestätigung für erhaltene Werte ausgegebene Gutscheine als Zahlung für wirkliche Werte anzunehmen. Nehmen wir z.B. an, daß Herr A ein Paar Schuhe von Herrn B kauft. Er gibt B dafür eine "Empfangsbestätigung für erhaltene Werte" (EEW) oder Gutscheingeld. Dann kauft B Heu von C und reicht ihm die EEW (Gutschein) weiter; C benutzt die EEW (Gutschein) zum Kauf von Holz bei D und D benutzt sie wiederum, um bei A Hühnchen zu kaufen.

Es könnten in Wirklichkeit eine beliebige Anzahl von Händlern in diesem Kreis sein, bevor die EEW (Gutschein) zu A zurückkehrt. Jedes einzelne dieser Geschäfte wird "split-barter" genannt, weil es in zwei Teile gespalten ist, wobei eine Person Werte erhält, während die andere den Erhalt gleichen Wertes auf einen späteren Zeitpunkt verschoben hat und ihn von einem anderen Händler erhält. Es ist diese Art von reinem Informations-Tauschmedium, welches das ideale Geld ausmacht.

Desiderata

Das allerwichtigste Merkmal eines potentiellen Tauschmediums ist, daß sein Wert ausgedrückt in Waren und Dienstleistungen über die Zeit hinweg möglichst konstant sein sollte. Das ist hauptsächlich nötig, um die Integrität von Verträgen zu erhalten.

Im Wesentlichen gibt es drei Gründe, warum eine instabile Geldeinheit vermieden werden sollte:

  1. Bei gegenwärtigen Geschäften hat es auf den ersten Blick den Anschein, als ob eine Erhöhung aller Preise um das Doppelte keine Bedeutung hätte; jede Ware hätte dann immer noch denselben Wert im Verhältnis zu anderen Waren, vermutlich einschließlich der Arbeit. Verwirrung resultiert jedoch, wenn der Wertbegriff geändert werden muß. Nicht alle Menschen reagieren auf sich ändernde Verhältnisse gleich schnell, und einige verfügen über weniger Macht, Vertragskonditionen zu bestimmen als andere. Jene mit weniger genauen und rechtzeitigen Informationen und jene, welche für geschäftliche Reaktionen länger brauchen als andere, werden darunter leiden.
  2. Ein noch schlimmeres Problem eines sich verändernden Preisniveaus trifft zeitabhängige Geschäfte - in Geld ausgedrückte Forderungen - Schulden, Investitionsforderungen, Versicherungen, etc. Diese setzen eine stabile Wertmaßeinheit voraus, und die Gerechtigkeit fordert sie, wenn die Absichten der Verträge erfüllt werden sollen. Gerade der Wert von Forderungen ausgedrückt in gegenwärtigen Wertmaßeinheiten ist es, der sich drastisch über die Vertragslaufzeit ändern kann. So können die Ersparnisse der Menschen ganz oder teilweise durch die Inflation (Entwertung der Währung) vernichtet werden. So manch eine traurige Geschichte kann von Anlegern berichtet werden, die ihr Geld in "sichere Investitionen" gesteckt, dann auch die vertragsmäßige Gegenleistung in Geld erhalten hatten, dessen Kaufkraft jedoch einem Betrag von Null gleichkam.
  3. Das Schlimmste in dieser Angelegenheit aber ist ihre Ursache: Wertverfall der Währungen sind auf Handlungen von Regierungen und Bankbehörden zurückzuführen. Solche Handlungen rauben den Menschen buchstäblich ihre Substanz; Ergebnis ist ökonomische Not, Verlust des Vertrauens zum Staat und des Respekts vor Autoritäten.
Ich denke, daß die Menschen, hätten sie bei Währungen eine Wahl, diejenige(n) vorziehen werden, welche über die Zeit hinweg wertstabil bleiben.

Wie Friedrich Hayek es ausgedrückt hat,

"... wenn die Menschen ganz frei wären, diejenigen Geldarten zuwählen, welche sie in ihren täglichen Geschäften zu benutzenwünschen, wären jene am erfolgreichsten, welche ein Geld mitstabiler Kaufkraft vorzögen." (p. 325)

"... die Gerechtigkeit erfordert es, daß alle Schulden in Werteinheitenbezahlt werden, die von den Vertragsparteien vereinbart wurden, undnicht in einem Ersatz, den Staatsverordnungen aus ihnen gemachthaben." (p. 334)

Ich denke, die natürliche Tendenz in einem "ehrlichen" Geldsystem würde sein, daß das allgemeine Preisniveau langsam fällt, was den technologischen Fortschritt und die zunehmende Produktivität widerspiegeln würde.

Die Messung

Die mit Geld und Austausch verbundenen Probleme leiten sich zu einem großen Ausmaß ab von der Verwirrung über die Natur des Messens und der Standards (Maße). Gerechtigkeit im Austausch erfordert genaue, präzise Messung. Aus diesem Grund haben wir z.B. Längen-, Gewichts-, Volumen- und Zeiteinheiten definiert. Gewöhnlich benutzen wir Meter, Kilogramm, Liter und Stunden in unseren Vereinbarungen, weil sie gut etabliert und objektiv sind und eine präzise Messung erlauben. Wir könnten genauso leicht Handbreiten, Steingewichte, Handvoll und Nachmittage nehmen, aber diese wären subjektiv und schlecht definiert. Wir würden nicht wirklich wissen, was gemeint oder beabsichtigt war und es wäre schwierig, einen gleichen Austausch einzurichten.

Um den Austausch zu erleichtern, hat es sich eingebürgert, eine vermittelnde Einrichtung, nämlich das Geld zu benutzen. Die Absicht beim Gebrauch von Geld ist es, dem Verkäufer eine Art Nachweis über den Betrag an Wert zu verschaffen, den er dem Käufer übergeben hat. Beim Messen von Werten ist Genauigkeit und Präzision genauso wichtig wie beim Messen von physischen Mengen wie Länge, Gewicht, Volumen und Zeit; Wert und physische Menge sind in der Tat untrennbar miteinander verbunden.

Wenn wir einen gerechten Austausch wollen, und gerechter Austausch ist definiert als gleicher Wert gegen gleichen Wert, ist es wesentlich, daß wir Werte mit Genauigkeit und Präzision messen können und die Wertmaßeinheiten über die Zeit hinweg konstant bleiben.

Beginnen wir zum besseren Verständnis mit einigen Definitionen. Das American Heritage Dictionary (1973) hat unter dem Stichwort "Messung" folgendes zu sagen:

"Messung einer Menge impliziert, daß ihr zur Repräsentation ihrerGröße eine Zahl zugewiesen wird. Gewöhnlich kann die Zuweisungdurch einen einfachen Vergleich gemacht werden. Die Größe einerMenge wird verglichen mit einer "Standard"- Menge, deren Größewillkürlich gewählt das Maß 1 haben soll."

"Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen einer "Maßeinheit"und einem "Maßstandard" ("Standardmaß").

Eine Maßeinheit ist eine präzis definierte Menge, mit welcher die Größen aller anderen Mengen der selben Art angegeben werden können.

Ein Maßstandard ist ein Objekt, welches unter spezifizierten Bedingungen zur Definition, Repräsentation oder Aufzeichnung der Größe einer Einheit dient."

Um also eine objektive Werteinheit zu haben, auf die man sich einigen und die man für einen fairen Austausch benutzen kann, muß sie mit einem Standard definiert werden. Und was ist ein Standard nach obiger Definition? Er ist ein Objekt. Um diese Vorstellung zu verstärken, wollen wir die etablierten Standards physikalischer Messung weiter betrachten. Das Lexikon fährt folgendermaßen fort:

"Die fundamentalen Einheiten des metrischen Systems sind der Meter und das Kilogramm. Der Meter wurde definiert ... gleich1,650,763.73 Wellenlängen der orange-roten Strahlung von Krypton 86 in Vakuum. Das Kilogramm ist definiert als die Masse eines Platin-Iridium Standards, das internationale Prototyp Kilogramm, im Internationalen Bureau für Maße und Gewichte in Sevres, Frankreich."

Erinnern wir uns nun an die vorher angeführte Definition, daß Messung einen Vergleich beinhaltet. Wenn wir also die Länge von etwas messen, vergleichen wir es mit einem Stab oder Band bekannter Länge, und zwar gewöhnlich mit einem, welches Markierungen besitzt, welche die Anzahl der Vielfachen der Einheit anzeigt, die sich von einem Standard ableitet. Natürlich gibt es in der Praxis eine beliebige Anzahl von Messvorrichtungen, welche konstruiert oder kalibriert wurden, wobei diese Standards als Grundlage genommen wurden. So haben wir eine beliebige Anzahl von Meterstäben, Skalen, etc., gegen welche Vergleiche angestellt werden.

Das Bewerten

Wert selber ist keine objektive Menge wie Gewicht oder Länge; er ist subjektiv. Jeder Mensch bewertet in jeder Situation jedes Ding verschieden. Man könnte sogar so weit gehen und sagen, daß "Wert" nur als ein Verb (also als "werten") benutzt werden sollte und nicht als ein Substantiv. Wenn ich mir einen Preis am Markt ansehe, vergleiche ich diesen Preis immer
  1. mit dem Preis desselben oder eines ähnlichen Artikels von vor einer Woche, letztem Jahr, und noch früher,
  2. mit den Preisen von anderen Artikeln, die ich möglicherweise brauche oder wünsche,
  3. mit meiner Verdienstkapazität pro Zeiteinheit bei meinen gegebenen Fertigkeiten, den Bedingungen am Arbeitsmarkt und meinen momentanen Neigungen, wie ich gerade meine Zeit und Energie ausgeben will.
Somit ist meine Arbeitsstunde oder was Don Werkheiser eine "Streß- Stunde" nennt mein de facto Standard. Ich denke nicht in Gold, noch kümmert mich Gold in irgendeiner Weise. Falls der Staat oder jemand anders Gold zum Wertmaß (Wertstandard) erklären sollte, würde das mein Denken überhaupt nicht verändern, ausgenommen zu dem Ausmaß, in welchem es das in vorherrschenden Geldeinheiten ausgedrückte Preisniveau stabilisieren könnte.

Tatsache ist, daß die Menschen in diesem Land sich an das Bewerten der Dinge in Dollars (Übersetzung aus dem Amerikanischen! A.d.Ü.) gewöhnt haben. Es ist wichtig, zwischen dem "Dollar", den wir als Wertbegriff gebrauchen, und den Dollar Währungseinheiten zu unterscheiden, die uns vom Staat und dem Federal Reserve System (Federal Reserve = Zentralbank der USA, A.d.Ü.) bereitgestellt werden. Wir alle haben einen Sinn dafür, was die Dinge in Dollar relativ zueinander und über die Zeit hinweg wert sind. Somit muß der Dollar zumindest vorerst als ein Wertbegriff als gegeben hingenommen werden. Da wir an diesen Begriff gewöhnt sind, muß er den Ausgangspunkt für jede Neuerung im Austausch und Geldwesen bilden.

Wenn Werte subjektiv und nicht objektiv sind, was quantifizieren wir dann, wenn wir davon sprechen, daß etwas so und so viele Dollars (oder Franken oder Pfund) wert ist? Es ist der "Preis". Für jedes Geschäft kann ein Preis aufgezeichnet werden. Die statistische Zusammenstellung von Preisen bildet die Grundlage für die Aussage, daß ein bestimmtes Ding so und so viele Dollars wert ist. Was wir gewöhnlich als "Wert" von irgendetwas bezeichnen, ist typischerweise sein "Marktpreis", wie unvollkommen der Markt im Vergleich zum "idealen" oder "freien" Markt auch immer sein mag. Und dieser "Marktpreis" ist tatsächlich eine Zusammenfassung von statistischen Informationen, vielleicht ein Durchschnitt, von Transaktionspreisen, über eine gegebene Zeitperiode, in einem gegebenen Markt beobachtet. Er ist das Ergebnis von unzähligen Kräften, welche den Bewertungsprozeß beeinflussen; die "unendliche Rechnung", wie Mark Kinney sagt, "des Marktes", und er ist vergänglich.

Wenn auch Werte subjektiv und situationsabhängig sind, ist es insgesamt möglich, sich auf einen relativ objektiven "Wertstandard" zu einigen, welcher wirklich ein Preisstandard ist, die Existenz relativ freier Märkte und freien Informationsfluß vorausgesetzt.

Standards

Bei jedem beliebigen weitverbreiteten menschlichen Bestreben erfordert Effizienz die Einrichtung von Standards. So haben wir Standards für unsere Maße und Gewichte; es gibt Standards für das Aufzeichnen und Übermitteln von Information (z.B. phonographische Aufzeichnungen, Audio- und Video Bänder, Radio und TV, etc.) und es gibt Praxis Standards in Gebieten wie in der Buchhaltung oder im Ingenieurwesen. Es mag gute Gründe dafür geben, warum gerade ein bestimmter Standard den anderen vorgezogen wird, recht oft jedoch erscheinen etablierte Standards ziemlich willkürlich; das Wichtige ist die Übereinstimmung über das, was der Standard sein soll. Standards können per formaler Übereinstimmung eingerichtet werden, sie könnten auch de facto Standards sein, die sich aus Gebrauch und Gewohnheit herleiten.

Ein internationaler "Wert"-Standard würde weltweit den Handel erleichtern und so offensichtliche Vorteile bieten. Die Definition eines solchen Standards würde für jede Währung, privat, vom Staat oder von der Zentralbank emittiert, die Bewertung relativ zu diesem Standard und zu anderen Währungen erlauben. Festhalten an solch einem Standard erfordert nicht, daß die Geldemission zentral kontrolliert wird. Jeder beliebige Emittent könnte den Wert seiner Währung aufrechterhalten, indem er korrekten Regeln und Verfahren bei der Emission folgt.

Wahrscheinlich wäre der beste, stabilste Wert-Standard einer, der sich aus spezifizierten Mengen eines breiten Sortiments von Grundgütern ableitet. Dieser würde am wahrscheinlichsten die Stabilität der Kaufkraft der Geldeinheit gewährleisten. Somit würde der "Wert Standard" als der Wert eines "Warenkorbes" definiert sein, welcher spezifizierte Mengen von spezifizierten Grundgütern enthielt.

Welcher Name auch immer für die neue Standard Geldeinheit gewählt wird, am günstigsten wäre ihre Definition so, daß sie mit dem Dollar zu diesem Zeitpunkt auf pari steht; in diesem Wertbegriff zu denken sind wir nämlich gewohnt und der Dollar kommt einer internationalen Währung noch am allernächsten.

Die Etablierung neuen Geldes

Wir dürfen bei der Einschätzung wahrscheinlicher Reaktionen von Seiten der etablierten Geldmächte auf mögliche Versuche den Austauschprozeß zu befreien nicht naiv sein.

Hayek drückt das so aus:

"... irgendeine Hoffnung darauf, daß der Staat auf seine heutigen Monopole bei der Geldemission freiwillig verzichtet, ist utopisch. Die Staaten sind von ihrer Macht Geld für die Finanzierung ihrer eigenen Aktivitäten zu emittieren abhängig geworden, denn sie erlaubt ihnen, über ihre Staatseinnahmen hinaus wesentlich mehraus zugeben als sie durch normale Besteuerung je einnehmen könnten. Sie betrachten des weiteren ihre Kontrolle über das Geld als eine sowesentliche Waffe ihrer Wirtschaftspolitik, daß sie wahrscheinlich nicht nur alle ihnen vom Gesetz verliehenen expliziten Vollmachten sondern auch alle anderen, welche sie erhalten können, bis zum Letzten verteidigen werden." (p. 330)

Es gibt aber eine Grenze für das Ausmaß, bis zu welchem der Staat Kontrolle ausüben kann, moralisch, legal oder praktisch, die Verrechnungspraktiken und Handelsgewohnheiten privater Unternehmer. Hierin liegt der Schlüssel für die Befreiung des Austauschs. Hayek sagt:

"Das exklusive Recht auf Emission der Zeichen, die als gesetzlichesZahlungsmittel bei der Erfüllung von Verpflichtungen dienen, welchevertraglich in diesen Zeichen eingegangen wurden, schließt denGebrauch von Kreditkonten in anderen Einheiten als allgemeinesTauschmittel nicht aus. ... Der Unterschied wäre der, daß die Kontenauf andere Geldeinheiten lauten, über welche der Staat keineKontrolle hätte und welche deshalb wahrscheinlich einen konstantenWert behielten." (p. 330) (Hervorhebungen hinzugefügt)

"... sind erst einmal Kreditkonten in einer stabilen Werteinheit von irgendeiner Institution zur Verfügung gestellt, kann der Staat die Entwicklung von Kreditkarten kaum noch verhindern, welche - mit Einverständnis beider Parteien - sofort den in einer lokalen Währung fälligen Betrag zum Tageskurs in sein Äquivalent einer stabilen Einheit wechseln würde. Schuldner und Gläubiger würden wissen,daß ein bestimmter Betrag an Kaufkraft innerhalb einer bestimmten Zeit von ihnen oder für sie fällig wäre. Obwohl der Staat sich wahrscheinlich lange gegen den Gebrauch von allem anderen außer seinem eigenem Stückgeld auf seinem Territorium widersetzen würde,könnte er solchen Gebrauch von Kreditkarten für lange Zeit kaum verhindern. Ich habe wenig Zweifel daran, daß die Herausgeber von Kreditkarten gut damit beraten wären, diese stabilen, privaten Einheiten zu benutzen, sobald es sie gibt. In der Tat glaube ich, daß das Staatsmonopol auf Geldemission letztlich eher durch die Kreditkarte als durch irgendeine Art von zirkulierendem Zeichengeld gebrochen werden wird. Es ist ein Geld, das der Staat nicht konfiszieren kann, wenn man es über Grenzen mitnimmt und auch kaum, wenn der Empfänger auf dieses Geld lautende Forderungen besitzt." (p.333)

Wenn wir nun erkennen, daß Geld nur Information ist, wird klar, daß eine private alternative Geldeinheit zu jeder Zeit leicht definiert werden kann. Alles dafür Erforderliche ist, daß ein Individuum oder eine Gruppe seine Definition veröffentlicht. Die nächste Stufe beim Gebrauch solchen Geldes ist ganz einfach die Kontoführung in dieser Einheit. Das würde keine Schwierigkeiten bereiten, denn der Wert irgendeiner existierenden Währung könnte gemäß der Definition konvertiert werden, genauso wie heute fremde Währungen gegeneinander ausgeglichen werden. Händler, die sich darauf einigen, in der neuen Einheit ihre Konten zu führen und Verträge abzuschließen könnten sich auch darauf einigen, periodisch ihre Konten auszugleichen, indem sie etablierte gesetzliche Zahlungsmittel benutzten, wobei wahrscheinlich deren Wert relativ zu den neuen stabilen Geldeinheiten mit der Zeit abfallen wird. Deshalb würden sie am Ende wahrscheinlich ein besseres Mittel finden, ihre Konten auszugleichen, eines, bei welchem es nicht erforderlich ist, zum Erwerb der offiziellen Währung auf den Markt zu gehen, zumal deren Wert nicht in ihrer Kontrolle liegt.

Ideales Geld

Von allen Geldtheoretikern, die ich kenne, scheint E. C. Riegel derjenige mit dem größten Verständnis über die wirkliche Natur und Funktion des Geldes zu sein. Aus diesem Verständnis heraus entwarf er ein "natürliches Geldsystem". Riegel weigerte sich, sich in die orthodoxen Debatten verwickeln zu lassen und stellte fest: "Nur wenn wir dem Durcheinander der Geldökonomie in der Vergangenheit unsere Rücken zudrehen, können wir das Thema Geld vollständig verstehen... Irrtum hat Labyrinthe; die Wahrheit ist ein Obelisk." (Flight from Inflation) (2).

Riegels Beschreibungen des (idealen) Geldes durchschneiden den Panzer orthodoxer Verdunkelung und liefern die Grundlage für ein rationales und ehrliches Geldsystem. Am sachdienlichsten sind folgende Aussagen:

Die Definition von (idealem) Geld

Riegel's formale Definition von Geld sieht so aus:

Emissionsbedingungen

Die Art von Geldsystem, welche Riegel sich vorstellte, kann als ein "soziales-Kredit-Geldsystem" beschrieben werden, denn das Geld, im Grunde ein Schuldschein, ist durch alle Teilnehmer im Austauschsystem gedeckt und wird nicht mit einem bestimmten Emittenten identifiziert. Es erfüllt die Bedingungen, welche ich für ein ehrliches und gerechtes System für erforderlich halte, d.h. es sollte "convivial" (für alle qualifizierten Teilnehmer offen) und "reziprok" sein (inhärent Wertgleichheit im Austausch bieten).

Ein Schlüsselpunkt in Riegel's System ist die Erkenntnis, daß nur Produzenten für eine Geldemission qualifiziert sind, denn nur sie haben die nötigen Mittel, das Geld am Markt einzulösen. So erachtete Riegel den freien Wettbewerb als unabdingbare Voraussetzung für eine gerechte Regulierung des Geldwertes.

Er erkannte, daß für die Bewahrung der Genauigkeit im Geldwesen ein formal strukturiertes Geldsystem und Autorität erforderlich sind. Die Autorität ist notwendig, nicht um Geld zu emittieren, sondern bei

  1. der Etablierung der Geldeinheit,
  2. für Vorgaben zur Geldemission und zur Festsetzung ihrer Grenzen und
  3. um "die zu benutzenden Verfahren und solche gegenseitig annehmbaren Regeln" vorzugeben, "welche der Einheit und dem System Zuverlässigkeit garantieren."
Riegel hat nicht versucht, diese Details zu formulieren und viel der Bestimmung durch Experimente und dem freien Spiel miteinander im Wettbewerb stehender Geldsysteme überlassen, deren baldiges Auftauchen er sich erhoffte. Auch scheint er eine andere Frage nicht berücksichtigt zu haben, die ich für den Erfolg alternativer Geldsysteme für entscheidend erachte, d.h. wie ein neues System vom offiziellen System abgekoppelt und die neue Geldeinheit von der offiziellen Geldeinheit unterschieden werden soll. Ich würde gerne einige dieser Details betrachten und meine Gedanken darüber äußern.

Ungelöste Punkte

Ich betrachte folgende Punkte als die Hauptdetails, welche ausgearbeitet werden müssen, um ein neues "conviviales" und reziprokes Geldsystem zu realisieren:
  1. Definition einer neuen Geldeinheit in der Weise, daß sie von anderen miteinander konkurrierenden Geldeinheiten getrennt gehalten werden kann.
  2. Qualifikation der Geldemittenten.
  3. Einrichtung von Überziehungsgrenzen.
  4. Bewahrung der Integrität des gesamten Systems.
  5. Qualifikation von Geldfundationen (Art von Käufen, für welche neuesGeld ausgegeben wird).
  6. Clearing / Ausgleichen der Konten, um das Geld als ein reines Austauschmedium und nicht als ein Wertaufbewahrungsmittel zu benutzen.
Was den ersten Punkt betrifft, so glaube ich, daß die beste Annäherung die Definition der neuen Geldeinheit in einer standardisierten Menge und Zusammenstellung von physischen Grundgütern wäre. Das würde die neue Einheit in die Realität gründen und sie von den anderen heute gebräuchlichen Werteinheiten oder Währungen unterscheiden. Wenn das Warensortiment breit genug ist, würde es eine sehr stabile Werteinheit abgeben. Erst einmal definiert, könnte jede Währung oder Krediteinheit gegen diesen Standard gemessen werden. Eine Genossenschaft von Produzenten und Unternehmern könnte übereinkommen, Konten in der neuen Geldeinheit zu führen und von allen akzeptierte Verfahren zur Kreditausgabe formulieren, welche die Geschäfte der Mitglieder von etablierten Geld- und Bankpraktiken separat und unverseucht halten würde.

Was die Punkte 2, 3 und 4 betrifft, so weist Riegel darauf hin, daß die wichtigste Qualifikation zur Geldemission die Bereitschaft und Fähigkeit des Emittenten ist, für den Markt Güter und Dienstleistungen zu liefern im Austausch gegen Geld, das er/sie vorher durch seine/ihre Käufe emittiert hat. Nur etablierte Produzenten sollten deshalb Geld zu emittieren berechtigt sein, und ihre Emissions- (Kredit)grenzen sollten auf der Höhe ihrer Handelsaktivität im System beruhen. Dies allein mag noch nicht ganz angemessen sein, um die Integrität des Systems aufrechtzuerhalten. So lange es konkurrierende Austauschsysteme gibt, besteht immer die Möglichkeit, daß ein Teilnehmer sich zum Verlassen des Systems entschließt, sich weigert, zu dem von ihm Erhaltenen äquivalente Werte zu liefern, um so seine/ihre Verpflichtungen nicht zu erfüllen.

Meiner Meinung nach gibt es drei verschiedene Möglichkeiten, mit diesem Risiko fertig zu werden. Die erste ist, einen "Fonds"Austausch zu benutzen, in welchen jeder Teilnehmer ein bestimmtes Vermögen als Sicherheit gegen seine/ihre Verpflichtungen überläßt. Die Nachteile dieser Option wären Handelshindernisse und eine Beibehaltung heutiger individualistischer und nicht vertrauenswürdiger Betriebspraktiken. Eine zweite Möglichkeit ist, einen mit bei allen Transaktionen anfallenden Kosten gespeisten "Versicherungs"-pool anzulegen, der mögliche Verluste auffängt. Eine dritte Möglichkeit, welche mit "brüderlichen" Werten besser vereinbar ist und die Notwendigkeit einer staatlichen Zwangsautorität zur Geltendmachung oder Konfiszierung vermeidet, ist der Verlaß auf die Gruppen-Verantwortlichkeit, d.h. jeder Teilnehmer ist in einer Affinitätsgruppe eingebettet und trägt Verantwortung für die Soll-Salden der anderen Teilnehmer seiner Gruppe. Diese Gruppen könnten in ähnlicher Weise für andere, ähnliche Gruppen mitverantwortlich sein. Es könnte eine beliebige Anzahl von Mitverantwortlichkeitsstufen geben. Das ist im Wesentlichen die Idee von Mark Kinney's "nested node" System. Vorteile sind die gegenseitige Unterstützung und enge persönliche Beziehungen auf jeder Stufe.

Als nächstes sollten die Güter, durch welche neue Geldemission fundiert wird, zumindest anfangs auf Käufe von Gütern des täglichen Bedarfs und die für ihre Produktion nötige Arbeit limitiert werden.

Ich glaube, dies ist notwendig, um einen Kursverfall zu verhindern, welcher wahrscheinlich die Folge einer Monetarisierung von Vermögen wäre, welches am Markt nicht wirklich kurzfristig angeboten wird. Wenn das "nested node" System organisiert ist und die neuen Standards etabliert werden, kann vielleicht ohne diese Beschränkungen ausgekommen werden.

Schließlich bevorzuge ich das periodische Clearing von Verrechnungskonten in Kapital- oder Investitionskonten. In jedem Fall repräsentiert ein positiver Saldo eine Forderung auf Vermögen, aber im Fall der Verrechnungskonten ist er eine Forderung in bestimmter Höhe auf gegenwärtiges Vermögen und im letzten Fall ist er eine anteilsmäßige Forderung auf zukünftiges Vermögen.

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Anmerkungen:

(1) Alle folgenden Zitate von F. A. Hayek sind aus dem Englischen übersetzt und können, falls ein deutscher Originaltext existiert, von diesem im genauen Wortlaut abweichen.

Zitiert aus: Siegel, Barry (Hrg.), "Money in Crisis", San Francisco, 1984, Pacific Institute for Public Policy Research.

(2) E. C. Riegel, "Flight from Inflation: The Monetary Alternative", Los Angeles, 1978, Hrg.: Spencer Heath MacCallum and George Morton, The Heather Foundation

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