Die Schuldner als Ganzes sind in eine unmögliche Situation gebracht worden. Mit dem Versuch, den Zahlungsforderungen der Banken nachzukommen, haben viele Schuldnerländer ihren Völkern Härten auferlegt, die unbeschreibliches Leid verursachten und viele an den Rand des Verhungerns brachten. Weiter sind sie durch den Zwang zur Produktionsexpansion für den Export gezwungen worden, ihre physische Umwelt zu demütigen.
Die derzeitige Situation ist nicht mehr tragbar, weder moralisch, politisch, noch ökonomisch oder ökologisch. Soziale Gerechtigkeit, Weltfriede und das bloße Fortbestehen des Lebens auf diesem Planeten sind abhängig von einer vollständigen Umstrukturierung der Praktiken im Geldwesen und der Buchhaltung der Unternehmen. Allgemein umrissen werden folgende Maßnahmen für erforderlich angesehen:
Kinney zitiert Arnold Toynbee's Behauptung, daß die Menschheit ständig ihre Methoden "ätherisiert", um mit weniger Aufwand mehr zu erreichen. Das bedeutet, daß jedes neue Kommunikationsmedium seinen Vorläufer übertrifft, indem es größere Informationsmengen von größerer Präzision mehr Menschen über größere Entfernungen mit weniger Aufwand zugänglich macht.
Ganz klar ist das der Fall, wenn wir Entwicklungen in den Kommunikationstechnologien über die letzten paar Jahrhunderte und insbesondere die computerisierten Telekommunikationskanäle betrachten, die explosionsartig im letzten Jahrzehnt auf der Bildfläche erschienen sind. Unsere Methoden sind deutlich nicht nur in ihrer Form sondern auch in ihrem Gehalt "ätherisiert" worden. Information wird mit zunehmendem Maß abstrakt und symbolisch, und das Übertragungsmedium ephemerisch (flüchtig, energetisch, unkonkret). Wir sehen also eine Weiterentwicklung von physischen, informationstragenden Objekten über handgeschriebene und gedruckte Dokumentation, welche physisch transportiert wird, zu elektrischen und magnetischen Impulsen, die mit Kabel und Radio/TV übertragen werden.
Das Schlüsselelement, welches in der momentanen Transformationsstufe fehlt, ist ein der Situation angemessenes Austausch - Element. Das Tauschmedium, mit welchem wir alle vertraut sind, und welches in der Tat unser Leben dominiert, ist das Geld.
Tatsächlich wurde das Geld in fortschreitendem Maß "ätherisiert". Von wertvollen Metallmünzen und Goldbarren, die selbst Wert in sich trugen, über anderes Münzgeld und Papiernoten, die symbolische Repräsentationen und in echtes Geld (wertvolle Metallmünzen) einlösbar waren, über staatlich verordnetes, nicht einlösbares Staatspapiergeld (=Zwangskursgeld, A.d.Ü.) zu Bankkredit und Computerkonten. Der Übertragungsprozeß wurde ebenfalls "ätherischer", vom physischen Austausch wertvollen Metalls und anderen Metallmünzen über den symbolischen Austausch mittels Scheck und Geldanweisung zu elektronischem Transfer. Dieser Prozeß ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Das Tauschmedium ist hinter anderen Aspekten des Transformationsprozesses zurückgeblieben, mit der Folge, daß es unseren Kampf in enormem Ausmaß verstärkt und die Zivilisation an den Rand der Katastrophe drängt.
Es wird immer klarer, daß das wesentliche Charakteristikum des Geldes Information ist (oder geworden ist). "Geld ist Information, die wir benutzen, um menschliche Leistungen zu aktivieren", wie Michael Linton es ausgedrückt hat. Ralph Haulk hat hinzugefügt, daß "Geld Wissen Gültigkeit verschafft". Aus diesen Erkenntnissen hat Kinney postuliert, daß es zwei grundlegende Informationstypen gebe, "formative Information, mit welcher wir fast alle Arten von Projekten entwerfen und planen können", und "exekutive Information, welche die genauen Qualitäten und Quantitäten produktiver Ressourcen zusammenbringt, die für die Realisierung jener Pläne benötigt werden".
Die Schwierigkeiten, denen wir in der jetzigen Übergangsstufe gegenüberstehen, entstehen aus der Situation, daß FORMATIVE Information in zunehmendem Ausmaß immer mehr Menschen zugänglich wird, während EXEKUTIVE Information meist immer noch monopolisiert ist. Das ist es, was die weite Mehrheit daran hindert, konsequent nach ihren Werten, ihrem Glauben und ihren eigenen besten Interessen zu handeln, und jenen übermäßige Macht gibt, welche an der Spitze der Finanz- und Staatshierarchien sitzen. Diejenigen Projekte, die dann tatsächlich ausgeführt werden, sind jene, welche tendenziell die Macht der Hierarchien unterhalten und festigen, gleichzeitig die Umwelt verwüsten und ungeheure Ausmaße menschlichen Leids verursachen.
Die neuen Kommunikationsmedien haben die Fähigkeit mit sich gebracht, die Menschen weltweit besser zu informieren, und die Menschheit hat als Foge davon das Potential, einen Zustand globalen, universellen Friedens und Wohlstands zu verwirklichen. Das kann nur geschehen, wenn exekutive Information für die Menschen verfügbar und die Macht zu den elementaren sozialen Einheiten zurückgekehrt ist.
Die Monopolisierung exekutiver Information durch Staat und Finanzeliten wird durch ihre Kontrolle über den Prozeß der Geldemission verkörpert. Eine Besteuerung wird zur Finanzierung des Regierungsbetriebs nicht mehr benötigt. Die Einkommensbesteuerung ist in erster Linie ein Mittel zur Ausführung der Sozialpolitik geworden und dient als ein Kontrollmechanismus bei der Regulierung der Inflationsrate.
Bis heute ist das Geld der Teil der Marktordnung, den der Staat am meisten unterdrückt hat. Es ist auch der Teil der Marktordnung, an dem dumme Herrscher und Ökonomen am meisten herumgepfuscht haben. ... werden es nicht heutige Kenntnisse sondern Entdeckungen durch freie Experimente sein, welche uns die besten Lösungen zeigen können. ... beschützte der Staat eifersüchtig sein Monopol zu Zwecken, die von jenen ziemlich verschieden sind, für welche dasGeld eingeführt wurde. (Money in Crisis, p.324)
Heute ist das Geld hauptsächlich nicht ein effektives Tauschmittel sondern ein Werkzeug des Staates, uns zu scheren und die Wirtschaft zu "verwalten". (p.325)
Wenn dem Staat die Macht über das Geld entzogen würde, würden private Firmen schnell neue Geldeinheiten definieren und Verbindlichkeiten in diesen Einheiten emittieren. Wettbewerb zwischen den Emittenten würde sie dazu zwingen ihre Einheiten fürdie Öffentlichkeit am nützlichsten zu definieren und sie der Öffentlichkeit zu den attraktivsten durchführbaren Bedingungen verfügbar zu machen. (p.327)
Nehmen wir jedoch an, daß Herr A die Schuhe haben will, aber Herr B keine Hühnchen brauchen kann. In diesem Fall wird wahrscheinlich kein Handel zustandekommen. Das ist das Problem beim vollständigen Barter, jeder Händler muß etwas anbieten, was der andere haben will, oder was er zumindest im weiteren Handel mit jemand anders gebrauchen kann. Wahrscheinlich war es letztere Erkenntnis, die zur Entwicklung des Geldes geführt hat und der Grund dafür, weshalb die ersten Tauschmittel nützliche Güter gewesen sind.
Alles für ein ideales Austauschsystem erforderliche ist jedoch, daß Händler bei der Vereinbarung zusammenarbeiten, bestimmte, von anderen Händlern als Empfangsbestätigung für erhaltene Werte ausgegebene Gutscheine als Zahlung für wirkliche Werte anzunehmen. Nehmen wir z.B. an, daß Herr A ein Paar Schuhe von Herrn B kauft. Er gibt B dafür eine "Empfangsbestätigung für erhaltene Werte" (EEW) oder Gutscheingeld. Dann kauft B Heu von C und reicht ihm die EEW (Gutschein) weiter; C benutzt die EEW (Gutschein) zum Kauf von Holz bei D und D benutzt sie wiederum, um bei A Hühnchen zu kaufen.
Es könnten in Wirklichkeit eine beliebige Anzahl von Händlern in diesem Kreis sein, bevor die EEW (Gutschein) zu A zurückkehrt. Jedes einzelne dieser Geschäfte wird "split-barter" genannt, weil es in zwei Teile gespalten ist, wobei eine Person Werte erhält, während die andere den Erhalt gleichen Wertes auf einen späteren Zeitpunkt verschoben hat und ihn von einem anderen Händler erhält. Es ist diese Art von reinem Informations-Tauschmedium, welches das ideale Geld ausmacht.
Im Wesentlichen gibt es drei Gründe, warum eine instabile Geldeinheit vermieden werden sollte:
Wie Friedrich Hayek es ausgedrückt hat,
"... wenn die Menschen ganz frei wären, diejenigen Geldarten zuwählen, welche sie in ihren täglichen Geschäften zu benutzenwünschen, wären jene am erfolgreichsten, welche ein Geld mitstabiler Kaufkraft vorzögen." (p. 325)
"... die Gerechtigkeit erfordert es, daß alle Schulden in Werteinheitenbezahlt werden, die von den Vertragsparteien vereinbart wurden, undnicht in einem Ersatz, den Staatsverordnungen aus ihnen gemachthaben." (p. 334)
Ich denke, die natürliche Tendenz in einem "ehrlichen" Geldsystem würde sein, daß das allgemeine Preisniveau langsam fällt, was den technologischen Fortschritt und die zunehmende Produktivität widerspiegeln würde.
Um den Austausch zu erleichtern, hat es sich eingebürgert, eine vermittelnde Einrichtung, nämlich das Geld zu benutzen. Die Absicht beim Gebrauch von Geld ist es, dem Verkäufer eine Art Nachweis über den Betrag an Wert zu verschaffen, den er dem Käufer übergeben hat. Beim Messen von Werten ist Genauigkeit und Präzision genauso wichtig wie beim Messen von physischen Mengen wie Länge, Gewicht, Volumen und Zeit; Wert und physische Menge sind in der Tat untrennbar miteinander verbunden.
Wenn wir einen gerechten Austausch wollen, und gerechter Austausch ist definiert als gleicher Wert gegen gleichen Wert, ist es wesentlich, daß wir Werte mit Genauigkeit und Präzision messen können und die Wertmaßeinheiten über die Zeit hinweg konstant bleiben.
Beginnen wir zum besseren Verständnis mit einigen Definitionen. Das American Heritage Dictionary (1973) hat unter dem Stichwort "Messung" folgendes zu sagen:
"Messung einer Menge impliziert, daß ihr zur Repräsentation ihrerGröße eine Zahl zugewiesen wird. Gewöhnlich kann die Zuweisungdurch einen einfachen Vergleich gemacht werden. Die Größe einerMenge wird verglichen mit einer "Standard"- Menge, deren Größewillkürlich gewählt das Maß 1 haben soll."
"Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen einer "Maßeinheit"und einem "Maßstandard" ("Standardmaß").
Eine Maßeinheit ist eine präzis definierte Menge, mit welcher die Größen aller anderen Mengen der selben Art angegeben werden können.
Ein Maßstandard ist ein Objekt, welches unter spezifizierten Bedingungen zur Definition, Repräsentation oder Aufzeichnung der Größe einer Einheit dient."
Um also eine objektive Werteinheit zu haben, auf die man sich einigen und die man für einen fairen Austausch benutzen kann, muß sie mit einem Standard definiert werden. Und was ist ein Standard nach obiger Definition? Er ist ein Objekt. Um diese Vorstellung zu verstärken, wollen wir die etablierten Standards physikalischer Messung weiter betrachten. Das Lexikon fährt folgendermaßen fort:
"Die fundamentalen Einheiten des metrischen Systems sind der Meter und das Kilogramm. Der Meter wurde definiert ... gleich1,650,763.73 Wellenlängen der orange-roten Strahlung von Krypton 86 in Vakuum. Das Kilogramm ist definiert als die Masse eines Platin-Iridium Standards, das internationale Prototyp Kilogramm, im Internationalen Bureau für Maße und Gewichte in Sevres, Frankreich."
Erinnern wir uns nun an die vorher angeführte Definition, daß Messung einen Vergleich beinhaltet. Wenn wir also die Länge von etwas messen, vergleichen wir es mit einem Stab oder Band bekannter Länge, und zwar gewöhnlich mit einem, welches Markierungen besitzt, welche die Anzahl der Vielfachen der Einheit anzeigt, die sich von einem Standard ableitet. Natürlich gibt es in der Praxis eine beliebige Anzahl von Messvorrichtungen, welche konstruiert oder kalibriert wurden, wobei diese Standards als Grundlage genommen wurden. So haben wir eine beliebige Anzahl von Meterstäben, Skalen, etc., gegen welche Vergleiche angestellt werden.
Tatsache ist, daß die Menschen in diesem Land sich an das Bewerten der Dinge in Dollars (Übersetzung aus dem Amerikanischen! A.d.Ü.) gewöhnt haben. Es ist wichtig, zwischen dem "Dollar", den wir als Wertbegriff gebrauchen, und den Dollar Währungseinheiten zu unterscheiden, die uns vom Staat und dem Federal Reserve System (Federal Reserve = Zentralbank der USA, A.d.Ü.) bereitgestellt werden. Wir alle haben einen Sinn dafür, was die Dinge in Dollar relativ zueinander und über die Zeit hinweg wert sind. Somit muß der Dollar zumindest vorerst als ein Wertbegriff als gegeben hingenommen werden. Da wir an diesen Begriff gewöhnt sind, muß er den Ausgangspunkt für jede Neuerung im Austausch und Geldwesen bilden.
Wenn Werte subjektiv und nicht objektiv sind, was quantifizieren wir dann, wenn wir davon sprechen, daß etwas so und so viele Dollars (oder Franken oder Pfund) wert ist? Es ist der "Preis". Für jedes Geschäft kann ein Preis aufgezeichnet werden. Die statistische Zusammenstellung von Preisen bildet die Grundlage für die Aussage, daß ein bestimmtes Ding so und so viele Dollars wert ist. Was wir gewöhnlich als "Wert" von irgendetwas bezeichnen, ist typischerweise sein "Marktpreis", wie unvollkommen der Markt im Vergleich zum "idealen" oder "freien" Markt auch immer sein mag. Und dieser "Marktpreis" ist tatsächlich eine Zusammenfassung von statistischen Informationen, vielleicht ein Durchschnitt, von Transaktionspreisen, über eine gegebene Zeitperiode, in einem gegebenen Markt beobachtet. Er ist das Ergebnis von unzähligen Kräften, welche den Bewertungsprozeß beeinflussen; die "unendliche Rechnung", wie Mark Kinney sagt, "des Marktes", und er ist vergänglich.
Wenn auch Werte subjektiv und situationsabhängig sind, ist es insgesamt möglich, sich auf einen relativ objektiven "Wertstandard" zu einigen, welcher wirklich ein Preisstandard ist, die Existenz relativ freier Märkte und freien Informationsfluß vorausgesetzt.
Ein internationaler "Wert"-Standard würde weltweit den Handel erleichtern und so offensichtliche Vorteile bieten. Die Definition eines solchen Standards würde für jede Währung, privat, vom Staat oder von der Zentralbank emittiert, die Bewertung relativ zu diesem Standard und zu anderen Währungen erlauben. Festhalten an solch einem Standard erfordert nicht, daß die Geldemission zentral kontrolliert wird. Jeder beliebige Emittent könnte den Wert seiner Währung aufrechterhalten, indem er korrekten Regeln und Verfahren bei der Emission folgt.
Wahrscheinlich wäre der beste, stabilste Wert-Standard einer, der sich aus spezifizierten Mengen eines breiten Sortiments von Grundgütern ableitet. Dieser würde am wahrscheinlichsten die Stabilität der Kaufkraft der Geldeinheit gewährleisten. Somit würde der "Wert Standard" als der Wert eines "Warenkorbes" definiert sein, welcher spezifizierte Mengen von spezifizierten Grundgütern enthielt.
Welcher Name auch immer für die neue Standard Geldeinheit gewählt wird, am günstigsten wäre ihre Definition so, daß sie mit dem Dollar zu diesem Zeitpunkt auf pari steht; in diesem Wertbegriff zu denken sind wir nämlich gewohnt und der Dollar kommt einer internationalen Währung noch am allernächsten.
Hayek drückt das so aus:
"... irgendeine Hoffnung darauf, daß der Staat auf seine heutigen Monopole bei der Geldemission freiwillig verzichtet, ist utopisch. Die Staaten sind von ihrer Macht Geld für die Finanzierung ihrer eigenen Aktivitäten zu emittieren abhängig geworden, denn sie erlaubt ihnen, über ihre Staatseinnahmen hinaus wesentlich mehraus zugeben als sie durch normale Besteuerung je einnehmen könnten. Sie betrachten des weiteren ihre Kontrolle über das Geld als eine sowesentliche Waffe ihrer Wirtschaftspolitik, daß sie wahrscheinlich nicht nur alle ihnen vom Gesetz verliehenen expliziten Vollmachten sondern auch alle anderen, welche sie erhalten können, bis zum Letzten verteidigen werden." (p. 330)
Es gibt aber eine Grenze für das Ausmaß, bis zu welchem der Staat Kontrolle ausüben kann, moralisch, legal oder praktisch, die Verrechnungspraktiken und Handelsgewohnheiten privater Unternehmer. Hierin liegt der Schlüssel für die Befreiung des Austauschs. Hayek sagt:
"Das exklusive Recht auf Emission der Zeichen, die als gesetzlichesZahlungsmittel bei der Erfüllung von Verpflichtungen dienen, welchevertraglich in diesen Zeichen eingegangen wurden, schließt denGebrauch von Kreditkonten in anderen Einheiten als allgemeinesTauschmittel nicht aus. ... Der Unterschied wäre der, daß die Kontenauf andere Geldeinheiten lauten, über welche der Staat keineKontrolle hätte und welche deshalb wahrscheinlich einen konstantenWert behielten." (p. 330) (Hervorhebungen hinzugefügt)
"... sind erst einmal Kreditkonten in einer stabilen Werteinheit von irgendeiner Institution zur Verfügung gestellt, kann der Staat die Entwicklung von Kreditkarten kaum noch verhindern, welche - mit Einverständnis beider Parteien - sofort den in einer lokalen Währung fälligen Betrag zum Tageskurs in sein Äquivalent einer stabilen Einheit wechseln würde. Schuldner und Gläubiger würden wissen,daß ein bestimmter Betrag an Kaufkraft innerhalb einer bestimmten Zeit von ihnen oder für sie fällig wäre. Obwohl der Staat sich wahrscheinlich lange gegen den Gebrauch von allem anderen außer seinem eigenem Stückgeld auf seinem Territorium widersetzen würde,könnte er solchen Gebrauch von Kreditkarten für lange Zeit kaum verhindern. Ich habe wenig Zweifel daran, daß die Herausgeber von Kreditkarten gut damit beraten wären, diese stabilen, privaten Einheiten zu benutzen, sobald es sie gibt. In der Tat glaube ich, daß das Staatsmonopol auf Geldemission letztlich eher durch die Kreditkarte als durch irgendeine Art von zirkulierendem Zeichengeld gebrochen werden wird. Es ist ein Geld, das der Staat nicht konfiszieren kann, wenn man es über Grenzen mitnimmt und auch kaum, wenn der Empfänger auf dieses Geld lautende Forderungen besitzt." (p.333)
Wenn wir nun erkennen, daß Geld nur Information ist, wird klar, daß eine private alternative Geldeinheit zu jeder Zeit leicht definiert werden kann. Alles dafür Erforderliche ist, daß ein Individuum oder eine Gruppe seine Definition veröffentlicht. Die nächste Stufe beim Gebrauch solchen Geldes ist ganz einfach die Kontoführung in dieser Einheit. Das würde keine Schwierigkeiten bereiten, denn der Wert irgendeiner existierenden Währung könnte gemäß der Definition konvertiert werden, genauso wie heute fremde Währungen gegeneinander ausgeglichen werden. Händler, die sich darauf einigen, in der neuen Einheit ihre Konten zu führen und Verträge abzuschließen könnten sich auch darauf einigen, periodisch ihre Konten auszugleichen, indem sie etablierte gesetzliche Zahlungsmittel benutzten, wobei wahrscheinlich deren Wert relativ zu den neuen stabilen Geldeinheiten mit der Zeit abfallen wird. Deshalb würden sie am Ende wahrscheinlich ein besseres Mittel finden, ihre Konten auszugleichen, eines, bei welchem es nicht erforderlich ist, zum Erwerb der offiziellen Währung auf den Markt zu gehen, zumal deren Wert nicht in ihrer Kontrolle liegt.
Riegels Beschreibungen des (idealen) Geldes durchschneiden den Panzer orthodoxer Verdunkelung und liefern die Grundlage für ein rationales und ehrliches Geldsystem. Am sachdienlichsten sind folgende Aussagen:
Ein Schlüsselpunkt in Riegel's System ist die Erkenntnis, daß nur Produzenten für eine Geldemission qualifiziert sind, denn nur sie haben die nötigen Mittel, das Geld am Markt einzulösen. So erachtete Riegel den freien Wettbewerb als unabdingbare Voraussetzung für eine gerechte Regulierung des Geldwertes.
Er erkannte, daß für die Bewahrung der Genauigkeit im Geldwesen ein formal strukturiertes Geldsystem und Autorität erforderlich sind. Die Autorität ist notwendig, nicht um Geld zu emittieren, sondern bei
Was die Punkte 2, 3 und 4 betrifft, so weist Riegel darauf hin, daß die wichtigste Qualifikation zur Geldemission die Bereitschaft und Fähigkeit des Emittenten ist, für den Markt Güter und Dienstleistungen zu liefern im Austausch gegen Geld, das er/sie vorher durch seine/ihre Käufe emittiert hat. Nur etablierte Produzenten sollten deshalb Geld zu emittieren berechtigt sein, und ihre Emissions- (Kredit)grenzen sollten auf der Höhe ihrer Handelsaktivität im System beruhen. Dies allein mag noch nicht ganz angemessen sein, um die Integrität des Systems aufrechtzuerhalten. So lange es konkurrierende Austauschsysteme gibt, besteht immer die Möglichkeit, daß ein Teilnehmer sich zum Verlassen des Systems entschließt, sich weigert, zu dem von ihm Erhaltenen äquivalente Werte zu liefern, um so seine/ihre Verpflichtungen nicht zu erfüllen.
Meiner Meinung nach gibt es drei verschiedene Möglichkeiten, mit diesem Risiko fertig zu werden. Die erste ist, einen "Fonds"Austausch zu benutzen, in welchen jeder Teilnehmer ein bestimmtes Vermögen als Sicherheit gegen seine/ihre Verpflichtungen überläßt. Die Nachteile dieser Option wären Handelshindernisse und eine Beibehaltung heutiger individualistischer und nicht vertrauenswürdiger Betriebspraktiken. Eine zweite Möglichkeit ist, einen mit bei allen Transaktionen anfallenden Kosten gespeisten "Versicherungs"-pool anzulegen, der mögliche Verluste auffängt. Eine dritte Möglichkeit, welche mit "brüderlichen" Werten besser vereinbar ist und die Notwendigkeit einer staatlichen Zwangsautorität zur Geltendmachung oder Konfiszierung vermeidet, ist der Verlaß auf die Gruppen-Verantwortlichkeit, d.h. jeder Teilnehmer ist in einer Affinitätsgruppe eingebettet und trägt Verantwortung für die Soll-Salden der anderen Teilnehmer seiner Gruppe. Diese Gruppen könnten in ähnlicher Weise für andere, ähnliche Gruppen mitverantwortlich sein. Es könnte eine beliebige Anzahl von Mitverantwortlichkeitsstufen geben. Das ist im Wesentlichen die Idee von Mark Kinney's "nested node" System. Vorteile sind die gegenseitige Unterstützung und enge persönliche Beziehungen auf jeder Stufe.
Als nächstes sollten die Güter, durch welche neue Geldemission fundiert wird, zumindest anfangs auf Käufe von Gütern des täglichen Bedarfs und die für ihre Produktion nötige Arbeit limitiert werden.
Ich glaube, dies ist notwendig, um einen Kursverfall zu verhindern, welcher wahrscheinlich die Folge einer Monetarisierung von Vermögen wäre, welches am Markt nicht wirklich kurzfristig angeboten wird. Wenn das "nested node" System organisiert ist und die neuen Standards etabliert werden, kann vielleicht ohne diese Beschränkungen ausgekommen werden.
Schließlich bevorzuge ich das periodische Clearing von Verrechnungskonten in Kapital- oder Investitionskonten. In jedem Fall repräsentiert ein positiver Saldo eine Forderung auf Vermögen, aber im Fall der Verrechnungskonten ist er eine Forderung in bestimmter Höhe auf gegenwärtiges Vermögen und im letzten Fall ist er eine anteilsmäßige Forderung auf zukünftiges Vermögen.
(1) Alle folgenden Zitate von F. A. Hayek sind aus dem Englischen übersetzt und können, falls ein deutscher Originaltext existiert, von diesem im genauen Wortlaut abweichen.
Zitiert aus: Siegel, Barry (Hrg.), "Money in Crisis", San Francisco, 1984, Pacific Institute for Public Policy Research.
(2) E. C. Riegel, "Flight from Inflation: The Monetary Alternative", Los Angeles, 1978, Hrg.: Spencer Heath MacCallum and George Morton, The Heather Foundation