Proteste zum "Nationentag Mexiko" auf der Expo
Nationentag Mexiko auf der EXPO "bereichert"...
Expo-Gelände Hannover am 20. August 2000 um 10:30 Uhr: Weit über 500 ZuschauerInnen
und etwa 100 geladene Gäste der mexikanischen Elite verfolgen auf der zentralen
"Expo-Plaza" die Rede des mexikanischen Ministers während der Eröffnung
des "Nationentag Mexiko". Zuvor waren die deutsche und die mexikanische
Nationalhymne von einem niedersächsischen Polizeiorchester gespielt und
unter euphorischem Jubel die Flaggen der beiden Staaten gehisst worden.

Plötzlich wird die Ansprache aus zwei Ecken des u-förmigen Auditoriums durch
Rufe in Spanisch und Deutsch unterbrochen, die ein Ende des Krieges der
mexikanischen Elite gegen die indigene Bevölkerung und die linke Zapatistische
Befreiungsbewegung EZLN in Chiapas sowie die Abkehr von der neoliberalen
und repressiven Politik der Regierung fordern. Transparente tauchen auf,
die Anwesenden versuchen jedoch massiv, den AktivistInnen diese zu entreissen.
Nach einigen Minuten haben es die Sicherheitskräfte schließlich geschafft,
die Transparente zu beschlagnahmen und führen mehrere Personen ab, um sie
der Polizei, die direkt hinter der Bühne postiert ist, zu übergeben. Mehrere
bürgerliche "Hilfs-Sheriffs" haben einen großen Teil dazu beigetragen, dass
diese Aktion so zügig beendet werden konnte, trotzdem hat die anwesende
internationale Presse den Vorfall mit Interesse zur Kenntnis genommen.

Mexikanischer
Pavillon 19 Uhr: In der langsam ausklingenden Abendstimmung gelingt es sechs
Frauen und Männern aus Zapatista-Solidaritätsgruppen, die Mauern des Pavillons
zu erklimmen und zwei Transparente über 15 Minuten lang der nun zügig eintreffenden
Öffentlichkeit zu präsentieren. Auf Spanisch wird proklamiert: "Die
Winde der Veränderung sind bereits sichtbar... Es lebe die EZLN! Es lebe der Allgemeine Streikrat!
Es lebe der weltweite Widerstand! Freiheit für alle politischen Gefangenen!"

Ein weiteres Transparent konfrontiert die vom Heile-Welt-Dusel eingelullten
Expo-BesucherInnen mit der Festtellung, dass der Freihandel zwischen Europäischer
Union und Mexiko, der seit dem 1.7.2000 in Kraft getreten ist, "Freiheit
für die Reichen" und "Elend für den Rest" bedeuete. Etwa die Hälfte der
PassantInnen, die nun eilig zu Dutzenden herbeiströmen, haben Verständnis
für diese gewaltfreie Aktion und nehmen gerne die Flugblätter an, auf denen
neben dem Abzug des mexikanischen Militärs aus Chiapas auch die Erfüllung
der EZLN-Forderungen nach Land, Freiheit und einer radikalen Demokratisierung
verlangt werden. Die Sicherheitskräfte versuchen nun unter Protest einzelner
unbeteiligter BesucherInnen, die DemonstrantInnen festzunehmen. Sie schaffen
es jedoch lediglich, ihnen die Transparente abzunehmen. Am Rande kommt es
zu Diskussion darüber, ob diese Aktion legitim war und ob die Expo generell
eine heile Welt darstellt, was von vielen Anwesenden bejaht wird. Ein patriotischer
Mexikaner grölt unterdessen verbissen immer wieder "Viva Mexico!" und versucht
sich an Drohgebärden gegenüber den sich zurückziehenden DemonstrantInnen.
Kritische Meinungsäusserung ist auf der Expo nicht erwünscht und Protestierende
haben offenbar mit einer Festnahme zu rechnen, wie es am Morgen und am Tag
davor, am "Nationentag Türkei", auch geschehen ist.
Mit den beiden Aktionen
an diesem vor Nationalismus triefenden mexikanischen Jubelfeiertag wurden
ohne Zweifel mehrere Hundert Menschen auf der Expo aufgerüttelt, außerdem
berichtete die große mexikanische Tageszeitung "Reforma" über die Proteste
auf der ersten Seite, aber vor allem wurde den wohlhabend-elitären mexikanischen
PatriotInnen die Laune getrübt, was die linken AktivistInnen zum Fazit eines
erfolgreichen Tages kommen ließ. Mehr davon!
aus: Direkte Aktion Novermber/Dezember 2000.