|
OAXACA/MEXIKO BRENNT - OKTOBER 2006
KUNDGEBUNG AM 20.11. 2006 , 15 UHR
Mexikanisches Konsulat Frankfurt, Taunusanlage 21
Schon seit Ende April diesen Jahres befinden sich zehntausende von
Menschen – hauptsächlich Indigene, LehrerInnen, Bauern und Bäuerinnen,
Frauen und Kinder im Widerstand gegen die Regierung, nicht nur in
Oaxaca, sondern an vielen Orten Mexikos.
Im Mai veranstaltete die mexikanische Bundesregierung ein Massaker in
dem kleinen Städtchen Atenco in der Nähe von Mexiko City. Mit Entsetzen,
Empörung und Wut reagierte die Bevölkerung von Mexiko und viele Menschen
überall auf der Welt.
An einer anderen Ecke Mexikos, in Oaxaca, traten derweil die LehrerInnen
in Streik, gegen die Privatisierung der Schulen, die Verschärfung ihrer
Arbeitsbedingungen und die Ausgrenzung der armen Bevölkerung. Schnell
schlossen sich ihnen viele andere Bevölkerungsgruppen an, die schon
lange organisiert und wütend sind. Es ging nun nicht mehr um die
Interessen eines kleinen Teils der Bevölkerung, sondern die Durchsetzung
eines menschenwürdigen Lebens für Alle. Die Politik der Regierung – im
Falle Oaxacas des Gouverneurs Ulisses Ruiz – steht natürlich dagegen.
Wie bei fast allen Regierungen der Erde steht in Mexiko die Durchsetzung
des neoliberalen Wirtschaftsmodells an erster Stelle. Die Menschen dort
haben begriffen, dass sie gar nichts davon haben, aber die kleine Clique
der Herrschenden aus Politik und Kapital jede Menge Profit für sich
darin wittern. Während indigene Gemeinschaften von ihrem Land vertrieben
werden, falls es irgendwelche Resourcen birgt, während die arbeitende
Bevölkerung zu Hungerlöhnen in Weltmarktfabriken ohne jeglichen sozialen
Standard zu arbeiten gezwungen wird, während Kleinhändler und
Kleinbauern den grossen Multis im Preiskampf nicht gewachsen sind und
aufgeben und in die Slums abwandern müssen, stopfen sich die korrupten
Politiker die Taschen voll.
DAS IST KEIN TYPISCH MEXIKANISCHES PROBLEM. IN ABGESCHWÄCHTER FORM
ERLEBEN WIR HIER GENAU DAS GLEICHE !
Aber während hier der Widerstand nur langsam, zögerlich und vereinzelt,
dazu häufig noch gebremst durch die Gewerkschaften, in die Gänge kommt,
haben sich dort, in Oaxaca, aber nicht nur in diesem Bundesland, die
Menschen basisdemokratisch zusammengeschlossen, organisieren sich immer
besser von unten, treffen ihre Entscheidungen gemeinsam und setzen der
neoliberalen Politik der mexikanischen Regierung ihren gesammelten
Widerstand entgegen.
Die Regierung Fox hat sich offensichtlich entschieden, diese starke und
entschlossene Bewegung von unten auszumerzen.
Anders kann man es nicht formulieren.
Seit Samstag, dem 28.10.2006 macht die mexikanische Regierung mobil und
karrt Sondereinheiten der Polizei und des Militärs, Wasserwerfer,
Hubschrauber und busweise Paramilitärs nach Oaxaca. Die Bevölkerung gibt
sich nicht geschlagen, kämpft weiter für den Rücktritt des Gouverneurs
Ruiz, baut immer wieder Barrikaden auf, um die Polizei und das Militär
zurückzuhalten. Zündet sie an. Das Regime antwortet mit Folter,
Verschleppung, scharfer Munition, aus Hubschraubern abgefeuerten
Gasgranaten und Massenfestnahmen.
Die Bevölkerung von Oaxaca braucht unsere Hilfe und Solidarität.
Weltweit mobilisieren sich zehntausende von Menschen, um die Bevölkerung
Oaxacas zu unterstützen, legen mexikanische Botschaften und Konsulate
lahm.
DENN IN OAXACA SOLL AUCH UNSER TRAUM AUSGELÖSCHT WERDEN. DER TRAUM VON
EINEM LEBEN FÜR ALLE IN WÜRDE; GERECHTIGKEIT, FRIEDEN UND FREIHEIT.
Deswegen sind wir auf der Strasse. Wir fühlen am eigenen Leib immer
deutlicher, worum dieser Kampf geht. Und wir werden nicht mehr zulassen,
dass irgendwo auf der Welt Menschen dafür umgebracht werden, dass sie
für ein menschenwürdiges Leben kämpfen und sich dafür von unten und
basisdemokratisch, ohne die ausgelutschten Politikernasen, organisieren.
Wir stehen heute auch hier, weil am Freitag, dem 27.Oktober 2006, unser
Freund und Genosse Brad Will von Paramilitärs an den Barrikaden von
Oaxaca Stadt erschossen wurde.
Er war ein US-Amerikaner aus New York, der als Journalist für Indymedia
tätig war. Er hat sich in seiner Verantwortung als Anarchist ernst
genommen und die Menschen unterstützt, wo auch immer sie für unsere
gemeinsamen Ziele aufgestanden sind. Immer wieder hat hat er die
menschenverachtende Politik der us-amerikanischen Regierungen
angeprangert.
Hier begreifen wir erst allmählich, dass die EU und deutsche Regierungen
keinen Deut besser oder anders mit Menschen umgehen, wenn es nur der
Wirtschaft und der Macht nützt.
WIR FORDERN:
SOFORTIGER ABZUG VON POLIZEI UND MILITÄR AUS OAXACA
RÜCKTRITT VON
ULISES RUIZ
FREILASSUNG ALLER GEFANGENEN
FÜR ALLE ALLES
Knotenpunkt des YA-BASTA-NETZ Frankfurt/Main
|