Comandanta Esthers Worte in Oventik, 9. August, 2003


Brüder und Schwestern:

Durch meine Stimme spricht die Stimme der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung:

Indigene Brüder und Schwestern von Mexiko:

Wir, die Indígenas, möchten zu euch über unser Recht Mexikaner zu sein sprechen.

Wir müssen unsere Kultur, unsere Kleidung, unsere Sprache, unsere Art zu beten, unsere Art zu arbeiten und das Land zu respektieren nicht ändern. Wir können nicht aufhören, Indígenas zu sein, um als Mexikaner anerkannt zu werden.

Sie können uns das, was wir sind, nicht wegnehmen,

Ja, wir sind dunkelhäutig. Sie können uns nicht in Weiße verwandeln.

Denn unsere Großeltern leisteten mehr als 500 Jahre der Verachtung, Erniedrigung und Ausbeutung Widerstand.

Und wir leisten weiterhin Widerstand.

Jetzt werden sie uns nie mehr erniedrigen oder uns auslöschen können.

Die Politiker haben die indigenen Völker Mexikos verraten.

Alle politischen Parteien, die PRI genauso wie die PAN und die PRD, trafen eine Abmachung um uns unsere Rechte zu verweigern, denn sie haben das Gesetz für indigene Rechte und Kultur nicht bewilligt.

Sie wollen uns wie Kinder behandeln, und uns zum Schweigen bringen.

Sie dachten, dass sie das schaffen könnten, aber jetzt sehen sie, dass sie es nicht konnten, und dass sie das, was sie wollen, niemals schaffen werden

Jetzt müssen wir selbst unsere Rechte ausüben.

Wir brauchen keine Genehmigung von irgendjemand, ganz besonders nicht von einigen Politikern, die die Bevölkerung betrügen und Geld stehlen.

Deshalb, indigene Brüder und Schwestern von Mexiko, rufen wir euch alle auf, das Gesetz der San Andrés Abkommen umzusetzen.

Wir haben das Recht zu regieren und uns selbst zu regieren, in Einklang mit unseren eigenen Gedanken, in jedem Bezirk und in jedem Staat der Mexikanischen Republik.

Niemand kann uns daran hindern, geschweige denn dafür einsperren, die Rechte, die uns zustehen, auszuüben.

Jetzt ist es an der Zeit, die Autonomie der indigenen Völker in die Praxis umzusetzen und in ganz Mexiko nach ihr zu handeln. Niemand muss um Erlaubnis bitten, um eigene autonome Bezirke zu gründen.

Genau so wie wir, die das tun und praktizieren, nicht um Erlaubnis gebeten haben.

Auch wenn die schlechte Regierung es nicht anerkennt, ist das für uns unser Gesetz, und wir werden uns damit verteidigen.

Wir laden ebenfalls alle ein, indigene Brüder und Schwestern, es zu umarmen und ihre Autonomie und Autoritäten aufzubauen, so dass die Regierung von Mexiko gehorchend regieren soll, und um die San Andrés Abkommen zu verteidigen und anzuwenden.

Gleichzeitig laden wir alle indigenen mexikanischen Frauen ein, sich zu organisieren, damit wir gemeinsam die Autonomie ausüben und unsere Rechte praktizieren können, die uns als Frauen zustehen.

Es ist nicht länger der Augenblick zu schweigen oder uns von Männer demütigen zu lassen, oder sie um den Gefallen zu bitten, uns zu respektieren. Jetzt ist der Augenblick selbst zu handeln und die Männer dazu zu bringen unsere Rechte zu achten. Denn wenn wir das nicht tun, wird es niemand für uns tun. Es liegt nun an uns, Männer und Frauen, zu handeln und weiterzumachen, um unsere Autonomie aufzubauen und sie vorwärts zu bringen.

Das sind meine Worte.

Demokratie!
Freiheit!
Gerechtigkeit!


Aus den Bergen des mexikanischen Südostens.

Für das Geheime Revolutionäre Indigene Komitee - Generalkommando der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung.

Mexiko, 9. August, 2003


* * *

(übs. von Dana)



-> Startseite Gruppe B.A.S.T.A.