- Erklärung vom YA-BASTA-NETZ zum 8. Mai 2010 -
Erklärung vom YA-BASTA-NETZ zum 8. Mai 2010
Vom 7.-9. Mai 2010 lädt das Ya-Basta-Netz zu einem "Rebellischen Zusammenkommen"
in Frankfurt/Main, In der Au 14-16 ein.
Seit einem Jahr diskutieren und basteln wir an einem Versuch, Menschen
von unten und links zusammenzubringen, zu einem Treffen, bei dem wir
reden, zuhören und feiern wollen. Unser Ziel ist, uns stärker zu
verflechten, uns gegenseitig zu unterstützen in unseren jeweiligen
Kämpfen und Initiativen und offen zu sein für Menschen die einen
politischen Ort jenseits von Parteien, Dogmatismus und Hierarchien
suchen. Wir wollen so der herrschenden kapitalistischen
Verwertungslogik, die nur Armut, Krieg und Zerstörung für Menschen und
Natur hervorbringt, gemeinsam und langfristig etwas entgegensetzen.
Europaweit wird der 8.Mai als Tag der Befreiung vom Faschismus und von
den deutschen Besatzern und ihren Verbündeten gefeiert. Es ist der Tag
des Sieges der PartisanInnenarmee auf dem Balkan, der PartisanInnen in
Griechenland, in Osteuropa, der Sowjetunion, der Widerstandsgruppen in
den von den Faschisten besetzten Ländern Westeuropas, der Resistance in
Frankreich und der Armeen der Allierten.
Es war der Tag der Befreiung für die überlebenden Menschen in den
faschistischen Vernichtungslagern und ein Tag der Hoffnung auch für die
Widerstandsgruppen in Deutschland.
Für die meisten Menschen in Deutschland und für die gesamte
administrative und institutionelle Herrschaftsclique aber war es ein Tag
der Kapitulation, der militärischen Niederlage.
Zumindest in Westdeutschland gab es nie die Stunde Null, die Stunde des
Neuanfangs.
Sowohl die Justiz als auch die Polizeien, der Geheimdienst, die Medien
und die sogenannte politische Mitte der Parteien waren durchsetzt von
“entnazifizierten” FaschistInnen. Sie prägten personell und inhaltlich die
Bundesrepublik Deutschland über Jahrzehnte hinweg.
Die wenigen AntifaschistInnen, die sowohl die Säuberungen von 1933 bis
1936 (denn die FaschistInnen waren klug genug, zuerst mal den potentiellen
Widerstand zu kriminalisieren, wegzusperren und umzubringen), als auch
Zuchthaus, Konzentrationslager und Exil überlebt haben, wurden bei ihrer
Rückkehr in die BRD schnell als VerräterInnen gebrandmarkt und bald
erneut kriminalisiert.
Seit Bestehen der BRD wurden AntifaschistInnen zu GegnerInnen des
herrschenden Systems erklärt. Was uns betrifft, können wir dem nur
zustimmen, liegt doch eine der Wurzeln des deutschen Faschismus im
kapitalistischen System.
Aber auch in der DDR hat der staatlich verordnete Antifaschismus nicht
zur Überwindung des faschistischen Gedankengutes geführt.
Der Kampf gegen den Faschismus und die FaschistInnen ist nach wie vor
nicht vorbei, auch wenn die TrägerInnen des Nazifaschismus schon fast
ausgestorben sind – ihre NachfolgerInnen sind noch immer da.
Herrenrassenideologie, die Überlegenheit der westlichen “Zivilisation”
über den Rest der Welt, Rassismus, Antisemitismus, Menschenverachtung
und das Recht des Stärkeren prägen die Gesellschaft, in der wir leben.
Auch deswegen wollen wir zusammentreffen. Es geht darum, diesem
tödlichen Konsens ganz deutlich sichtbar an den Grenzen der Festung
Europa ein emanzipatorisches, solidarisches und basisdemokratisches
Flechtwerk entgegenzusetzen, in dem es weder Hierarchien noch
Machtzentren braucht.
Am 8.Mai 2010 wollen FaschistInnen in Wiesbaden demonstrieren. Diese
Demonstration soll nach bewährtem Beispiel blockiert und verhindert
werden. Die Ordnungsdezernentin von Wiebaden hat mittlerweile die
Blockaden für illegal erklärt.
Auch wir, das Ya-Basta-Netz, rufen auf, den faschistischen Aufmarsch am
65. Jahrestag der Befreiung zu verhindern.
Trotzdem wird unser “Rebellisches Zusammenkommen” wie geplant
stattfinden. Wir halten es für genauso wichtig, uns weiterzuentwickeln
und gemeinsam stärker zu werden. Nicht zuletzt, um diese Normalität
ständig, an jedem Punkt und tagtäglich von unten zu durchbrechen.
KEIN VERGEBEN – KEIN VERGESSEN!
DEN FASCHISTISCHEN AUFMARSCH AM 8.MAI IN WIESBADEN VERHINDERN!
YA-BASTA-NETZ, im April 2010