Düsseldorf, 27.11. bis 16.12. // Veranstaltungsreihe des AKKT: Aspekte des Antisemitismus

Kategorie: News

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Aspekte des Antisemitismus" wird am 27.11.2013 Paul Mentz zum Thema "An­ti­se­mi­tis­mus und au­to­ri­tä­rer Cha­rak­ter" sprechen, am 11.12. wird Ljil­ja­na Ra­do­nic zum Thema "Die fried­fer­ti­ge An­ti­se­mi­tin? - Vom weib­li­chen Op­fer­my­thos" referieren und abschließend wird am 16.12. Alex Feu­er­herdt über "Die un­heim­li­che Po­pu­la­ri­tät der "Is­rael­kri­tik" berichten.

Alle Veranstaltungen finden im Ge­bäu­de 24.21, Raum 02.​61/​62 an der FH Düs­sel­dorf, Fach­be­reich So­zi­al- und Kul­tur­wis­sen­schaf­ten, Uni­ver­si­täts­str. in 40225 Düs­sel­dorf statt.

Weitere Informationen unter: http://akkt.blogsport.de/

Hier die Ankündigungstexte:

Paul Mentz ? ?An­ti­se­mi­tis­mus und au­to­ri­tä­rer Cha­rak­ter?
27.​11.​2013 ? 19:30 Uhr FH Düs­sel­dorf-​ Fach­be­reich So­zi­al-​ und Kul­tur­wis­sen­schaf­ten, Uni­ver­si­täts­str, 40225 Düs­sel­dorf,
Ge­bäu­de 24.​21, Raum 02.​61/​62

Ein Vor­trag zur Kri­tik des An­ti­se­mi­tis­mus steht, um es mit den Wor­ten des Pol­ni­schen Phi­lo­so­phen Les­zek Kołakow­ski aus­zu­drü­cken, vor dem Pro­blem, dass es sich beim An­ti­se­mi­tis­mus um keine Dok­trin han­delt, ?die man kri­ti­sie­ren kann, son­dern [um] eine Hal­tung, deren so­zia­le Wur­zeln so ge­ar­tet sind, daß sie nach kei­ner Be­grün­dung su­chen muß.? Die Vor­stel­lung, man könn­te einen An­ti­se­mi­ten mit­tels im­ma­nen­ter Kri­tik zur Ver­nunft brin­gen und ihn von der Ir­ra­tio­na­li­tät sei­nes An­lie­gens über­zeu­gen, ist naiv, in­so­fern die Den­kart des An­ti­se­mi­tis­mus auf einem Re­flex be­ruht, der im un­ver­söhn­li­chen Ge­gen­satz zu Theo­rie und Wis­sen­schaft steht. ?Davon hat sich jeder über­zeugt, der Ge­le­gen­heit hatte, mit einem An­ti­se­mi­ten eine jener hoff­nungs­lo­sen Dis­kus­sio­nen zu füh­ren, die immer dem Ver­such äh­neln, einem Tier das Spre­chen bei­zu­brin­gen.? Im Ge­gen­satz zu Ideo­lo­gi­en, die mit­tels im­ma­nen­ter Kri­tik auf­zu­bre­chen sind, han­delt es sich Det­lev Claus­sen zu­fol­ge bei dem An­ti­se­mi­tis­mus um ?eine ge­walt­tä­ti­ge Pra­xis und eine Recht­fer­ti­gung der Ge­walt zu­gleich?. In­so­fern der An­ti­se­mi­tis­mus auf einem ?Reiz kon­for­mis­ti­scher Re­bel­li­on? fun­diert, ist es aus­sichts­los, der an­ti­se­mi­ti­schen Logik die ei­ge­nen im­ma­nen­ten Wi­der­sprü­che auf­zu­zei­gen, zu­gleich gilt es aber fest­zu­hal­ten, dass der An­ti­se­mi­tis­mus ge­sell­schaft­li­che Ur­sa­chen hat. Um die Wir­kungs­mäch­tig­keit des An­ti­se­mi­tis­mus als Re­sul­tat einer ge­schei­ter­ten Auf­klä­rung in sei­ner To­ta­li­tät näher zu be­stim­men, sol­len so­wohl die his­to­ri­sche Ge­ne­se des An­ti­se­mi­tis­mus, wie auch des­sen Grund­la­gen in der po­li­ti­schen Öko­no­mie, und der Psy­che der Sub­jek­te un­ter­sucht wer­den.

Paul Mentz hat in Bo­chum Phi­lo­so­phie und So­zio­lo­gie stu­diert und plant in nicht allzu fer­ner Zu­kunft über den Frei­heits­be­griff bei Theo­dor W. Ador­no zu pro­mo­vie­ren.

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Ljil­ja­na Ra­do­nic ? ?Die fried­fer­ti­ge An­ti­se­mi­tin? ? Vom weib­li­chen Op­fer­my­thos?
11.​12.​2013 ? 19:30 Uhr FH Düs­sel­dorf-​ Fach­be­reich So­zi­al-​ und Kul­tur­wis­sen­schaf­ten, Uni­ver­si­täts­str, 40225 Düs­sel­dorf,
Ge­bäu­de 24.​21, Raum 02.​61/​62

Haben Frau­en das­sel­be Be­dürf­nis wie Män­ner, un­er­laub­te Re­gun­gen auf ?Sün­den­bö­cke? zu pro­ji­zie­ren oder sind sie zu ag­gres­si­vem Ver­hal­ten und An­ti­se­mi­tis­mus gar nicht fähig? Sind Frau­en tat­säch­lich das ?fried­fer­ti­ge Ge­schlecht? wie M. Mit­scher­lich be­haup­tet?

Jah­re­lang hat die ?neue Frau­en­be­we­gung? im Sinne einer iden­ti­täts­stif­ten­den Ge­schichts­schrei­bung ein po­si­ti­ves Bild von ?der Frau? im NS ge­zeich­net, was nicht sel­ten zu einer den Ho­lo­caust ver­harm­lo­sen­den und an­ti­se­mi­ti­schen Ar­gu­men­ta­ti­on führt(e). Ent­ge­gen der Tat­sa­che, dass Frau­en als KZ-​Auf­se­he­rin­nen, De­nun­zi­an­tin­nen oder Für­sor­ge­rin­nen an der an­ti­se­mi­ti­schen Aus­gren­zung und Ver­nich­tung von Jü­din­nen und Juden be­geis­tert mit­wirk­ten, wer­den sie in fe­mi­nis­ti­schen Schrif­ten oft auch, im Wi­der­spruch zu dem obi­gen po­si­ti­ven Bild, gerne als auf die Mut­ter­rol­le re­du­zier­te ?Ge­bär­ma­schi­nen? (Re­na­te Wig­gers­haus) dar­ge­stellt. Wäh­rend 1988 zum Jahr des Ho­lo­causts an den Frau­en er­klärt wurde, gaben fe­mi­nis­ti­sche Theo­lo­gin­nen dem Ju­den­tum die Schuld am Un­ter­gang des Ma­tri­ar­chats, dem Pa­tri­ar­chat wei­ters die Schuld am Na­tio­nal­so­zia­lis­mus? Wie die Schuld­ket­te wei­ter­geht, kann man bei Gerda Wei­ler nach­le­sen ? ein fe­mi­nis­ti­scher Fall von Täter(innen)-​Op­fer-​Um­kehr.

Ist dem fe­mi­nis­ti­schen Op­fer­my­thos seine Grund­la­ge ent­zo­gen, so lässt sich auf Basis einer kri­ti­schen Theo­rie des An­ti­se­mi­tis­mus die Frage stel­len, ob der An­ti­se­mi­tis­mus bei Frau­en und Män­nern die glei­chen Be­dürf­nis­se be­frie­digt, oder ob ent­spre­chend der ver­schie­de­nen Ge­schlech­ter­rol­len un­ter­schied­li­che In­hal­te pro­ji­ziert wer­den. Und wel­che Rolle spielt dabei die Ent­wick­lung zu einer ?va­ter­lo­sen Ge­sell­schaft?, in der cha­rak­ter­lo­se Cha­rak­te­re die au­to­ri­tä­re Per­sön­lich­keit ab­lö­sen?

Ljil­ja­na Ra­do­nic ist Lehr­be­auf­trag­te am Wie­ner In­sti­tut für Po­li­tik­wis­sen­schaft. ?Die fried­fer­ti­ge An­ti­se­mi­tin? Kri­ti­sche Theo­rie über Ge­schlech­ter­ver­hält­nis und An­ti­se­mi­tis­mus? ist 2004 im Peter Lang-​Ver­lag er­schie­nen.

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Alex Feu­er­herdt ? ?Die un­heim­li­che Po­pu­la­ri­tät der ?Is­rael­kri­tik?
16.​12.​2013 ? 19:30 Uhr FH Düs­sel­dorf-​ Fach­be­reich So­zi­al-​ und Kul­tur­wis­sen­schaf­ten, Uni­ver­si­täts­str, 40225 Düs­sel­dorf,
Ge­bäu­de 24.​21, Raum 02.​61/​62

38,4 Pro­zent der Deut­schen ver­tre­ten einer Um­fra­ge zu­fol­ge die An­sicht: ?Bei der Po­li­tik, die Is­ra­el macht, kann ich gut ver­ste­hen, dass man etwas gegen Juden hat.? 39,5 Pro­zent glau­ben: ?Viele Juden ver­su­chen, aus der Ver­gan­gen­heit des Drit­ten Rei­ches heute ihren Vor­teil zu zie­hen.? Und gar 57,3 Pro­zent mei­nen: ?Is­ra­el führt einen Ver­nich­tungs­krieg gegen die Pa­läs­ti­nen­ser.? Die po­pu­lä­re Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­t i­on ?Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal? be­zich­tigt den jü­di­schen Staat wahr­heits­wid­rig, den Pa­läs­ti­nen­sern das Was­ser zu steh­len und sie da­durch an den Rand des Ver­durs­tens zu brin­gen. Die weit­aus meis­ten west­li­chen Po­li­ti­ker be­trach­ten nicht etwa das ira­ni­sche Atom­pro­gramm oder Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen wie die Hamas und die His­bol­lah, son­dern die is­rae­li­schen Sied­lun­gen in den um­strit­te­nen Ge­bie­ten als ?Haupt­hin­der­nis für den Frie­den im Nahen Osten? und sind hell­auf em­pört, wenn ihnen die Frage ge­stellt wird, warum Juden in einem pro­spek­ti­ven pa­läs­ti­nen­si­schen Staat ei­gent­lich nicht leben dür­fen sol­len. Das Feuille­ton springt na­he­zu uni­so­no einem deut­schen Pu­bli­zis­ten bei, der Is­ra­el in sei­nen Ko­lum­nen re­gel­mä­ßig mit mar­ki­gen Wor­ten at­ta­ckiert und de­le­gi­ti­miert, wenn genau dies von einer ame­ri­ka­ni­schen Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­t i­on zum An­lass ge­nom­men wird, die Aus­fäl­le die­ses Pu­bli­zis­ten in eine Liste der übels­ten an­ti­se­mi­ti­schen und an­ti­is­rae­li­schen Äu­ße­run­gen auf­zu­neh­men.

Wie kommt es, dass Is­ra­el immer wie­der dä­mo­ni­siert und ihm de facto das Recht ab­ge­spro­chen wird, sich gegen seine Fein­de zur Wehr zu set­zen? Warum wird die­sen Fein­den so viel Ver­ständ­nis ge­zollt oder gar Sym­pa­thie ent­ge­gen ge­bracht? Wes­halb ist die so ge­nann­te Is­ra­el­kri­tik vor allem hier­zu­lan­de so un­ge­heu­er po­pu­lär, und was treibt sie an ? in der Po­li­tik, in den Me­di­en, in der Be­völ­ke­rung?

Alex Feu­er­herdt ist frei­er Autor und lebt in Köln. Er schreibt re­gel­mä­ßig für ver­schie­de­ne Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten zu den The­men An­ti­se­mi­tis­mus und Nah­ost, unter an­de­rem für die Jü­di­sche All­ge­mei­ne, Kon­kret, den Ta­ges­spie­gel und die Jung­le World.

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