Oberhausen, 02.02. // "Materialistische Naturbegriffe und Kritik herrschender Naturvorstellungen" Vortrag & Diskussion mit CHRISTOPH PLUTTE (Berlin)
Kann die Kritik an den herrschenden Vorstellungen von Natur und den Naturwissenschaften politisiert und zum Aktionsfeld kommunistischer Kritik gemacht werden?
In jeder historischen Epoche werden bestimmte Vorstellungen von Natur ausgebildet, in denen sich die gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnisse vielfach widerspiegeln. Die Naturvorstellungen des Mittelalters wurden von der Kirche sanktioniert und überwacht, die die gesellschaftliche und ständische Ordnung in der himmlischen und natürlichen Ordnung zu verdoppeln suchte. Daher bekämpfte die Kirche vehement alle Versuche, das starre Bild der von Gott geschaffenen Natur aufzuweichen. Unter ihren zahlreichen Gegnern haben insbesondere die Materialisten im Vorfeld der französischen Revolution die Naturphilosophie dazu benutzt, am Gegenstand von Natur und Mensch, Seele und Körper und in naturphilosophischen Begriffen über die Gesellschaft zu sprechen, revolutionäre Gedanken zu entwickeln und den Sturz des Königs zu fordern.
Seitdem hat sich viel verändert und die Naturanschauung unterliegt keiner Zensur von Staat und Kirche mehr und auch die politische Herrschaft stützt sich nicht mehr auf unhinterfragbare Wahrheiten, sondern eher auf ein konfuses Durcheinander von Meinungen. Nicht mehr der Zweifel an sog. ewigen Wahrheiten ist ein Skandal, sondern die selbstbewusste Behauptung, wahre Aussagen über die Ursachen der gesellschaftlichen Misere treffen zu können.
Dabei gehe ich u.a. von den Versuchen von Friedrich Engels aus, einen dialektisch-materialistischen Begriff von Natur zu entwickeln. Wenn von linker und kommunistischer Seite naturwissenschaftliche Anschauungen und Theorien kritisiert werden, dann bezieht sich die Kritik häufig auf Naturwissenschaftler, die naturwissenschaftliche Theorien auf soziale Phänomene übertragen wie z.B. beim Sozialdarwinismus oder gegenwärtig bei Hirnforschern und Gentechnikern. Die Frage ist aus meiner Sicht, inwiefern ein materialistisch-dialektischer Naturbegriff dabei helfen kann, nicht nur diese falschen Übertragungen und Biologisierungen zu kritisieren, sondern diesen an der Wurzel ein anderes Naturverständnis entgegenzusetzen. Schließlich erscheint die erkenntnistheoretische Selbstbeschränkung in den Naturwissenschaften – keine Begriffe von Natur, sondern nur Modelle zur Berechnung von Naturphänomenen liefern zu wollen – ein Pedant zur Behauptung zu sein, das menschliche Elend und die gesellschaftlichen Missstände nicht abschaffen, sondern nur sozialdemokratisch lindern zu können.
Im Vortrag möchte ich versuchen diese Gedanken vor dem Hintergrund der materialistischen Naturphilosophie der französischen Aufklärung und der ›Dialektik der Natur‹ von Friedrich Engels, die in gewisser Weise ihre Weiterentwicklung ist, auszuführen.
Donnerstag, 2. Februar 2012, 20:00, Druckluft, Am Förderturm 27, Oberhausen
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Aachen, 04.02. // Antifa-Demo gegen Nazistrukturen in Aachen
In der Region Aachen ist seit einigen Jahren ein verstärktes Auftreten von militanten Neonazis zu beobachten. Hauptakteure sind die Kameradschaft Aachener Land (KAL), die dieses Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert, und die NPD, inhaltlich und personell ineinander verzahnt. Bei beiden handelt es sich um Organisationen, die den NS-Faschismus verherrlichen, faschistische und rassistische Menschenbilder propagieren und Menschen bekämpfen, die entweder nicht in ihr rassistisches Weltbild passen oder die sie als politische Gegner_innen wahrnehmen.
Neben direkten Angriffen auf politisch Unliebsame führen KAL und NPD in der Region verstärkt Aufmärsche durch. Seit 2008 marschieren sie jährlich zweimal in Stolberg auf, um dort gegen eine herbei fantasierte „Inländerfeindlichkeit“ zu demonstrieren und die dort lebenden Migrant_innen zu bedrohen. In Aachen selbst fanden in den letzten vier Jahren insgesamt vier neonazistische Demonstrationen statt. Zu beobachten ist eine zunehmende neonazistische Organisierung verbunden mit dem Bestreben sich in der Stadt breit zu machen. Dem wollen wir etwas entgegensetzen! Deswegen gehen wir am 04.02.2012 um 18h auf die Straße und zeigen den Nazis, dass sie weder in Aachen noch sonst wo etwas zu suchen haben und ihre faschistische Propaganda auf Widerstand stößt!
Antifaschistische Demonstration | Sa. 4. Februar 2012 | 18 Uhr AZ Aachen» Weitere Infos zu dieser Nachricht (extern)
Düsseldorf, 22.02. // “Dynamit der Zehntelsekunden” — Benjamin, Brecht, Adorno und das Kino. Vortrag von Christoph Hesse
Kino ist gediegene Unterhaltung, ähnlich wie das aus dem bürgerlichen Zeitalter übriggebliebene Theater. Der Film hat unterdessen längst Platz genommen in neueren Medien, die ihn wie ein altes liebgewonnenes Möbelstück aussehen lassen, auf dem der zur Rastlosigkeit verhaltene Überallhinschauer ein paar Augenblicke verweilen kann. Die explosive Kraft, die man ihm einst zutraute in der Hoffnung, damit der Enge der eigenen bürgerlichen Existenz zu entkommen oder gar die gesellschaftliche Ordnung als ganze zu sprengen, scheint unwiederbringlich verpufft. Ob der Film die ihm zugeschriebene Kraft einem anderen, neueren Medium übertragen konnte, bleibt fraglich. Eine so pathetische Kontroverse, wie er sie in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts provoziert hat, wurde seither jedenfalls um kein Medium mehr geführt, Computer und Internet einbegriffen. In der Beurteilung des Films ging es nicht sowohl um Kunst, Wahrnehmung, Technik als um Gesellschaft und Revolution. Walter Benjamin und Theodor W. Adorno, zwischen ihnen Bertolt Brecht, sollen als Zeugen aufgerufen werden in einem nunmehr historischen Prozeß, in dem das revolutionäre Medium Film, stellvertretend für die höchsten Hoffnungen einer Epoche, zu einem Medium der Kulturindustrie verurteilt wurde. Diese Strafe hat der Film anscheinend noch auf unabsehbare Zeit zu verbüßen.
Christoph Hesse ist Filmwissenschaftler. Er arbeitet an der FU Berlin an einem Forschungsprojekt zur Filmarbeit deutschsprachiger Emigranten in der Sowjetunion der 1930er und 40er Jahre.
22.02.2012, 19.30 Uhr, Zakk, Fichtenstraße 40, 40233 Düsseldorf» Weitere Infos zu dieser Nachricht (extern)
